<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:snf="http://www.smartnews.be/snf" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title>VICE AT</title><description>RSS feed for https://www.vice.com/de</description><link>https://www.vice.com/de%3Flocale%3Dde_at</link><atom:link href="https://www.vice.com/de/rss?locale=de_at" rel="self" type="application/rss+xml"></atom:link><language>de</language><pubDate>Wed, 06 Sep 2023 04:00:00 GMT</pubDate><item><title><![CDATA[Das steckt 2016 in den Kühlschränken von Studenten]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/vdn4vx/das-steckt-2016-in-den-kuehlschraenken-junger-leute-909</link><pubDate>Wed, 06 Sep 2023 04:00:00 GMT</pubDate><description><![CDATA[Billig-Bier und verschimmelte Pasta-Sauße oder Soja-Milch und frischer Spinat? Sind Studenten so abartig, wie immer alle denken?]]></description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.sozialerhebung.de/download/20/Soz20_09_Kap07.pdf" target="_blank">165 Euro</a> geben Studierende in Deutschland im Schnitt monatlich f&#xFC;r ihr Essen aus. Da sind Toast mit Ja!-Gouda, das Dreierpack Salamipizza oder 49-Cent-Nudeln mit Ketchup fast vorprogrammiert. Dazu noch zu viele Becher Automatenkaffee und Mate beim Binge-Learning vor Klausuren. Der akademische Nachwuchs ist nicht unbedingt daf&#xFC;r bekannt, besonders gut auf sich zu achten, wenn es um Ern&#xE4;hrung geht. Generell wird den Deutschen ja immer zur Last gelegt, dass sie zu <a href="http://de.statista.com/statistik/daten/studie/75719/umfrage/ausgaben-fuer-nahrungsmittel-in-deutschland-seit-1900/" target="_blank">wenig f&#xFC;r Lebensmittel ausgeben</a>.</p> <p>Aber ist das wirklich so? Was steckt hinter den K&#xFC;hlschrank-T&#xFC;ren der Wohnungen und WGs? <a href="https://munchies.vice.com/de/" target="_blank">Lesen die Studenten MUNCHIES</a>? Und haben wir heute unser Verhalten <a href="http://www.vice.com/alps/read/wenn-gesundes-essen-zur-essstoerung-wird-462" target="_blank">gegen&#xFC;ber Lebensmitteln</a> ge&#xE4;ndert? Da wir schon probiert haben, von <a href="http://www.vice.com/de/read/ich-habe-eine-woche-von-einem-euro-am-tag-gelebt-268" target="_blank">einem Euro am Tag zu leben</a>, sind wir den Fragen fotografisch und in Interview-Form auf den Grund gegangen, haben einen Blick in die K&#xFC;hlschr&#xE4;nke von Studenten geworfen und mit ihnen &#xFC;ber ihre Essgewohnheiten gesprochen.</p> <h2>Peter, 28, studiert China Studies</h2> <p><b>VICE: Hi Peter! Wow, dein K&#xFC;hlschrank ist ja voll. Was gibst du im Monat f&#xFC;r Essen aus?</b><br><b>Peter:</b> Was gebe ich aus, puh. Ehrlich gesagt habe ich mich das noch nie gefragt. Ich glaube, das variiert sehr, ich nehme mir eben, was ich brauche, und bezahle das dann an der Kasse. Monatlich zwischen 200 und 300 Euro vielleicht? H&#xE4;ngt davon ab, wie viele Dinner ich veranstalte, haha!</p> <p><b>Was gibst du sonst noch drumherum f&#xFC;r Essen aus?</b><br>Na ja, wenn viel Pantry im Monat anf&#xE4;llt, kommt da auch noch was zusammen. Ein gutes Sesam&#xF6;l ist halt teuer. Und wenn ich au&#xDF;erhalb essen gehe, ist das vielleicht ein Hunderter im Monat. Manchmal k&#xF6;nnen das auch 200 Euro sein.</p> <p><b>In deinem K&#xFC;hlschrank ist ganz sch&#xF6;n viel Fleisch. Was ist da los?</b><br>Das ist ein besonderer Fall heute. Normalerweise ist in meinem K&#xFC;hlschrank viel Frisches und viel Gr&#xFC;nes&#x2014;eigentlich esse ich gar nicht so viel Fleisch. Und wenn, dann muss es auch gutes Fleischs ein. Ich war gerade &#xFC;ber Ostern in der Heimat in Nord-Hessen und habe einen Freund auf seinem Bauernhof besucht, der dort Bio-Fleisch verkauft. Der hat mir ganz viel mitgegeben, Speck und Ahle Wurscht. Und generell: Wenn man in Nord-Hessen ist, kann man sich sicher sein, dass die Eltern und Gro&#xDF;eltern fragen, ob man eine Ahle Wurscht mitnehmen will. Und klar will man das! Ansonsten liegen im K&#xFC;hlschrank noch so vietnamesische W&#xFC;rstchen, die ich neu entdeckt habe.</p> <p><b>Du scheinst ein guter Koch zu sein.</b><br>Ich koche viel zu oft! Und dann auch stundenlang. Eigentlich jeden Tag, an manchen Tagen auch zwei-, drei- oder viermal. Klingt vielleicht ein bisschen absurd, aber ich steh drauf. Da nehme ich mir dann sehr viel Zeit. Ich kiffe halt auch gerne&#x2014;kochen und kiffen vertr&#xE4;gt sich eben gut. Es gibt nichts Sch&#xF6;neres!</p> <p><b>Wovon l&#xE4;sst du dich inspirieren?</b><br>Gr&#xF6;&#xDF;tenteils von der ostasiatischen und s&#xFC;dostasiatischen K&#xFC;che&#x2014;also Japan, Korea, China, Malaysia oder Thailand. Ich mag die regionale K&#xFC;che immer sehr gerne und kaufe danach ein, was saisonal so gerade angebaut wird. Es gibt auch eine fabelhafte Essensszene in den USA, die auf Blogs auch viel &#xFC;ber gutes Essen und die richtige Behandlung von Lebensmitteln schreibt&#x2014;von der lasse ich mich gerne beeinflussen. Ich h&#xE4;nge schon viel auf Food-Blogs ab.</p> <p><b>Dann solltest du uns bald mal zu einem Dinner einladen!</b><br>Klar, ich koche immer mehr als ich brauche, weil ich furchtbar gerne Leute einlade. Heute Abend um 9? Oder sagen wir besser halb 12, ha ha!</p> <h2>Paul, 24, studiert Schauspiel</h2> <p><b>VICE: Hi Paul, sag mal, wie viel gibst du monatlich f&#xFC;r Lebensmittel aus?</b><br><b>Paul:</b> Oha, du meinst nur, was in meinen K&#xFC;hlschrank kommt? Ich gebe monatlich zwischen 150 und 200 Euro f&#xFC;r Essen aus, welches ich hier mit nach Hause bringe. Au&#xDF;er Haus sind das auch nochmal 50. Oder &#x2026; eigentlich eher 100, um ehrlich zu sein.</p> <p><b>Wohnst du alleine oder in einer WG?</b><br>Mit drei netten Frauen in einer Wohngemeinschaft!</p> <p><b>In deinem K&#xFC;hlschrank sind viele Soja-Produkte. Lebst du vegetarisch oder vegan?</b><br>Ich bin Veganer, seit einem Monat, um genau zu sein. Davor war ich anderthalb Jahre Vegetarier.</p> <p><b>Kochst du oft?</b><br>Ja, sehr gern und viel. Ich koche am liebsten verschiedenste Dinge mit Gem&#xFC;se.</p> <h2>Peet, 26, Angewandte Informatik</h2> <p><b>VICE: Hey Peet, netter K&#xFC;hlschrank. Wie oft gehst du einkaufen?</b><br><b>Peet:</b> Ich kaufe t&#xE4;glich ein, entweder nach der Arbeit oder nach der Uni. Meistens &#xFC;berlege ich mir &#xFC;ber den Tag, was ich abends essen will, und besorge das dann schnell. Deswegen habe ich auch nicht wirklich viel im K&#xFC;hlschrank&#x2014;Nudeln und Reis sind immer da, aber das war&apos;s.</p> <p><b>Wie viel Geld gibst du in der Woche f&#xFC;r Essen aus?</b><br>Normalerweise esse ich mittags in der Mensa, da gibt&apos;s jeden Tag ein veganes Gericht, und abends koche ich dann was. Richtig essen gehe ich selten, h&#xF6;chstens am Wochenende. Und dann eher Kuchen, hehe. Deswegen komme ich in der Woche auch nur auf maximal 40 Euro, die ich ausgebe.</p> <p><b>In welchem Zustand ist deine K&#xFC;che generell?</b><br>Sauber w&#xFC;rde ich es hier nicht nennen, aber es ist auch keine totale Katastrophe. Bei Frauentausch w&#xFC;rden sie sagen: &#x201E;Es ist sauber, aber nicht steril.&quot; Und man wei&#xDF; ja, was das hei&#xDF;t.</p> <p><b>Was kochst du dir am liebsten?</b><br>Am liebsten mag ich Pizza, Ofenkartoffeln mit Gem&#xFC;se und Sojachunks oder das, was es gerade irgendwo im Angebot gibt. Das ist sch&#xF6;n unkompliziert. Aber ich habe auch schon mal f&#xFC;r ein M&#xE4;dchen Rouladen selbst gemacht. Das war ein riesiger Aufwand! Aus der Beziehung ist dann leider trotzdem nichts geworden.</p> <h2>Anthea, 27, studiert Islamwissenschaften</h2> <p><b>VICE: Hi Anthea. Wie viel gibst du monatlich f&#xFC;r Lebensmittel aus?</b><br><b>Anthea:</b> Ganz klar&#x2014;zu viel!</p> <p><b>Isst du eher au&#xDF;er Haus oder kochst du mehr?</b><br>Ich kaufe nur bei Kraut und R&#xFC;ben am Heinrichplatz hier in Berlin ein und ansonsten esse ich beim Asiaten unten im Haus.</p> <p><b>Und was sch&#xE4;tzt du, wie viel du ausgibst?</b><br>Warte, lass mich mal nachdenken. Dadurch, dass ich nur diesen kleinen Bioschei&#xDF; einkaufe, gebe ich unheimlich viel f&#xFC;r das bisschen, was ich einkaufe, aus. Ich kaufe irre wenig Essen, aber es ist eben auch irre teuer. Weil ich von unterschiedlich viel Trinkgeld lebe, kann ich gar nicht sagen, was ich ausgebe.</p> <p><b>Gibst du viel Geld f&#xFC;r Alkohol aus?</b><br>Ja.</p> <p><b>Dein K&#xFC;hlschrank ist ganz sch&#xF6;n dreckig, wie kommt das?</b><br>Na ja, er ist kaputt und das Wasser kann nicht mehr durch das Gefrierding ablaufen und staut sich. Ich lagere darin im Moment die Sachen, die weggeschmissen werden m&#xFC;ssen &#x2026;</p> <p><b>Kochst du denn h&#xE4;ufig?</b><br>Nein, eigentlich nicht. Daf&#xFC;r meine Mitbewohnerin umso mehr.</p> <h2>Chris, 29, studiert BWL</h2> <p><b>VICE: Wie viel gibst Du pro Woche f&#xFC;r Essen aus?</b><br><b>Chris:</b> Knapp 100 Euro. Auch wenn mein Budget tight ist, Essen ist mir wichtig.</p> <p><b>Na ja &#x2026; dein K&#xFC;hlschrank sieht nicht gerade danach aus, um ehrlich zu sein.</b><br>Ich esse meistens ausw&#xE4;rts, da ich nicht viel zu Hause bin. Daher gibt es in meinem K&#xFC;hlschrank nicht allzu viel zu entdecken.</p> <p><b>Gibts du mehr f&#xFC;r Essen oder Alkohol aus?</b><br>Meistens mehr f&#xFC;r Essen. Klar, das ist stimmungsabh&#xE4;ngig, aber gutes Essen kostet halt auch was.</p> <p><b>Bist du ein guter Koch?</b><br>Definitiv nicht. Mir fehlen die Zeit und die Geduld dazu. Wenn ich Hunger habe, m&#xF6;chte ich essen, und nicht kochen.</p> <h2>Nathalie*, 25, Wirtschaftspsychologie</h2> <p><b>VICE: Hey Nathalie. Wie viel Geld gibst du in der Woche f&#xFC;r Lebensmittel aus?</b><br><b>Nathalie:</b> Bestimmt 80 Euro f&#xFC;r Einkaufen und Ausw&#xE4;rtsessengehen zusammen. Dazu kommen noch mal 25 Euro f&#xFC;r Getr&#xE4;nke, vor allem Rotwein. Da kostet eine Flasche 5 bis 8 Euro. Und wenn wir ausgehen, kommen noch mal 20 bis 30 Euro f&#xFC;r Getr&#xE4;nke dazu.</p> <p><b>In welchem Zustand ist deine K&#xFC;che?</b><br>Hier ist es immer sehr aufger&#xE4;umt und sauber. Ich hab eine Sp&#xFC;lmaschine, da f&#xE4;llt es ja auch nicht so schwer, Ordnung zu halten. Einmal die Woche putze ich richtig gr&#xFC;ndlich, wische und mache alles sch&#xF6;n.</p> <p><b>W&#xFC;rdest du sagen, du bist eine gute K&#xF6;chin?</b><br>Ja, auf jeden Fall, ich gebe mir M&#xFC;he, abwechslungsreich zu kochen und neue Rezepte auszuprobieren. Italienisch koche ich sehr gern, das geht schnell und ist immer irgendwie anders. Lasagne, Pizza, Pasta, das sind meine Favoriten.</p> <p><b>Was ist das Beste, das du jemals selbst zubereitet hast?</b><br>Wir haben vor ein paar Wochen eine vegane kanadische Pizza gemacht, mit S&#xFC;&#xDF;kartoffeln, Cashewn&#xFC;ssen, Rucola und Ahornsirup. Die Inspiration habe ich von Ron Telesky, das ist der <a href="https://munchies.vice.com/de/articles/unpratentiose-imbisse-ron-telesky-canadian-pizza" target="_blank">interessanteste Pizzaladen in Berlin</a> und immer eine gute Inspiration.</p> <h2>Gabriele, 22, studiert Kulturwissenschaften</h2> <p><b>VICE: Wie viel gibst du monatlich f&#xFC;r Lebensmittel aus?</b><br><b>Gabriele:</b> Ich w&#xFC;rde sagen zwischen 200 oder 300 Euro. Also zusammen mit dem Essen, welches ich drau&#xDF;en zu mir nehme. Wenn ich nur die eingekauften Lebensmittel rechne, sind das wohl so 200 Euro.</p> <p><b>Empfindest du das als viel?</b><br>Nee, eigentlich ist das OK!</p> <p><b>Euer K&#xFC;hlschrankinhalt sieht sehr gesund aus, wie kommt das?</b><br>Weil wir eben gerne kochen, zum Kochen braucht man frische Sachen. Trotzdem kaufen wir ab und zu auch mal drei Packungen Butter, wenn es sich ergibt.</p> <p><b>Seid ihr Schn&#xE4;ppchenj&#xE4;gerinnen?</b><br>Ja, na ja. Ich bin da nicht so, ich kaufe das, was ich will&#x2014;und das kann dann auch mal was Teures sein. Aber meine Mitbewohnerin kauft schonmal zwei oder drei Packungen mehr, wenn sie gerade im Angebot sind, obwohl man sie jetzt gar nicht braucht.</p> <p><b>Das hei&#xDF;t auch, dass ihr alles teilt?</b><br>Ja, wir teilen schon alles. Ist jetzt nicht so, dass man das dann gegenrechnet, meine Mitbewohnerin kauft ein bisschen mehr, weil ihr Freund ab und zu hier rumh&#xE4;ngt. Wir teilen und wir kochen oft zusammen. Aber man wei&#xDF; schon, wenn etwas Besonderes im K&#xFC;hlschrank ist, dass man fragt. Ist ja auch sch&#xF6;ner so, gibt sonst Stress in der WG.</p> <h2>Florian, 24, studiert Jura</h2> <p><b>VICE: Florian, h&#xE4;ltst du deine K&#xFC;che sauber?</b><br><b>Florian:</b> Ja, das ist mir wichtig. Unordentlich kann es sein, aber ich habe halt gewisse Hygeniestandards.</p> <p><b>Was war die beste Mahlzeit, die du jemals an deiner Uni gegessen hast?</b><br>Mhm, das war wohl &apos;ne Quiche&#x2014;eine erforderliche Abwechslung zu st&#xE4;ndig trockenen Pommes und Spaghetti Bolognese.</p> <p><b>Was ist dir wichtiger: Alkohol oder Essen?</b><br>Auf jeden Fall Essen! <a href="http://www.vice.com/de/read/der-mann-der-andauernd-betrunken-ist-da-sein-koerper-alkohol-produziert" target="_blank">Saufen muss ich nicht jeden Tag</a>.</p> <p><b>Wie viel gibst du dann pro Woche f&#xFC;r Essen aus?</b><br>So circa 40 Euro&#x2014;ich bin nicht so der hungrige Typ.</p> <p>*Name ge&#xE4;ndert.</p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">vdn4vx</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/articles/5847817db00378023675594b/lede/1704723035364-lede-image.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>VICE Staff</dc:creator><dc:creator>Staff Vice</dc:creator><category>uni</category><category>Essen</category><category>geld</category><category>Studium</category><category>Studenten</category><category>Kühlschrank</category><category>Stuff</category><category>Vice Blog</category><category>Ernährung</category></item><item><title><![CDATA[Wie es sich anfühlt, das Coronavirus zu haben – und wieder gesund zu werden]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/y3mewb/wie-es-sich-anfuhlt-das-coronavirus-zu-haben</link><pubDate>Thu, 19 Mar 2020 09:46:04 GMT</pubDate><description><![CDATA[Park Hyun sagt, er sei "bescheuert selbstsicher" gewesen, dass er das Virus nicht bekommt.]]></description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.vice.com/de/topic/coronavirus" target="_blank">Das Coronavirus</a> breitet sich zunehmend aus. Bislang wurden <a href="https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6" target="_blank">weltweit 198.193 Menschen infiziert</a>, 7.954 sind daran gestorben. Wenn du diesen Artikel liest, werden diese Zahlen wieder veraltet sein.</p> <p><a href="https://www.vice.com/de/article/vbwq4d/hype-auf-koreanisch-bts-exo-und-blackpink-sind-schuld" target="_blank">S&#xFC;dkorea</a> ist besonders stark betroffen. Die Krankheit hat dort f&#xFC;r gro&#xDF;e Verunsicherung gesorgt. Und das, obwohl die Regierung es geschafft hat, die Sterberate auf einem Minimum zu halten und die allermeisten Infizierten wieder genesen.</p> <p>Auch Park Hyun ist wieder gesund. Um andere zu gr&#xF6;&#xDF;erer Achtsamkeit im Umgang mit dem Coronavirus anzuhalten, hat der 48-j&#xE4;hrige S&#xFC;dkoreaner mehrere Facebook-Posts &#xFC;ber seine Erfahrung mit der Krankheit verfasst.</p> <iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://web.facebook.com/hyun.park.5817/posts/10221188724004172?_rdc=1&amp;_rdr"></iframe> <p>&quot;Das wird f&#xFC;r einige Zeit vielleicht mein letzter Post sein, weil ich mich weiter darauf konzentrieren muss, meinen K&#xF6;rper von den Sch&#xE4;den des Virus und den Nebenwirkungen der Medikamente zu erholen&quot;, schrieb er in seinem bisher letzten Post am 8. M&#xE4;rz, in dem er seine Erfahrungen als Corona-Patient schildert.</p> <p><a href="https://www.facebook.com/hyun.park.5817/posts/10221188724004172?_rdc=2&amp;_rdr" target="_blank">In seinem Beitrag</a> schrieb Park, dass er sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte, obwohl er ein gesundes Leben f&#xFC;hrte. F&#xFC;nfmal die Woche sei er ins Fitnessstudio gegangen, habe sich regelm&#xE4;&#xDF;ig die H&#xE4;nde gewaschen und sogar &#xFC;berm&#xE4;&#xDF;ig Hand-Desinfektionsmittel benutzt. Au&#xDF;erdem habe er in einer Virus-freien Gegend gelebt. Das Alles brachte den S&#xFC;dkoreaner nach eigenen Angaben dazu, eher nachl&#xE4;ssig mit den Vorkehrungsma&#xDF;nahmen umzugehen. Park beschreibt sein Verhalten vor der Erkrankung als &quot;bescheuert selbstsicher&quot;. Das Folgende hat er &#xFC;ber den Ablauf seiner Erkrankung geschrieben.</p> <h2> Die Symptome</h2> <p>Es begann am Freitag, dem 21. Februar, <a href="https://www.vice.com/de/article/4agxqm/das-macht-das-coronavirus-mit-deinem-korper" target="_blank">mit leichten Halsschmerzen und trockenem Husten</a>, schreibt Park. &quot;Das ist normal, wenn mir das trockene Winterwetter zusetzt.&quot;</p> <p>Er dachte, mit reichlich Wasser w&#xE4;re die Sache schnell wieder erledigt. Am gleichen Tag wurde in seiner Heimatstadt Busan der erste Corona-Fall best&#xE4;tigt. Bald sp&#xFC;rte Park Druck auf seiner Brust, der tagelang anhielt. Drei Tage nach dem Einsetzen der ersten Symptome konnte er nicht mehr richtig atmen.</p> <p>Park rief den Coronavirus-Notruf an, aber kam nicht durch. Also versuchte er es beim &#xF6;rtlichen Gesundheitsamt. Dort teilte man ihm mit, dass die Wahrscheinlichkeit, das Virus zu haben, &#xE4;u&#xDF;erst gering sei. Erst nach dem dritten Anruf wurde er zum Test zugelassen.</p> <hr> <p><b><i>VICE-Video: Wie ich mich 30 Tage nur von Soylent ern&#xE4;hrt habe</i></b></p> <iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://video.vice.com/de/video/life-after-food-soylent-motherboard/55cb6ae51ce00c683baee7a9"></iframe> <hr> <h2> Der Test</h2> <p>Als Park im Krankenhaus ankam, warteten dort schon viele Menschen. &quot;Es gab eine lange Schlange, obwohl es fr&#xFC;h am Morgen war&quot;, schreibt er.</p> <p>Man sagte ihm, er m&#xFC;sse sich auf vier Stunden Warten einstellen. Nach 30 Minuten in der Schlange hatte Park allerdings wieder Atemprobleme, fiel in Ohnmacht und schlug hart mit dem Kopf auf dem Boden auf. Als die &#xC4;rzte seine Wunde behandelten, testeten sie ihn auch auf das Virus.</p> <p>Danach begab sich Park in sein Zimmer <a href="https://www.vice.com/de/article/7kz7g9/corona-virus-verdacht-leben-quarantane-isolation" target="_blank">in Selbstquarant&#xE4;ne</a>, wartete auf die Ergebnisse und informierte alle, mit denen er in den vorigen Tagen Kontakt hatte, &#xFC;ber die m&#xF6;gliche Infektion.</p> <h2> Die Diagnose</h2> <p>Am Dienstag, dem 25. Februar, erhielt Park eine Nachricht, dass der Test negativ sei. Doch gerade, als er sich in Sicherheit w&#xE4;hnte, bekam er einen Anruf vom Gesundheitsamt. Man habe ihm die falsche Nachricht geschickt, er sei tats&#xE4;chlich mit dem Coronavirus infiziert. Park m&#xFC;sse jedoch 24 Stunden warten, bis er ins Krankenhaus kann, weil alle Zimmer in der Quarant&#xE4;ne-Abteilung belegt seien.</p> <p>Ein paar Stunden sp&#xE4;ter rief eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung an und fragte Park, wo er sich an den vergangenen Tagen aufgehalten habe und mit welchen Personen er Kontakt gehabt habe. Als die Frau erkannte, wie schlecht Parks Zustand war, bewirkte sie eine schnelle Einweisung ins Krankenhaus.</p> <p>Gegen Mitternacht am gleichen Tag wurde Park in einen Unterdruckraum auf der Quarant&#xE4;nestation der Notaufnahme gebracht. Dort wurde er untersucht, bekam Medizin und Sauerstoff.</p> <h2> Wie es sich anf&#xFC;hlte</h2> <p>&quot;Ich konnte ein bisschen besser atmen, aber es f&#xFC;hlte sich an, als w&#xFC;rde eine schwere Metallplatte auf meiner Brust liegen&quot;, erinnert sich Park. &quot;Meine Brust und mein Magen brannten von der Medizin.&quot;</p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/g5x3bq/psychisch-krankheit-angst-corona-isolation-quarantane?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=y3mewb&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div><p>Sein Zustand schwankte, aber verbesserte sich allm&#xE4;hlich. Die Nebenwirkungen der Medikamente waren die ersten beiden Tage noch sehr schlimm, aber sein K&#xF6;rper gew&#xF6;hnte sich an sie. Er hatte auch keine Wahl, denn bislang gibt es kein spezielles Mittel gegen das Coronavirus. Neben den k&#xF6;rperlichen Beschwerden machte die Isolation auch seiner Psyche zu schaffen.</p> <h2> Die Genesung</h2> <p>An seinem achten Tag im Krankenhaus konnte das Virus bei Park nicht mehr nachgewiesen werden und seine Medikamente wurden abgesetzt. Auch am Tag darauf war der Coronatest negativ &#x2013; Park schien wieder gesund zu sein.</p> <p>An Tag neun wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. Dennoch sollte er weitere 14 Tage zu Hause in Quarant&#xE4;ne verbringen, weil einige Patienten r&#xFC;ckf&#xE4;llig geworden waren.</p> <p>Park geht es laut eigenen Angaben inzwischen viel besser, aber er sagte VICE, dass seine Erholung von der Krankheit immer noch im Mittelpunkt stehe. Auch wenn manche Menschen ihn und seine Familie beschuldigt h&#xE4;tten, ihre Gemeinschaft in Gefahr gebracht zu haben, habe Park vor allem gute Erfahrungen gemacht. Krisenzeiten br&#xE4;chten das Beste in vielen Menschen hervor, sagt er.</p> <p>&quot;Als die Nachbarn meiner Mutter davon h&#xF6;rten, dass ich nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus in einem Zimmer in Quarant&#xE4;ne war, haben sie Essen an die T&#xFC;rklinke geh&#xE4;ngt. Ich habe das wirklich zu sch&#xE4;tzen gewusst&quot;, sagt Park.</p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/g5xm87/warum-kaufen-menschen-klopapier?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=y3mewb&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div><p>Er r&#xE4;t Menschen, ihre K&#xF6;rper nicht zu sehr zu beanspruchen und Menschenansammlungen zu meiden. An diejenigen, die bereits mit dem Virus infiziert sind, hat er folgende Nachricht:</p> <p>&quot;Bleib so positiv wie m&#xF6;glich. Iss, trink und schlaf gut. Lies keine verwirrenden Artikel oder Posts. Vertrau deinen &#xC4;rztinnen und &#xC4;rzten und erhole dich. Mache dir nicht zu viele Sorgen um deine Freunde und Familie, die in deinem Umfeld waren. Sie sind stark.&quot;</p> <p><i>Folge VICE auf <a href="https://www.facebook.com/vicede" target="_blank">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/vice_de" target="_blank">Instagram</a> und <a href="https://www.snapchat.com/discover/VICE-DE/6278936372" target="_blank">Snapchat</a>.</i></p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">y3mewb</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/test-uploads/articles/5e6a2f9a2c3d46009d73567c/lede/1584017311009-south-korean-coronavirus-recovery.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>Lia Savillo</dc:creator><dc:creator>Junhyup Kwon</dc:creator><dc:creator>Therese Reyes</dc:creator><category>Gesundheit</category><category>Krankenhaus</category><category>Coronavirus</category></item><item><title><![CDATA[Warum Supermarktpersonal spätestens seit der Corona-Krise euren Respekt verdient hat]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/wxekd9/supermarkt-verkaufer-corona</link><pubDate>Thu, 19 Mar 2020 09:15:28 GMT</pubDate><description><![CDATA[Wer an der Kasse sitzt, kann nicht ins Home Office. Stattdessen hat man ständig Kontakt zu Kundinnen – und Viren.]]></description><content:encoded><![CDATA[<p>Meine Mutter ist seit 35 Jahren Verk&#xE4;uferin und hat Spa&#xDF; an ihrem Job. Zurzeit aber wird er zur Belastung. &quot;Wir k&#xF6;nnen die Regale gar nicht so schnell wieder auff&#xFC;llen, wie sie leerger&#xE4;umt werden&quot;, sagt sie. Es wird t&#xE4;glich so ziemlich alles leergekauft, was sich lange lagern l&#xE4;sst: Nudeln, Mehl, Tiefk&#xFC;hl-Gem&#xFC;se, Aufbackbr&#xF6;tchen, Dosengem&#xFC;se. Manche Kundinnen kaufen vier Packungen Toilettenpapier, andere bis zu zehn Packungen Mehl und Milch. &quot;Wir hatten nicht mal mehr eine Packung Trockenhefe &#xFC;brig, obwohl wir die sonst nie verkaufen.&quot; </p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/g5xm87/warum-kaufen-menschen-klopapier?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=wxekd9&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div> <p>Seit Wochen kommt es zu sogenannten Hamsterk&#xE4;ufen, und das obwohl der Einzelhandel <a href="https://www.derstandard.at/story/2000115793099/rewe-chef-haraszti-wir-brauchen-helfende-haende" target="_blank">keine Engp&#xE4;sse</a> bef&#xFC;rchtet. <a href="https://www.vice.com/de/article/7kz7xe/coronavirus-hamsterkaufe-desinfektionsmittel-supermarkte-leergekauft" target="_blank">Die Regale sind leer, die Schlangen vor den Kassen lang</a>. Die Sorge der Menschen vor dem Coronavirus wird deshalb mittlerweile nicht nur zur Belastung f&#xFC;r das Gesundheitswesen, sondern auch immer mehr f&#xFC;r Verk&#xE4;uferinnen und Verk&#xE4;ufer im Einzelhandel. Supermarktketten <a href="https://www.vol.at/supermaerkte-schicken-aeltere-zum-einschlichten/6556274" target="_blank">suchen derzeit sogar nach Aushilfen</a>, die sich unkompliziert bewerben k&#xF6;nnen. Sp&#xE4;testens seit der Corona-Krise zeigt sich also, wie wichtig der Beruf meiner Mutter ist.</p> <p>Im Lohn zeigt sich das allerdings so gar nicht. Die Arbeit im Einzelhandel ist schlecht bezahlt. Das Bruttomonatsgehalt von Verk&#xE4;uferinnen und Verk&#xE4;ufern liegt laut <a href="https://www.lohnspiegel.de/verkaeufer-in-im-einzelhandel-13893.htm" target="_blank">einer Umfrage</a> von Lohnspiegel.de, einem Angebot der Hans-B&#xF6;ckler-Stiftung in Deutschland, bei einer 38-Stunden-Woche bei durchschnittlich 1.890 Euro (in <a href="https://www.lohnanalyse.at/at/loehne/details/verkaeuferin.html" target="_blank">&#xD6;sterreich etwa 1615&#x20AC;</a>). Zwei Drittel der Befragten gaben an, mit der Bezahlung nicht zufrieden zu sein. Noch dazu ist der Job gesellschaftlich nicht hoch angesehen. Die typische Arbeitskraft im Einzelhandel ist weiblich: 70 Prozent aller Besch&#xE4;ftigten sind Frauen. Viele von ihnen arbeiten in Teilzeit, einige pflegen nebenher Angeh&#xF6;rige oder Kinder. Das war bei meiner Mutter lange Zeit auch so. </p> <p class="article__pull-quote">&quot;Der Regierung scheint es egal zu sein, dass uns so viele Menschen so nahe kommen&quot;, sagt sie. </p> <p>Meine Mutter leidet unter Typ-1-Diabetes. Sie geh&#xF6;rt somit selbst zur Risikogruppe. Doch f&#xFC;nf ihrer Kolleginnen sind ausgefallen, weil Kitas und Schulen geschlossen sind. Das bedeutet: Mehr Stunden f&#xFC;r alle anderen. In der letzten Woche musste meine Mutter deshalb zw&#xF6;lf &#xDC;berstunden machen. Einmal kam sie sogar freiwillig zwei Stunden vor ihrem eigentlichen Schichtbeginn, weil die gelieferte Bestellung riesig war. Sie wusste, dass sie nicht genug Zeit haben wird, alles einzur&#xE4;umen. Da zurzeit immer alle Kassen ge&#xF6;ffnet sind, arbeitet n&#xE4;mlich auch weniger Personal auf der Supermarktfl&#xE4;che.</p><hr><p><b><i>Auch bei VICE: Zwischen Schutz und Panikmache &#x2013; Kugelsichere Rucks&#xE4;cke an US-Schulen</i></b><br></p><iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://video.vice.com/de/video/disturbing-reality-of-bulletproof-backpacks/5b898085be40776a1c5c3742"></iframe><hr><p>W&#xE4;hrend sich in L&#xE4;ndern wie Italien nur noch kleine Gruppen zur gleichen Zeit in Superm&#xE4;rkten aufhalten d&#xFC;rfen, gibt es in Deutschland und &#xD6;sterreich keine Regulierungen &#x2013; zumindest noch nicht. Stattdessen wurde seit Tagen &#xFC;ber etwas gesprochen, das nun beschlossen ist: <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-merkel-geschaefte-schliessen-100.html" target="_blank">Superm&#xE4;rkte k&#xF6;nnen aufgrund der hohen Nachfrage w&#xE4;hrend der Krise auch an Sonntagen &#xF6;ffnen</a>. Meine Mutter hat daf&#xFC;r zwar Verst&#xE4;ndnis, aber sie arbeitet aktuell bereits an sechs Tagen in der Woche.</p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/akwyv4/coronavirus-prepping-prepper-hamsterkaufe-vorbereiten?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=wxekd9&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div> <p>&quot;Der Regierung scheint es egal zu sein, dass uns so viele Menschen so nahe kommen&quot;, sagt sie. W&#xE4;hrend Veranstaltungen abgesagt, Fitnessstudios und Universit&#xE4;ten geschlossen bleiben m&#xFC;ssen, denkt niemand &#xFC;ber die Verk&#xE4;uferinnen und Verk&#xE4;ufer nach, zu deren Job der Kontakt zu Menschen geh&#xF6;rt. &quot;Am Wochenende waren in einigen G&#xE4;ngen manchmal 50 bis 70 Personen.&quot; Rund 1.200 Menschen laufen &#xFC;blicherweise t&#xE4;glich durch den Laden, am Wochenende etwa 1.500. Aktuell sind es aber weitaus mehr. &quot;Ich bekomme Angst, wenn ich dar&#xFC;ber nachdenke&quot;, sagt meine Mutter. </p> <p>Die Stimmung im Gesch&#xE4;ft &#xE4;ndere sich au&#xDF;erdem von Tag zu Tag. Mittlerweile warten immer mehr Kundinnen und Kunden eine halbe Stunde, bevor der Laden &#xF6;ffnet, vor der T&#xFC;r.<i> S</i>ie wollen die Ersten sein, die ihren Einkauf erledigen k&#xF6;nnen. Au&#xDF;erdem beschweren sie sich immer mehr &#xFC;ber die leeren Regale, oder &#xFC;ber die Schlange an der Kasse. &quot;Ich sp&#xFC;re, dass die Menschen Angst haben&quot;, sagt meine Mutter. Andauernd werde sie gefragt, ob noch Ware auf Lager sei, oder wann sie wieder geliefert werde. Meine Mutter nimmt es gelassen. Denn es gebe auch Kundinnen und Kunden, die f&#xFC;r ihre Lage Verst&#xE4;ndnis zeigen. Menschen, die sich bedanken und ihr sagen, dass sie froh &#xFC;ber ihre Arbeit sind. &quot;Ich habe das Gef&#xFC;hl, dass uns viele Menschen durch diese Notlage mehr wertsch&#xE4;tzen und mit anderen Augen sehen.&quot;</p> <p><i> Folge Steven auf <a href="https://www.instagram.com/steveemeyer/" target="_blank">Instagram</a> und VICE auf <a href="https://www.facebook.com/vicede" target="_blank">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/vice_de" target="_blank">Instagram</a> und <a href="https://www.snapchat.com/discover/VICE-DE/6278936372" target="_blank">Snapchat</a>.</i></p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">wxekd9</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/test-uploads/articles/5e711843efa40600987cbbda/lede/1584523224064-kassierer_corona.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>Steven Meyer</dc:creator><dc:creator>Lisa McMinn</dc:creator><category>COVID-19</category><category>Coronavirus</category><category>Krankheit</category><category>Gesundheit</category></item><item><title><![CDATA[Zu Besuch bei den Geflüchteten im Camp Moria auf Lesbos]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/884bnz/zu-besuch-bei-den-gefluchteten-im-camp-moria-auf-lesbos</link><pubDate>Thu, 19 Mar 2020 09:07:26 GMT</pubDate><description><![CDATA[Auf Lesbos leben 20.000 Geflüchtete auf engstem Raum, davon fast die Hälfte Kinder. Die EU schaut zu.]]></description><content:encoded><![CDATA[<p>&quot;Vielleicht wollte Gott mir zeigen, dass man wirklich in Zelten leben kann&quot;, sagt Zainab und guckt mit ihren schwarzen Augen an mir vorbei. In der Grundschule erz&#xE4;hlte ihr Lehrer von einem Nomadenstamm im Norden Afghanistans, aber sie konnte das nicht glauben: <a href="https://www.vice.com/de/article/d3nbbw/die-eu-sieht-zu-wie-gefluchtete-auf-dieser-mulldeponie-festgehalten-werden-bosnien-balkanroute" target="_blank">&quot;In Zelten? Bei Regen? Im Winter?&quot;</a> Sie lacht auf und streicht eine Str&#xE4;hne ihrer Kurzhaarfrisur aus dem Gesicht. Zainab ist 22 Jahre alt und wir sind auf der griechischen Insel Lesbos. Achttausend Meter Meer trennen hier die Europ&#xE4;ische Union und die T&#xFC;rkei. Zainab will mir ihr altes Zuhause zeigen: Moria, das Camp auf dem ehemaligen Milit&#xE4;rgel&#xE4;nde, ausgelegt f&#xFC;r 2.200 Menschen. Wer dort keinen Platz bekommt, zieht mit d&#xFC;nnen Zelten in den anliegenden Olivenhain, ohne Schutz vor Regen und K&#xE4;lte, ohne Toiletten und Strom. Hier leben 20.000 Menschen auf einem Quadratkilometer.</p> <p>&quot;Im August vergangenen Jahres erreichte unser Schlauchboot den Norden der Insel&quot;, sagt Zainab. &quot;Wir haben vor Freude geweint. Wir waren voller Hoffnung, wir dachten: Hier werden ein paar unserer Rechte respektiert, wir k&#xF6;nnen die Vergangenheit hinter uns lassen.&quot;</p><hr> <p><b><i>VICE-Video: Eine der t&#xF6;dlichsten Routen nach Europa &#x2013; Flucht &#xFC;bers Meer</i></b></p><iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://video.vice.com/de/video/surviving-one-of-the-deadliest-routes-to-europe-refugees-at-sea-vice-news-specials/56e19116f37223f40f4016ed"></iframe><hr><p>Vergangenheit, das ist f&#xFC;r Zainab die viertgr&#xF6;&#xDF;te Stadt Afghanistans, Masar-e Sharif. &quot;Dort machte ich nie Pl&#xE4;ne f&#xFC;r die Zukunft, weil es so unsicher war, ob ich sie je erlebe.&quot; Sie habe pers&#xF6;nlich Gewalt und Drohungen durch die Taliban erlebt, sagt Zainab, allerdings wolle sie nicht mehr dar&#xFC;ber reden. &quot;Es war schrecklich, das soll reichen.&quot; Die erste Zeit auf Lesbos habe sie mit ihrem Onkel auf der Stra&#xDF;e geschlafen, ohne Zelt. &quot;Eine Decke legten wir unter, eine &#xFC;ber uns. In Moria gab es nur Platz f&#xFC;r alleinstehende Frauen, aber ich wollte bei meinem Onkel bleiben, ich hatte solche Angst. Nach zwei Wochen im Stra&#xDF;engraben entschied ich zu gehen. Es gab keine andere Option.&quot;<br></p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584462559165-image8.jpeg" alt="Eine Halde mit unz&#xE4;hligen kaputten Schwimmwesten"> <div class="article__image-caption">Der Life Jacket Graveyard | Foto: Simon Grothe</div> </div> <p>Nach dem EU-T&#xFC;rkei-Abkommen von 2016 <a href="https://migration.iom.int/europe?type=arrivals" target="_blank">erreichten weniger Schlauchboote die griechischen Inseln</a>. Doch schon bevor Erdo&#x11F;an die t&#xFC;rkisch-griechische Grenze f&#xFC;r Fl&#xFC;chtende im Februar &#xF6;ffnete, kamen immer mehr Menschen an. Besonders in der zweiten H&#xE4;lfte 2019 gingen die Zahlen trotz des einbrechenden Winters kaum zur&#xFC;ck. Derzeit harren etwa 13.000 Menschen an der t&#xFC;rkisch-griechischen Landesgrenze aus, werden mit Tr&#xE4;nengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen am Grenz&#xFC;bertritt gehindert.</p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/5dmj8x/exklusiv-griechenland-bat-deutschland-schon-vor-monaten-um-hilfe-fur-minderjahrige-gefluchtete-erfolglos?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=884bnz&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div><p>Videos, die Menschen mit Schusswunden zeigen, wurden von den griechischen Beh&#xF6;rden als Fake News bezeichnet. Ein Forscherkollektiv aus London best&#xE4;tigte jedoch den Tod des Syrers Muhammad al-Arab mit Schussverletzungen an der griechischen Landesgrenze. Zudem haben sich B&#xFC;rgerwehren gegr&#xFC;ndet, die mit Hunden und Gewehren patrouillieren. Im M&#xE4;rz setzte der griechische Premierminister das Asylrecht aus. Wer neu ankommt, <a href="https://www.keeptalkinggreece.com/2020/03/04/lesvos-navy-ship-migrants/" target="_blank">wird eingesperrt und ohne Verfahren abgeschoben</a>. Griechenland macht seine Grenze zum rechtsfreien Raum. Und die EU schaut zu.</p> <h2> &quot;Willkommen im Dschungel&quot;, sagt Zainab</h2> <p>Auf einem Stra&#xDF;enschild steht Moria in lateinischen und griechischen Buchstaben. Es hat den ganzen Tag geregnet und gest&#xFC;rmt. Das Wasser spritzt, als das Taxi durch die Schlagl&#xF6;cher ruckelt. Und dann stehen Zainab und ich vor einem Zaun mit Stacheldraht, der alle f&#xFC;nfzig Meter aufgebogen ist. Wir laufen an Obstst&#xE4;nden vorbei. Auf einer Plane verkauft ein Junge N&#xE4;gel, Feuerzeuge, Gaskartuschen &#x2013; Moria Essentials. Das Camp ist blau und wei&#xDF; und braun. M&#xFC;lls&#xE4;cke, Zelte, Matsch. &quot;Willkommen im Dschungel&quot;, sagt Zainab und schl&#xE4;ngelt sich durch die M&#xFC;llberge, vorbei an Frauen mit W&#xE4;schek&#xF6;rben, zu einem gr&#xF6;&#xDF;eren, wei&#xDF;en Zelt, vor dem Kinder Murmeln flitschen.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584462720725-image1.jpeg" alt="Zainab sitzt mit schwarzer Jacke und schwarzer Hose auf Betonstufen"> <div class="article__image-caption"> In ihrer Heimat Afghanistan habe Zainab keine Pl&#xE4;ne f&#xFC;r die Zukunft gemacht, erz&#xE4;hlt sie: &quot;Weil es so unsicher war, ob ich sie je erlebe.&quot; | Foto: Raphael Knipping</div> </div> <p>&quot;Als ich in Moria ankam und die Menschen in den Zelten sah, war ich geschockt. Ich habe eine Woche lang geweint. Ich wusste, dass wir in einem Camp leben w&#xFC;rden, aber ich dachte nicht, dass es aus Zelten bestehen w&#xFC;rde, die Menschen normalerweise f&#xFC;r ihre Ferien benutzen. Zelte, die nicht gegen Regen und K&#xE4;lte gesch&#xFC;tzt sind, ohne Privatsph&#xE4;re. Ich dachte, nach ein paar Wochen darf ich in einen Container umziehen, vielleicht zu meinem Onkel, aber dann sprach ich mit Menschen, die seit neun Monaten oder einem Jahr dort zelten. Ich wollte nicht akzeptieren, so lange zu bleiben, aber ich musste. Es gab keine Alternative. Ich habe mich mit den zehn Frauen in meinem Zelt ganz gut verstanden, aber du kannst niemandem in Moria vertrauen. Niemand ist normal da. Niemand hat ein normales Leben, einen normalen Alltag.&quot;</p> <p>Als die Sonne durch die Wolken bricht, wird Moria lauter. Jungs mit Boomboxen laufen &#xFC;ber die Hauptstra&#xDF;e, dazu das rhythmische Klingen eines Hammers. Es riecht nach Ru&#xDF;, als wir an den &#xD6;fen im Boden vorbeikommen, in denen alte M&#xE4;nner Brot backen. &#xDC;ber die Jahre haben sich die Menschen organisiert. Moria ist eine Kleinstadt. Es gibt Barbershops, Kioske und Falafel, eingewickelt in griechische Lidl-Prospekte. Es ist eine friedliche, heitere Stimmung. Ein paar Kinder sitzen um eine Feuertonne und reden &#xFC;ber deutsche St&#xE4;dte. &quot;Stuttgart is shit&quot;, sagt ein Junge.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584462856196-image9.jpeg" alt="Ein Stra&#xDF;e am Camp, an der Seite stapeln sich die M&#xFC;lls&#xE4;cke"> <div class="article__image-caption">Neben dem Camp leben die Menschen in einfachsten Zelten. Eine M&#xFC;llabfuhr gibt es nicht | Foto: Raphael Knipping</div> </div> <h2> Javad aus Afghanistan: &quot;Justin Bieber gef&#xE4;llt den Taliban nicht&quot;</h2> <p>Javads Vollbart kratzt auf meiner Haut, als er einen Kuss auf die Wange andeutet. Er hei&#xDF;t eigentlich anders, aber seine Identit&#xE4;t soll hier gesch&#xFC;tzt werden. Javad hat sich ver&#xE4;ndert. Sein WhatsApp-Profilbild zeigt ihn mit einem fein getrimmten Bart und rotem Jackett. Zu Hause in Kabul moderierte er eine t&#xE4;gliche Musiksendung. &quot;Justin Bieber gef&#xE4;llt den Taliban genauso wenig wie mein Tattoo&quot;, sagt Javad und streckt mir seinen Hals mit drei Sternen hin. &quot;Nachdem sie mich zusammenschlugen und drohten, meine Kinder zu t&#xF6;ten, verkaufte ich mein Haus und mein Auto und betrat das Fernsehstudio nie wieder.&quot; Er habe ein vergleichsweise angenehmes Leben in Kabul gehabt, sagt er. &quot;Sowas gibt man nicht leichtfertig auf.&quot;</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584463262233-image3.jpeg" alt="Javad, seine Tochter Zahra und andere Kinder in einem Zelt"> <div class="article__image-caption"> Javad und seine Tochter Zahra (Mitte) | Foto: Simon Grothe</div> </div> <p>Die Lage in Afghanistan ist auch heute noch angespannt. Die Taliban verursachten <a href="https://www.wsj.com/articles/taliban-led-attacks-in-afghanistan-hit-10-year-high-11580446861" target="_blank">2019 so viele Angriffe wie seit zehn Jahren nicht mehr</a>. F&#xFC;r mehr als die H&#xE4;lfte der 2.563 zivilen Todesopfer von Januar bis September 2019 waren laut einem UN-Bericht die US-Armee und deren Alliierte verantwortlich. Experten bef&#xFC;rchten, <a href="https://www.deutschlandfunk.de/afghanistan-friedensverhandlungsprozess-wird-schwierig.694.de.html?dram:article_id=472305" target="_blank">dass die Taliban nach dem R&#xFC;ckzug der USA ihre Macht weiter ausbauen</a>. Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan sind Abschiebungen in Kriegsgebiete.</p> <p>Javad hat auf vier Holzpaletten ein Zelt gebaut. Auf den Matratzen im Inneren sitzen sieben Kinder und sagen der Reihe nach: &quot;Boat. Shop. Train.&quot; Jeden Tag kommen sie zu Javads Unterricht. Auch heute, am Sonntag.</p> <p class="article__pull-quote">&quot;Die Kinder lachen und spielen, aber alle sind traumatisiert. Sie wissen nicht, was passiert, wohin es geht, was die Zukunft bringt. Jeden Tag werden Menschen in Moria verr&#xFC;ckt.&quot;</p> <p>Javads Tochter Zahra ist elf Jahre alt und erkl&#xE4;rt in bestem Englisch, dass sie Pilotin werden will. Es klingt weniger nach einem kindlichen Plan als nach einer Feststellung. &quot;I will go the USA, to Canada and to Africa&quot;, sagt sie und beginnt ein Klatschspiel mit ihrer Freundin. In der &#xF6;ffentlichen Wahrnehmung geht oft verloren, dass 42 Prozent der Gefl&#xFC;chteten auf Lesbos Kinder sind. Die Generation Moria w&#xE4;chst dort heran.</p> <p>Nach der Stunde kuschelt sich Javads Tochter in seinen Scho&#xDF;. Er sagt: &quot;Die Kinder lachen und spielen, aber alle sind traumatisiert. Sie wissen nicht, was passiert, wohin es geht, was die Zukunft bringt. Jeden Tag werden Menschen in Moria verr&#xFC;ckt. Ich suche einen Ort, an dem ich mit meiner Familie in Frieden leben und an dem ich wieder als Journalist arbeiten kann. Dieses Land kann Griechenland oder Deutschland hei&#xDF;en, das ist mir egal. Ich m&#xF6;chte nie wieder um das Leben meiner Familie bangen.&quot;</p> <h2> Vergangene Woche gab es die erste erfasste Coronavirus-Infektion auf Lesbos</h2> <p>Das Fl&#xFC;chtlingswerk der Vereinten Nationen ruft zur dringenden Evakuierung von Moria auf, warnt vor sexueller Gewalt in dem Camp, in dem Frauen in Windeln schlafen, weil sie sich nachts nicht auf die Toilette trauen. <a href="http://legalcentrelesvos.org/2020/01/19/call-for-accountability-apparent-suicide-in-moria-detention-centre-followed-failure-by-greek-state-to-provide-obligated-care/" target="_blank">Ein Iraner erh&#xE4;ngte sich am 6. Januar</a> im Gef&#xE4;ngnis von Moria, <a href="http://www.ekathimerini.com/248573/article/ekathimerini/news/tension-at-moria-camp-following-second-death" target="_blank">zwei Gefl&#xFC;chtete wurden seit Beginn des Jahres erstochen</a>. &#xC4;rzte ohne Grenzen berichtet immer wieder <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/kinderpsychologin-zu-lage-im-camp-moria-zweijaehrige-reissen-sich-ihre-haare-aus/25100582.html" target="_blank">&#xFC;ber Suizidversuche von Minderj&#xE4;hrigen</a>.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584463397296-image4.jpeg" alt="Zwei Dixi-Toiletten"> <div class="article__image-caption"> Dem Fl&#xFC;chtlingshilfswerk der Vereinten Nationen zufolge trauen sich Frauen aus Angst vor sexualisierter Gewalt nachts nicht auf die Toilette | Foto: Michael Trammer</div> </div> <p>Vergangene Woche gab es den ersten erfassten Coronavirus-Fall auf der Insel. Eine Infektionswelle im Camp w&#xFC;rde sich rasend schnell verbreiten. In manchen Abschnitten teilen sich 1.300 Menschen einen Wasserhahn, ohne Seife oder Desinfektionsmittel. <a href="https://www.vice.com/de/topic/gefluchtete" target="_blank">Gefl&#xFC;chtete</a> schneidern im Schichtbetrieb Atemschutzmasken, versuchen, mit selbstgemalten Plakaten die Camp-Bewohnerinnen zu informieren. &quot;Wir haben genaue Anleitungen zum Maskenschneidern auf der Website der Weltgesundheitsorganisation gefunden&quot;, sagt ein Aktivist dem <i> Spiegel</i>. W&#xE4;hrend sich die Menschen in Deutschland um dreilagiges Klopapier sorgen, sind die Fl&#xFC;chtenden in Moria auf sich allein gestellt. Wenn in dieser Enge ein Feuer ausbricht, gibt es kaum Fluchtm&#xF6;glichkeiten, so eng leben die Menschen aneinander. Erst am Montag brach tats&#xE4;chlich ein Feuer aus, <a href="https://www.spiegel.de/politik/ausland/brand-im-fluechtlingslager-moria-katastrophe-mit-ansage-a-bb5c9fd0-9ed1-4b6a-be35-67d716e239bc" target="_blank">bei dem mindestens ein Kind in einem der Zelte starb</a>.</p> <p>Seit der Reform des griechischen Asylrechts Anfang dieses Jahres stecken &#xFC;ber 41.000 Menschen auf den Inseln Lesbos, Chios, Kos, Samos und Leros fest. Die griechische Regierung verbietet ihnen, die Inseln zu verlassen, um sie bei negativer Asylentscheidung leichter in die T&#xFC;rkei abschieben zu k&#xF6;nnen. Auch die Verfahren werden im Eiltempo durchgepeitscht. Innerhalb von sieben Tagen nach Ankunft sollen Fl&#xFC;chtende, die bis zur Aussetzung des Asylrechts vor zwei Wochen ankamen, ihr erstes Asylinterview haben. Wenige Tage sp&#xE4;ter soll es eine Entscheidung geben. Ich treffe eine Frau, deren Asylgesuch abgelehnt wurde, weil sie am Tag des Interviews ein Kind gebar. Fr&#xFC;her konnte die Abwesenheit begr&#xFC;ndet werden, nun ist Einspruch kaum m&#xF6;glich. Es wird behauptet, die fl&#xFC;chtende Person h&#xE4;tte nicht mit den Beh&#xF6;rden kooperiert, und sie wird abgeschoben.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584464141536-image2.jpeg" alt="Ein Schwarzer Mann vor einem behelfsm&#xE4;&#xDF;igem Zelt"> <div class="article__image-caption">Manche Gefl&#xFC;chtete sind seit Jahren im Camp &#x2013; wie dieser Mann aus Nigeria, der seit vier Jahren in Moria lebt | Foto: Raphael Knipping</div> </div> <p>Aber auch in den Anh&#xF6;rungen sind die Beh&#xF6;rden alles andere als kooperativ. Menschen aus afrikanischen L&#xE4;ndern s&#xFC;dlich der Sahara beantragen oft ein Asylinterview in ihrer Muttersprache. Das ist ihr Recht, aber da die Beh&#xF6;rden keine &#xDC;bersetzer f&#xFC;r diese Sprachen auftreiben, werden sie in den Kolonialsprachen Englisch oder Franz&#xF6;sisch interviewt. Das griechische Magazin <i> Efsyn</i> ver&#xF6;ffentlichte die beh&#xF6;rdliche Mitschrift des Asylinterviews eines 45-j&#xE4;hrigen Senegalesen vom 8. Januar. Es dauerte genau f&#xFC;nf Minuten: von 9:17 Uhr bis 9:22 Uhr. F&#xFC;nf Minuten, die &#xFC;ber seine Zukunft entscheiden. Doch er versteht die Menschen nicht, die entscheiden, sagt wieder und wieder den Namen seiner Muttersprache.</p> <p>&quot;Guten Morgen.&quot;</p> <p>(Bewerber guckt den &#xDC;bersetzer an)</p> <p>&quot;Verstehen Sie den &#xDC;bersetzer?&quot;</p> <p>&quot;Wolof.&quot;</p> <p>&quot;Sie sprechen Franz&#xF6;sisch?&quot;</p> <p>(Bewerber antwortet nicht)</p> <p>&quot;Bei Ihrer Registrierung wurde Franz&#xF6;sisch als Sprache angegeben. Warum?&quot;</p> <p>&quot;Kein Franz&#xF6;sisch, nur Wolof.&quot;</p> <p>&quot;Ich m&#xF6;chte Sie informieren, dass unter dem neuen Gesetz das Asylinterview in der Sprache gef&#xFC;hrt wird, die bei der Registrierung angegeben wurde. (&#x2026;) Verstehen Sie noch immer nicht den &#xDC;bersetzer und behaupten, nur Wolof zu sprechen?&quot;</p> <p>&quot;Wolof, Wolof.&quot;</p> <p>&quot;Das Interview ist vorbei, vielen Dank.&quot;</p> <p>Zwei Tage sp&#xE4;ter erhielt er der Zeitung zufolge die Ablehnung seines Asylgesuchs und die Ank&#xFC;ndigung einer Abschiebung in die T&#xFC;rkei. Eine NGO hat seinen Fall &#xFC;bernommen und Einspruch eingelegt.</p> <h2> Viele Inselbewohnende waren f&#xFC;nf Jahre solidarisch &#x2013; doch die Stimmung kippt</h2> <p>Um die Frist von sieben Tagen einhalten zu k&#xF6;nnen, werden die F&#xE4;lle Tausender Menschen, die im vergangenen Jahr ankamen, nach hinten geschoben. Mir werden Einladungen f&#xFC;r Interviews im Jahr 2021 und 2022 gezeigt. Bis dahin m&#xFC;ssen die Fl&#xFC;chtenden in Moria bleiben, ohne Perspektive, ohne Sicherheit. Und die Lage scheint zum Dauerzustand zu werden.</p> <p>&#xDC;ber f&#xFC;nf Jahre zeigten sich die meisten Inselbewohner solidarisch mit den Fl&#xFC;chtenden. Auch weil sie es als vor&#xFC;bergehendes Ph&#xE4;nomen sahen. Mit der zunehmenden Gewissheit, dass Lesbos mit immer gr&#xF6;&#xDF;eren Lagern zu einer dauerhaften Au&#xDF;enstelle der europ&#xE4;ischen Asylb&#xFC;rokratie wird, wollen sie sich nicht abfinden. In den vergangenen Wochen heizten rechtsextreme Terroristen immer erfolgreicher die Stimmung auf. Stundenlang belagerten Hunderte Menschen die Milit&#xE4;rbasis, in die sich die Polizei zur&#xFC;ckgezogen hatte, warfen Flaschen, Steine, Feuerwerksk&#xF6;rper, errichteten Stra&#xDF;enblockaden. Am Folgetag wurden die zus&#xE4;tzlichen Einheiten wieder von der Insel abgezogen.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584464338503-image5.jpeg" alt="Ein Pick-up-Truck mit zersplitterter Frontscheibe"> <div class="article__image-caption">In den vergangenen Wochen belagerten Menschen die Milit&#xE4;rbasis, in der sich die Polizei verschanzt hatte | Foto: Michael Trammer</div> </div> <p>Seither ziehen rechte Mobs &#xFC;ber die griechischen Inseln, erstellen Listen in Facebook-Gruppen mit Wohnorten von NGO-Mitarbeiterinnen. Die deutschen Journalisten Michael Trammer und Raphael Knipping dokumentierten, wie Anwohner Fl&#xFC;chtende in einem Schlauchboot mit Plastikflaschen bewarfen und nicht an Land lie&#xDF;en. Dann wurden sie <a href="https://www.vice.com/en_us/article/xgq533/video-shows-greek-mobs-attacking-migrant-boats-and-aid-workers" target="_blank">im Beisein von etwa hundert Anwohnern zusammengeschlagen, Trammers Kamera ins Hafenbecken geworfen</a>. Es gibt hochaufgel&#xF6;ste Fotos von den Gesichtern der Angreifer. Dies zeigt, wie sicher sie sich f&#xFC;hlen.</p> <p>Auch &#xC4;u&#xDF;erungen wie die der EU-Kommissionspr&#xE4;sidentin Ursula von der Leyen, die Griechenland als das &quot;Schild&quot; der EU gegen&#xFC;ber Fl&#xFC;chtenden bezeichnet hat, k&#xF6;nnen faschistische Mobs darin bekr&#xE4;ftigen, freiwillige Helferinnen, Journalisten und Fl&#xFC;chtende anzugreifen. Europaweit versuchen Rechtsextreme, zur &quot;Verteidigung Europas&quot; zu mobilisieren. Vier deutsche Neonazis wurden auf Lesbos von der Antifa verpr&#xFC;gelt und verlie&#xDF;en dann die Insel. Weitere Neonazis wurden neben dem angez&#xFC;ndeten Community Center &quot;One Happy Family&quot; dabei beobachtet, wie sie sich als Journalisten ausgaben. </p> <h2> &quot;Es wird weitere Proteste geben&quot;</h2> <p>Zahlreiche NGOs haben Lesbos mittlerweile verlassen. Nur wenige Freiwillige blieben zur&#xFC;ck, stellten die Arbeit jedoch weitgehend ein. Neu ankommende Fl&#xFC;chtende schliefen tagelang ohne medizinische Versorgung und ohne Zelte am Strand, bis sie ein griechisches Milit&#xE4;rschiff nach Athen brachte, um sie von dort aus abzuschieben. Eine weitere Gruppe von etwa 92 Fl&#xFC;chtenden, davon mehr als zehn Kinder, schl&#xE4;ft seit einer Woche am n&#xF6;rdlichen Strand der Insel. In Moria <a href="https://www.spiegel.de/politik/ausland/triumph-der-fluechtlingsgegner-a-575d7b35-01e5-4d98-a1d7-53bc9cc16a3c" target="_blank">wird aktuell niemand registriert</a>. Allein die Zufahrt zum Camp war tagelang von Anwohnenden blockiert.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584464452371-image6.jpeg" alt="Protestierende vor einer Stra&#xDF;enblockade"> <div class="article__image-caption"> Seit Wochen gibt es auf der Insel Proteste | Foto: Michael Trammer</div> </div> <p>&quot;Es wird weitere Proteste geben&quot;, sagt Sami Azizi. Als Community Leader vertritt er <a href="https://www.vice.com/de/article/3kgq7y/was-eine-gefluchtete-afghanin-uber-sex-und-liebe-denkt" target="_blank">einen Teil der Afghanen</a> gegen&#xFC;ber den Beh&#xF6;rden. &quot;Es gibt kaum Strom, die Interviews f&#xFC;r Asyl liegen so weit in der Zukunft, keiner wei&#xDF;, wie es weiter geht. Wir leben in st&#xE4;ndiger Angst.&quot; Jeden Tag werden in Moria die Grundrechte von Menschen verletzt. Kinder spielen barfu&#xDF; zwischen M&#xFC;llbergen im Matsch, ohne Zugang zu Toiletten, Strom, angemessener medizinischer Versorgung, geschweige denn Schulen. F&#xFC;nf Jahre nach 2015, als es so viele Helferinnen gab, dass sie sich anderen Volunteers zufolge um Selfies mit Babys in den Booten kloppten, ist ein w&#xFC;rdeloses Leben Alltag an den Au&#xDF;engrenzen Europas. </p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/5dmqeq/gefluchtete-balkan-bosnien-herzegowina-balkanroute?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=884bnz&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div><p>Zainab hat es vorerst geschafft, das Camp zu verlassen. Sie arbeitet als &#xDC;bersetzerin in der Arztpraxis einer NGO in der N&#xE4;he von Moria. &quot;Ich bin so gl&#xFC;cklich. Ich habe mein Leben wieder in der Hand. Ich kann entscheiden. Ich kann das wirklich f&#xFC;hlen. Ich glaube, ich kann es schaffen. Ich muss. Ich habe keinen anderen Weg. Ich m&#xF6;chte &#xC4;rztin werden. Ich habe als Kind schon mit so Sachen gespielt. Und ich m&#xF6;chte Gitarre spielen. Das l&#xF6;st all die Anspannung.&quot; </p> <p>Zainab sagt all das mit einer solchen &#xDC;berzeugung, dass es kaum zu glauben ist, dass sie ihr Asylinterview noch vor sich hat. Am 5. M&#xE4;rz 2020 kommt nach sieben Monaten Wartezeit der Tag, an dem griechische Beamte &#xFC;ber ihre Zukunft richten sollten. Doch der Termin wird nach den Eskalationen der vergangenen Wochen verschoben: auf Dezember. F&#xFC;r die Zwischenzeit hat sich Zainab ein Deutsch-Buch besorgt, Level A1.</p> <p><i>Folge VICE auf <a href="https://www.facebook.com/vicede" target="_blank">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/vice_de" target="_blank">Instagram</a> und <a href="https://www.snapchat.com/discover/VICE-DE/6278936372" target="_blank">Snapchat</a>.</i></p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">884bnz</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/test-uploads/articles/5e70f8df692147009db93375/lede/1584464533804-image7.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>Simon Grothe</dc:creator><dc:creator>Felix Dachsel</dc:creator><category>Geflüchtete</category><category>griechenland</category><category>Flüchtlingskrise</category></item><item><title><![CDATA[Warum ich Angst davor habe, allein in Quarantäne zu sein]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/g5x3bq/psychisch-krankheit-angst-corona-isolation-quarantane</link><pubDate>Tue, 17 Mar 2020 14:21:07 GMT</pubDate><description><![CDATA[Körperlich bin ich gesund und fürchte das Coronavirus nicht. Aber ich bin emotional instabil und wohne allein.]]></description><content:encoded><![CDATA[<p>Donnerstag, wenige Tage vor dem Corona-Shutdown: Ich bin freie Journalistin und habe frei. Eines der B&#xFC;ros, in denen ich kurz zuvor noch als Freelancerin gearbeitet habe, ist zu. Ein anderes wird seine Mitarbeitenden am Nachmittag ebenfalls ins Homeoffice schicken. Es sind Vorsichtsma&#xDF;nahmen. Doch als ich die E-Mail lese, wird mein Magen schwer. Ich mache mir wegen des Coronavirus zum ersten Mal Sorgen. </p> <p>Ich bin 27 Jahre alt, k&#xF6;rperlich gesund und rauche nicht. Ich habe keine Angst davor, mich mit <a href="https://www.vice.com/de/article/4agxqm/das-macht-das-coronavirus-mit-deinem-korper" target="_blank">dem Erreger zu infizieren oder gar zu sterben</a>. Vor den Ma&#xDF;nahmen, die ich im Falle einer Infektion treffen m&#xFC;sste, schon. Ich bin emotional instabil und wohne alleine. Mit meiner Katze. Quarant&#xE4;ne und soziale Distanz w&#xFC;rden f&#xFC;r mich bedeuten, dass wichtige Anker f&#xFC;r meine psychische Gesundheit wegfallen. Und dass meine ohnehin immer auf einem Drahtseil balancierende Stimmung in einen sehr dunklen Abgrund fallen k&#xF6;nnte. </p> <p>Auch f&#xFC;r Menschen ohne psychische Probleme ist <a href="https://www.vice.com/de/article/akwyv4/coronavirus-prepping-prepper-hamsterkaufe-vorbereiten" target="_blank">die aktuelle Isolation eine Herausforderung</a> &#x2013; egal, ob sie alleine wohnen oder im Homeoffice arbeiten m&#xFC;ssen, w&#xE4;hrend zwei Kinder im Schulalter um sie herumtollen. F&#xFC;r psychisch Erkrankte ist eine solche Situation allerdings potenziell gef&#xE4;hrlich: &#xC4;ngste k&#xF6;nnen sich durch die Nachrichtenlage verst&#xE4;rken, Gedankenspiralen k&#xF6;nnen sich ohne Routinen und Ablenkungen wie Sport oder soziale Kontakte in Gang setzen. Das beg&#xFC;nstigt depressive Episoden oder Schlimmeres. </p> <h2> Nicht rauszud&#xFC;rfen, schn&#xFC;rt mir den Brustkorb zu</h2> <p>Als ich am Donnerstag aufwache, lese ich den ersten Corona-Liveticker, sehe <a href="https://www.vice.com/de/article/g5xm87/warum-kaufen-menschen-klopapier" target="_blank">die leeren Supermarkt-Regale</a> auf Twitter und beobachte quasi live, wie immer mehr Orte des &#xF6;ffentlichen Lebens geschlossen werden. Das tr&#xFC;bt meine Stimmung.</p> <p>Ich wei&#xDF;, dass ich meinen Partner, meine Freundinnen und meine Familie per Videoanruf leicht erreichen kann und dass es den meisten von ihnen eigentlich gut geht, so wie mir. Aber allein das Wissen, dass ich gerade nicht die Freiheit habe, mich auch drau&#xDF;en auf einen Kaffee zu treffen, zum Sport zu gehen oder mich einfach unter Menschen zu begeben, schn&#xFC;rt mir den Brustkorb zu. </p><hr> <p><b><i>Auch bei VICE: Maisie und ihr Kampf mit paranoider Schizophrenie</i></b></p><iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://video.vice.com/de/video/maisie/559c3809b17438fb73592868"></iframe><hr><p>Meine psychische Gesundheit ist wie ein Baum, und ich bin der Stamm. Wenn der Stamm geschw&#xE4;cht ist &#x2013; durch Krankheit, PMS, Stress, M&#xFC;digkeit oder, wie jetzt, Probleme in der Au&#xDF;enwelt &#x2013;, ist er manchmal nicht stark genug, um die &#xC4;ste zu tragen. Dann wird es f&#xFC;r mich schwer, die gute Stimmung zu halten. Auch an diesem Donnerstagmorgen merke ich, wie sich die ersten Unsicherheiten und Selbstzweifel wie ein dunkler Filter &#xFC;ber meine Gedanken legen. <br></p> <p>Es ist m&#xF6;glich, in einer Ausnahmesituation wie einer Pandemie eigene &#xC4;ngste und Stress zu haben und dabei trotzdem empathisch f&#xFC;r Menschen in schlimmeren Situationen zu sein. Das schreibt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) <a href="https://www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/coping-with-stress.pdf?sfvrsn=9845bc3a_2" target="_blank">in einem Ratgeber f&#xFC;r den psychischen Umgang mit dem Coronavirus-Ausbruch</a>: Dort hei&#xDF;t es etwa, man solle den Konsum negativer Nachrichten eingrenzen und auf sich achten, indem man gut schl&#xE4;ft, isst und &#xDC;bungen macht. Von Alkohol und Zigaretten als Bew&#xE4;ltigungsstrategien r&#xE4;t die WHO ab. Und auch in dieser Zeit sollen Menschen mit psychischen Problemen die Hilfe in Anspruch nehmen, die sie brauchen. </p> <h2> Was kann ich zu Hause tun, um mir selbst Freude zu bereiten?</h2> <p>Zum Gl&#xFC;ck hatte ich an jenem Donnerstag noch einen Termin bei meiner Therapeutin. Ich erz&#xE4;hle ihr, dass ich Angst habe, wegen des Coronavirus allein sein zu m&#xFC;ssen. Dass mich die viele Berichterstattung und die Panik zum Thema grunds&#xE4;tzlich eher nerven. Dass ich mir gerade eingestehen muss, angesichts des drohenden Shutdowns nun doch etwas nerv&#xF6;ser zu werden. Sie versteht, dass die Situation schwierig ist und r&#xE4;t mir, ganz genau auf mein Inneres zu h&#xF6;ren: Was brauche ich, um mich gut zu f&#xFC;hlen? Was kann ich hier und heute selbst tun, um Freude zu haben?</p><div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/jgek57/coronavirus-festivals-sommer-party?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=g5x3bq&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div> <p>Mit diesem Input gehe ich nach Hause und f&#xFC;hle mich etwas besser. Die negativen Gedanken liegen wie in einem alten Umzugskarton immer noch in meinem Hinterkopf herum, und ich wei&#xDF;, dass sie jederzeit ausbrechen k&#xF6;nnten. Doch ich entschlie&#xDF;e mich, mich mit Dingen zu besch&#xE4;ftigen, die mir positive Gef&#xFC;hle bereiten.</p> <p>In den n&#xE4;chsten zwei Tagen telefoniere ich mit meiner Familie, putze die Fenster meiner Wohnung, stelle ein paar Klamotten zum Verkauf ins Internet. Ich schaffe drei Sachen, dann habe ich keine Lust mehr und widme mich etwas Aufregenderem. Ich gl&#xE4;tte meine Haare, schminke mich, trage Lippenstift auf und laufe zum Supermarkt, um mir viele sch&#xF6;ne Lebensmittel f&#xFC;r die Isolation zu kaufen. Mein Motto: Wenn schon isoliert, dann mit guten Augenbrauen und ausreichend Snacks. </p> <h2> Ich verpasse den Geburtstag meines Bruders &#x2013; zur Sicherheit</h2> <p>Ich bin ziemlich sicher, dass ich bei einer zweiw&#xF6;chigen Quarant&#xE4;ne allein zu Hause auch viele schlechte Tage haben w&#xFC;rde. Am Freitag trete ich eine Reise in mein Heimatland Luxemburg nicht an, weil ich nicht wei&#xDF;, ob ich wieder nach Hause komme. Ich bin traurig, weil ich den 18. Geburtstag meines Bruders verpasse, aber auch erleichtert: W&#xFC;rde ich den Erreger in mir tragen, h&#xE4;tte ich wom&#xF6;glich meine Familie gef&#xE4;hrdet. So ist an diesen Tagen gef&#xFC;hlsm&#xE4;&#xDF;ig alles ein Auf und Ab.</p> <p>Am Samstag erlebe ich schlie&#xDF;lich eine sch&#xF6;ne &#xDC;berraschung &#x2013; und das Ende meines vorl&#xE4;ufigen Alleinseins: Mein Freund reist zu mir, damit wir in dieser Zeit zusammen sind. Isolation zu zweit &#x2013; das macht es leichter.</p> <p><i> Folge Rebecca auf <a href="https://twitter.com/rebeccaschreibt" target="_blank">Twitter</a> und VICE auf <a href="https://www.facebook.com/vicede" target="_blank">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/vice_de" target="_blank">Instagram</a> und <a href="https://www.snapchat.com/discover/VICE-DE/6278936372" target="_blank">Snapchat</a>.</i></p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">g5x3bq</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/test-uploads/articles/5e70bc11786f6f0098e93095/lede/1584446521344-MOSHED-2020-3-17-11-17-13.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>Rebecca Baden</dc:creator><dc:creator>Lisa McMinn</dc:creator><category>Coronavirus</category><category>COVID-19</category><category>Alleinsein</category><category>Einsamkeit</category><category>mental health</category></item><item><title><![CDATA[Wir haben Menschen gefragt, warum sie tonnenweise Klopapier kaufen]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/g5xm87/warum-kaufen-menschen-klopapier</link><pubDate>Tue, 17 Mar 2020 12:02:41 GMT</pubDate><description><![CDATA["Wenn du glaubst, dass die Welt untergeht, warum brauchst du dafür einen sauberen Arsch?"]]></description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.vice.com/de/topic/coronavirus" target="_blank">Ein Virus, das die Atemwege bef&#xE4;llt</a>, bringt das &#xF6;ffentliche Leben nach und nach zum Erliegen. Was tun die Menschen? Sie horten Klopapier. Und das nicht nur in Wien, sondern auf der ganzen Welt. In <a href="https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/niederoesterreich/Polizeieinsatz-wegen-Klopapier-Streit-in-NOe/422097614" target="_blank">Nieder&#xF6;sterreich</a> kam es wieder zu handfesten Streitereien in einem Supermarkt, aus Hongkong gibt es Berichte &#xFC;ber <a href="https://www.vice.com/en_asia/article/epgaxw/armed-robbers-steal-600-rolls-toilet-paper-hong-kong-coronavirus" target="_blank">bewaffnete Klopapier-R&#xE4;uber</a>, in Japan werden Klopapierrollen auf &#xF6;ffentlichen Toiletten nach Diebst&#xE4;hlen jetzt <a href="https://www.todayonline.com/8days/seeanddo/thingstodo/getting-tasered-stealing-other-crazy-things-people-are-doing-toilet-paper" target="_blank">mit einer Kette gesichert</a>. </p> <p>Aber warum sind Menschen auf der ganzen Welt so verr&#xFC;ckt nach Klopapier? Klar, niemand m&#xF6;chte mit einer halben Rolle <a href="https://www.vice.com/de/article/7kz7g9/corona-virus-verdacht-leben-quarantane-isolation" target="_blank">zwei Wochen in Quarant&#xE4;ne</a> &#xFC;berdauern m&#xFC;ssen. Ein sauberer Hintern hat bei den meisten, neben Essen und Trinken, schlie&#xDF;lich hohe Priorit&#xE4;t. Aber anscheinend gibt das Horten den Menschen in Krisenzeiten auch ein Gef&#xFC;hl der Kontrolle. Und: Je gr&#xF6;&#xDF;er die gehorteten Gegenst&#xE4;nde, desto gr&#xF6;&#xDF;er die wahrgenommene Kontrolle, sagte der australische Psychologe Adam Ferrier <a href="https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-toiletpaper/rationing-and-robbery-coronavirus-outbreak-sparks-toilet-roll-panic-idUSKBN20T0YG" target="_blank">der Nachrichtenagentur Reuters</a>. Die klobigen Klopapierpackungen eignen sich dementsprechend besonders gut zum Trost. Au&#xDF;erdem haben Dinge, die f&#xFC;r unseren K&#xF6;rper gedacht sind, laut Ferrier eine besonders beruhigende Wirkung.</p><hr> <p><b><i>VICE-Video: Ich habe aus meinem Blut Pl&#xE4;tzchen gebacken und gegessen</i></b></p><iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://video.vice.com/de/video/eating-my-blood-by-baking-it-into-a-meringue-incredible-edible-me/5cf7f04cbe40776db9518fe4"></iframe><hr><p>Aber genug Theorie. In Australien ist <a href="https://www.vice.com/de/article/7kz7xe/coronavirus-hamsterkaufe-desinfektionsmittel-supermarkte-leergekauft" target="_blank">die Lage vor den Klopapierregalen</a> besonders dramatisch. Unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort sind im Morgengrauen zu einem gro&#xDF;en Supermarkt gefahren und haben Menschen interviewt, die tonnenweise Klopapier gekauft haben. Weil niemand fotografiert werden wollte, gibt es hier nur Bilder ihrer Eink&#xE4;ufe.<br></p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583730041412-Lily.jpeg" alt="Die 65-j&#xE4;hrige Lily und ihr Einkaufswagen mit Toilettenpapier"> <div class="article__image-caption"></div> </div> <h2>Lily, 65 </h2> <p><b> VICE: Warum kaufst du so viel Toilettenpapier?<br></b><b>Lily:</b> Weil ich mitkriege, wie alle in Panik verfallen. Also verfalle ich auch in Panik [<i>lacht</i>]. Ich w&#xFC;rde sagen, dass ich es aus Vorsicht kaufe. Es ist wichtig, weiter auf seine Hygiene zu achten. Gerade mit dem Virus. Es ist es nicht wert, sein Leben deswegen zu riskieren.</p> <p><b> Soweit ich wei&#xDF;, wirkt sich das Virus aber nicht auf die Verdauung aus.<br></b>Ja gut, aber &#x2026; du wei&#xDF;t doch, was ich meine.</p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/xgq5ew/es-gibt-jetzt-auch-corona-pornos?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=g5xm87&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div><p><b> Nein, nicht wirklich.<br></b>Mein ganzer Freundeskreis ist verr&#xFC;ckt wegen Toilettenpapier. Alle. Sogar meine Kolleginnen und meine ganzen Verwandten im Ausland. Alle machen sich gro&#xDF;e Sorgen wegen der aktuellen Situation.</p> <p><b> Hast du schon davon geh&#xF6;rt, dass Toilettenpapier bei eBay weiterverkauft wird?<br></b>Ja, und das ist furchtbar. Menschen nutzen andere aus, es gibt kein Mitgef&#xFC;hl. Ich w&#xFC;rde das sogar als kriminell bezeichnen.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583730096112-Hayden.jpeg" alt="Hayden, 30 Jahre alt, mit seinem Einkaufswagen voll mit Klopapierpackungen"> <div class="article__image-caption"></div> </div> <h2> Hayden, 30</h2> <p><b>VICE: Warum hortest du Toilettenpapier?<br></b><b>Hayden:</b> Ich habe Angst, dass andere vor mir alles leerkaufen und ich keins mehr bekomme. Ich habe au&#xDF;erdem f&#xFC;nf Geschwister, die alle selber Familien haben. Ich kaufe f&#xFC;r sie welches mit.</p> <p><b> Warum Klopapier und nicht etwas anderes?<br></b>Es gibt gen&#xFC;gend Lebensmittel, zumindest bis jetzt. Aus irgendeinem Grund sind gerade alle hei&#xDF; auf Klopapier.</p> <p><b> Hast du eine Theorie, warum das so ist?<br></b>Ich wei&#xDF; es nicht, aber aus irgendeinem Grund gibt es gerade eine Nachfrage, also muss ich auch Welches besorgen.</p> <p><b> Gab es eine bestimmte Meldung, die dich dazu gebracht hat, Klopapier zu kaufen?<br></b>Es waren vor allem die Nachrichten, aber auch der ganze Kram auf Facebook, Instagram, Twitter und so weiter.</p> <p><b> Machst du dir Sorgen, dass das Virus noch schlimmer wird?<br></b>Bislang mache ich mir keine gro&#xDF;en Sorgen. Vielleicht 5/10.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583730128271-Danny.jpeg" alt="Danny, 21 Jahre, tr&#xE4;gt drei Packungen Klopapier"> <div class="article__image-caption"></div> </div> <h2> Danny, 21</h2> <p><b>VICE: Warum kaufst du so viel Klopapier?<br></b><b>Danny:</b> Weil wir alle Idioten sind. Kann man nicht anders sagen.</p> <p><b> Glaubst du, diese Klopapierkrise ist ein typischer Fall von Herdenverhalten?<br></b>Auf jeden Fall. Ich glaube, das ist viel &#xFC;bertriebene Panik und einfach die generelle Angst, etwas zu verpassen. Auf keinen Fall werden die Menschen das Toilettenpapier so schnell verbrauchen. Oder haben jetzt pl&#xF6;tzlich alle chronischen Durchfall bekommen?</p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/akwyv4/coronavirus-prepping-prepper-hamsterkaufe-vorbereiten?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=g5xm87&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div><p><b> Du schleppst aber auch gerade drei Packungen mit dir rum.<br></b>Mir ist tats&#xE4;chlich zu Hause das Klopapier ausgegangen. Au&#xDF;erdem hat der Supermarkt hier eine &quot;Eine-Packung-pro-Kunde-Regelung&quot;. Ich bin mit zwei Kumpels unterwegs, der eine schiebt hier den Wagen, der andere sucht gerade noch mehr Lebensmittel. Wir kaufen jetzt m&#xF6;glichst alles, was wir brauchen, damit wir nie wieder in dieses H&#xF6;llenloch zur&#xFC;ckkommen m&#xFC;ssen.</p> <p><b> Da ist auch ganz sch&#xF6;n viel Essen in eurem Wagen. Hortet ihr das oder seid ihr einfach hungrig?<br></b>Wir haben Hunger.</p> <p><b> Was kauft ihr sonst so?<br></b>Einen Haufen Puddingteilchen. Die sind einfach der Hammer hier. Ach, und so eine gro&#xDF;e Packung Brezeln wollte ich noch holen. Ich bin gleich wieder da.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583730192062-Ashley.jpeg" alt="Ashleys Einkaufswagen mit Klopapier und Windeln"> <div class="article__image-caption"></div> </div> <h2> Ashley, 30</h2> <p><b>VICE: Warum kaufen die Leute gerade so viel Toilettenpapier?<br></b><b>Ashley:</b> Ich glaube, die haben einfach Angst. Sie haben Angst, dass sie ihr Haus nicht verlassen d&#xFC;rfen und es ihnen dann ausgeht. Das ist eine Art Gruppenpanik, die hier gerade stattfindet. Ich kaufe welches, weil wir zu Hause keins mehr haben.</p> <p><b> Was ist deiner Meinung nach der Hauptgrund f&#xFC;r diese Panik?<br></b>Definitiv die Nachrichten. Ich glaube, die Nachrichten haben allen Angst vor dem Coronavirus gemacht. Deswegen machen sie jetzt so bescheuerte Sachen wie das mit dem Klopapier.</p> <p><b> Hast du Leute in deinem Freundeskreis, die Klopapier-Panikk&#xE4;ufe machen?<br></b>Nicht, dass ich w&#xFC;sste. Aber bei ein oder zwei Menschen w&#xFC;rde ich mich nicht wundern, wenn sie das heimlich machen.</p> <p><b> Machst du dir gro&#xDF;e Sorgen, dass das Virus au&#xDF;er Kontrolle ger&#xE4;t?<br></b>Momentan eigentlich nicht &#x2013; wenn &#xFC;berhaupt, dann wegen der Kleinen hier [<i>sie zeigt auf das Baby in ihrem Einkaufswagen</i>]. Vielleicht w&#xFC;rde ich mir mehr Sorgen machen, wenn ich schwanger w&#xE4;re. Ich mache mir gerade viel mehr Sorgen, dass es vielleicht bald keine Windeln mehr gibt.</p> <p><b> Sollten Leute &#xFC;berhaupt etwas auf Vorrat kaufen?<br></b>Auf keinen Fall. Wenn ich irgendwas auf Vorrat kaufen w&#xFC;rde, dann Lebensmittel, Babynahrung, Wasser und Medizin. Ich verstehe diese ganze Klopapiergeschichte nicht.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583730215428-Jon.jpeg" alt="Jons Einkaufswagen mit Klopapier, Taschent&#xFC;chern und Wasserflaschen"> <div class="article__image-caption"></div> </div> <h2> Jon, 29</h2> <p><b>VICE: Was h&#xE4;ltst du von diesem ganzen Klopapierfiasko?<br></b><b>Jon: </b>Wir kaufen welches, weil wir fast keins mehr zu Hause haben. Es ist aber schon etwas frustrierend, f&#xFC;r eine Packung in der Schlange stehen zu m&#xFC;ssen. Keine Ahnung, warum alle es kaufen.</p> <p><b> Hast du eine Theorie, warum das so ist?<br></b>Es muss mit dem Virus zusammenh&#xE4;ngen, aber ich verstehe nicht, warum gerade Klopapier. Ich habe an Orten gelebt, die regelm&#xE4;&#xDF;ig von Naturkatastrophen heimgesucht wurden. Niemand hat dort Klopapier gebunkert. Die Menschen kaufen Wasser, Taschenlampen, Kerzen und solche Sachen. Ich habe noch nie in meinem Leben Klopapier auf Vorrat gekauft. Wenn du glaubst, dass die Welt untergeht, warum brauchst du daf&#xFC;r einen sauberen Arsch? Ich verstehe das nicht.</p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/jgek57/coronavirus-festivals-sommer-party?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=g5xm87&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div><p><b> Hast du Freunde, die wegen des Virus &#xFC;berreagieren?<br></b>Ich glaube nicht. Viele von uns arbeiten im Gesundheitsbereich. Wir sind also ziemlich auf dem neuesten Stand. Wir wissen, dass die Sterblichkeitsrate relativ niedrig ist. Es wird uns nicht wirklich umbringen. Es wird f&#xFC;r uns einfach wie eine Erk&#xE4;ltung sein.</p> <p><b> Machst du dir gar keine Sorgen um das Virus?<br></b>&#xDC;berhaupt nicht. Ich warte nur darauf, dass die Fl&#xFC;ge noch billiger werden, damit ich reisen kann. Ernsthaft, es k&#xF6;nnte mir nicht weniger Sorgen machen. Ich bin allerdings gro&#xDF;er Sport-Fan. Mir bereitet viel mehr Sorgen, dass Sportveranstaltungen abgesagt werden.</p> <p><i>Folge VICE auf <a href="https://www.facebook.com/vicede" target="_blank">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/vice_de" target="_blank">Instagram</a> und <a href="https://www.snapchat.com/discover/VICE-DE/6278936372" target="_blank">Snapchat</a>.</i> </p> <div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><img src="https://ssl-vg03.met.vgwort.de/na/73bb69ade123490fba3ca1e8f3ebff12" alt></div></div></div></div><p><i>This article originally appeared on VICE AU.</i></p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">g5xm87</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/test-uploads/articles/5e65cb6c82bbb10097488abb/lede/1583729992189-Danny.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>Eddy Lim</dc:creator><dc:creator>Julian Morgans</dc:creator><category>Klopapier</category><category>Gesundheit</category><category>Hamsterkäufe</category><category>Coronavirus</category></item><item><title><![CDATA[So verloren sind Geflüchtete auf dem Balkan]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/5dmqeq/gefluchtete-balkan-bosnien-herzegowina-balkanroute</link><pubDate>Mon, 16 Mar 2020 16:47:28 GMT</pubDate><description><![CDATA[#DieVerdrängtenFlüchtlinge: Sie werden von Polizisten schikaniert, von Rechten gejagt – und von Europa vergessen. Ein Besuch in Bosnien-Herzegowina.]]></description><content:encoded><![CDATA[<p><i>Als wir vor knapp f&#xFC;nf Wochen in Bosnien-Herzegowina waren, um uns die Situation der gefl&#xFC;chteten Menschen vor Ort anzusehen, war das Corona-Virus noch eine weit entfernte Nachricht aus China. Jetzt ist alles anders.<br></i></p> <p><i> Trotz der aktuellen Umst&#xE4;nde d&#xFC;rfen wir nicht vergessen, was derzeit ein paar Hundert Kilometer von uns entfernt passiert. Wir m&#xFC;ssen dahin sehen, wo Menschenrechte verletzt werden. Auch wenn unsere Schulen schlie&#xDF;en, wenn wir uns Sorgen um Zukunft und Gesundheit machen und zuhause bleiben bleiben m&#xFC;ssen. Wohin sollen sich jene Menschen zur&#xFC;ckziehen, die kein Zuhause mehr haben? </i></p><p>In der <a href="https://www.vice.com/de/article/a35gpk/warum-ich-als-migrantenkind-das-heimatland-meiner-eltern-glorifiziere" target="_blank">bosnischen Stadt</a> Biha&#x107;, 1.600 Kilometer entfernt von Lesbos, steht eine Gruppe junger M&#xE4;nner vor einem verlassenen Haus. Man kann es nicht wirklich als Haus bezeichnen, es ist eher ein Klotz. Ein Klotz, der sogar tags&#xFC;ber unheimlich aussieht. Die Fenster starren einen an, leben m&#xF6;chte man hier nicht. Eine Gruppe von rund 20 jungen M&#xE4;nnern muss es. Ein paar von ihnen gehen zum Fluss neben dem Betonmonster, waschen sich das Gesicht mit kaltem Wasser, richten sich die Haare zurecht. Der Spiegel, den sie daf&#xFC;r benutzen, ist zerbrochen. <br></p> <p>Der riesige Betonklotz ist, wie so vieles in <a href="https://www.vice.com/de/topic/bosnien-herzegowina" target="_blank">Bosnien-Herzegowina</a>, niemals zu Ende gebaut worden. Ausgerechnet Bosnien, ein vom Balkankrieg gezeichnetes Land mit einem dysfunktionalen, politischen System, soll Gefl&#xFC;chteten auf dem Weg in die <a href="https://www.vice.com/de/article/pajkzz/warum-euer-eu-fetisch-nur-noch-zum-kotzen-ist-europawahl-eu-hoodie" target="_blank">EU</a> Schutz bieten. </p> <hr> <p><b><i>Auch auf VICE: Mexikos andere Grenze</i></b></p> <iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://video.vice.com/en_us/video/crossing-mexico39s-other-border/5644d3ae8edfdbb0124e030d?jwsource=cl"></iframe> <hr> <p>Bosnien-Herzegowina ist kein Teil der Europ&#xE4;ischen Union, aber das ex-jugoslawische Land grenzt an Kroatien. Viele Gefl&#xFC;chtete durchqueren es, weil sie in EU-L&#xE4;nder wie Italien, Frankreich oder die Niederlande kommen wollen. Weil Slowenien und Kroatien ihre Grenzen dicht machen, stecken viele Gefl&#xFC;chtete in Bosnien-Herzegowina fest. </p> <p>Wir haben drei Camps in Biha&#x107; und Velika Kladu&#x161;a besucht, eins davon war ein Wild Camp. Betreten durften wir die offiziellen allerdings nicht. Die Anfrage f&#xFC;r eine Presse-Akkreditierung f&#xFC;r das Camp Bira blieb unbeantwortet. </p> <p>Im Zeitraum von Januar 2018 bis November 2019 sollen <a href="https://www.ard-wien.de/2019/11/05/bosnien-und-herzegowina-sucht-orte-fuer-fluechtlingscamps/" target="_blank">etwa 40.000 Menschen durch Bosnien-Herzegowina</a> gezogen sein. Im Herbst 2019 sollen sich <a href="https://www.welt.de/politik/ausland/article203526556/Bosnien-Behoerden-ermuntern-Migranten-zur-Flucht-Richtung-EU-Grenze.html" target="_blank">etwa 7.000</a> bis <a href="https://www.derstandard.at/story/2000112503387/deutschland-hilft-migranten-in-bosnien" target="_blank">8.000 Gefl&#xFC;chtete</a> im Kanton Una-Sana, in dem auch Biha&#x107; liegt, aufhalten. Die Zahlen variieren. <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/fluechlinge-eu-kroatien-bosnien-101.html" target="_blank">Die UNHCR erwartet</a> aufgrund der angespannten Situation in der T&#xFC;rkei und Griechenland f&#xFC;r dieses Jahr allerdings 60.000 neue Gefl&#xFC;chtete in Bosnien. Eine Zahl, mit der die L&#xE4;nder an den EU-Au&#xDF;engrenzen nicht alleine fertig werden.</p> <h2> Polizisten greifen Gefl&#xFC;chtete an der EU-Grenze auf und bringen sie zur&#xFC;ck nach Bosnien &#x2013; oft unter Gewalt</h2> <p>Subhan trocknet sich das Gesicht mit seinem Jacken&#xE4;rmel, l&#xE4;chelt freundlich und zeigt auf das Haus. &quot;Tee?&quot; Er ist einer der jungen M&#xE4;nner, die im Betonmonster leben. Der 23-J&#xE4;hrige ist vor zehn Monaten aus Pakistan gefl&#xFC;chtet. Wir folgen Subhan.</p> <p>Innen liegen &#xFC;berall Schutt und M&#xFC;ll. Lange G&#xE4;nge, die auch bei Tageslicht im Dunkeln enden. Links ein Raum, den die Gefl&#xFC;chteten als K&#xFC;che nutzen: Eierschalen, leere Wasserkanister und Kartons am Boden verteilt, in der Ecke eine provisorische Feuerstelle, daneben ein gro&#xDF;er Topf mit pakistanischem Tee &#x2013; mit viel Zucker und viel Milch. Gegen&#xFC;ber liegt der Raum, in dem die rund 20 M&#xE4;nner schlafen.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584304392769-DSC_0208.jpeg" alt="Ein Gefl&#xFC;chteter in Bosnien-Herzegowina, Foto: Alexandra Stanic"> <div class="article__image-caption">Der 23-j&#xE4;hrige Subhan war in Pakistan Mathematiklehrer</div> </div> <p>Subhan ist vor rund einem Monat in Bosnien-Herzegowina angekommen. &quot;Mit meiner Familie&quot;, sagt er und deutet auf die anderen M&#xE4;nner. Subhan sagt, anders als viele andere Gefl&#xFC;chtete, er habe erst ein Mal versucht, die Grenze zu &#xFC;berqueren. Die kroatische Polizei habe ihm und den anderen alles weggenommen: Schuhe, Schlafs&#xE4;cke, Handys, Dokumente, Geld. &quot;Sie schikanieren und verpr&#xFC;geln uns&quot;, sagt Subhan. &quot;Es ist unmenschlich, was hier passiert.&quot; </p> <p>In Pakistan sei Subhan Mathematiklehrer gewesen. Jetzt ist er potenzielle Zielscheibe f&#xFC;r gewaltt&#xE4;tige Beamte, die <a href="https://www.proasyl.de/news/tuersteher-kroatien-brutale-menschenrechtsverletzungen-im-namen-europas/" target="_blank">Push-Backs</a> betreiben, illegale Abschiebungen. Die kroatische Grenzpolizei <a href="https://www.europarl.europa.eu/factsheets/de/sheet/151/asylpolitik" target="_blank">verhindert die Flucht in die EU systematisch</a>, bringt Menschen zur&#xFC;ck nach Bosnien-Herzegowina, ohne dass sie einen Asylantrag stellen d&#xFC;rfen. Dieses Recht haben Menschen aber <a href="https://www.caritas.at/hilfe-beratung/migrantinnen-fluechtlinge/faqs-zum-thema-flucht-und-asyl/" target="_blank">laut der Genfer Fl&#xFC;chtlingskonvention</a>, die alle EU-Mitgliedsstaaten unterzeichnet haben.</p> <h2> &quot;Die EU kann nicht so tun, als w&#xFC;sste sie nicht, was hier passiert.&quot; </h2> <p class="article__pull-quote">Maddalena Avon, die seit drei Jahren f&#xFC;r das Center for Peace Studies (CMS) in Zagreb arbeitet, sch&#xE4;tzt: &quot;Im Jahr 2019 wurden f&#xFC;r Bosnien-Herzegowina 6.000 Push-Back-Berichte dokumentiert und ver&#xF6;ffentlicht.&quot; CMS besch&#xE4;ftigt sich mit Asyl, Integration und Migration und bietet Asylsuchenden unter anderem rechtliche Unterst&#xFC;tzung in ihren Verfahren.</p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/4xwexm/gefluchtete-zeigen-die-orte-die-ihnen-am-meisten-bedeuten?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=5dmqeq&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div> <p>&quot;Wir wissen, dass Organisationen und Watch Dogs ihr Bestes geben, um die illegalen Abschiebungen zu dokumentieren&quot;, sagt Avon. &quot;Aber wir gehen davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt.&quot; Es k&#xF6;nne sogar vorkommen, dass Personen mehrmals Push-Backs nach Bosnien-Herzegowina erleben. Das bedeutet, dass sie immer wieder auf bosnischem Territorium abgesetzt werden, oft unter brutaler Gewalt. </p> <p class="article__blockquote">&quot;Wir haben ihnen nicht erlaubt, Asyl zu beantragen. Das waren Befehle unserer Vorgesetzten von der Polizeistation.&quot;</p>  <p>Eine L&#xF6;sung ist nicht in Sicht: Es liege in der Verantwortung der EU, gegen Menschenrechtsverst&#xF6;&#xDF;e zu ermitteln und vorzugehen, sagt Avon. Der Fr&#xFC;hling w&#xFC;rde neue Herausforderungen bringen, wie jedes Jahr: &quot;Im Winter suchen weniger Menschen nach Schutz.&quot; Danach gehen die Fluchtversuche nach Europa wieder verst&#xE4;rkt los. </p> <p>Es gibt Berichte von lokalen und internationalen NGOs, die die Push-Backs und Gewalt an der Grenze dokumentieren. Sie nehmen Foto- und Videomaterial von Journalistinnen und Aktivisten und anonyme Aussagen kroatischer Polizisten auf. Einer <a href="https://www.profil.at/ausland/exklusiv-kroatischer-polizist-abschiebungen-eu-aussengrenze-10855157" target="_blank">sagte gegen&#xFC;ber des &#xF6;sterreichischen Magazins Profil</a>: &quot;Wir haben ihnen nicht erlaubt, Asyl zu beantragen. Das waren Befehle unserer Vorgesetzten von der Polizeistation.&quot;</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584304613154-DSC_0176.jpeg" alt="Eine Gruppe gefl&#xFC;chteter M&#xE4;nner aus Pakistan, Foto: Alexandra Stanic"> <div class="article__image-caption">Die M&#xE4;nner leben in einem leerstehenden Geb&#xE4;ude &#x2013; ohne Heizung, Strom, Wasser</div> </div> <p><a href="https://www.proasyl.de/pressemitteilung/kroatien-eu-muss-push-backs-an-der-aussengrenze-stoppen/" target="_blank">Menschenrechtsorganisationen werfen der Europ&#xE4;ischen Kommission vor</a>, Gewalt und Brutalit&#xE4;t von kroatischen Grenzpolizisten zu ignorieren. &quot;Was an der kroatischen Grenze passiert, ist ein systematischer Versto&#xDF; gegen Menschenrechte&quot;, sagt Maddalena Avon. &quot;Die EU kann nicht so tun, als w&#xFC;sste sie nicht, was hier passiert.&quot; </p> <p>Und dennoch: Der kroatische Regierungschef Andrej Plenkovi&#x107; <a href="https://www.ard-wien.de/2020/01/24/eu-innenminister-ueben-keine-kritik-an-grenzgewalt/" target="_blank">weist die Vorw&#xFC;rfe zur&#xFC;ck</a> und erkl&#xE4;rt, Kroatien sch&#xFC;tze die EU-Grenze. F&#xFC;r Letzteres bekam er Lob von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Die damalige Pr&#xE4;sidentin Kroatiens, Kolinda Grabar-Kitarovi&#x107;,<a href="https://www.theguardian.com/world/2019/jul/16/croatian-police-use-violence-to-push-back-migrants-says-president" target="_blank"> best&#xE4;tigte im Juli 2019</a> die illegalen Push-Backs.</p> <h2> Naseer &#xFC;berquerte die Grenze 25 Mal ohne Erfolg</h2> <p>Auch der 25-j&#xE4;hrige Naseer lebt in einem verlassenen Haus in Biha&#x107;, ein paar Kilometer entfernt vom Betonklotz. Er sagt, er sei vor eineinhalb Jahren aus Afghanistan gefl&#xFC;chtet und wolle weiter nach Italien. Genau so oft wie Naseer es &#xFC;ber die Grenze versucht habe, sei er von der Polizei erwischt und illegal zur&#xFC;ck nach Bosnien-Herzegowina gebracht worden: 25 Mal. </p> <p>Sowohl Subhan als auch Naseer betonen, dass die Bedingungen im Camp schlimmer seien als drau&#xDF;en. Das Lager Bira sei v&#xF6;llig &#xFC;berf&#xFC;llt, sagt Naseer. St&#xE4;ndig w&#xFC;rden sich die Bewohner streiten, es soll kein oder zu wenig trinkbares Wasser geben, das Essen sei schlecht, die Luft auch.<br></p> <iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://www.vice.com/de/article/d3nbbw/die-eu-sieht-zu-wie-gefluchtete-auf-dieser-mulldeponie-festgehalten-werden-bosnien-balkanroute"></iframe> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/xwkz5q/ich-habe-fur-meine-flucht-meine-seele-geopfert?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=5dmqeq&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div> <p>&quot;Ich habe in keinem anderen Land so schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht wie hier&quot;, sagt der 25-J&#xE4;hrige. &quot;Erst misshandeln die Beamten uns, dann schmei&#xDF;en sie uns irgendwo in den Bergen Bosniens aus dem Auto&quot;, sagt Naseer. &quot;Manchmal verbrennen sie unsere Sachen vor unseren Augen.&quot; Das letzte Mal, so erz&#xE4;hlt er, habe er er den Grenz&#xFC;bertritt Anfang Februar versucht. &quot;Die kroatischen Polizisten haben uns einzeln gepackt und verpr&#xFC;gelt.&quot;</p> <p>Selbst in Biha&#x107; k&#xF6;nne sich Naseer nicht frei bewegen, weil ihn bosnische Beamte aufgreifen und zum Camp bringen w&#xFC;rden &#x2013; auch wenn er nicht dort lebt. Die Stadt verdr&#xE4;ngt die Gefl&#xFC;chteten aus dem &#xF6;ffentlichen Raum. Nicht umsonst lag das umstrittene Camp Vu&#x10D;jak zehn Kilometer entfernt vom Stadtzentrum auf einer ehemaligen M&#xFC;llhalde. Im <a href="https://www.derstandard.at/story/2000112099209/umsiedelung-von-fluechtlingen-aus-camp-vucjak-bosnienbegonnen" target="_blank">Dezember letzten Jahres</a> wurde Vu&#x10D;jak aufgrund der katastrophalen Umst&#xE4;nde endg&#xFC;ltig geschlossen. </p> <p>Die Botschaft wirkt dennoch f&#xFC;r viele Gefl&#xFC;chtete, mit denen wir sprechen: Refugees not welcome. Sie berichten, dass sie in Caf&#xE9;s nicht bewirten werden und in Superm&#xE4;rkten nicht einkaufen d&#xFC;rfen. Naseer sagt, er k&#xF6;nne noch nicht einmal zu Western Union, um dort Geld abzuheben: &quot;Wie soll ich Essen kaufen?&quot; </p> <h2> Auch Helferinnen berichten von Schikanen der Polizei</h2> <p>Naseer ist angewiesen auf die Spenden von Zemira Gorinjac. Von ihr bekommt er Essen und Schuhe. Wir treffen die ehrenamtliche Helferin zu Hause. <i> Fl&#xFC;chtlingsmutter</i> betiteln sie <a href="https://www.kosmo.at/vucjak-bosnische-fluechtlingsmuetter-die-helfen-wo-sie-nur-koennen-galerie/" target="_blank">Medien</a>, <i> Mama Zemira</i> nennen sie Gefl&#xFC;chtete. Die Sozialarbeiterin best&#xE4;tigt die Schilderungen von Subhan und Naseer. Gorinjac steht mit ihrer NGO &quot;Udru&#x17E;enje Solidarnost &#x2013; Bosnia, Biha&#x107;&quot;, zu Deutsch &quot;Verein der Solidarit&#xE4;t &#x2013; Bosnien, Biha&#x107;&quot;, Gefl&#xFC;chteten zur Seite und verteilt Spenden. </p> <p>Gorinjacs System ist einfach, aber effizient: Zwei gefl&#xFC;chtete M&#xE4;nner aus dem Camp schreiben auf, was die Bewohner brauchen: Sportschuhe, Gr&#xF6;&#xDF;e 44. Winterjacke, Gr&#xF6;&#xDF;e S. Ein Schlafsack, eine Decke. Medikamente gegen Zahnschmerzen, Husten, entz&#xFC;ndete Wunden. Jeder kriegt ein Zettelchen, mit dem er sich dann an einer bestimmten Uhrzeit die Sachen abholen kann. </p> <p>&quot;Es w&#xE4;re unm&#xF6;glich, die Spenden anders zu verteilen, weil sonst Chaos und Schl&#xE4;gereien ausbrechen w&#xFC;rden&quot;, sagt Gorinjac. </p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584304790177-DSC_0025.jpeg" alt="Fl&#xFC;chtlingshelferin Zemira Gorinjac, Foto: Alexandra Stanic"> <div class="article__image-caption">Medien nennen sie Fl&#xFC;chtlingsmutter, Gefl&#xFC;chtete nennen sie Mama Zemira</div> </div> <p>Die meisten Spenden erh&#xE4;lt <i> Mama Zemira </i>derzeit aus Wien, von der Spendeninitiative<i> <a href="https://www.facebook.com/SOSBalkanroute/" target="_blank">SOS Balkanroute</a></i>. &quot;Die bosnische Bev&#xF6;lkerung kann nicht mehr&quot;, sagt sie. W&#xE4;hrend sich die Zivilgesellschaft f&#xFC;r die Menschen eingesetzt hat, hat <a href="https://www.vice.com/de_ch/article/d3nbbw/die-eu-sieht-zu-wie-gefluchtete-auf-dieser-mulldeponie-festgehalten-werden-bosnien-balkanroute" target="_blank">die EU dabei zugesehen, wie Gefl&#xFC;chtete auf einer M&#xFC;lldeponie festgehalten wurden</a>. Weil sie eine anerkannte NGO hat, bleibt Gorinjac meistens von der Schikane bosnischer Polizisten verschont. &quot;Trotzdem machen sie mir das Leben schwer, indem sie zum Beispiel meine zwei ehrenamtlichen Helfer nicht zu mir kommen lassen.&quot; </p> <p>Die Polizei wisse, wo sie wohnt, sagt Gorinjac &#x2013; so wie jeder in der Stadt. &quot;Damit meine Freiwilligen zu mir kommen k&#xF6;nnen, um die Kleidung und das Essen in Paketen vorzubereiten, m&#xFC;ssen sie einen Umweg von 45 Minuten gehen&quot;, erz&#xE4;hlt sie. &quot;Sonst greift die Polizei sie auf der Hauptstra&#xDF;e auf und bringt sie zur&#xFC;ck ins Camp.&quot; Auch mit dem Auto k&#xF6;nne sie ihre Helfer nicht abholen, sagt Gorinjac. Die Polizei kenne ihr Kennzeichen und w&#xFC;rde sie oft verfolgen. </p> <h2> Vor dem Camp zeigen die Gefl&#xFC;chteten ihre Verletzungen</h2> <p>19 Uhr, Spendenvergabe vor dem Camp Bira. Sobald Gorinjac&apos; blauer VW Polo vor dem Tor des Lagers stehen bleibt, bildet sich eine Traube junger M&#xE4;nner. </p> <p>&quot;Mama Zemira, Mama Zemira&quot;, rufen sie.</p> <p>&quot;Alle mit Zettelchen rechts anstellen, der Rest kann gehen.&quot;</p> <p>Zemira muss schreien. Die Situation ist hektisch, jeder will mit ihr reden, jeder will etwas abhaben. Ohne ihre beiden Freiwillige w&#xFC;rde die Vergabe vermutlich au&#xDF;er Kontrolle geraten.</p> <p>&quot;Mama Zemira&quot;, t&#xF6;nt es immer wieder. </p> <p>&quot;Ich komme bald wieder, macht euch keine Sorgen.&quot;</p> <p>In dem Get&#xFC;mmel deutet ein junger Mann auf eine etwa zehn Zentimeter gro&#xDF;e Narbe an seinem linken Unterarm. Kroatische Beamte h&#xE4;tten ihn umzingelt und auf ihn eingepr&#xFC;gelt, sagt er. Daraufhin sei er in Glasscherben gefallen und habe sich die Schnittwunde zugezogen. Ein anderer Gefl&#xFC;chteter vor dem Camp, Asif, 21, ist erz&#xE4;hlt, die kroatische Polizei solle ihm Pfefferspray ins Gesicht gespr&#xFC;ht haben. Seine Pupille ist wei&#xDF; und milchig. </p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584304935965-WhatsApp-Image-2020-03-05-at-094444.jpeg" alt="Ein Gefl&#xFC;chteter, der auf einem Auge blind ist"> <div class="article__image-caption">Asif sieht auf einem Auge nichts mehr, weil ihm die kroatische Grenzpolizei Pfefferspray ins Auge gespr&#xFC;ht haben soll</div> </div> <p>&quot;Sie haben mein Weinen und Flehen ignoriert und mich nicht ins Krankenhaus gebracht&quot;, sagt er. &quot;Jetzt bin ich auf meinem rechten Auge blind.&quot; </p> <p>Subhan, Naseer, Asif &#x2013; nur drei Namen der Gefl&#xFC;chteten, die uns von den katastrophalen Umst&#xE4;nden und der Brutalit&#xE4;t der Polizisten berichten. 12 Mal, 17 Mal, 25 Mal, 32 Mal &#x2013; so oft haben viele Gefl&#xFC;chtete versucht, &#xFC;ber die Grenze zu kommen. Genau so oft sind sie gescheitert. </p> <p>&quot;Ein Leben ohne Ziel hat keinen Sinn&quot;, sagt der 23-j&#xE4;hrige Mathematiklehrer Subhan. Sein Ziel, und das vieler anderer Gefl&#xFC;chteter, ist ein Leben in Freiheit und Sicherheit. F&#xFC;r sie alle liegt das in Europa.</p> <h2>Mama Zehida</h2> <p>Ein verlassenes Fabrikgel&#xE4;nde in Velika Kladu&#x161;a, 50 Kilometer weit entfernt von Biha&#x107;. Die Fl&#xFC;chtlingshelferin Zehida Bihorac bleibt vor einem Wild Camp in einer riesigen, offenen Halle stehen. Rund 100 M&#xE4;nner leben hier, sie sind aus L&#xE4;ndern wie Pakistan, Syrien oder Afghanistan gefl&#xFC;chtet. Die Stimmung ist angespannt. Es gibt keinen Strom, keine Heizung, kein Wasser. Die Halle sch&#xFC;tzt kaum vor dem kalten, bosnischen Winter. </p> <p>Es zieht und ist dunkel. So dunkel, dass man die eigene Hand vorm Gesicht nicht sieht. Als wir unser Handylicht benutzen wollen, sagt einer der Campbewohner: &quot;H&#xF6;rt auf damit, das erinnert an die kroatischen Zollbeamten, die uns angeleuchtet haben, bevor sie auf uns einschlugen.&quot;</p> <p><i> Mama Zehida</i>, Zehida Bihorac, teilt sich nicht nur den Spitznamen mit der Fl&#xFC;chtlingshelferin Zemira Gorinjac in Biha&#x107;, sie haben auch das gleiche Auto: einen kleinen, blauen VW Polo. Der Wagen von Zehida ist bis oben hinvoll mit Spenden. Anders als Zemira hat sie allerdings keine Helfer und keine Organisation im R&#xFC;cken. Nur Freundinnen, die von Zeit zu Zeit einspringen und aushelfen, so gut es eben geht.</p> <p>&quot;Ich bin von der Willk&#xFC;r der Polizisten abh&#xE4;ngig&quot;, sagt Bihorac. Die Beamten w&#xFC;rden sie oft unn&#xF6;tig lange befragen oder sie sogar verfolgen. &quot;Ich darf weder an &#xF6;ffentlichen Orten noch vorm Supermarkt oder vorm Camp Essen und Kleidung verteilen&quot;, sagt Bihorac. Die Hilfsaktionen passieren in Nacht- und Nebelaktionen. &quot;Manchmal f&#xFC;hle ich mich wie eine Kriminelle&quot;, erz&#xE4;hlt sie. &quot;Als w&#xFC;rde ich Drogen verkaufen und nicht Essen verteilen.&quot;</p> <h2> Die Verteilungsaktionen sind stressig, die Stimmung angespannt</h2> <p>Zur&#xFC;ck im Wild Camp: Links in der Halle sind rund ein Dutzend provisorische Campingzelte aufgebaut. Manche M&#xE4;nner haben ein Feuer gemacht. &#xDC;berall huschen Menschen vorbei, in der Entfernung jault ein Hund auf. Rechts brennt eine Plastikplane im Feuer. </p> <p>&quot;Die meisten hier kommen gerade zur&#xFC;ck von einem Game&quot;, erkl&#xE4;rt Bihorac. So nennen Gefl&#xFC;chtete den Versuch, &#xFC;ber die kroatische Grenze zu kommen. Game Over, wenn sie die Polizei erwischt und zur&#xFC;ckbringt.</p> <p>&quot;Wir m&#xFC;ssen abbrechen&quot;, sagt Bihorac, und die Sorge in ihrer Stimme ist nicht zu &#xFC;berh&#xF6;ren. Wie kommen wir zu ihrem Auto? Es ist umzingelt von jungen M&#xE4;nnern, die auf Bihorac einreden.</p> <p>&quot;Mama Zehida, Mama Zehida!&quot;</p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"></div> <p>Eine Diskussion zwischen zwei Gefl&#xFC;chteten entsteht. Ein Dritter versucht zu schlichten. &quot;Ihr solltet besser gehen&quot;, sagt er. &quot;Kommt morgen wieder, wenn sich die Situation beruhigt hat.&quot;</p> <p>Die Gefl&#xFC;chteten haben Respekt vor Bihorac, weil sie eine der wenigen lokalen Helferinnen ist. Aber die Verzweiflung ist jedem ins Gesicht geschrieben. Bihorac vereinbart mit f&#xFC;nf M&#xE4;nnern, mit denen sie zuvor Kontakt hatte, dass sie sich auf einer Schotterstra&#xDF;e neben einem Supermarkt treffen. So sieht ihr Alltag aus: Dutzende Gefl&#xFC;chtete schreiben ihr t&#xE4;glich auf Facebook &#x2013; jeder in Velika Kladu&#x161;a kennt Mama Zehida &#x2013; und Bihorac versucht, das N&#xF6;tigste zu organisieren.</p> <h2> Die Gefl&#xFC;chteten kontaktieren Bihorac &#xFC;ber Facebook, dann schn&#xFC;rt sie Spendenpakete</h2> <p>Sie merkt sich, wer wo lebt. Das ist bei den vielen Gefl&#xFC;chteten, die derzeit nicht in Camps, sondern in verlassenen H&#xE4;usern, Fabrikhallen oder auf der Stra&#xDF;e leben, eine Herausforderung. Von 9 bis 15 Uhr geht Bihorac ihrem Job als Volksschullehrerin nach, danach durchforstet sie ihre Facebook-Nachrichten und packt Spendenpakete.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584305079135-DSC_0268.jpeg" alt="Gefl&#xFC;chtete leben in einem Container in der N&#xE4;he des offiziellen Camps in Velika Kladusa, Foto: Alexandra Stanic"> <div class="article__image-caption">Es gibt keine Hilfe vom bosnischen Staat, keine Essensmarken, keine Stelle, an die sich Gefl&#xFC;chtete wenden k&#xF6;nnten</div> </div> <p>Eins der Pakete geht an ein syrisches Ehepaar, das zusammen mit zwei weiteren Gefl&#xFC;chteten in einem Container etwa 200 Meter vom Camp wohnt. Die 32-j&#xE4;hrige Imen und ihr Mann Ibrahim leben seit rund sieben Monaten in Bosnien-Herzegowina. Der Besitzer des Grundst&#xFC;cks l&#xE4;sst die &#xC4;rztin und ihren Mann umsonst in dem Container leben. Sie nennen ihn <i> Babo, </i>ein bosnischer Ausdruck f&#xFC;r Papa. Das Paar k&#xF6;nnte es schlimmer haben, wie es selbst sagt. </p> <p>&quot;Die Grenzen sind geschlossen, es gibt keine Chance, weiterzuziehen&quot;, sagt Imen. &quot;Alles, was wir haben, verdanken wir Mama Zehida.&quot; Der Ofen, Decken, Essen, Geschirr, Hygieneprodukte. Es gibt keine Hilfe vom bosnischen Staat, keine Essensmarken, keine Stelle, an die sich Gefl&#xFC;chtete wenden k&#xF6;nnten. </p> <div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/5dmj8x/exklusiv-griechenland-bat-deutschland-schon-vor-monaten-um-hilfe-fur-minderjahrige-gefluchtete-erfolglos?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=5dmqeq&amp;site=vice" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen frameborder="0"></iframe></div> <p>Bihorac&apos; letzter Stopp f&#xFC;r die Nacht ist eine f&#xFC;nfk&#xF6;pfige, irakische Familie, die bis vor kurzem vor einer Moschee schlief. Ein Bosnier, der in &#xD6;sterreich lebt, habe ihnen angeboten, in sein leerstehendes Haus zu ziehen. &quot;Diese Familie hat vergleichsweise Gl&#xFC;ck&quot;, sagt Bihorac. &quot;Sie haben ein Dach &#xFC;ber dem Kopf, Strom, Warmwasser und Menschen, die sich um sie k&#xFC;mmern.&quot;</p> <h2> Manchen der Gefl&#xFC;chteten will Bihorac einfach eine Freundin sein</h2> <p>Bihorac komme vor allem vorbei, um eine Freundin zu sein und mit den Kindern zu spielen. Einmal habe es die Familie bei einem Game bis nach Slowenien geschafft, dann habe sie sich selbst der Grenzpolizei gestellt. &quot;Wir hatten drei Tage kein Essen, einer unserer S&#xF6;hne hatte Haarausfall&quot;, erz&#xE4;hlt die Mutter. &quot;Wir waren einfach am Ende.&quot; </p> <p>Sie sagt, sie h&#xE4;tten die Polizisten angebettelt, einen Asylantrag in Slowenien stellen zu d&#xFC;rfen. &quot;Aber sie haben uns in ein Polizeiauto verfrachtet und in Bosnien abgeladen.&quot; Dabei haben Schutzsuchende das Recht, in dem Land, in dem sie aufgegriffen wurden, einen Asylantrag zu stellen. Einmal mehr ist das Schicksal einer Familie abh&#xE4;ngig von der Willk&#xFC;r von Beamten. Derzeit verharrt die Familie in Velika Kladu&#x161;a. Bis es wieder w&#xE4;rmer wird, bis die Kinder genug Kraft tanken konnten, bis sie wieder Mut f&#xFC;r einen weiteren Versuch haben.</p> <p>&quot;Wir wollen kein Game Over in Bosnien. Wir wollen ein sicheres Leben in der EU.&quot;</p> <p><i>Folge VICE auf <a href="https://www.facebook.com/vicede" target="_blank">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/vice_de" target="_blank">Instagram</a> und <a href="https://www.snapchat.com/discover/VICE-DE/6278936372" target="_blank">Snapchat</a>.</i></p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">5dmqeq</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/test-uploads/articles/5e6e8a4a7483d3009d7926dc/lede/1584304195777-DSC_0089.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>Alexandra Stanic</dc:creator><dc:creator>Felix Dachsel</dc:creator><category>Geflüchtete</category></item><item><title><![CDATA[Harald wurde aus Österreich abgeschoben – ja, aus Österreich]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/qjdnkd/abschiebung-oesterreich-deutschland-abgeschoben-antifa</link><pubDate>Thu, 12 Mar 2020 13:28:42 GMT</pubDate><description><![CDATA[U-Haft, Hausdurchsuchung, schließlich die Abschiebung nach Deutschland und zwei Euro "fürs Münztelefon". Wie kann das sein?]]></description><content:encoded><![CDATA[<p>Der letzte Zug verl&#xE4;sst den Hauptbahnhof um 23:13 Uhr. Als die Polizisten Harald um halb 12 in Passau absetzen, f&#xE4;hrt nichts mehr. Harald hat kein Geld und kein Handy, und eine Wohnung hat er auch nicht mehr. <a href="https://www.derstandard.de/story/2000114190553/deutscher-nach-sprayaktion-mit-zehnjaehrigem-einreiseverbot-belegt" target="_blank">Zumindest nicht in einem Land, das er betreten darf</a>. </p> <p>Harald fragt Passanten nach ihren Handys: &quot;Wollen Sie eine lustige Geschichte h&#xF6;ren?&quot; Die Masche zieht. Er schreibt seinen Freunden E-Mails von den fremden Telefonen und erz&#xE4;hlt, dass er von der Polizei beim Sprayen erwischt und dann abgeschoben wurde. Ja, <a href="https://www.vice.com/de/article/mb8z7b/warum-ich-oesterreich-hasse" target="_blank">aus &#xD6;sterreich</a>. Die Leute lachen. Harald findet es gar nicht mehr so lustig. </p> <p>Eine Abschiebung. F&#xFC;r viele Gefl&#xFC;chtete bedeutet das die R&#xFC;ckkehr in ein Zuhause, das es nicht mehr gibt. Oder eines, das man verlassen musste, weil man es dort nicht mehr aushielt.</p> <p>Harald ist am Rand von M&#xFC;nchen aufgewachsen. 30 Minuten in die Innenstadt, aber nur f&#xFC;nf Minuten bis zum Waldfriedhof. Auf der Stra&#xDF;e spielte er Fu&#xDF;ball, er sang im T&#xF6;lzer Knabenchor, trainierte Handball und spielte Cello am musischen Gymnasium. Dass ein Deutscher abgeschoben wird, von &#xD6;sterreich nach Deutschland, klingt wie ein schlechter Witz. Wie ist das m&#xF6;glich? Und ist das &#xFC;berhaupt rechtens?</p><hr><iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://video.vice.com/de/video/first-spray-tan-yelps-worst-rated-tanning-salon-one-star-reviews/5cb4ffdabe40776de6275c63"></iframe> <p><b><i>Auch bei VICE: Interview mit einem Neonazi-J&#xE4;ger der Antifa</i></b></p><iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://video.vice.com/de/video/interview-mit-einem-neonazi-jager-der-antifa/5d443021be4077646c42052b"></iframe><hr><p>Das <a href="https://www.vice.com/de/article/g5xyb4/ich-habe-die-hassfigur-der-osterreichischen-rechten-getroffen" target="_blank">&#xF6;sterreichische Innenministerium</a> h&#xE4;lt Harald f&#xFC;r eine &quot;erhebliche Gefahr f&#xFC;r das Grundinteresse der &#xF6;sterreichischen Gesellschaft, n&#xE4;mliches jenes an Ruhe, Ordnung und Sicherheit&quot;. So steht es mehrfach in seinem Abschiebebescheid. Dort steht auch, dass er nur in &#xD6;sterreich lebe, um Straftaten zu begehen. Er sei ein f&#xFC;hrendes Mitglied der anarcho-linken Szene.</p> <p>Vier Jahre lebte er in Wien, bis er zur&#xFC;ck in seine Heimat geschickt wurde. Seit etwa f&#xFC;nf Monaten schl&#xE4;ft Harald jetzt wieder in seinem Kinderzimmer. Bis vier Uhr morgens, dann muss er f&#xFC;r seinen Job an der Tanke aufstehen. Jetzt ist es 13 Uhr und Harald z&#xE4;hlt die Einnahmen aus seiner Schicht. Ein Zwei-Meter-Mann vor f&#xFC;nf Metern Zigaretten. Seine braune Locken h&#xE4;ngen ihm in die Augen, auf seiner Oberlippe eine kleine Narbe, die sich beim L&#xE4;cheln verzieht. Schichtende. Als er geht, packt er noch zwei Sackerl trockene Brezen ein, f&#xFC;r die Pferde seiner Schwester. </p> <p>Harald studierte Politikwissenschaft in Wien, arbeitete als Sicherheitsmann in Museen. Er spielte Handball und sang im Chor. Er lebte im 3. Bezirk, fuhr &#xFC;berall mit dem Fahrrad hin. Und ja, er war bei der Antifa. </p><h2>&quot;Blut an euren H&#xE4;nden&quot; sollte auf der Mauer stehen</h2><p>Im September zeichnete sich ab, dass die T&#xFC;rkei einen Angriff auf die kurdische Hochburg Rojava plante. Was tun? Die Idee: &quot;Blut an euren H&#xE4;nden&quot; sollte an die Mauern des Rheinmetall-Partners MAN Military Services gespr&#xFC;ht werden. Auf einem Banner sollte stehen: &quot;Rheinmetall entwaffnen&quot;. So sollte ein Zeichen gesetzt werden.</p> <p>Das Unternehmen liegt in einem Industriegebiet in Wien-Liesing. In Sichtweite befindet sich ein Stra&#xDF;enstrich. Ein zivile Streife fuhr dort Patrouille, als sie Harald und seine Genossen sahen. So nennt er sie. Wie viele sie waren, das will er nicht sagen.</p> <p>Harald will vieles nicht sagen. Oder zumindest will er es nicht lesen.</p><p>&quot;Als Sie dann von der Polizei bei der Begehung der Straftaten angetroffen wurden, haben Sie mit erheblichem Widerstand versucht zu fl&#xFC;chten und sich der Amtshandlung zu entziehen. Dabei sind Sie frontal auf einen Polizeibeamten zugelaufen und haben diesen mit voller Wucht zu Boden gerissen. Danach haben Sie diesen Beamten einen Knieschlag verpasst und versucht mit den H&#xE4;nden zu schlagen. Sie haben danach versucht ihre Flucht fortzusetzen, wurden aber anschlie&#xDF;end durch einen weiteren Beamten gestoppt.&quot;</p> <p>Harald zitiert den Polizeibericht, wenn er von den Geschehnissen dieser Nacht erz&#xE4;hlt. Weil er nichts Falsches sagen will, aber auch weil es ihm leichter f&#xE4;llt, dar&#xFC;ber zu sprechen, als sei das gar nicht er. Sein Atem wird kurz, er bittet um eine Pause. </p> <p>Die Nacht hat er in einer Zelle verbracht, am n&#xE4;chsten Mittag ist Harald dann verh&#xF6;rt worden. Er verweigerte die Aussage. Zwei Stunden sp&#xE4;ter holten sie ihn wieder aus der Zelle. Harald dachte, dass sie ihn nun freilassen. &quot;Nee, Hausdurchsuchung&quot;, sollen die Polizisten gesagt haben. </p><div class="article__media"><img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1584002473651-200224_VICE_004.jpeg" alt="Harald in M&#xFC;nchen"><div class="article__image-caption">Weil Fabian sprayte, musste er &#xD6;sterreich verlassen</div></div> <p>Sechs oder sieben Wagen fuhren daraufhin zu seiner WG im 3. Bezirk, erz&#xE4;hlt Harald. Polizisten in schuss- und stichsicheren Westen durchsuchten sein Zimmer. Sie fanden: Eine Maske. Eine Sonnenbrille. Eine Baseball-Kappe. Einen Tacker. Einen Erste-Hilfe-Kasten. Pyrotechnik. Ein Seil. Vorschnitte zum Sprayen. </p> <p>&quot;Da haben sie schon mehr oder weniger gejubelt&quot;, sagt Harald. Die Polizisten sollen ihn aufgefordert haben, ein paar Sachen einzupacken. Er tat wie befohlen. T-Shirts, Unterhosen, Socken. &quot;Wei&#xDF;t du, wohin es jetzt geht?&quot;, soll ein Polizist gefragt haben. &quot;In U-Haft, sch&#xE4;tze ich mal&quot;, sagte Harald. &quot;Nee, Sie werden abgeschoben&quot;, sagte der Polizist. Harald lachte laut auf. Aber der Polizist scherzte nicht und Harald, der dachte, dass er f&#xFC;rs Gef&#xE4;ngnis packt, verga&#xDF; sein Portemonnaie. </p><div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/d3ad7w/pamela-rendi-wagner-diese-frau-konnte-osterreich-retten?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=qjdnkd&amp;site=vice" frameborder="0" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen></iframe></div> <p>Der Pressesprecher des &#xF6;sterreichischen <a href="https://www.bfa.gv.at/" target="_blank">Bundesamts f&#xFC;r Fremdenwesen und Asyl (BFA)</a> best&#xE4;tigt, dass Harald &quot;aufgrund der gesetzten strafbaren Handlungen, bei denen er auch auf frischer Tat betreten wurde, selber eine erhebliche Gefahr und der weitere Aufenthalt in &#xD6;sterreich eine schwerwiegende Gefahr f&#xFC;r die &#xF6;ffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit darstellt&quot;.</p> <p>Dass Harald f&#xFC;r seine Straftat weder angeklagt, geschweige denn verurteilt ist, ist f&#xFC;r seine Abschiebung zwar zu ber&#xFC;cksichtigen, aber nicht das einzige Kriterium. Ausschlaggebend sei &quot;das pers&#xF6;nliche Verhalten&quot;, sagt Professorin Ulrike Brandl von der Universit&#xE4;t Salzburg. Die Beh&#xF6;rde entscheidet im Einzelfall, ob jemand die Sicherheit der &#xF6;sterreichischen Bev&#xF6;lkerung gef&#xE4;hrdet &#x2013; und ob er sich noch im Land aufhalten darf. Die Gr&#xFC;nde, die das BFA f&#xFC;r die Beurteilung heranziehen kann, beziehen sich auf das pers&#xF6;nliche Verhalten der betreffenden Person. Welches Verhalten dich deinen Aufenthaltstitel kosten kann, entscheidet also die Beh&#xF6;rde.</p><h2>&quot;Irgendwo wird&apos;s wohl ein M&#xFC;nztelefon geben&quot;</h2><p>Die Polizisten brachten Harald schlie&#xDF;lich nach Wiener Neustadt, ins Bundesamt f&#xFC;r Fremdenwesen und Asyl. Der Amtsleiter befragte ihn. Wer war dabei? Was war Ihr Ziel? Wie lange haben Sie die Aktion geplant? Aber auch: Haben Sie Familie in &#xD6;sterreich? Haben Sie Freunde in &#xD6;sterreich? Haben Sie einen Job? Wie lange schon? Was studieren Sie? </p> <p>So erz&#xE4;hlt es Harald.</p> <p>Er wollte keine Fragen beantworten. Nach etwa einer Dreiviertelstunde brachten sie ihn in den Flur, erinnert er sich. Dort setzte er sich auf einen Stuhl, flankiert von vier Polizeibeamten. Dann wurde er wieder reingerufen und der Amtsleiter legte ihm ein Blatt Papier vor. Darauf stand, dass sich Harald die n&#xE4;chsten zehn Jahre nicht in &#xD6;sterreich aufhalten darf, und dass er jetzt nach Deutschland gebracht wird. </p> <p>Harald sagte: &quot;Ich habe mein Portemonnaie nicht dabei und kein Handy, wie soll ich in Deutschland weiterkommen?&quot; Der Amtsleiter soll ihm zwei Euro in die Hand gedr&#xFC;ckt und gesagt haben: &quot;Irgendwo wird&apos;s wohl ein M&#xFC;nztelefon geben.&quot;</p> <p>Etwas verstehen und etwas realisieren, das sind zwei verschiedene Dinge. &quot;Verstanden, dass ich abgeschoben werden soll, habe ich schon nach der Hausdurchsuchung&quot;, sagt Harald. Realisiert hat er es, als er in einem Polizeiauto mit 170 Stundenkilometern in Richtung Grenze bretterte. </p><div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/mb8z7b/warum-ich-oesterreich-hasse?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=qjdnkd&amp;site=vice" frameborder="0" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen></iframe></div> <p>Die Polizisten brachten ihn in eine kleine Gemeinde im Landkreis Passau, direkt hinter der Grenze. Zwei deutsche Polizisten holten Harald ab und brachten ihn zum Passauer Hauptbahnhof. Ab da war Harald allein. </p> <p>Von einem Pizzaboten wollte er sich eine Pappschachtel leihen, zum Trampen. Der Mann gab ihm stattdessen 25 Euro f&#xFC;r die Fahrt nach M&#xFC;nchen. Harald verbrachte die Nacht in verschiedenen Bankfilialen. Am fr&#xFC;hen Morgen kehrte er zum Bahnhof zur&#xFC;ck. Er kaufte ein Zugticket. Von den zwei Euro des Amtsleiters eine Nussecke. Dann fuhr er nach Hause. </p> <p>Das Oberverwaltungsgericht hat sein Einreiseverbot aufgehoben. Das Bundesministerium f&#xFC;r Fremdenwesen und Asyl hat jedoch Berufung eingelegt: Sie wollen mit allen Mitteln verhindern, dass Harald &#xD6;sterreich je wieder betreten darf. Ihre Chancen stehen schlecht &#x2013; weil Harald kein Gewaltt&#xE4;ter ist. Doch die Polizei ermittelt noch gegen ihn: wegen Sachbesch&#xE4;digung, K&#xF6;rperverletzung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. </p> <p>Anfang Februar wird in M&#xFC;nchen Fasching gefeiert. Harald bewegt sich wie blind durch die schrill kost&#xFC;mierten Menschen, sie weichen dem Riesen aus. Er h&#xE4;lt sich sehr gerade und dr&#xFC;ckt die Brust ein wenig raus, fast steif wandelt er durch die feiernden Massen. Er erkennt jemanden, gr&#xFC;&#xDF;t, scheint zu z&#xF6;gern, ob er hingehen soll, der Typ gr&#xFC;&#xDF;t kurz und dreht sich weg. </p> <p>Auf dem Papier hat Harald wieder ein Leben in M&#xFC;nchen. Er hat eine Wohnung, einen Job, ein Orchester, in dem er spielt, er engagiert sich weiterhin in einer Solidarit&#xE4;tsgruppe f&#xFC;r Kurdistan. Aber die meisten seiner Freunde, die sind halt in Wien. Z&#xF6;ge er wieder nach &#xD6;sterreich, f&#xFC;rchtet er, k&#xF6;nnte er jederzeit wieder verhaftet werden.</p> <p>&quot;Einfach, weil sie es k&#xF6;nnen&quot;, sagt Harald. Auch deshalb kehrt er erstmal nicht zur&#xFC;ck. </p><p><i> Folge VICE auf <a href="https://www.facebook.com/vicede" target="_blank">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/vice_de" target="_blank">Instagram</a> und <a href="https://www.snapchat.com/discover/VICE-DE/6278936372" target="_blank">Snapchat</a>.</i></p><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><img src="https://ssl-vg03.met.vgwort.de/na/d7dbf2e7af22437b9cb8c52a727c506b" alt></div></div></div></div><p><i>Dieser Artikel erschien urspr&#xFC;nglich auf VICE DE.</i></p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">qjdnkd</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/test-uploads/articles/5e69f2702c3d46009d733375/lede/1584001664504-200224_VICE_014_b.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>Muriel Kalisch</dc:creator><dc:creator>Lisa McMinn</dc:creator><category>Abschiebung</category><category>Österreich</category><category>sprayen</category><category>Antifa</category></item><item><title><![CDATA[Eine Psychologin erklärt, was Pornos über uns verraten]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/k7envy/was-pornos-ueber-uns-verraten</link><pubDate>Wed, 11 Mar 2020 16:21:46 GMT</pubDate><description><![CDATA[5 Gründe, warum wir so gerne Pornos schauen.]]></description><content:encoded><![CDATA[<p>Rourke h&#xE4;lt seinen Hintern in die Kamera. Er ist schmal gebaut, tr&#xE4;gt wei&#xDF;e Spitze und spielt mit einem lackierten Finger <a href="https://www.vice.com/de/article/ex8wym/dieser-akademiker-hat-ein-ganzes-buch-ueber-die-kultur-des-anus-geschrieben-724" target="_blank">an seinem Poloch</a>. Dann tritt Zilv ins Bild, gro&#xDF;, muskul&#xF6;s, mit unz&#xE4;hligen Tattoos. </p> <p>Rourke und Zilv sind Pornostars und waren <a href="https://cs.phncdn.com/insights-static/wp-content/uploads/2019/12/1-pornhub-insights-2019-year-review-gay-male.png" target="_blank">die meistgesuchten schwulen Hobby-Pornodarsteller</a> auf Pornhub im letzten Jahr. <a href="https://www.vice.com/de/topic/Porno" target="_blank">Ihre Videos</a> werden millionenfach aufgerufen. Sie alle funktionieren nach Schema F: Der feminine Rourke l&#xE4;sst sich von Zilv gnadenlos durchknallen und sagt immer wieder: &quot;Ja, gib&apos;s mir, Daddy.&quot; Die beiden trennt ein Altersunterschied von sechs Jahren, sie kommen aus Essex und sind verlobt, so steht es zumindest in ihrem Profil. In ihren selbstgedrehten Sexfilmen leben Zilv und Rourke ihre Fantasien aus &#x2013; und damit auch die der Zuschauer. Denn so funktioniert Porno, egal ob homo oder hetero: Er ist <a href="https://www.vice.com/de/article/3kkaey/menschen-haben-uns-ihre-absurdesten-und-verstorendsten-sextraume-erzahlt" target="_blank">eine Fantasie</a>.</p> <p>Die Psychologin <a href="http://www.meinpsychotherapeut.com/team/ulrike-schneider-schmid" target="_blank">Ulrike Schneider-Schmid</a> erkl&#xE4;rt das so: &quot;In Pornos menschelt es sehr. Einerseits kann man die W&#xFC;nsche und Fantasien einer Gesellschaft ablesen, andererseits aber auch die Dinge, die im Alltag verboten sind.&quot; Wir haben die Berliner Psychologin in unser B&#xFC;ro eingeladen, um mit ihr Pornos zu schauen. Denn wir wollen etwas &#xFC;ber unsere Gesellschaft, unsere W&#xFC;nsche und unser sexuelles Verlangen lernen. </p><h2>1. Verbote machen geil</h2> <p>Anna und Elsa aus <i> Frozen</i> in einem als M&#xE4;rchen getarnten Lesben-Porno, <i> Berlin Tag und Nacht</i>-Darsteller und einfache &quot;Sex mit dem Handwerker&quot;-Filme begegnen uns auf Pornhub. Oder, wie Schneider-Schmid sagt: &quot;Alle Aspekte des menschlichen Lebens findet man in Pornos.&quot; Aber: Pornos sind dennoch Fantasien und die bekommen den besonderen Kick, wenn sie zwar im realen Leben stattfinden k&#xF6;nnten, aber so f&#xFC;r den Zuschauer nicht auslebbar sind.</p><div class="article__media"><img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1582729223221-Ulrike-Schneider-Schmid-und-der-Autor-Sebastian-Goddemeier.jpeg" alt="Ulrike-Schneider-Schmid-und-der-Autor-Sebastian-Goddemeier"><div class="article__image-caption">Psychologin Ulrike Schneider-Schmid und unser Autor Sebastian Goddemeier haben sich im VICE-Konferenzraum eingeschlossen, um Pornos zu gucken</div></div> <p>&quot;Es gibt so viele sexuelle Spielarten, exhibitionistische Z&#xFC;ge, Fetische oder etwaige sexuelle Praktiken. Man hat vielleicht nicht immer den Partner, der solche Vorlieben teilt. Da kommt dann die Fantasiewelt der Pornos ins Spiel.&quot; Nicht jeder, der Pornos schaut, in denen eine Stiefmutter von ihrem Sohn gev&#xF6;gelt wird, w&#xFC;rde auch seine eigene Stiefmutter flachlegen wollen. &quot;Alles, was anders ist, alles, was verboten ist, das interessiert uns. Da wollen wir Infos! Das ist eine andere Art von neuronaler Erregung, die dann zur sexuellen Erregung beisteuert.&quot;</p> <p>Denn es seien vor allem Verbote, so Schneider-Schmid, die die sexuelle Lust verst&#xE4;rken. Diese Verbote und Tabus werden in Pornos benutzt, damit der Zuschauer sie nicht selbst brechen muss. &quot;In Pornos werden Tabus abgetastet. Was ist verboten? Die Stiefschwester, die mich bittet, in ihr zu kommen, zum Beispiel. Oder Sex am Strand.&quot; </p> <p>Die Verbote sind &#xFC;brigens nicht immer politisch korrekt, im Gegenteil: Interracial Porns seien laut Schneider-Schmid in den USA besonders beliebt, zum Beispiel Titel wie &quot;White housewife gets kidnapped by five black guys&quot;. Alles an Klischees werde bedient.</p><h2>2. Wir wollen uns mit den Darstellern identifizieren k&#xF6;nnen</h2> <p>Nicht nur die Fantasie an sich, auch die Identifikation ist ein wichtiger Faktor im Porno: Im letzten Jahr <a href="https://www.pornhub.com/insights/2019-year-in-review#gender" target="_blank">liebten die Deutschen vor allem deutsche Pornos</a>. Am h&#xE4;ufigsten wurden die Begriffe &quot;Deutsch&quot; und, weil wir auch Englisch k&#xF6;nnen, &quot;German&quot; gesucht. Warum? Schneider-Schmid sagt: &quot;Wenn man &apos;Deutsch&apos; in der Suche eingibt, werden sehr nat&#xFC;rliche, ungestellte und amateurhafte Filme vorgeschlagen. Man sieht die Billigcouch, die man vielleicht vom Nachbarn kennt, Zigaretten liegen rum, Bierflaschen. Es wirkt sehr authentisch und sehr nah.&quot;</p><hr><p><i><b>Auch bei VICE: Der Kampf der Mormonen gegen Pornografie</b></i></p><iframe width="320" height="320" frameborder="0" src="https://video.vice.com/de/video/slutever-utah-mormon-war-on-porn/58dc0a3dee202d2a0ccfcbd8"></iframe> <hr><p>Pornos, die aussehen, als seien sie in der Nachbarwohnung aufgenommen worden, wirken f&#xFC;r den Zuschauer realer. Die Fantasie vermische sich mit dem, was man aus dem eigenen Leben kennt. Projektion und Identifikation vermischen sich: &quot;Wenn man nun deutsche Pornos sucht, kann es sein, dass man etwas sucht, das dem eigenen Leben entspricht, aber um Aspekte wie Dirty Talk, Analsex oder einen Fetisch erg&#xE4;nzt wird, die im eigenen Leben fehlen.&quot;</p><h2>3. Wir wollen mit Macht spielen</h2> <p>Ein weiterer Punkt der Pornografie ist die vermeintliche Erniedrigung: Von der Startseite des Pornoportals schauen uns gleich mehrere Frauen entgegen, die auf Knien auf den Samenerguss ihres Partners warten. Wie weit ist die sexuelle Erniedrigung mit dem Feminismus und der Emanzipation der Frau im Jahr 2020 vereinbar? </p><div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/kzn3dy/10-fragen-an-einen-pornodarsteller-die-du-dich-niemals-trauen-wurdest-zu-stellen?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=k7envy&amp;site=vice" frameborder="0" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen></iframe></div> <p>F&#xFC;r Ulrike Schneider-Schmid ist das kein Widerspruch. &quot;Auch Frauen wollen manchmal die Kontrolle abgeben, sich hingeben, sich als Objekt f&#xFC;hlen. Sie wollen das Gef&#xFC;hl bekommen, begehrt zu werden.&quot; Dieses Verhalten spr&#xE4;che sogar eher f&#xFC;r einen Zugewinn an weiblicher Selbsterm&#xE4;chtigung: &quot;Es ist ja nichts mehr emanzipatorisch, als zu sagen: &apos;In diesem Moment gebe ich mich bewusst hin und ich habe die Entscheidung, zu sagen, was ich m&#xF6;chte.&apos; Ambivalenz zwischen Hingabe und Dominierung ist sehr wichtig.&quot; Auf Platz drei der meistgesuchten Begriffe bei Pornos befindet sich &#xFC;brigens der Suchbegriff &quot;Femdom&quot;, also dominante Frauen, die M&#xE4;nner beherrschen.</p> <p><a href="http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/sadismus.html" target="_blank">Eine Langzeitstudie des Wiener Instituts f&#xFC;r angewandte Tiefenpsychologie hat gezeigt</a>, dass 27,5 Prozent der Frauen Erregung dadurch erfahren, jemandem ausgeliefert zu sein. Bei M&#xE4;nnern waren es 26,2 Prozent. &quot;Das hei&#xDF;t, dass das Gef&#xFC;hl, jemandem ausgeliefert zu sein, durchaus Erregung ausl&#xF6;st.&quot;</p><div class="article__media"><img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1582729325676-Der-Autor-und-die-Psychologin-im-VICE-Office.jpeg" alt="Der-Autor-und-die-Psychologin-im-VICE-Office"><div class="article__image-caption">Durch Pornoseiten scrollen &#x2013; eigentlich NSFW.</div></div> <p>Den Wunsch nach Erniedrigung kann man aber auch tiefenpsychologisch erkl&#xE4;ren, und zwar mit dem &#xD6;dipuskomplex. Sigmund Freud erkl&#xE4;rte darin den Wunsch eines Sohnes, mit seiner Mutter zu schlafen. &quot;Unbewusste, verschobene, verdr&#xE4;ngte W&#xFC;nsche, bestraft zu werden oder zu bestrafen, kommen in Pornos oft zum Tragen.&quot; All das liege in der Kindheit und in den Beziehungen zu den Eltern begr&#xFC;ndet. Hier kommen auch <a href="https://www.vice.com/de/article/78bwvg/die-entstehungsgeschichte-von-milf-pornos" target="_blank">MILF-Pornos</a> ins Spiel. &quot;Das sind verdr&#xE4;ngte Liebes- und Hassimpulse, die man dadurch sublimiert und auslebt.&quot; Gleiches gilt f&#xFC;r Daddy-Filme.</p> <p>Im Beispiel von Zilv und Rourke spielen Erniedrigung und Sperma eine gro&#xDF;e Rolle. Rourke wird gew&#xFC;rgt, hat hier und da Zilvs Fu&#xDF; im Gesicht und bekommt eine Spermaladung nach der anderen ab. Nat&#xFC;rlich findet Rourke das alles supergeil und schreibt <a href="https://twitter.com/gudelzilv/status/1222872989378732032" target="_blank">auf Twitter</a> an ihre 250.000 Abonnenten: &quot;Ich liebe es, wenn Daddy meinen Rachen mit seinem dicken, saftigen Schwanz fickt, w&#xE4;hrend ich h&#xFC;bsch und s&#xFC;&#xDF; dort liege f&#xFC;r meinen Mann. Daddys s&#xFC;&#xDF;es, kleines Boytoy sein, das er benutzen und missbrauchen kann. Ich liebe meine Belohnung, den Geschmack seines leckeren, warmen Spermas.&quot; Ein Tweet, der viele Spektren des Pornos vereint.</p><h2>4. Wir sind Tiere, wollen fruchtbar sein und befruchtet werden</h2> <p>Wir klicken weiter, suchen uns durch die Filme, um Auff&#xE4;lligkeiten zu finden. Dabei f&#xE4;llt unser Blick auf die Frauen: Sie sehen sich alle sehr &#xE4;hnlich. Gro&#xDF;e Br&#xFC;ste, schmale Taille, breite H&#xFC;ften. Was bedeutet das? </p> <p>Zuerst einmal sagt das mehr &#xFC;ber die Macher der Pornos, als &#xFC;ber die Frauen selbst: &quot;Frauen haben in den Augen der M&#xE4;nner eine gewisse Weise auszusehen&quot;, sagt Schneider-Schmid. Die Gr&#xFC;nde daf&#xFC;r findet man allerdings in der Biologie: Der durchschnittliche K&#xF6;rper einer Pornodarstellerin vereint gewisse Aspekte, die auf eine hohe Fertilit&#xE4;t der Frau hindeuten: gro&#xDF;e Br&#xFC;ste, breites Becken, schmale Taille. &quot;Das ist absolut archaisch, aber das ist eben auch Porno.&quot; Vielleicht sind all diese Attribute ein Grund daf&#xFC;r, wieso die Kardashians so erfolgreich sind. Sex sells &#x2013; vor allem unterbewusst und triebgesteuert.</p><div class="article__embed article__embed--vice" data-related-article="true"><iframe src="https://www.vice.com/de/embed/article/5995e8/10-fragen-an-eine-pornodarstellerin-die-du-dich-niemals-trauen-wuerdest-zu-stellen?utm_source=stylizedembed_vice.com&amp;utm_campaign=k7envy&amp;site=vice" frameborder="0" style="border:0px none;margin:0px;" allowfullscreen></iframe></div> <p>Was die Frauen mit den breiten Becken, den gro&#xDF;en Br&#xFC;sten und den schmalen Taillen abbekommen, ist eine Menge Sperma. Sperma, Sperma, Sperma. &#xDC; B E R A L L. In jedem Film. Und wenn es um Sperma geht, ist es egal, ob der Film hetero- oder homosexuell ausgelegt ist. Cumshots so weit das Auge reicht, ungesch&#xFC;tzter Verkehr und Creampies. Warum? Einerseits liege das daran, dass es schwer sei, Gef&#xFC;hle in Pornos zu visualisieren: &quot;Dass Cumshots so beliebt sind, liegt daran, dass die Macher sehr eingeschr&#xE4;nkt sind, emotionale Zust&#xE4;nde darstellen zu k&#xF6;nnen. Der Cumshot visualisiert den Orgasmus.&quot; </p> <p>Der andere Grund ist aber auch hier die Biologie: &quot;Es geht ganz einfach ums Befruchten.&quot; Durch das Sperma wird der tief liegende Trieb des Menschen nach Fortpflanzung getriggert. Darauf weisen Filme wie &apos;Ich habe mein Tinder-Date beim ersten Mal geschw&#xE4;ngert&apos; oder &apos;Ich soll die Frau meines besten Freundes schw&#xE4;ngern&apos; hin. &quot;Das ist wieder ein Tabu, das gebrochen wird&quot;, sagt Schneider-Schmid. </p> <p>Ungesch&#xFC;tzten Geschlechtsverkehr in Pornos sieht Schneider-Schmid allerdings nur ungern: Die Zuschauer w&#xFC;rden sich damit zwar keiner Gefahr aussetzen und ihr Fantasien befriedigt bekommen, die Darsteller allerdings seien sehr gef&#xE4;hrdet. &quot;Die einzigen Male, bei denen ich Kondome gesehen habe, waren auf den Gay-Seiten. Vielleicht herrscht dort ein h&#xF6;heres Bewusstsein f&#xFC;r Geschlechtskrankheiten.&quot;</p><h2>5. Pornos schaffen Bilder einer idealen Welt</h2> <p>Pornos werden haupts&#xE4;chlich von M&#xE4;nnern konsumiert. Doch ein Drittel der Pornokonsumenten auf Pornhub sind mittlerweile Frauen. Die Effekte sind allerdings f&#xFC;r beide nicht ausschlie&#xDF;lich positiv. Ja, sie stimulieren unsere Fantasien und unser Begehren &#x2013; aber sie machen uns auf Dauer nicht gl&#xFC;cklicher.</p> <p>&quot;Ein hoher Pornokonsum wirkt sich negativ auf die sexuelle Zufriedenheit im realen Leben aus&quot;, sagt Schneider-Schmid. Die Videos werden als Skripte verwendet und die eigene Fantasie und das Gef&#xFC;hl gehen verloren. Das eigene K&#xF6;rperbild verschlechtert sich, Gender Attitudes werden implementiert, und die Wahrscheinlichkeit, Casual Sex ohne Kondom zu haben, steigt. Au&#xDF;erdem vermitteln Pornos oft das Bild einer toxischen Maskulinit&#xE4;t. &quot;Manche Konsumenten nehmen die Pornos als Vorlage f&#xFC;r das reale Leben.&quot; Das gelte auch f&#xFC;r die Dem&#xFC;tigung, die sie darin sehen k&#xF6;nnen.</p><p><i>Folge Sebastian Goddemeier auf <a href="https://www.instagram.com/ichisteinanderer/" target="_blank">Instagram</a> und VICE auf <a href="https://www.facebook.com/vicede" target="_blank">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/vice_de" target="_blank">Instagram</a> und <a href="https://www.snapchat.com/discover/VICE-DE/6278936372" target="_blank">Snapchat</a>.</i></p><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><img src="https://ssl-vg03.met.vgwort.de/na/eb938cab295b4481b92c313fcfc1e441" alt></div></div></div></div></div></div><p><i>Dieser Artikel erschien urspr&#xFC;nglich auf VICE DE.</i></p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">k7envy</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/test-uploads/articles/5e566f6387bb8600991eb438/lede/1582729113833-Ulrike-Schneider-Schmid.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>Sebastian Goddemeier</dc:creator><dc:creator>Lisa McMinn</dc:creator><category>pornos</category><category>Psychologie</category><category>Pornodarsteller</category><category>Sperma</category></item><item><title><![CDATA[Coronavirus: Ich habe einen Tag lang wie ein Prepper gelebt]]></title><link>https://www.vice.com/de_at/article/akwyv4/coronavirus-prepping-prepper-hamsterkaufe-vorbereiten</link><pubDate>Fri, 06 Mar 2020 10:13:28 GMT</pubDate><description><![CDATA[Auf meiner Liste: Klopapier, neun Liter H-Milch und ein Huhn.]]></description><content:encoded><![CDATA[<p>Dass Desinfektionsmittel <a href="https://www.vice.com/de/article/epg5wn/so-schutzt-du-dich-vor-der-coronavirus-panik" target="_blank">&#xFC;berall ausverkauft</a> sind, finde ich nicht weiter schlimm. Ich sitze zu Hause mit zwei vollen Handdesinfektionsgels, einmal mit Kamille, einmal mit Aloe Vera, und f&#xFC;hle mich zum ersten Mal in meinem Leben in meiner Zwangsst&#xF6;rung best&#xE4;tigt. Die ist auch der Grund, warum ich schon H&#xE4;nde waschen kann, ganz ohne Anleitung, schon vor dem Aufruf der Beh&#xF6;rden. Wenn M&#xE4;nner jetzt ihre Hand an meine Hand dr&#xFC;cken und sagen: &quot;Oh, du hast aber kleine H&#xE4;nde.&quot; denke ich: &quot;Ja, danke. Daf&#xFC;r hat&apos;s auf deiner mehr Platz f&#xFC;r Corona.&quot;</p> <p>Aber irgendwann werden meine zwei Handdesinfektionsgels aufgebraucht sein und ich werde mich auf andere Weise vor Corona und den daraus entstehenden Folgen sch&#xFC;tzen m&#xFC;ssen. Also starte ich ein Experiment: Einen Tag lang leben wie ein Prepper.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583424854610-Corona_Prepper_02.jpeg" alt="Desinfektionsspray kann nicht schaden"> <div class="article__image-caption">Desinfektion, Einwirkzeit: 1 Minute</div> </div> <p>Ein britischer YouTuber f&#xFC;hrt mich in seinem Video durch das <a href="https://www.andology.com/wp-content/uploads/COVID19_Pandemic_Preparedness_Pack-_1.1.pdf" target="_blank">Pandemic Preparedness Pack</a>, ein PDF-Dokument, das er entworfen hat, damit sich jeder auf die Konsequenzen des Coronavirus vorbereiten kann. Er hat die klassische Ausstrahlung von limitierter Kompetenz des Durchschnitts-IT-Typen. Man w&#xFC;rde ihm vertrauen, wenn es darum geht, die Bitcoins, die bei deinem Drogenkauf aus dem Darkweb vor zehn Jahren &#xFC;briggeblieben sind, auf einem alten Laptop wiederzufinden. Die richtige Gr&#xF6;&#xDF;e Hose kaufen kann er aber nicht. Trotzdem denke ich mir, wenn schon Pandemie, dann mit ihm.</p> <p>Forscher gehen davon aus, dass es bestimmt noch ein Jahr dauern soll, bis ein Impfstoff auf den Markt kommt. Deshalb ist auch nicht klar, f&#xFC;r wie viel Zeit in Quarant&#xE4;ne ich mich vorbereiten soll. Gut w&#xE4;re es nat&#xFC;rlich f&#xFC;r den Fall, dass die Zeitdauer l&#xE4;nger als zwei Wochen ausfallen soll, sich selbst versorgen zu k&#xF6;nnen. Ich lese den Erfahrungsbericht einer Amerikanerin, die sich freiwillig 19 Tage einer Quarant&#xE4;ne unterzogen hat, um herauszufinden, worauf man achten muss. Sie betont, wie n&#xFC;tzlich es ist, eigene H&#xFC;hner auf dem Grundst&#xFC;ck zu haben. Einen Hof auf dem Land habe ich nicht, aber einen Innenhof mitten in Neuk&#xF6;lln. Aber erstmal gehe ich in den Supermarkt, da muss ich schnell hin, denn auf die Idee sind schon viele gekommen.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583424884550-Corona_Prepper_03.jpeg" alt="So sieht ein perfekter Prepper-Einkauf aus"> <div class="article__image-caption">Der perfekte Prepper-Einkauf</div> </div> <p>Ich schnappe mir einen Einkaufswagen. Wenn ich alle drei Jahre mal beim Yoga bin, desinfiziere ich meine Matte schon vor der Stunde nicht nur danach. Das ist mir peinlich, denn es ist wie, Matthias Schweigh&#xF6;fer hei&#xDF; zu finden oder Mark Forster zu h&#xF6;ren, etwas, das man nur heimlich machen sollte. Das ist das Gute an Corona. Denn sp&#xE4;testens jetzt ist es gesellschaftlich akzeptiert, den Griff des Einkaufswagens vor der Nutzung mit Fl&#xE4;chendesinfektion einzuspr&#xFC;hen. Obwohl ich es eine Minute einwirken lasse, f&#xFC;hlt sich der Griff dreckig an. Das muss der.</p> <p>Ich erinnere mich an Luca aus meiner Kindergartengruppe, der immer Sand gegessen hat. Ich fand das eklig. Die Mutter fand das nicht weiter schlimm: &quot;Das st&#xE4;rkt doch die Abwehrkr&#xE4;fte!&quot; Ich frage mich, ob Luca jetzt Corona hat oder, ob wir mal alle besser Sand gegessen h&#xE4;tten.</p> <p>Vom Coronavirus merkt man im Supermarkt wenig. Au&#xDF;er Toilettenpapier und Pasta ist alles noch in akzeptablen Mengen vorhanden. In Neuk&#xF6;lln hat man wohl weniger Angst.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583424919396-Corona_Prepper_04.jpeg" alt="Wurst im Glas zerbricht leider schnell"> <div class="article__image-caption">Lange haltbar, aber hat sich trotzdem nicht lange gehalten: Wurst im Glas</div> </div> <p>&quot;Tins of Beans, Tins of Veg, Tins of Fruit Salad, Tins of Meat &#x2026;&quot; Die H&#xE4;lfte der Nahrungsmittel auf meiner Liste kommt aus der Dose. Ich fange an, die Dosen, Haferflocken und H-Milch in meinem Einkaufswagen zu stapeln. Frische Fr&#xFC;chte und Esswaren aus dem K&#xFC;hlregal sind verboten, falls die Infrastruktur zusammenbricht und der Strom ausf&#xE4;llt. </p> <p>Doch als ich mich mit meinem Einkauf ein paar wenige Meter vom Supermarkt entferne, fordert das Coronavirus schon das erste Opfer: Ein W&#xFC;rstchen-Glas rutscht vom &#xFC;bervollen Einkaufswagen und zerbricht auf dem Pflaster.</p> <p>Als N&#xE4;chstes k&#xFC;mmere ich mich um die Gesichtsmaske. Nachdem &#xFC;ber die letzten Tage in allen Beitr&#xE4;gen zum Coronavirus eine Apothekerin zu Wort gekommen ist, um zu best&#xE4;tigen, dass die Gesichtsmasken tats&#xE4;chlich ausverkauft sind, versuche ich es im Baumarkt. Doch auch hier waren vorausschauende Prepper schneller. Das finde ich auch irgendwie OK. Meine Prepping-Experience ist ein bisschen wie Fahrradfahren ohne Helm. Wenigstens sehe ich cool aus, wenn ich sterbe. </p> <p>Jetzt fehlt nur noch das Huhn.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583424988575-Corona_Prepper_05.jpeg" alt="Feinstaubmasken sind ausverkauft"> <div class="article__image-caption">Schlechte Zeiten f&#xFC;r Leute, die wirklich eine Atemschutzmaske brauchen.</div> </div> <p>Mein Recherche f&#xFC;hrt mich zum Artikel <a href="https://www.theprepperjournal.com/2018/08/07/self-sufficiency-superstars-pickin-a-chicken/" target="_blank"><i> Self-Sufficiency Superstars &#x2013; Pickin&#x2019; a Chicken</i></a> auf einer Prepping-Webseite. Weil ich mich &#xFC;ber die vergangenen Stunden schon immer mehr zur Doomsday-Prepperin entwickelt habe, stellt selbst die Aufgabe, in einer Gro&#xDF;stadt wie Berlin H&#xFC;hner zu finden, kein Problem mehr f&#xFC;r mich dar. Ein Freund mit einer Agentur in Mitte sagt mir, er w&#xFC;rde welche in seinem Innenhof halten. </p><p>W&#xE4;hrend der ersten Minuten h&#xE4;tte mir ein Huhn fast ins Auge gepickt. Doch nach diesen Startschwierigkeiten sind Alberta und ich direkt ein Herz und eine Seele. Mit ihr an meiner Seite f&#xFC;hle ich mich direkt etwas vorbereiteter f&#xFC;r den Extremfall. Ich entscheide mich dennoch daf&#xFC;r, sie nicht mit nach Hause zu nehmen &#x2013; auch wenn sie meine Dosen verteidigt h&#xE4;tte, und ich sie zur Not h&#xE4;tte verspeisen k&#xF6;nnen. Ich wei&#xDF; ja nun, wo ich sie finde. In der Not.</p> <p>Und doch: Ich will Epidemie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Pandemie-Guide des Vertrauens prophezeit nicht nur Zwangsquarant&#xE4;ne, sondern den kompletten Zusammenbruch der Gesellschaft, was wiederum einen hohen Grad an Gewalt und Kriminalit&#xE4;t zur Folge hat. In einem Waffenladen suche ich nach Experten.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583425015778-Corona_Prepper_06.jpeg" alt="Das Huhn greift unsere Autorin an"> <div class="article__image-caption">Alberta brauchte ein bisschen, bis sie sich an unsere Autorin gew&#xF6;hnt hatte</div> </div> <p>Das einzige Gesch&#xE4;ft dieser Art in Neuk&#xF6;lln f&#xFC;hrt keine scharfen Waffen, sondern nur Airsoft-Gewehre, doch wie es sich herausstellt, sollte das kein Problem sein. Ich frage den Verk&#xE4;ufer, ob er mir sagen kann, wie ich am besten das Fr&#xFC;hst&#xFC;cksfleisch und die Bohnen verteidige. Oder wie ich den Kaffee-Jogurt mild von irgendeiner Pilates-Tante mit zu kurzem Pony zur&#xFC;ckerobere. Seine Antwort &#xFC;berrascht mich:</p> <p>&quot;Soweit wird es kommen. Man wird sich verteidigen m&#xFC;ssen. In Berlin haben viele Leute Waffen, wei&#xDF;t du? Ich habe keine Waffe. Am Ende lachen aber die, die Waffen haben.&quot;</p> <p>W&#xE4;hrend er mir Modelle von Waffen, die im Zweiten Weltkrieg benutzt wurden, zeigt, frage ich ihn, wie er sich denn verteidigen will.</p> <p>&quot;Ich habe ja wie gesagt keine Waffe. Ich werde mir wohl im Baumarkt eine Sense holen m&#xFC;ssen.&quot;</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583425065135-Corona_Prepper_08.jpeg" alt="Eine Zwille hilft"> <div class="article__image-caption">Eine Steinschleuder sei &quot;unentbehrlich&quot;, sagt der Mann aus dem Waffenladen</div> </div> <p>Bevor ich den Laden verlasse, zeige ich seinem Kollegen und ihm die Liste an n&#xF6;tigen Waffen und Schutzgegenst&#xE4;nden aus dem Pandemie-Ratgeber. Beide lachen. &quot;Mehrere Waffen auf dieser Liste fressen sich gegenseitig auf. Klar, das sind schon viele n&#xFC;tzliche Dinge dabei. Aber das kann man ja auch nicht alles tragen.&quot; Eine Empfehlung geben sie mir: </p> <p>&quot;Eine Katschi, also eine Steinschleuder, ist schon unentbehrlich. Die kannst du auch mitnehmen, falls du im Notfall das Haus verlassen musst.&quot;</p> <p>Sense und Steinschleuder, alles klar. Mit diesem Ratschlag f&#xFC;hle ich mich in der Lage, meine H&#xFC;hner und die 9 Liter haltbare Milch zu verteidigen.</p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583425541533-Corona_Prepper_09.jpeg" alt="Ein perfektes Preppermen&#xFC;"> <div class="article__image-caption">Das McPrepper-Men&#xFC;</div> </div> <p>Nun ist es Zeit f&#xFC;r mein erstes Essen als Prepperin. Ich staple den Einkauf auf meinem K&#xFC;chentisch und &#xF6;ffne ein paar Dosen. Wie sieht eine ausgewogene Prepper-Mahlzeit aus? Die Ger&#xFC;che, die aus den verschiedenen Dosen str&#xF6;men, vermischen sich zu einer Kombination aus Katzenfutter und Essig. Die merkw&#xFC;rdige Auswahl an sorgf&#xE4;ltig drapierten H&#xE4;ufchen auf meinem Teller sagt mir, dass Tapas w&#xE4;hrend der Apokalypse ein gro&#xDF;es Ding sein werden. Wenn Jamie Oliver sagt &quot;Eat the rainbow&quot;, dann meint er genau das. Ich frage mich, ob Pfirsiche aus der Dose Skorbut wohl aufhalten k&#xF6;nnen.</p> <p>Ob das alles was bringt, wird sich noch zeigen. Ich bin vorbereitet. Mit einem Prepping-Ratgeber kann sich jeder vorbereiten. Vielleicht w&#xE4;scht man sich aber einfach &#xF6;fter die H&#xE4;nde und macht im besten Fall eine Gewohnheit daraus. Die kann man n&#xE4;mlich nach dem Coronavirus immer noch brauchen. </p> <div class="article__media"> <img src="https://video-images.vice.com/test-uploads/_uncategorized/1583425580798-Corona_Prepper_01.jpeg" alt="Nicht happy aber satt: Unsere Autorin Anna Dreussi"> <div class="article__image-caption">Preppen macht auf Dauer einfach nicht gl&#xFC;cklich</div> </div> <p><i>Folge Anna auf <a href="http://www.instagram.com/grusigi" target="_blank">Instagram</a> und VICE auf <a href="https://www.facebook.com/vicede" target="_blank">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/vice_de" target="_blank">Instagram</a> und <a href="https://www.snapchat.com/discover/VICE-DE/6278936372" target="_blank">Snapchat</a>.</i></p> <div class="article__media--image"> <div class="article__media--image"> <div class="article__media--image"> <div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><div class="article__media--image"><img src="https://ssl-vg03.met.vgwort.de/na/353b2197df5943ccaa199f8d62c5c568" alt></div></div></div> </div> </div> </div><p><i>Dieser Artikel erschien urspr&#xFC;nglich auf VICE DE.</i></p>]]></content:encoded><guid isPermaLink="false">akwyv4</guid><enclosure url="http://video-images.vice.com/test-uploads/articles/5e6103e6e5d2b30099bca7da/lede/1583424205831-Corona_Prepper_HEADER.jpeg" length="0" type="image/jpeg"></enclosure><dc:creator>Anna-Sophie Dreussi</dc:creator><dc:creator>Lisa McMinn</dc:creator><category>Coronavirus</category><category>COVID-19</category><category>Prepper</category></item></channel></rss>