VICEhttps://www.vice.com/deRSS feed for https://www.vice.comdeWed, 19 Dec 2018 14:41:06 +0000<![CDATA[Queere Menschen erzählen, wie sie Homofeindlichkeit auf dem Land erlebt haben]]>https://www.vice.com/de/article/4398nb/queere-menschen-erzahlen-homofeindlichkeit-land-homosexualitat-homophobie-schweizWed, 19 Dec 2018 14:41:06 +0000In den großen Städten der Schweiz gibt es einige Clubs und Bars für queere Menschen, auf dem Dorf höchstens eine Eckkneipe. Besonders in Zürich ist die Gay-Szene groß. In der Weihnachtszeit glitzern nicht nur die Lichter der Zürcher Bahnhofstraße, sondern auch die Fummel der Dragqueens. Und wenn LGBTQ-Personen während der Zürcher Pride die Regenbogenflagge schwingen und durch die Stadt tanzen, scheint es niemanden zu stören. Doch fährt man mit dem Zug ein paar Stationen weiter ins ländliche Gebiet, ist es noch lange nicht selbstverständlich, wenn sich zwei Frauen oder zwei Männer auf der Straße küssen. Je weiter man sich von einer Stadt entfernt, desto kleiner wird die queere Szene.

In den kleinen Schweizer Dörfern spricht es sich schnell herum, wenn sich jemand als homosexuelle Person outet. Besonders in ländlich und katholisch geprägten Kantonen werden LGBTQ-Personen deswegen diskriminiert. Viele ziehen daher vom Dorf in die anonymere, aber oft auch offenere Großstädte. Auch wenn Ende November beschlossen wurde, dass ein neuer Gesetzesartikel Homosexuelle vor Hatespeech schützen soll, leiden sie in der Schweiz noch immer unter Anfeindungen. Besonders subtile Homofeindlichkeit, wie missbilligende Blicke, oder Jugendliche, die "schwul" als Beleidigung verwenden, lässt sich schwer bekämpfen.

Wir haben mit queeren Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind, darüber gesprochen, wie sie Homofeindlichkeit erlebt haben.

"Ich bin noch heute nicht gerne in Muttenz unterwegs, weil ich die Leute von damals nicht antreffen möchte" – Lukas, 27

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<![CDATA[Ich habe eine Woche lang versucht, Weihnachten nicht zu hassen]]>https://www.vice.com/de/article/xwjpyk/ich-habe-eine-woche-lang-versucht-weihnachten-nicht-zu-hassenWed, 19 Dec 2018 12:49:12 +0000Ich bin kein sonderlich fröhlicher Mensch. In meinem Leben habe ich schon mehr langsame Rentner auf Rolltreppen ermahnt, als ich an dieser Stelle zugeben möchte. Und eine Autofahrt mit mir beweist abermals, dass die Hupe nicht nur als Warnsignal, sondern auch als nonverbale Beschimpfung eingesetzt werden kann.

Meinen absoluten Höhepunkt der Misanthropie erreiche ich allerdings im Dezember. Während andere Menschen sich einreden, für absolut jeden, der ihnen im vergangenen Jahr auch nur einmal kurz "Hallo" zugeworfen hat, ein Geschenk kaufen zu müssen, sitze ich nicht selten alleine zu Hause und überlege grinch-artig, wie ich meine Freunde darüber aufklären kann, dass Weihnachten ein größerer Schwindel ist, als Milli Vanilli es waren.

Dieses Jahr wollte ich mich schon beim Anblick der ersten Lebkuchen im Supermarkt (bereits Ende September – jedes Jahr wieder ein weiterer Anlass zum Groll!) in den unglaublichen Hulk verwandeln. Dann aber hatte ich eine andere Idee, die auf Dauer sicher schonender für meine Nerven wäre: Was, wenn ich dieses Mal einfach versuche zu verstehen, was all meine Freunde an dem Fest so toll finden? Was, wenn ich mich einfach mal auf Weihnachten einlasse?

Tag 1: Der stumme Grinch auf dem Weihnachtsmarkt

Wir fangen mit der Königsdisziplin an: dem Weihnachtsmarkt. Meine immer positiv denkende Freundin Clara liebt diese Märkte, da sie hier ihre latente Alkoholsucht befriedigen und gleichzeitig überteuerten, "handgemachten" Ramsch kaufen kann. Ich allerdings trinke keinen Alkohol mehr und habe vor Kurzem den Minimalismus für mich entdeckt, also bin ich wirklich eine hervorragende Begleitung.

Weil ich merke, dass Clara Spaß an diesem Humbug hat, beschließe ich, den Mund zu halten und ihr nicht in einer meiner 45-minütigen Hasstiraden all die Gründe aufzuzählen, warum Weihnachtsmärkte eine Sneak Preview auf die Hölle sind. Stattdessen notiere ich mir meinen gesamten Groll in einer Notiz auf meinem iPhone, als Clara gerade euphorisch mundgeblasene Christbaumkugeln bestaunt.

Michael Buchinger mag keine Weihnachtslieder
Weihnachtslieder, die extra festive sind, mag Michael Buchinger auch nicht | Foto: Dominik Pichler

Beim gemeinsamen Gingerbread Latte versuche ich, diesen plötzlichen Freudenschwall für Clara in Worte zu fassen. "Es fühlt sich so viel besser an, einer Person einen echten Wunsch zu erfüllen, als meinem Vater zum dritten Jahr in Folge aus Zeitdruck eine edle Rasiercreme zu kaufen, obwohl die Tube vom Vorjahr noch gar nicht aufgebraucht ist", sage ich.

Clara nickt verständnisvoll. "Es ist, wie ich immer sage", leitet sie ein und gibt etwas von sich, was ich sie zum allerersten Mal sagen höre: "Weihnachten bedeutet für jeden etwas anderes. Du musst einen Zugang finden, der für dich passt!" Ja, Clara, das habe ich in den vergangenen Tagen ja auch versucht und bin großteils daran gescheitert.

Gefallen mir Weihnachtsmärkte? Nein. Auch Plätzchen zu backen und Weihnachtsfilme zu schauen nicht und der Sinn der überflüssigen Geschenkejagd erschließt sich mir nach wie vor nicht. Aber ich habe festgestellt, dass ein wenig Nächstenliebe im Dezember selbst einen Grinch wie mich in Festtagslaune bringen kann.

Zu Hause angekommen verpacke ich den Pullover in buntes Geschenkpapier und schreibe einen kleinen Brief an Naomi, in dem ich so tue, als wäre ich der Weihnachtsmann. "Na, ist das ein Spaß!", trällere ich vor mich hin, was zugeben ein bisschen gruselig ist, da ich ganz alleine zu Hause bin. Auf dem Weg zur Post kann ich nicht anders, als durchgehend zu grinsen.

Nun, da ich angefangen habe, den Weihnachtswahnsinn ein klein bisschen zu verstehen, freue ich mich schon um Einiges mehr auf das magische Fest und die bevorstehenden Weihnachten der kommenden Jahre. Wer weiß: Vielleicht bin ich ja dann auch mit Punsch und Glühwein fröhlich singend auf dem nächsten Weihnachtsmarkt anzutreffen?

Ganz ehrlich: Ich glaube nicht.

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<![CDATA[Grüner-Jungpolitiker wird Zeuge eines antisemitischen Angriffs in Hannover]]>https://www.vice.com/de/article/xwjpgd/gruner-jungpolitiker-wird-zeuge-eines-antisemitischen-angriffs-in-hannoverWed, 19 Dec 2018 12:07:58 +0000Gerade einmal zehn Tage ist es her, dass die EU-Grundrechteagentur die erschreckenden Ergebnisse einer europaweiten Umfrage unter Juden und Jüdinnen vorgestellt hat. 89 Prozent der in Deutschland lebenden Befragten gaben an, der Antisemitismus habe sich in den letzten fünf Jahren verschlimmert. Jeder Zweite habe in der Zeit Judenfeindlichkeit in Deutschland erlebt. Das sind höhere Zahlen als in allen anderen untersuchten EU-Ländern. Wie sich Antisemitismus anfühlt, können nicht-jüdische Menschen dabei kaum nachfühlen. Aber der am Dienstag veröffentlichte Twitter-Thread von Timon Dzienus, dem 22-jährigen Sprecher der niedersächsischen Jungen Grünen, zeigt, wie aggressiv Antisemitismus in Deutschland sein kann.

Gerade erst am Montag hatte eine Gedenkfeier zur Deportation von Juden und Jüdinnen aus Hannover am Holocaust-Mahnmal am Opernplatz stattgefunden. Zum Gedenken wurden Anfang der Woche Blumenkränze am Mahnmal abgelegt. Genau diese habe am Dienstagabend ein etwa 20-jähriger Mann auseinandergenommen, so Timon gegenüber VICE. Er selbst sei mit dem Fahrrad am Mahnmal vorbeigefahren. "Dabei habe ich gesehen, wie er aus einem der Kränze Blumen ausgerissen hat", erzählt er.

Als der Randalierende Timon gesehen habe, habe er sich über ausländische Rosenverkäufer lustig gemacht und ihn mit imitiertem Akzent gefragt, ob er Rosen kaufen wolle, schreibt der Jungpolitiker auf Twitter. Timon habe sein Fahrrad angehalten und den Mann zunächst freundlich, aber entschieden unterbrochen. "Es hätte sein können, dass er nicht wusste, was er da tut", erklärt der Jungpolitiker im Gespräch mit VICE. Viele Jugendliche würden am Holocaust-Mahnmal rumhängen und es als Fotokulisse nutzen, ohne den historischen Hintergrund ausreichend zu kennen. "Deswegen wollte ich darauf hinweisen, dass sein Verhalten nicht geht", so Timon. Doch die Reaktion des Mannes dürfte gezeigt haben, dass ihm der Hintergrund des Mahnmals sehr wohl bewusst war.

"Er fragte mich, ob ich 'auch so ein dreckiger Jude' sei", erklärt Timon. Dann habe der Mann gesagt, "dass er ein Nazi ist und ob ich ob ich etwas gegen Nazis hätte". Dabei sei er Timon immer näher gekommen und habe weiter antisemitische Parolen skandiert. "Man sollte so etwas [wie den Holocaust] nochmal tun", zitiert der Grünen-Politiker den fremden Mann. Eine etwa zehnköpfige Gruppe in der Nähe habe sich nicht solidarisiert oder sei eingeschritten. "Ich dachte mir, dass ich aufs Maul kriege, wenn ich nicht verschwinde", erzählt Timon. Also sei er weitergefahren.

Als der Jungpolitiker zurückkam, war auch ein anderer Passant eingeschritten

Einige Minuten später sei er dennoch zurück zum Mahnmal gefahren, um einzuschreiten, sagt Timon. In der Zwischenzeit habe auch ein anderer Passant in die Situation eingegriffen und die Polizei verständigt. Offenbar auch, weil der mutmaßliche Antisemit am Mahnmal getrunken hatte. "Ich rief auch die Polizei", schreibt Timon bei Twitter. Zehn Minuten später sei er mit vier Einsatzkräften zu dem immer noch pöbelnden Mann zurückgekehrt. "Ich habe Anzeige erstattet wegen Volksverhetzung, Relativierung von NS-Verbrechen und Beleidigung", so Timon.

Ein Pressesprecher der Polizei Hannover bestätigte per E-Mail gegenüber VICE, dass es einen entsprechenden Vorfall gegeben habe: "Die Polizei war am Dienstag gegen 20:15 Uhr am Opernplatz am Holocaust-Mahnmal im Einsatz", so der Polizei-Sprecher. Es sei ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung gegen einen 19-Jährigen eingeleitet worden. Die Ermittlungen dauerten an. Dennoch befürchtet Timon, seine Anzeige und die Arbeit der Polizei seien eher Symptombekämpfung für ein größeres Problem.

"Ich will nicht, dass die Stadt repressiv gegen alle Leute vorgeht, die am Mahnmal rumhängen", sagt Timon im Gespräch mit VICE. Er fände es zwar fragwürdig, wenn Holocaust-Mahnmale als Selfie-Hintergründe genutzt werden. Das eigentliche Problem sei aber eher strukturell. "In Deutschland gibt es auch heute noch Antisemitismus und körperliche Angriffe gegen Juden." Seine Anzeige bei der Polizei helfe dabei auch nur bedingt, so Timon. "Gegen Antisemitismus, Rassismus oder Sexismus sollten sich alle solidarisieren."

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<![CDATA[Glitter- und Furz-Bombe: So lockt ein YouTuber Paketdiebe in die Falle und filmt sie dabei]]>https://www.vice.com/de/article/xwjp8z/glitter-und-furz-bombe-so-lockt-ein-youtuber-paketdiebe-in-die-falle-und-filmt-sie-dabeiWed, 19 Dec 2018 11:01:30 +0000Weihnachten steht vor der Tür und mit ihm viele Päckchen. Täglich liefert in Deutschland alleine DHL um die elf Millionen Pakete aus. Den Geschenkewahnsinn machen sich vor allem in den USA Diebe zu Nutze, denn dort stellen Paketboten die Lieferungen wirklich oft einfach auf der Veranda der Empfänger ab. Während sich der Großteil der beklauten Menschen dann nur bei Amazon oder der Post beschwert, nehmen andere die Sache selbst in die Hand. So wie der ehemalige NASA-Ingenieur Mark Rober.

Anfang der Woche lud Rober ein elfminütiges Video bei YouTube hoch, in dem er ausführlich beschreibt, wie er sich mit einer Falle an Paketdieben rächte. Das Fake-Päckchen sieht aus wie die Verpackung eines Apple HomePods, schießt beim Öffnen dann aber mit Glitzer und Furzspray auf die Langfinger – und filmt das Ganze zu Unterhaltungszwecken natürlich mit.

Alles begann vor sechs Monaten, als Rober durch die Sicherheitskameras über seiner Eingangstür herausfand, dass ein Pärchen ein Paket von seiner Veranda geklaut hatte. "In so einer Situation fühlt man sich angegriffen", erklärt der YouTuber in seinem Video. "Ich bin mit den Aufnahmen zur Polizei gegangen, aber dort sagte man mir, dass sich die Ermittlungen gar nicht lohnen würden." Also unternahm der findige Ingenieur selbst etwas gegen die Diebe.

Rober machte sich sofort an die Arbeit und konstruierte ein Köder-Paket, das beim Öffnen nicht nur eine Menge Glitzerstaub in der Gegend verteilt, sondern alle 30 Sekunden auch Furzspray versprüht. Zudem enthält die Apparatur vier Handys mit Weitwinkelkameras sowie einen GPS-Tracker, damit man später den Standort des Pakets ermitteln und die Reaktionen der Diebe genießen kann.

Und Diebe und Diebinnen gibt es in Robers Nachbarschaft offensichtlich mehr als genug: Der YouTuber schaffte es, mindestens fünf verschiedene Menschen mit seinem Fake-Paket in die Falle zu locken. In den USA ist Postdiebstahl eine Straftat, für die man bis zu fünf Jahre in ein Bundesgefängnis wandern kann. Ob Rober die Diebe angezeigt hat, löst er im Video nicht auf. Aber hey, immerhin können wir uns so jetzt fünfmal anschauen, wie diese Menschen mit ungläubigen "What the Fuck?!"-Rufen auf die Glitzer-Stinkbombe reagieren.

"Die Moral der Geschichte? Klau nicht die Sachen von anderen Leuten", sagt Rober am Ende des Videos. Recht hat er. So begeht man zum einen keine Straftat und muss sich zum anderen keinen Glitzerstaub von der Kleidung klopfen und keinen Furzspray-Gestank aus der Nase bekommen.

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<![CDATA[In Deutschland wurde zum ersten Mal ein Mann wegen Stealthing verurteilt]]>https://www.vice.com/de/article/43983g/in-deutschland-wurde-zum-ersten-mal-ein-mann-wegen-stealthing-verurteiltWed, 19 Dec 2018 10:26:23 +0000Chlamydien, HIV, eine ungewollte Schwangerschaft. Das sind nur einige der Dinge, die passieren können, wenn du unverhüteten Sex mit jemandem hast. Ein guter Schutz könnte ein Kondom sein – blöd nur, wenn der Typ ein Arschloch ist, sich nicht an Abmachungen hält und es heimlich wieder abzieht. Jetzt ist es offiziell strafbar. In Berlin wurde zum ersten Mal ein Mann wegen Stealthing verurteilt.

Am 17. Oktober 2017 lernen sich Lukas*, ein 37-jähriger Polizist, und die 26-jährige Mara* über eine Dating-App kennen. Sie treffen sich, trinken Tee und quatschen – so erzählt es Lukas zumindest vor Gericht. Wenig später haben sie bei ihm zu Hause einvernehmlichen Sex. Mara fragt ihn, ob er ein Kondom hat. Hat er. Sie haben Sex in der Missionarsstellung und anschließend im Doggy-Style. Lukas sagt, er hätte seinen Penis rausgezogen, kurz bevor er kam, um mit der Hand weiter zu machen. Dabei habe er das Kondom abgezogen, weil es gerissen sei. Mara habe ihn gefragt, ob er das Kondom extra abgezogen habe. Er sagte zwar Ja, aber nur, um sich besser befriedigen zu können, behauptet er vor Gericht. Mara habe daraufhin "wutentbrannt die Wohnung verlassen".

Die Staatsanwaltschaft hingegen wirft ihm Vergewaltigung vor. Der Sex habe auf Maras "ausdrückliches Verlangen" mit Kondom stattgefunden. Trotzdem soll Lukas das Kondom während dem Sex unbemerkt abgezogen und weitergemacht haben. Laut Staatsanwaltschaft sei ihm bewusst gewesen, dass der "herbeigeführte ungeschützte Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen erfolgte", zitiert die BZ.

Seit November 2016 gilt im Sexualstrafrecht: Nein heißt Nein. Das heißt, ein sexueller Übergriff ist dann strafbar, wenn er gegen den erkennbaren Willen einer Person ausgeführt wird, so steht es im Strafgesetzbuch. Im § 177 heißt es außerdem, dass ein besonders schwerer Fall in der Regel dann vorliegt, wenn "der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder vollziehen lässt oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder von ihm vornehmen lässt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung)". Die Mindeststrafe bei Vergewaltigungen beträgt zwei Jahre.

Klar, Mara hatte einvernehmlich Sex mit Lukas. Aber nur unter der Bedingung, dass er dabei ein Kondom benutzt. Sie hat also Nein zu Sex ohne Kondom gesagt. Und Nein heißt Nein. Eigentlich eine klare Sache. Trotzdem kommt es immer wieder zu dem sogenannten "Stealthing", dem heimlichen Abziehen des Kondoms entgegen der Absprache. Und trotzdem fühlen sich viele Opfer nach solchen Übergriffen schuldig.


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In einem Forum berichtet eine junge Frau von einer Nacht mit einem Typen, den sie kennengelernt hat. Sie habe ihm zehnmal gesagt, dass sie ohne Kondom nicht mit ihm schläft. Erst nachdem er bereits in sie eingedrungen war, hätte er ihr gestanden, dass er gar keine Kondome da hat. Sie schreibt: "Ich hätte ihm nie vertrauen sollen ... ich bin so dumm!!"

In einem anderen Forum erzählt ein Mann, wie sein One-Night-Stand heimlich das Kondom abzog, obwohl er ihn ausdrücklich darauf hingewiesen hätte, eines zu tragen. Er bemerkte das Stealthing erst, als er in ihm kam. Er schreibt: "Ich frage mich jetzt auch selber irgendwie, ob das meine eigene Schuld war, hätte man sowas merken können?"

Im Fall von Lukas entschied sich das Gericht für eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung – sein Vergehen wurde nicht als Vergewaltigung eingestuft. Man verurteilte ihn zu acht Monaten auf Bewährung und 3.000 Schmerzensgeld, die er Mara zahlen muss. Das ist die erste Verurteilung in Deutschland wegen Stealthing. Der Angeklagte hat jetzt eine Woche Zeit, um das Urteil anzufechten, danach ist es rechtskräftig.

*Namen wurden geändert.

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<![CDATA[Leute gestehen auf Twitter ihre Sexfantasien mit dem Grinch]]>https://www.vice.com/de/article/8xpb7g/leute-gestehen-auf-twitter-ihre-sexfantasien-mit-dem-grinchTue, 18 Dec 2018 12:26:59 +0000Wir hatten uns schon daran gewöhnt, dass im Internet selbst menschenähnliche Bösewichte wie der Clown von Es oder Venom als Masturbationsvorlage herhalten (müssen). Aber pünktlich zur Weihnachtszeit schweifen die besinnlich-lüsternen Blicke der Online-Community weg von übernatürlichen Mördern rüber zum pelzig-grünen Hintern des Grinch.

Es gibt drei Grinch-Filme: den Original-Zeichentrickfilm von 1966, den man hier vor allem aus Kevin – Allein in New York kennt; den Spielfilm von 2000 mit Jim Carrey sowie den aktuellen Animationsfilm. Und alle Grinches sind laut ihren Verehrerinnen und Verehrern im Internet auf ihre eigene Art hot. Aus uns noch nicht ganz nachvollziehbaren Gründen scheint die große Mehrheit allerdings dem grünen Prachtarsch von Carreys Grinch nicht widerstehen zu können.

Den Körper eines großen, stark behaarten und herzlosen Wesens zu bewundern, ist eine Sache, aber manche Menschen – nennen wir sie Grinch-Curious – scheinen sich ernsthaft zu fragen, ob sie mit dem grünen Weihnachtshasser tatsächlich in die Kiste springen würden.

Einige sind sich der Sache offenbar sicher.

Das Internet wäre natürlich nicht das Internet, würde es von hier aus nicht weiter eskalieren: Wie sich zeigt, wollen zahlreiche (!!!) Menschen den Grinch am Arsch lecken, respektive sich lecken lassen. Also wortwörtlich und ganz freiwillig. Einige der Tweets stammen vom 2017er Vorboten der aktuellen Grinch-Sex-Hysterie.

Unter den leidenschaftlichsten Grinch-Lustmolchinnen und -Lustmolchen gibt es sogar einige, die Sex mit giftgrünen Flokati-Kreaturen als neues Normal bezeichnen.

Wie bei solchen Monster-Fetischen üblich haben sich zahlreiche Kunstschaffende auf Tumblr daran gemacht, ihre Fantasien zu Papier oder Bildschirm zu bringen. Selbst mit dem neuen Pornografieverbot finden sich dort zahlreiche kreative ... Ergüsse, die dir einen fetten Dispo auf der Artig-Liste des Weihnachtsmanns einhandeln dürften.

Jetzt stellt sich eigentlich nur noch eine Frage: Würdest du den Grinch ficken? Moment, ich habe da irgendwie schon die ganze Zeit so einen Fussel im Mund ...

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<![CDATA[Auf deutschen Meme-Seiten wird jetzt über Vergewaltigung Minderjähriger gelacht]]>https://www.vice.com/de/article/439pej/auf-deutschen-meme-seiten-wird-jetzt-ueber-vergewaltigung-minderjaehriger-gelachtTue, 18 Dec 2018 12:07:36 +0000"Grade [sic!] prollt ein ca. 16-Jähriger im Bus damit, wie laut 'das Mädel' letzte Nacht geschrien hat. Der Kerl schräg vor ihm: 'Lag vielleicht daran, dass sie 12 war und nicht wollte.' Sogar die Oma hat gelacht. #burn"

Habt ihr gelacht? Gegrinst? Haben zumindest eure Mundwinkel gezuckt? Herzlichen Glückwunsch. Dann gehört ihr im Geiste zu den rund 180.000 Menschen, die diesen Post gelikt haben. Leute, die nach eigener Aussage nicht "humorbehindert" sind, weil sie "schwarzen Humor" verstehen. Gepostet wurde der Beitrag von der Seite 'Made My Day', die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, ihre Follower mit total lustigen Spruchbildern zu unterhalten. 3,5 Millionen Menschen amüsieren sich auf Instagram über offensichtlich ausgedachte Gesprächswechsel und ausgelutschte Schmunzel-Sprüche, die man so vor allem aus Familien-WhatsApp-Gruppen kennt.

Meistens sind das ziemlich harmlose Sachen, mit denen 'Made My Day' die Zielgruppe bespaßt. "Es ist schon richtig, dass Alkohol Menschen tötet, aber bedenkt auch, wie viele durch Alkohol gezeugt wurden", zum Beispiel. Im Hintergrund grinst Mad Men-Protagonist Don Draper in sein Whiskeyglas. Der hat sich in der Serie zwar sein Leben durch Alkoholismus fast zerstört, aber hey, cooler Spruch! Oder Content für die Mario-Barth-Klientel, bei dem das japanische Schriftzeichen für "Frau" dem für "lärmend/laut" gegenübergestellt wird. Hohoho! Feinsinnig ist das nicht, grenzüberschreitend auch nicht. Nur eben stumpf und oft auch ziemlich dumm. Die Fans der Seite scheinen sich trotzdem zu einer Art Humor-Elite zu zählen, die die Grenzen des guten Geschmacks Tag für Tag ausloten, auf der Messerspitze der deutschen Comedy tanzen und die "Gutmenschen" auslachen, die bei von anderen Seiten zusammengeklautem Klick-Content nicht ganz so begeistert "Like" drücken. Und leider zeigt sich das besonders deutlich an dem Post, der die angebliche Vergewaltigung einer Minderjährigen zur Pointe macht.

Viele zeigen sich entsetzt. Vergewaltigungen zu verharmlosen, Missbrauch an Kindern als eine Art Punchline gegen jemanden zu verwenden, der mit vermeintlichen sexuellen Erfolgen prahlt, sei geschmacklos. Vollkommen zu Recht: Das Opfer dieses Witzes ist nicht der 16-Jährige, dem nicht geglaubt wird, dass er eine Frau befriedigen kann. Das Opfer, ganz wortwörtlich, ist die 12-Jährige, die vergewaltigt wurde – auch wenn es in diesem konkreten Fall nur als "Diss" gemeint ist. Eine Vergewaltigung ist kein Armutszeugnis für den Täter oder die Täterin, weil niemand "freiwillig" mit ihnen schlafen möchte. Es ist ein Übergriff, der Leben zerstören kann. Und zwar das des Opfers. Da draußen gibt es genug, denen genau das passiert ist und die lachen nicht. Egal wie viele Internet-User ihnen erklären wollen, dass sie den "Witz" einfach nur nicht verstehen.

"In Sachen Humor sind die meisten hier absolute Blendgranaten. Die Aufregung ist so überflüssig wie ein Fundbüro in Polen", schreibt ein Nutzer, und ist humoristisch so versiert, dass er dem Witzplaining noch ein bisschen rassistische Ressentiments beimischt. Ein anderer Vertreter der Schwarzen-Humor-Fraktion will nicht auf sich sitzen lassen, dass Kindesmissbrauch ein Thema ist, über das man keine Witze machen sollte, und kommentiert: "Wie viele Kinder hat ein Belgier? Fünf! 3 im Keller und 2 im Garten!" Na, schon überzeugt? Ein Nutzer fügt in einer Art Initiativbewerbung für den Deutschen Comedypreis noch hinzu: "Weißt du, was lustig ist? 9 von 10 haben an einem Gang-Rape Spaß." Und wer jetzt noch nicht wütend genug ist, um das Internet anzuzünden, der lacht auch über Chris Tall.

Mehrere Nutzerinnen und Nutzer schreiben in den Kommentaren, den Post bereits als unangemessen gemeldet zu haben. Instagram habe bisher allerdings nicht reagiert. Und das, obwohl der Plattform doch sonst so wichtig ist, ein sauberes Image zu bewahren – wozu beispielsweise gehört, dass das Zeigen weiblicher Nippel zur Sperrung eines Accounts führen kann. Witze über die gewaltsame Aneignung eines weiblichen Körpers sind also in Ordnung, der weibliche Körper selbst aber nicht? Oder drückt Instagram bei verifizierten Seiten mit Followern in Millionenhöhe ganz allgemein gerne mal ein Auge zu?

Auf der Facebook-Seite von Made My Day (4,5 Millionen Follower) sorgt das Bild übrigens auch für Diskussionen. Der Kommentar mit den meisten Likes: "Schwarzer Humor ist wie nen Flüchtlingsboot, kommt net immer gut an." 2.600 Menschen gefällt das.

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<![CDATA[Wir haben uns Weihnachtspornos angeguckt, damit ihr es nicht müsst]]>https://www.vice.com/de/article/bjeb4a/wir-haben-uns-weihnachtspornos-angeguckt-damit-ihr-es-nicht-musstTue, 18 Dec 2018 11:09:59 +0000Geht es nach den Statistiken von Pornhub, herrscht an Weihnachten tote Hose. Jedenfalls was den Konsum von Pornografie angeht. In Ländern wie Großbritannien geht der Pornhub-Traffic über die Festtage schon mal um ein Drittel zurück, in Deutschland immerhin um zehn Prozent. Das ist nachvollziehbar. Ihr habt an Weihnachten vermutlich auch Besseres zu tun, als in eurem alten Jugendzimmer vor dem Laptop zu masturbieren, während im Wohnzimmer nebenan eure Eltern mit Oma und Opa Makronen knabbern und das Weihnachtsoratorium im MDR hören.

Das heißt aber nicht, dass es keinen Bedarf an festlichen Motto-Pornos gibt. Im Gegenteil, der Weihnachtsporno ist ein ebenso beliebtes wie anspruchsvolles Genre, das sowohl im Repertoire des edlen Softcore-Studios als auch dem des Amateur-Pornostars nicht fehlen darf. Dabei ist es nicht damit getan, den Darstellern und Darstellerinnen eine rote Mütze aufzusetzen und einmal "ho ho ho" zu rufen. Ein guter Weihnachtsporno ist wie eine Festtags-Gans: maßlos übertrieben, aber irgendwie doch ganz geil. Wir haben uns auf die Suche nach dem perfekten XXXmas-Streifen gemacht.


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Der fängt schon beim Titel an. In der Zeit von Streamingplattformen, auf denen heute vor allem Clips zwischen 5 und 15 Minuten Länge feilgeboten werden, gerät die Kunst des Titelns häufig in Vergessenheit. Deskriptive Namen wie Weihnachtsmann fickt böses Mädchen, Dralle Hausfrau vor dem Weihnachtsbaum geprellt und Blowjob-Engel kommt zu Weihnachten sind vielleicht gut für die Performance in der Suchmaschine, aber zeigen einen gewissen Mangel an Kreativität, der sich häufig in der Handlung fortsetzt.

Besser sind Wortspiele und Referenzen, die Pop- und Poppkultur verbinden. So war es auch in früheren Zeiten vermehrt der Fall, als sich Menschen noch in die Erwachsenenabteilung der Videothek geschlichen haben, um die neusten DVD-Titel auszuchecken. Klassiker wie Frohe Eiertage, Kevin allein im Puff, Merry Fistmas und Stoß Langsam I-III bestechen bis heute durch ihre betont plumpe Anziehungskraft, während Nudeolf the Well-Hung Reindeer, How the Grinch Gaped Christmas und Miracle on 69th Street auf nahezu literarische Art und Weise Pornografie zum Kulturgut erheben.

Die Titel sind insofern wichtig, als dass sie häufig die Handlung und Story vorwegnehmen. Zwar ist prinzipiell nichts an einem Gonzo-Streifen auszusetzen, der in medias res beginnt. Doch gerade in einem weihnachtlichen Porno sind Ruhe und eine gewisse Exposition gefragt, schließlich soll er die besinnliche Stimmung der Festtage aufgreifen.

Wenn der Nachbar nur noch an Spritzgebäck denkt

Der kleinste gemeinsame Nenner der Weihnachtspornos ist der Weihnachtsmann. Er tritt in irgendeiner Form in den meisten Filmen auf, ist also das bekannteste Stilmittel neben der Bescherung: In den meisten Fällen züchtigt oder beschenkt Santa nämlich die Menschen, die er besucht. Dabei ist es egal, ob die Frau oder der Mann das Jahr über brav oder böse waren, sein Geschenk ist fast immer die erregte Rute. Begleitet wird er von anderen beliebten Figuren der Weihnachtskultur: Bei Gangbangs kommen häufig Elfen oder der Grinch zum Zuge, die sich an einem Weihnachtsengel vergehen; manchmal reitet Santa auf Rentieren und "Schlittenfahren" wird natürlich ebenfalls anders definiert.

Eine weitere beliebte Storyline ergibt sich weniger aus der Fiktion, sondern aus dem weihnachtlichen Alltag. So gibt es Filme, in denen der Nachbar zum Plätzchenbacken vorbeikommt und nach einem Glühwein nur noch an Spritzgebäck denkt. Das familiäre Zusammensein am Heiligabend führt, je nach Ausprägung des Fetischs, zu Sex zwischen Sohn und Schwiegermutter, Vater und Tochter, Opa und Paketlieferant. Auch der XXXmas-Film spielt mit der Idee des Verrucht-Verbotenen.

Das heißt aber nicht, dass es nicht auch humorvoll zugehen darf. Ein echter Weihnachtsporno ist schließlich wie ein Weihnachtsfilm: ein Spaß für die ganze Familie, nur in dem Fall eben erst ab 18. Ein besonders gelungenes Beispiel, das wir aus Jugendschutzgründen natürlich nicht verlinken dürfen, beginnt in Santas Sexspielzeug-Fabrik am Nordpol, wo Buttplugs in Form von Christbaumkugeln und Menoras aus Dildos hergestellt werden. Die Protagonistin erhält von einem Elfen einen magischen Dildo, der unbelebte Objekte zum Leben erwecken kann – um mit ihnen Sex zu haben. Gesagt, getan: Dank des Dildos erwacht ein Schneemann zum Leben und die Szene endet in einem Dreier mit dem Weihnachtsmann. Herzerwärmend.

Mit einer Zipfelmütze ist es nicht getan

Dass dieses Beispiel so gut funktioniert, liegt auch an den Kostümen und Requisiten, vom detaillierten Schneemann mit Pfeife bis hin zur Buttplug-Kugel. Pornoproduzierende haben zu Recht den Ruf, bei der Auswahl ihrer Drehorte beschränkter zu sein als bei der Wahl ihrer Sexstellungen. Während es Amateure stets auf der gleichen grauen Wohnlandschaft treiben, filmen große Studios häufig in den gleichen karg eingerichteten Häusern im kalifornischen San Fernando Valley. Was Weihnachtspornos angeht, haben Amateurinnen immerhin den Vorteil, wenigstens den echten Weihnachtsbaum im Hintergrund zu haben, was schon sehr zur Stimmung beiträgt. Andere müssen kreativer werden.

Auffällig ist, wie viele ihren Weihnachtsclip bloß damit gestalten, indem sich die Darstellerinnen und Darsteller eine Zipfelmütze aufsetzen, die sie für zwei Euro bei TEDi gefunden haben. Oder zum Anlass die rote Strumpfhose oder einen roten Bademantel anziehen, und damit aussehen, als hätten sie gerade 18 Kölsch am Rosenmontag getrunken. Also leider nicht so geil.

Dabei geht es besser als ein simples Weihnachtsmannkostüm und eine Orgie unter dem Tannenbaum. Zum Beispiel mit subversiven Weihnachtspullovern, auf denen "Merry F#$% Christmas" steht, was angesichts der Explizität des Materials ein kleines Augenzwinkern ist. Diesen Kuschelpullover könnte man problemlos auch ironisch zur WG-Party tragen. In anderen Produktionen kommen dagegen Pyjamas mit frechen Schneemann-Aufdrucken zum Einsatz, die so wiederum die Anal Xmas Scene modisch wie thematisch aufwerten.

Auch was die Kulissen angeht, legen sich ambitionierte Weihnachtspornoproduzenten ins Zeug. Rustikale, geschmückte Holzhütten versetzen in einem Film die Zuschauer und Zuschauerinnen in ein winterliches Wunderland. Tatsächliche Weihnachtsmärkte und Paraden werden in die Handlung eingewoben, die am öffentlichen Glühweinstand ("100% public") beginnt und natürlich in den privaten Gemächern endet. Ein weiterer Film dreht sich um eine Sexpuppe, die unter dem Baum liegt und der Darstellerin ähnelt, woraus sich eine Erzählung aus Wunsch und Fiktion entspinnt, die auch eine Parabel auf das Weihnachtsfest ist, wo Wünsche meistens, aber eben nicht immer erfüllt werden. Wie jeder gute Porno unterhält auch ein guter Weihnachtsporno auf der Meta-Ebene.

Am Dirty Talk sind schon manche Erektionen gescheitert

Unterhaltung ist dann auch das letzte Kriterium, genauer gesagt: der Dirty Talk. Er ist der Endboss des guten Geschmacks; an ihm sind schon so manche Erektionen gescheitert. Glücklicherweise bieten Weihnachtspornos in dieser Hinsicht mehr Optionen.

Die Kostüme, die Anspielungen, die Machtverhältnisse, die Requisiten – all das bietet reichlich Möglichkeiten, um verbal kreativ zu werden. Von Sprüchen wie "Die Rute fühlt sich aber gut an", "Ich knack deine Nüsse" und "Der Sack ist prall gefüllt" über Bezeichnungen wie "böses Mädchen", "versauter Elf" und "geiler Nussknacker" hin zu thematisch passenden Aufforderungen wie "öffne meinen Arsch wie ein Geschenk" und "nagel mich unter dem Mistelzweig" sind dem festlichen Dirty Talk der Darstellenden keine Grenzen gesetzt. In diesem Sinne: Schöne Feiertage und Glory Holelujah!

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<![CDATA[Es ist falsch, dass eine Waldorfschule das Kind eines AfD-Politikers ablehnt]]>https://www.vice.com/de/article/a3mqpe/es-ist-falsch-dass-eine-waldorfschule-das-kind-eines-afd-politiker-ablehntTue, 18 Dec 2018 10:17:18 +0000Ausgrenzung passt vielleicht zu Rechtspopulismus, aber eher nicht zu einer Schule. Eine Waldorfschule in Berlin sieht das offenbar anders: Sie hat ein Kind eines AfD-Abgeordneten abgelehnt, da man Sorge habe, der Vater könne den "Schulfrieden" gefährden. Der Geschäftsführer der Waldorfschule teilte der Berliner Zeitung mit, dass sie das Kind nicht "unvoreingenommen" aufnehmen und behandeln könnten. Name und Alter wurden zum Schutz des Kindes nicht veröffentlicht, fest steht aber, dass es von einer Waldorfkita auf die Waldorfschule wechseln wollte. Es ist also noch nicht in dem Alter, indem es eigenständig politische Flugblätter verfassen und an Mitschülerinnen und Mitschüler verteilen könnte. Ist es also wirklich klug, das Kind auszugrenzen, anstatt es täglich mit einer aufgeklärten Haltung in der Schule zu konfrontieren?


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Kinder haften nicht für ihre Eltern

Wer ein aktive Kindheit hatte, der weiß, dass nicht die ganze Welt ein guter Spielplatz ist. Vor allem nicht das eingezäunte Baugelände mit dem großen Schild "Eltern haften für ihre Kinder". Da hatte man immer das mulmige Gefühl, Mama und Papa würden direkt in Handschellen abgeführt, sobald man über den Zaun klettert. Das Schild sagt im Prinzip, dass Eltern für die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich sind. Anders herum macht diese Logik keinen Sinn. Denn Kinder können nichts für ihre Eltern.

Ende November befragten etwa 20 Lehrkräfte den AfD-Abgeordneten und seine Frau bei einem Treffen zu ihren politischen Ansichten. Die Antworten, die dort gegeben wurden, führten laut Geschäftsführer nicht dazu, dass sich der Konflikt schneller lösen lasse. Denn über die Aufnahme des Kindes wurde bereits Monate diskutiert. Es ist grundsätzlich nicht verkehrt, die AfD und ihre Vertreterinnen zu hinterfragen. Aber es ist fragwürdig, ein Elternpaar zu verhören, wenn sich nicht gleichzeitig alle Eltern einem Kreuzverhör stellen müssen. Denn man muss kein Parteimitglied der AfD sein, um sexistisch, homofeindlich oder ausländerfeindlich zu sein.

Der Fall wird zu Recht geprüft

Formal ist es so: Privatschulen dürfen sich ihre Schüler und Schülerinnen aussuchen. 30 Plätze konnten an besagter Schule vergeben werden, und circa 140 Anmeldungen seien eingegangen. Das heißt, 110 Kinder mussten abgelehnt werden. Da das Kind des Abgeordneten schon eine Waldorfkita besucht hat, sollte es eigentlich bevorzugt werden. Durch den Job des Vaters bei der AfD wurde es nun aber benachteiligt. Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres von der SPD hat von dem Fall aus den Medien erfahren und findet es "sehr kritisch, wenn ein Kind für das politische Engagement der Eltern verantwortlich gemacht wird". Sie lässt den Fall nun von der Privatschulaufsicht prüfen.

Wovor fürchtet sich die Schulleitung? Ein Politiker allein kann keine ganze Schule unterwandern. Und es klingt auch unrealistisch, dass ein einzelnes Kind Propaganda für Rechtspopulismus betreiben könnte und eine Waldorfschule zur neuen AfD-Mini-Parteizentrale umkrempelt. Außerdem können Schülerinnen sich auch ohne Erwachsene gegen die AfD zur Wehr setzen – wie eine Berliner Schule diesen September zeigte.

Bekämpft nicht Feuer mit Feuer

"Gegenüber Intoleranten sei keine Toleranz angezeigt", sagte der Geschäftsführer der Waldorfschule. Und es gibt sicher viele gute Gründe, warum man mit der AfD nicht diskutieren kann. Zum Beispiel, weil ihre Argumente auf verdrehten Fakten und falschen Zahlen basieren. Oder weil sie bei einer Konfrontation in Alice-Weidel-Manier wütend aus dem Raum stürmen. Aber sobald Kinder involviert sind, sollte man diesen Konflikt nicht scheuen. Denn Kinder wissen nicht, wie man die AfD in 60 Sekunden verbal zerlegen kann. Kinder müssen erst noch lernen, dass man Probleme nicht löst, indem man sie einfach wegschiebt.

Diese Schulleitung verhält sich ziemlich kindisch. So gewinnt man den Kampf gegen rechts sicher nicht.

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<![CDATA[Berliner Imam soll Terrorismus finanziert haben]]>https://www.vice.com/de/article/wj3k9q/as-sahaba-moschee-berliner-imam-soll-terrorismus-finanziert-habenTue, 18 Dec 2018 09:14:49 +0000Es gibt unterschiedliche Wege für IS-Kämpfer, sich ihre Reise in die besetzten Gebiete zu finanzieren: aus dem eigenen Taschengeld, dem Monatsgehalt eines Verfassungsschutz-Mitarbeiters – oder den Geldern eines radikalen Imams. Am Dienstag durchsuchten Ermittelnde des LKA, des Staatsschutzes und Spezialkräfte der Berliner Polizei in den frühen Morgenstunden mehrere Objekte. Der Verdacht: Terrorismusfinanzierung. Das teilten sowohl die Berliner Generalstaatsanwaltschaft als auch die Polizei am Morgen auf Twitter mit. Auch eine radikale Berliner Moschee ist unter den durchsuchten Gebäuden.

Konkret gehe es dabei um die As-Sahaba-Moschee im Stadtteil Wedding, schreibt die Generalstaatsanwaltschaft. Die Moschee wird vom Verfassungsschutz als einer der zentralen Berliner Treffpunkte für Salafisten eingestuft. Im Fokus der Ermittlungen am Dienstag stehe aber auch der Imam der Einrichtung: Ahmad A., auch bekannt als Abul Baraa. Der 45-Jährige stehe im Verdacht, einem dschihadistischen Kämpfer in Syrien Geld zur Verfügung gestellt zu haben, so die Staatsanwaltschaft weiter. Der Kämpfer habe sich so "Ausrüstungsgegenstände zur Begehung terroristischer Straftaten" finanziert.

Festnahmen soll es bei dem Einsatz am Dienstag allerdings nicht gegeben haben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur AP. Die Durchsuchungen seien zur Beweissicherung durchgeführt worden.

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