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Weediquette - Ich rauche lieber allein zu Hause einen Haufen Gras, als Saufen zu gehen

Wenn ich mich in Wochenendnächten in meinem Zimmer eingenistet habe, kann ich die betrunkenen Schwachköpfe durch die dünnen Wände hören, wie sie durch die Gänge springen und schreien, Jungs und Mädchen, die nicht mehr gerade gehen oder ihre Gedanken...

von T. Kid
19 April 2013, 7:52am

T. Kid ist jemand, der es regelmäßig genießt, Gras zu rauchen. Er wird euch Tipps geben und Dinge erklären. Bisher hat er gezeigt, wie man einen Inside-Out-Joint rollt  und er hat von seinen Erfahrungen berichtet, wie es ist, auf Tour an Gras zu kommen.

Es ist schwierig vorherzusagen, welche unserer Gewohnheiten am Ende unsere Persönlichkeiten bestimmen. Die meisten von uns versuchen, sich an die Norm zu halten. Dabei versuchen wir, unsere davon abweichenden Neigungen zu korrigieren oder vielleicht einfach tiefer zu vergraben, so dass sie niemand begaffen kann. Aber das Leben kommt dazwischen und unvorhergesehene Ereignisse oder Dispositionen, die uns bis dato unbekannt waren, können uns in Verhaltensmuster ziehen, die wir normalerweise niemals vorhergesehen hätten.

Ich bin offiziell ein Stubenhocker und so ziemlich jeder, der mich kennt, weiß das. Jeden Tag, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und mein Zimmer betrete, lege ich meine Tasche ab, zieh meine Jacke aus, schließe meine Augen und fühle die größte Euphorie. Ich bin jetzt an meinem Ort und habe für den restlichen Abend nichts vor. Ich kann mich bis auf Boxershorts und T-Shirt ausziehen und aufs Bett liegen, einen Film anschauen, an Musik arbeiten und den Stress des Tages in einer Rauchwolke verpuffen lassen. Gelegentlich wird diese Meditation von meinen Verpflichtungen unterbrochen, Sachen, die von den meisten Leuten als normales Sozialleben bezeichnet werden würden: Partys, Konzerte, Abendessen, sich zum Trinken treffen. Ich versuche, diese so gering wie möglich zu halten. Vor allem am Wochenende ist es schwierig, solche Verpflichtungen zu vermeiden. 

Wie die meisten Leute habe ich eine Gruppe von Freunden, die mich verstehen, bei denen ich mich nicht anstrengen muss, wenn ich mit ihnen rumhänge. Mit diesen Streunern rauche ich ein paar Mal die Woche eigentlich immer echt viel und rede unwichtiges Zeug. Abgesehen von ihnen kümmere ich mich eigentlich fast überhaupt nicht darum, neue Leute kennenzulernen. Mein ganzes Leben lang war ich enthusiastisch und freundlich, wenn ich Leute kennenlernte und lange habe ich das auch so gemeint, aber in den letzten paar Jahren habe ich gemerkt, dass die Leute hinter meine Höflichkeiten sehen und einen Blick auf meine Ungeduld und mein Unbehagen darüber, dass ich eine Konversation führen muss, erhaschen. Je mehr sie das mitbekamen, desto weniger versteckte ich es. Wahrscheinlich komm ich deshalb ein bisschen wie ein Arsch rüber, aber offen gesagt, wenn ich es auf diese Art schaffe, in Frieden gelassen zu werden, bin ich voll mit dabei. 

Bevor ich jetzt wie ein stereotyper Kiffer rüberkomme, lass mich dir erklären, wieso ich es zu Hause am angenehmsten finde. Ja, wahrscheinlich hat Gras was damit zu tun, aber es ist ein komplett anderer Stoff, der mich an diesen Ort gebracht hat. Der Mittelpunkt der Sozialisation ist an den meisten anderen Orten auf dieser Welt Alkohol. Sport, Paarung, Feiern, Sympathie, Entspannung und ungefähr jede andere soziale Institution, mal abgesehen von den Anonymen Alkoholikern, wird von Trinken begleitet. Während der Uni war meine Alkoholkapazität so unbegrenzt wie bei jedem anderen 21-jährigen, aber diese Unbesiegbarkeit zerfiel plötzlich für mich in einer einzigen Tat, die mir von einem 14-jährigen Kind angetan wurde. Kurz nachdem ich meinen Abschluss gemacht hatte, war ich zusammen mit einem Freund trinken und definitiv besoffen, als wir von einer Gruppe Jungs angegriffen wurden, die versuchten, unsere Handy zu klauen. Einer von ihnen stach mir mit einer zerbrochenen Flasche in den Hals.

Die Kante der Scherbe verpasste meine Halsschlagader um drei Millimeter und verletzte stattdessen den Nerv, der den Bereich zwischen meiner rechten Schulter und dem Ellbogen kontrollierte, was dieses Gebiet augenblicklich paralysierte. Obwohl es noch viele faszinierendere Details dieser Qual gibt, genügt es im Zusammenhang dieser Geschichte, nur das nächste Jahr zu rekonstruieren, in dem ich mich erholte. Ich lebte monatelang mit andauernden, qualvollen Nervenschmerzen und kein Medikament, nichtmal die, die spezifisch für Nervenschmerzen entwickelt worden waren, konnte mir helfen. Mein Arzt, der wusste, wie beschissen es mir ging, gab mir quasi ein Blankorezept für alles, was ich wollte—wenn auch nicht für Schmerzen ausgerichtet, so um mich wenigstens davon abzulenken. Zuerst verschrieb er mir Oxycontin und ich war noch so smart zu fragen, ob er nicht etwas Schwächeres, das weniger abhängig macht, hätte.  Also wurden mir stattdessen Tonnen an handelsüblichem Paracetamol verabreicht. Neben diesen kleinen, süßen Dingern half ich mir selber mit Gras und verdoppelte beinahe die Menge, die ich an der Uni geraucht hatte. In diesen Monaten verließ ich das Haus nur selten und wie ein Altersschwacher oder ein Gefangener wurde jede Exkursion nach draußen ein Abenteuer, genauso aufregend und erschreckend, wie einen vergrabenen Schatz aus einer mystischen, alten Ruine zu bergen. Wenn ich zurückblicke, ist es schwierig, mir vorzustellen, dass ein Ausflug zum Friseur in mir so viel Adrenalin freigesetzt hat. Vor allem hatte ich Angst: vor Kindergruppen, Leuten auf Fahrrädern, jedem, der hinter mir lief. Der einzigen Trost, den ich hatte, war, dass ich irgendwann wieder nach Hause in mein Zimmer zurückkehren würde, wo ich allein in Stille sein konnte.

Alkohol fühlte sich danach nie wieder an wie früher. Obwohl ich in den darauffolgenden Jahren mehrere Abende betrunkener Ausschweifungen hatte, musste ich mich immer zwingen, die furchtbare Übelkeit, Dehydrierung, Kopfschmerzen und den unsteten Schlaf zu ignorieren, die fortwährend durch Alkohol entstehen. Ich würde immer noch nicht sagen, dass ich Trinken hasse oder dass ich aufgehört habe zu trinken, weil es eine zu grausame Aussage ist und ich hin und wieder noch immer elegant ein Bier halte und daran nippe, aber ich sage einfach trotzdem, dass ich Alkohol hasse. Ich verstehe, wieso die Leute ihn mögen, aber für mich ist es einfach ein ätzendes Gift, das ich immer mit Desorientierung, Verletzbarkeit und nahendem Tod verbinden werde. 

Nach ungefähr einem Jahr erholte sich meine Schulter überraschend und unvorhergesehen, wodurch ich beinahe die komplette Bewegungsfreiheit wiederbekam, die ich vor der Verletzung hatte. Ich fand einen Job und zog schließlich bei meiner Mutter aus. Mein Medikamente gingen dem Ende entgegen, aber ich wollte nicht, dass sie wieder aufgefüllt wurden. Ich rauchte in Abwesenheit der Pillen immer noch genauso viel, vielleicht sogar ein bisschen mehr. Ich nahm mein Sozialleben wieder auf, sah aber jede Verabredung als eine lästige Pflicht. Die Bequemlichkeit, die ich als Agoraphobiker empfand, verließ mein Gemüt nicht mehr, und immer, wenn ich draußen war, schaute ich auf die Uhr und wartete darauf, den richtigen Moment für einen Abgang abzupassen. Eine weitere Abschreckung war für mich, dass meine Freunde zu richtigen Saufbrüdern wurden, für die Trinken zur konstanten Gewohnheit wurde, während ich immer weniger trank. Überarbeitet, verbittert und langsam von den Verantwortungen der echten Welt zerdrückt, wurden ihre Bierbäuche immer größer und bis heute sind diese Plauzen Denkmäler an die Verzweiflung ihrer Besitzer.

Meine eigenen Gewohnheiten verhärteten sich zusammen mit ihren und als für mich der Tag kam, in die große Stadt zu ziehen, stürzte ich mich in die Veränderungen, im Wissen, dass es gut für mein Arbeitsleben sein würde, aber ich erkannte auch, dass mich eine Menge richtig stören würde. Hier ist es schwierig, eine junge Person zu sein, die ein Stubenhocker ist. Die Leute finden es seltsam, wenn jemand Ende 20 nicht weggeht. Jedem Film, jeder Serie und jeder Werbung zufolge ist Weggehen und Sichabschießen das, was ich natürlicherweise anstreben sollte. Stattdessen werde ich zu irgendwelchen Sachen eingeladen und erfinde immer eine Ausrede, die Arbeit oder eine andere Verabredung beinhaltet. Bis heute habe ich keiner einzigen Person die Wahrheit gesagt: „Das hört sich echt nett an, aber ich habe mich wirklich darauf gefreut, von dir und allen anderen Menschen auf diesem Planeten wegzukommen, damit ich auf meinem Arsch sitzen und mich allein hemmungslos bekiffen kann, also werde ich das auch machen. Ich werde in meinem Zimmer sein und Tonnen rauchen, Comics lesen und Süßigkeiten essen.“

Als ich am Anfang in die große Stadt kam, gab es ein kleines bisschen natürliche Schuld, die ich empfand, wenn ich das ganze Zeug, das die meisten Leute als Spaß bezeichnen würden, ignorierte und stattdessen zu Hause blieb. Wenn ich mich an Wochenendnächten in meinem Zimmer eingenistet habe, kann ich die betrunkenen Schwachköpfe durch die papierdünnen Wände hören, wie sie durch den Flur springen und schreien, Jungs und Mädchen, die nicht mehr gerade gehen oder ihre Gedanken für sich behalten können. Ich kann mir nur schwer vorstellen, das zu wollen und je mehr ich mich in meiner Art einrichte, desto weniger wahrscheinlich wirkt es, dass ich diesen Lebensstil jemals wieder genießen werde. 

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