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„Zugführer alle nach Auschwitz“ – YouTuber Julien wegen Volksverhetzung zu Bewährungsstrafe verurteilt

Der Betreiber von ‚Juliens Blog' muss jetzt erklären, warum es so besonders lustig ist, den GDL-Lokführern mit Vergasung zu drohen.

Screenshot: Youtube

UPDATE: Den Westfälischen Nachrichten zufolge hat am Mittwoch das Amtsgericht Tecklenburg Julien wegen Volksverhetzung verurteilt. Julien muss nun nicht nur 15.000 Euro zahlen, sondern auch für 8 Monate in den Knast, wenn er sich in der Bewährungsfrist von drei Jahren noch mal etwas zu Schulden kommen lässt. Ach ja. Und die Prozesskosten muss er natürlich auch zahlen.

Wer sich in diesen Tagen so richtig Bestätigung abholen möchte, der regt sich über den Bahnstreik auf. Je länger der Showdown zwischen GDL und Bahn dauert, desto mehr Hobby-Demagogen fühlen sich berufen, gegen die Lokführer zu wettern. Weil die Springer-Presse das aber schon seit Wochen mit ziemlich hoher Feuerrate tut, muss man mittlerweile schon ganz schön laut schreien, wenn man noch gehört (und geliket) werden will.

JuliensBlog hat sich in einem Interview zu dem Thema geäußert.

Vor ein paar Tagen hat der Schauspieler Jan Leyk das ganz gut vorgemacht, als er die Lokführer in einem Facebook-Post Anfang Mai als „verpimmelte Vollspastis" und „unter Alkohol entstandene Fickfehler" bezeichnete und sie dann aufforderte, sich kollektiv umzubringen. „Viel mehr Beleidigung ist kaum vorstellbar", schrieb ein entsetzter Jurist damals dazu. Offenbar hatte er nicht mit JuliensBlog gerechnet.

JuliensBlog ist ein eigentlich kein Blog, sondern der Youtube-Kanal eines 26-Jährigen, der mit fast 1,25 Millionen Abonnenten zu den Top 20 der beliebtesten YouTubern Deutschlands gehört. Am Dienstag hat dieser YouTuber also beschlossen, seinen Senf zum GDL-Streik zu geben—und ist damit ziemlich übers Ziel hinausgeschossen.

Der Großteil des fast fünfminütigen Videos besteht im Grunde aus Beleidigungen im Stil Jan Leyks. Immerhin macht Julien sich die Mühe, die Forderungen der GDL durchzugehen, um sie dann als Gejammer von „austauschbaren Nullnummern" oder „irrelevanten Spasten" in der „Hurensohnarmee" zu beschimpfen. Irgendwann scheint das aber nicht mehr zu reichen, also greift er zum letzten Register. Da heißt es dann:

„Vergasen sollte man diese Mistviecher. Wisst ihr noch, wie die Juden mit Zügen nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dahin bringen. Ich fahr' auch den Zug, und zwar umsonst."

Das Ganze natürlich unterlegt mit Bildern von Auschwitz, damit auch niemand diese Widerwärtigkeit verpasst. Hat auch keiner, und mehr als 34.000 Menschen haben dem Video jetzt schon Daumen hoch gegeben. „Der @JuliensBlog sagt das, was ich mich nicht traue auf Youtuber [sic] auszusprechen", schreibt ein anderer YouTuber. „I like. Soo hart!"

Mittlerweile sind aber auch die Erwachsenen auf das Video aufmerksam geworden, und so langsam wird es ungemütlich für JuliensBlog. Die ersten Anzeigen wurden bereits gestellt, Google will sich das Video noch mal anschauen, und die Münchner Polizei hat sich schon eingeschaltet, um zu prüfen, ob die Aussagen strafrechtlich relevant sind.

Inzwischen scheint sogar der Urheber selber gemerkt zu haben, dass er zu weit gegangen ist. Auf Twitter ist eine etwas wirre Stellungnahme aufgetaucht, in der er erklärt: „Es ging eigentlich um die Korrelation zwischen den Zügen von damals und den Zügen von heute und das [sic] die Zugführer von heute zu Zugpassagieren von damals gemacht werden." Aha. Und weiter: „Natürlich soll niemand vergast werden, auch wenn das Streikrecht vergewaltigt [sic] wird und Machtspiele gespielt werden."

Zur Sicherheit erklärt der Pausen-Polemiker dann noch mal den Witz: „Die ‚Pointe' in der es heißt, dass ich umsonst den Zug fahren würde OHNE zu streiken ist der Hauptgrund für das extreme Beispiel. [sic]" Und schließlich die Allzweckverteidigung: „Das soll schwarzer Humor sein."

Aha. Danke, dass du es so griffig auf den Punkt gebracht hast: Das soll schwarzer Humor sein, ist aber keiner. Das ist auch keine gelungene Satire, sondern einfach nur ein menschenverachtender, auf erbärmliche Art und Weise nach Applaus heischender Kleinbürger-Wutanfall. Der einzige Unterschied zu Jan Leyk ist der alberne Stimmverzerrer und die plumpe Holocaust-Verhöhnung. Wenn das einer der beliebtesten Satiriker der YouTube-Generation ist, dann könnte man dringend darüber nachdenken, ihnen die Computer wieder wegzunehmen.

Isso.