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"Ich lass mir von fremden Leuten in die Eier hauen" – So machen Österreicher mit Liebeskummer Party

Wir haben Wiener Jungs gefragt, wie sie Party machen, wenn sie Liebeskummer haben.

von Samantha Tobisch
21 September 2016, 1:13pm

Header Infos findest du im Artikel weiter unten

Der Sommer ist vorbei und du nüchterst schön langsam aus. Was bleibt, ist die bittere Realität und die Tatsache, dass die Dame deines Herzens durch diese Realität auch gleich zur Vernunft gekommen ist. Und du weißt es auch selbst: Dass sie dich abserviert hat, ist vermutlich tatsächlich das Vernünftigste. Trotzdem tut es dir weh und du hast keinen Schimmer, wie du mit diesen neuen Gefühlen umgehen sollst?

Du würdest gerne wieder am regen Nachtleben teilnehmen können, aber du hast Angst, dass euer gemeinsamer Super-Sommer-Love-Techhouse-Track dich zum Heulen bringt?

Don't Panic! Denn ich hab die kompetentesten Jungs in meinem Bekanntenkreis gefragt, wie sie Party machen, wenn sie Liebeskummer haben und welcher Song ihnen ein Stich ins Herz fetzt. Damit du auch mal andere Songs zum Heulen hast.

Also: Hier der Guide von Experten, extra für dich zum Nachmachen. Oder zum besser Nicht-nachmachen.

Josef, 27

"Wenn ich Liebeskummer habe, mache ich Halligalli-Drecksau-Party und lenke mich mit Schlampen ab. Verarbeite danach aber alles weinend wie jeder andere. Dazu hör ich von Adele 'Someone Like You'."

Gabriel, 26

"Einfach einen mit den Homies zu kippen, ist mir zu Mainstream. Ich lasse mir von fremden Leuten in die Eier hauen, damit der physische Schmerz den psychischen neutralisiert. Bei jedem aufkommenden Gedanken bestelle ich einen Shot. Wenn dann die Realität wieder auf meine Schulter klopft, höre ich Chopins Nocture op.9 No.2., weil dieses Stück tiefer als jede Seele ist."

Hier eine Herz-Schmerz-Scheibe von seiner Band:

Severin, 25

"Party mache ich dann weniger. Ich schieß mich nicht weg und treffe Leute, die ich echt mag. Ich versuche auf Drogen zu verzichten, weil ich sonst in eine arge Depri-Spirale komm. Auf keinen Fall mache ich Party, wo schöne Menschen sind. Lieber im Grind-Beisl saufen und Dankbarkeit erhalten, weil die Kellnerin sonst nie so gut getippt und behandelt wird, wenn sie einem eine einstürzende Schaumkrone hinstellt. Das tut gut."

Pascal*, 27

"Bei mir gab es ein einziges Mal eine hinige Nacht—bei Matador in der Marx Halle. Das war auch eines der wenigen Male, bei dem ich mich bis am nächsten Abend weggeschossen hab. Nur, um über nichts Reales nachdenken zu müssen. Den Tag danach würde ich, wenn ich könnte, gern aus meinen Erinnerungen streichen. So hat das bei mir ausgeschaut. Aber eine generelle Antwort darauf, wie ich das bei Liebeskummer "immer" mache, kann ich leider nicht geben. Weil, bis auf das eine Mal, mich kaum wieder etwas wirklich mitgenommen hat. Aber eines kann ich schon sagen: So wie in dieser Nacht würd ich es nicht wieder machen!"

Patrick, 27

"Wie ich Party mach dabei? Ich gehe fort und sauf mich an—auch, wenn ich Liebeskummer habe, weil daheim bleiben und weinen, ist für die Fische. Oder ich rede mit Freunden darüber. Gibt's aber auch nur zwei bis drei, mit denen ich so etwas besprechen würde. Einen Liebeskummer-Song hab ich keinen, ich höre immer Minimal-Techno."

Johannes*, 25

"Es kommt immer darauf an, wie stark dieses Gefühl gerade präsent ist und wie es mich dadurch einnimmt. Es gibt Nächte, wo es kaum bis gar nicht da ist und ich 'ganz normal' feiern kann. Allerdings kann das auch von einem Moment auf den anderen sehr schnell umschwanken und mich mit einem Mal komplett einnehmen beziehungsweise umklammern, sodass es mich nicht mehr loslässt. Vielleicht will ich manchmal auch gar nicht, dass es das tut. Es ist wie eine toxische Umarmung—im Grunde 'vergiftet' sie dich langsam, dennoch will man in ihrer verständnisvollen, fast wohltuenden Art und Weise, darin verweilen.

Um die auszulösen, braucht es nur ne kurze Erinnerung, ein bestimmter Geruch oder ein sonstiger Einfluss der Außenwelt oder von Personen. Oder ein Lied, das auf irgendeiner Weise mit dieser Person verbunden ist, eine bestimmte Passage oder Melodie. In solchen Situationen bin ich dann sehr in mich gekehrt und ruhig. Höre Gesprächen nur mehr zu, ohne mich daran (aktiv) zu beteiligen. Versuche, mich so abzulenken, ohne wirklich abgelenkt werden zu wollen. Oder ich führe dann philosophische Gespräche zu zweit—aus partytechnischer Sicht meiner Freunde kann man mich wahrscheinlich eher zum Party machen vergessen."

Header: Die beiden armen Sad-Boys Gabriel und Severin. Weiteres Bildmaterial via Flickr | Mio Miranda & Letizia Barbi | CC BY 2.0, CC BY-SA 2.0 | Grafik von der Autorin | *Name von der Redaktion geändert

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