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Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
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Das sind die Eltern der Kinder, die wir zum Life Ball-Plakat befragt haben

Die Antworten der Kinder waren echt, deswegen stellen wir euch hier die Eltern vor und wie sie auf unsere Anfrage reagiert haben.

von VICE Staff
30 Mai 2014, 10:00am

Am Mittwoch haben wir einen Artikel veröffentlicht, der die Reaktionen von Kindern auf das Life Ball-Plakat gezeigt hat. Antworten wie „Ich weiß schon, was die bezwecken wollen“ und „Wo ist mein Müsli?“ waren einigen Lesern zu unrealistisch und wir haben im Kommentarbereich gelernt, dass echte Kinder eigentlich gar nicht so reden und wir uns unsere Propaganda sonstwo hin stecken können (und dass Rufzeichen und All Caps-Buchstaben bei Hatern scheinbar grade wieder sehr in Mode sind). Es stimmt schon, die Fantasie der VICE-Redaktion ist unendlich, aber das gilt eben auch für die Fantasie von Kindern. Alle Antworten waren echt und damit ihr uns das auch glaubt, wollen wir euch heute kurz die Mütter der Kinder vorstellen, die wir befragt haben. Natürlich kann man uns vorwerfen, dass wir nicht gerade eine repräsentative Stichprobe herangezogen haben und sowohl Mütter als auch Kinder viel cooler als der österreichische Durchschnitt sind, aber das ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass alles auch etwas entspannter ginge.

Elisabeth wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen—Simon und Wo-ist-mein-Müsli-Laurenz—im 13. Bezirk. Ihre beiden Kinder sind unglaublich lustig und aufgeklärt, weswegen wir gleich an die beiden gedacht haben, als die Idee zur Kinder-Befragung aufkam. Am Telefon musste Elisabeth auf unsere erste Anfrage hin ziemlich laut lachen und meinte dann sofort, dass an diesem Abend bei ihnen eine Kindergeburtstagsparty sei und ob sie das Plakat nach Absprache mit den Eltern gleich allen Jungs zeigen sollte. Niemand hatte was dagegen, die Meute war aber unmöglich zusammenzutrommeln, also hat Elisabeth ihre beiden Söhne am nächsten Tag am Früshtückstisch gefragt. Daher auch die Frage nach dem Müsli.

Katha Schinkinger hat ihre eigene PR-Agentur, die so heißt wie sie und darüber hinaus auch drei Söhne. Zweien davon haben wir das Plakat gezeigt—dass die Frau einen Penis hat, war ihnen ziemlich egal. Vielleicht, weil sie sich generell noch nicht sonderlich für das Thema Geschlechtsteile interessieren, oder aber, weil sie in ihrem Alter einfach noch nicht genug Zeit hatten, sich die Vorurteile jener Älteren anzueignen, die jetzt in ihrem Namen behaupten, dass Pimmel-Plakate die Jugend dauerhaft schädigen. Auf die Mail, ob wir ihre Söhne fragen dürften, kam folgende Antwort: „Haha. Sicher. Wann braucht ihr sie?“.

Parvin Razavi ist Köchin (aktuell im Bio-Heurigen Zum gschupftn Ferdl) und Food-Bloggerin. Sie hat ihre beiden Töchter gefragt, ob sie sich noch an das Plakat erinnern könnten, weil sie es schon einmal auf der Straße gesehen hatten. Die kleinere konnte sich nicht mal mehr an das Plakat erinnern—soviel zur dauerhaften Prägung—, aber die große, Anahita, hatte es noch im Kopf und fand es nicht so komisch, weil Frauen ihrer Meinung nach ja auch Spatzis haben könnten. Für Parvin war die Frage weniger ein Problem als die Antworten, die von vielen Kommentatoren kamen.

Davids Tante ist wie alle anderen Verwandten von David ziemlich religiös, ohne aber zwangsläufig katholisch sein zu müssen—auch wenn beides oft Hand in Hand geht. David hat Andrea, die auch seine Firmpatin ist, ein Mail geschrieben und das war die Antwort: „Jedes Kind weiß, was homo ist, ob das für ein 9jähriges Kind wichtig ist, weiß ich wiederum nicht. Ich hab den Jungs erklärt, was der Life Ball ist und wozu er dient und ihnen dann das Plakat gezeigt. Laurenz verstand überhaupt nicht, was das soll und er meinte: 'Die oder der bräuchte einen Wohlfühl BH und eine Ronaldo Unterhose.' Paul: 'Weiß schon was die bezwecken wollen, find es aber übertrieben.' Ich bin froh, dass meine Kids noch nicht über sowas nachdenken müssen und Kindsein dürfen. Weißt du, einerseits wollen wir vor Pornografie schützen und andererseits kommen solche Bilder über die Kunst an jedes Alter. Ich persönl. würde jedes Kind schützen, solange es kein Thema damit hat. Alles Gute für deine Arbeit und meld dich mal wies läuft!"

Und soviel dazu. Natürlich können wir damit immer noch nicht einwandfrei beweisen, dass wir die Antworten nicht von den Illuminaten oder per Dildo-Depesche aus Brüssel diktiert bekommen haben. Aber wer nach wie vor glauben will, dass wir unsere Life Ball-Propaganda gemeinsam mit allen anderen Medienvertretern in einem düsteren transsilvanischen Schloss ausgebrütet haben, um die Weltordnung der Homo-Doktrin einzuläuten, der lässt sich wohl von so etwas Banalem wie Fakten sowieso nicht davon abhalten.