So vögelt das Tierreich

Fotos von einer Ausstellung, die sich ganz ernsthaft und sehr intensiv mit dem Thema Paarungsverhalten von Mensch und Tier auseinandersetzt.

|
15 November 2013, 1:30pm

Münster ist katholisch. Streng katholisch. Katholischer als der Papst, würden manche sagen. Der Dom ist stets gut besucht und wer möchte, kann seine Beichte bei einem Priester des Opus Dei ablegen. Auf den ersten Blick also kein guter Nährboden für die Ausstellung des westfälischen Museums für Naturkunde, deren Titel zwei Reizwörter der katholischen Kirche enthält: Sex und Evolution. Das Museum beschrieb seine Ausstellung, die von Ende 2013 bis Oktober 2014 lief, folgendermaßen:

Die Schau mit 450 Exponaten und Objekten widmet sich auf über 500 Quadratmetern der „schönsten Sache der Welt“. Den Besucher erwarten Einblicke in die verschiedensten Facetten der sexuellen Fortpflanzung im Tier- und Pflanzenreich und deren Bedeutung für die Evolution. Und auch der Mensch mit seiner Sexualität ist Thema der Sonderausstellung.

Im ersten Raum empfangen mich viele ausgestopfte Tiere, pärchenweise im Liebesspiel vereint. Eine Orgie der Tierwelt.
Ein Hirschpärchen nimmt die Mitte des Raumes ein. Drumherum paaren sich Wiesel, Elster, Igel, Fuchs und Hase.
Selbst ein Schmetterlingspärchen gibt sich der Ekstase hin. Allerdings muss ich feststellen, dass die Schmetterlinge aus Pappe und Draht hergestellt sind.
Stachel sind nicht immer praktisch.

Der nächste Raum ist den Zwittern gewidmet. Ich erfahre, dass beim Geschlechtsakt der kalifornischen Weinbergschnecke der Penis der einführenden Schnecke häufig abgetrennt wird. Die entmannte Schnecke kann fortan nur noch den weiblichen Part spielen und fristet ein Dasein als Frau unter Zwittern. Dafür rächt sie sich dann beim nächsten Liebespartner.

Der nächste Raum ist dem männlichen Kampf um die Platzierung des Erbguts gewidmet. Ein Video zeigt ein Libellenpärchen: der Libellenmann schabt zunächst mit einer speziellen Vorrichtung an seinem Penis den Samen seines Vorgängers aus dem Geschlechtsteil des Weibchens und pumpt danach seinen eigenen hinein. Dort bleibt er dann so lange, bis der nächste Libellenmann vorbeikommt. Sieht nicht sehr appetitlich aus, aber Libellen denken über unser Liebesspiel wahrscheinlich ähnlich.

Im nächsten Raum wird mir ein präparierter Walpenis präsentiert. Er ist mit Feigwarzen übersät. Der ehemalige Besitzer scheint ein Schwerenöter gewesen zu sein. Daneben befriedigt sich ein homosexuelles Delfinpärchen aus Pappmaché. Und das funktioniert so: Der eine Delfin führt zur Lustbefriedigung seinen Penis an das Blasloch des anderen.

Auffallend ist, dass alle mit verschränkten Armen durch die Gegend laufen. Ich ertappe mich selbst dabei. Die einzigen Menschen ohne verschränkte Armhaltung sind die wenigen Kinder. Hat das was zu bedeuten? Denken die Erwachsenen gerade an ihre eigenen Eskapaden? Oder versuchen sie die ganze Zeit, krampfhaft genau nicht daran zu denken? Vielleicht beschleicht uns auch das Gefühl, dass wir ja eben auch Tiere sind.