Was sagen Österreichs PolitikerInnen, wenn man sie fragt, ob sie FeministInnen sind?

"Ich bin unzweifelhaft ein Mann, der Frauen nicht nur am 8. März verehrt."

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März 8 2017, 9:31am

In Österreich gab es bisher 0 Bundespräsidentinnen, 0 Bundeskanzlerinnen, eine Vizekanzlerin, 2 Außenministerinnen, 2 Erste Nationalratspräsidentinnen und 2 Landeshauptfrauen. Bald werden wir zumindest eine dritte haben. 7,4 Prozent der Bürgermeister in Österreich sind weiblich. Von den 183 Abgeordneten im Nationalrat sind derzeit 56 Frauen – das sind 30,6 Prozent. Frauen verdienen in Österreich 21,5 Prozent weniger als Männer, im Jahr 2000 waren es noch 20 Prozent. EU-weit liegen wir somit auf dem vorletzten Platz. 42 % der Österreicherinnen und Österreicher unter 45 sehen arbeitende Mütter "kritisch". Nur 17 Prozent der Männer gehen in Karenz.

Die Liste ließe sich sehr lange weiterführen. Doch all das sind keine unveränderlichen Tatsachen. Aber wo mehrheitlich eine Gruppe regiert, dauert es eben, bis jene Gruppen, die dieser Mehrheit nicht angehören, Gleichberechtigung erlangen – auch, wenn sie in absoluten Zahlen sogar mehr ausmachen als die besagte Mehrheit. Es passiert nur schleppend und weltweit müssen wir sogar mitansehen, wie in gewissen frauenpolitischen Themen sogar Rückschritte gemacht werden. 

Aber wie sieht es hierzulande aus? Sehen sich diejenigen, die Veränderung schaffen könnten, selbst als Feministen? Anlässlich des Weltfrauentags haben wir bei Österreichs Politikerinnen und Politikern nachgefragt, ob sie sich als Feministin oder Feminist bezeichnen würden. Die Antworten überraschen ein wenig, denn bei so vielen einflussreichen Feministen bleibt die Frage: Warum passiert so wenig?

Wolfgang Sobotka, Hans Peter Doskozil und Heinz-Christian Strache antworteten uns auf die Frage, ob sie Feministen seien, trotz mehrmaligen Nachfragens übrigens nicht.

Christian Kern, Bundeskanzler (SPÖ): Ja! In mir steckt ein ausgeprägter Feminist! Wer im Jahr 2017 nicht für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eintritt und sie nicht auch lebt, ist sehr altmodisch.

Martina Schenk, Nationalratsabgeordnete (Team Stronach): Als Frauen- und Gleichbehandlungssprecherin bin ich natürlich Feministin.

Claudia Gamon, Nationalratsabgeordnete (Neos): Ja, ich bin Feministin. Feminismus ist keine linke Ideologie, sondern eine Anleitung zur Freiheit. Der Feminismus gibt nichts vor, sondern eröffnet Möglichkeiten, selbstbestimmt Entscheidungen über das eigene Leben zu treffen.

Jörg Leichtfried, Infrastrukturminister (SPÖ): Ja, ich würde mich als Feministen bezeichnen.

Eva Glawischnig, Bundessprecherin und Klubobfrau (Grüne): Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass Frauen im Jahr 2017 dasselbe Einkommen und dieselben Chancen wie Männer haben.

Nikolaus Scherak, Nationalratsabgeordneter (Neos): Ja, ich bin ein Feminist, weil die Gesellschaft in vielen Fällen noch immer nicht erkannt hat, dass wir am Ende alle von Geschlechtergerechtigkeit profitieren. Hier liegt noch viel Arbeit vor uns.

Michel Reimon, Europaabgeordneter (Grüne): Frauen sind strukturell benachteiligt. Progressiv sein bedeutet, gegen strukturelle Ungerechtigkeit zu kämpfen. Ich sehe die Kämpfe, die Frauen tagtäglich austragen müssen, und das prägt mich als Feminist. Ich bin da zwar nicht immer gut darin, aber das bedeutet als Mann auch mal, einfach den Mund zu halten.

"Ich bin unzweifelhaft ein Mann, der Frauen nicht nur am 8. März verehrt."

Johann Gudenus, Vizebürgermeister Wien (FPÖ): Ich bin für die Gleichstellung und Chancengleichheit von Mann und Frau. Auch die gerechte Entlohnung – gleiches Gehalt bei gleicher Leistung ist absolut notwendig. Mich allerdings als Feminist zu bezeichnen, wäre vermessen. Ich bin unzweifelhaft ein Mann, der Frauen nicht nur am 8. März verehrt.

Sonja Hammerschmid, Bildungsministerin (SPÖ): Feministin ist ein großes Wort. Es gibt Frauen in der Geschichte, die harte Kämpfe für die Gleichstellung der Frau ausgetragen haben, das sind große Feministinnen. Ich versuche einfach in meinen verschiedenen Funktionen junge, talentierte Frauen zu unterstützen und zu fördern.

Gernot Blümel, Landesparteiobmann (ÖVP Wien): Ich sehe mich als Individualisten. Die Würde der einzelnen Person ist das Fundament des liberalen Rechtsstaates. Sie ist die höchste Form der Gleichberechtigung. Dabei kann es keinen Unterscheid zwischen den Geschlechtern geben.

Robert Lugar, Klubobmann (Team Stronach): Ich bin bekennender Feminist.

Matthias Strolz, Parteivorsitzender (Neos): Ja, ich bin ein Feminist, weil das Ziel einer Gleichstellung der Geschlechter immer noch nicht gegeben ist. Dafür müssen wir uns täglich aufs Neue einsetzen. Das gilt für die Privatwirtschaft ebenso wie für uns in der Politik. Für meine drei Töchter soll die Gleichstellung jedenfalls eine Selbstverständlichkeit sein. Und daran arbeite ich.

Reinhold Mitterlehner, Vizekanzler und Parteiobmann (ÖVP): Das wäre übertrieben, aber ich setze mich auf allen Ebenen für die Gleichberechtigung von Frauen ein.

Sophie Karmasin, Familienministerin (ÖVP): Ja, ich sehe mich als Feministin. Dabei geht es um gleiche Lebenschancen, um Gleichberechtigung von Frauen und Männern – und nicht um Drüberfahren und Vorschreiben, wie das leider oft in der gesellschaftlichen Diskussion rüberkommt. Es geht darum, dass sich Männer und Frauen gleichermaßen in alle Lebensbereiche einbringen können. Ich sehe mich vor allem als Kämpferin für mehr Partnerschaftlichkeit. Auch Männer leiden unter dem klassischen männlichen Bild – immer erfolgreich sein, nicht emotional-empathisch sein.

Reinhold Lopatka, Klubobmann (ÖVP): Nein.

Hanna auf Twitter: @HHumorlos.

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