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Sex

Die sieben Tinder-Todsünden für Männer

Liebe Männer, lasst euch folgende Dinge gesagt sein, falls ihr je wieder von einem Tinder-Girl gebumst werden wollt.

von Verena Bogner
05 April 2015, 7:00am

Illustration von Luft Fabrik

Hier lest ihr den Tinder-Guide für Frauen.

Dass Tinder seinen Teil zur Verrohung unserer Gesellschaft beigetragen hat und noch immer ein bisschen Mitschuld an der Tatsache hat, dass unsere Generation ein Haufen brünftiger Selbstdarsteller ist, ändert nichts daran, dass Tinder so ziemlich der beste Ort der Welt ist, wenn man nach kurzfristiger Unterhaltung und/oder Sex sucht. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich bereits drei Mal auf Tinder angemeldet war.

Wiederum der Grund dafür, dass ich mein Profil in einem lichten Moment immer wieder gelöscht habe, ist wahrscheinlich der Umstand, dass man als Frau auf Tinder Dinge zu sehen bekommt, die man am liebsten sofort wieder mit ganz viel selbstgebranntem Schnaps aus einer Badewanne im Burgenland aus seinem Gehirn spülen würde. Auf den Tinder-Profilen der Männer herrscht ein perverses, verstörendes Sodom und Gomorra und man wird—genauso wie vom selbstgebrannten Schnaps—fast blind vor lauter eingeölten Oberkörpern, halbsteifen Penissen und absurden Beschreibungstexten.

Liebe Männer dieser Welt: Hört bitte auf, euch so beschissen im Internet darzustellen und lasst euch folgende sieben Dinge von mir gesagt sein, falls ihr jemals wieder von einem Tinder-Girl gebumst werden wollt.

Fetisch-Bilder

Das „I Love Female Feet"-Profil eines leidenschaftlichen Zehenlutschers oder ein „Diaper-Lover", der seine Tinderellas mit einem Bild von seinem in eine Windel gehüllten Arsch begrüßt, sind nur zwei der wunderschönen Fetische, die einem im Dating-Paradies begegnen. Einerseits ist ein 28-jähriger Windelarsch ein perfekter Grund, um Tinder zum vierten Mal zu löschen, und sich vorzunehmen, dass man nie mehr auch nur eine Sekunde mit diesem Scheiß verschwendet. Andererseits weiß man hier zumindest definitiv, womit man es zu tun hat. Der Diaper-Lover verschweigt seine schmutzigen Gedanken nicht, sondern lässt ihnen in seinen Erwachsenenwindeln freien Lauf und die ganze Welt darf daran teilhaben. Zumindest werden wir Mädels hier nicht von schlecht bearbeiteten Selfies geblendet, sondern sofort mit der knallharten, in Windeln abspritzenden Wahrheit konfrontiert. Trotzdem: Euch muss klar sein, dass eure Fetisch-Bilder unser Diaphragma sind.

Oberkörper-Bilder

Genauso, wie Mädels gerne mit ihrer Oberweite prahlen und sie auf Tinder mehr oder weniger gekonnt in Szene setzen, indem sie sie mithilfe ihrer Billig-Dirndl unters Kinn schnallen, wollen die männlichen Sportler und Fitness-Studio-Gänger ihren gestählten Body präsentieren. Mit heraus blitzendem Calvin Klein-Bündchen und dem leichtem Schamhaar-Ansatz darunter (fälschlicherweise von manchen auch „Die Straße des Glücks" genannt, obwohl sie fast immer in eine Sackgasse führt) wollt ihr also bei den Frauen punkten? Wenn eure Zielgruppe aus Praterdome-Besucherinnen besteht, habt ihr damit wohl Erfolg. Andernfalls kann ich euch nur raten, keine Close-ups eures Oberkörpers mehr im Internet zu verbreiten. Zeigt uns lieber euer Gesicht. Wenn ihr rund um die Augen hässlich seid, nützt euch das Sixpack auch nichts mehr.

Beschreibungstext

Die Beschreibungstexte auf Tinder sind die Essenz, die im Zweifelsfall darüber entscheidet, ob ihr ein Herz oder ein X bekommt. Besonders gern teilen Männer uns in diesem kleinen Fensterchen ihre Körpergröße (alternativ: Penisgröße) mit, schreiben, dass sie ein echter Bad Boy sind, oder wollen die Herzen der Frauen mit einem besonders tiefsinnigen Zitat von Ghandi oder Drake gewinnen. Aber wahrscheinlich steckt in jedem Beschreibungstext auch ein bisschen Wahrheit, und wenn ihr solch präpotenten, selbstverliebten oder pseudo-tiefsinnigen Bullshit als eine angemessene Kurzbiografie für euch seht, ist das wahrscheinlich auch richtig so. Nur erwartet euch keine willigen Mädels, die euch wegen eurer Wortgewandtheit zu Füßen liegen.

Bilder von eurem Ständer

Das Ständer-Bild ist der kleine, noch viel schlimmere Zwillingsbruder der Oberkörper-Bilder. Richtig—genau dieser Zwillingsbruder, der in Horrorfilmen angekettet auf dem Dachboden lebt und nach seinem Tod die Familie heimsucht. Natürlich geht es auf Tinder im Endeffekt um Sex, daher sind Bilder von euren Ständern auch auf eine seltsame, verdrehte Weise legitim. Auf eine andere, rationale Weise sind sie es aber definitiv nicht, denn bei einem Date klatscht ihr einer Frau zur Begrüßung (hoffentlich) auch nicht einfach euren Penis ins Gesicht. Der bloße Besitz eines Penisses qualifiziert euch nicht automatisch für den Tinder-Recall, es tut mir leid. Ich möchte nicht sagen, dass die Beschaffenheit eures besten Stückes irrelevant ist—einen ersten Eindruck hätte ich aber trotzdem lieber von eurer Person, eurem Gesicht und eurer Ausstrahlung. Den Penis erforscht man in der Regel erst ein wenig später.

Urlaubsbilder mit Tieren

Ihr seid schon einmal auf einem Elefanten geritten? Wow. Ein Affe hat euch mit einem Rollstuhl durch ein afrikanisches Dorf geschoben? Ihr seid ja so weltmännisch und erfahren—und noch dazu tierlieb. Und genau das wollt ihr uns mit diesen Bildern zeigen? Wir haben es verstanden. Im Idealfall sieht man auf dem Bild auch noch euren gebräunten Oberkörper, der vor lauter Sonnenöl nur so glänzt und uns von eurem eher mäßigen Gesicht ablenkt. Obwohl ich euch hasse und niemals daten werde, habt ihr doch mein Leben bereichert, denn ich habe tatsächlich ein Bild von einem Rollstuhl schiebenden Affen gesehen—was mich sehr glücklich macht.

Sonnenbrille

An Tagen, an denen ich mich besonders hässlich fühle oder verkatert bin, gehe ich—egal, bei welchem Wetter—prinzipiell nur mit Sonnenbrille aus dem Haus. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich an diesen Tagen oder mit diesem Look unbedingt mein Profilbild für Tinder machen muss. Typen, die auf Tinder nur Sonnenbrillen-Bilder haben, wissen offenbar nicht, was der Unterschied zwischen Katertagen im Real-Life und Profilbild-Tagen für Social Media ist. OK, wenn ihr eure neue Sonnenbrille, die ihr euch für die Hälfte eures prekären Praktikums-Gehalts gekauft habt, der Frauenwelt auf keinen Fall vorenthalten wollt, dann tut es. Niemand wird euch etwas vorwerfen oder euch deswegen nicht matchen wollen, weil ihr auf einem von mehreren Bildern eine Sonnenbrille tragt. Auf dem Rest der Bilder sollte euer Gesicht zumindest annähernd zu erahnen sein, denn sonst wird man schnell misstrauisch. Nur auf Urlaubsbildern sind Sonnenbrillen regulär erlaubt, und da Urlaubsbilder—wie wir schon gelernt haben—eigentlich auch nichts auf Tinder zu suchen haben, lasst besser gleich beides sein.

Die schlimmen Sprüche

Wenn ihr einmal ein Match mit einem Mädchen habt, das euch wirklich gefällt, dann gibt es eigentlich nur noch eine Todsünde—nämlich den schlimmen Anmachspruch. Ich glaube, keine Romanze und auch keine gelungene Affäre beginnt mit dem Spruch „Kannst du schwimmen? Ich würd dich nämlich echt gern mal ins Becken stoßen" oder mit dem einfachen Ausruf „Busen!" Ja, ich habe Busen, Sherlock. Hört auf, zu denken, Mädchen würden solche Sprüche lustig finden oder sich ihrer Anatomie nicht bewusst sein. Weder der Busen-Typ noch der Schwimmbecken-Stoßer hat eine Antwort von mir bekommen. Und falls ihr auf solch einen Spruch doch eine Antwort von eurer Angebeteten bekommt, haltet diese Frau für immer fest. Denn sie ist offensichtlich genau so notgeil wie ihr.

Wenn auf eure lahmen Tinder-Profile wirklich ein Mädchen reinfällt, steht es um unsere Welt noch schlimmer, als Verena dachte. Belehrt sie auf Twitter eines Besseren: @verenabgnr