Popkultur

Die 14 wichtigsten Szenen aus 'Game of Thrones', die das Massenphänomen erklären

Diese Momente solltet ihr euch noch mal anschauen, um die größte Serie unserer Zeit zu verstehen.

von Rowan Kaiser
09 August 2017, 12:58pm

Foto mit freundlicher Genehmigung von HBO

Jeder hat so seine Theorie, wie Game of Thrones zu einer der größten TV-Serien der Geschichte werden konnte – und alle liegen falsch. "Titten und Drachen" mag nach einem Erfolgskonzept klingen, aber es ist ja nicht so, als wäre Game of Thrones sofort ein Hit gewesen. Die frühen Einschaltquoten waren solide, aber seither haben sie sich vervierfacht.

Bei der Arbeit an meinem Buch '100 Things Game of Thrones Fans Should Know & Do Before They Die' fiel mir auf, dass ich mich immer wieder auf dieselben Szenen bezog, um zu erklären, warum die Serie zu einem unumgänglichen Stück Zeitgeschichte geworden ist. Hier sind die 14 wichtigsten:


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1. Die Ankunft von König Robert (und Arya Stark)

Als die Serie losging, hatte sie eine monumentale Aufgabe zu erfüllen: Sie musste uns eine dreidimensionale Fantasy-Welt mit einer reichhaltigen Geschichte und ungefähr 20 Hauptfiguren vorstellen, und das sofort. Wie soll man da Verwirrung vermeiden? Die Macher von Game of Thrones schafften es trotzdem, uns gleich in der Pilotfolge vom Sockel zu reißen, und zwar mit zwei wichtigen Elementen. Erstens: die hochwertige Produktion. OK, man kann deutlich sehen, dass Bran vor einem Green Screen steht, aber wow, diese Sets und Kostüme! Und zweitens: Die Musik zum Piloten ist wohl die beste Arbeit, die der Komponist Ramin Djawadi in der ersten Staffel abgeliefert hat. Er schafft es perfekt, das Bombastische und subtil Bedrohliche des Königsbesuchs in Winterfell einzufangen.

Ohne eine emotionale Bindung zu den Figuren sind diese Elemente aber nutzlos. Die Serie stellt die Romanfiguren jedoch so vor, dass die Zuschauer sofort von denselben Lieblingen begeistert sind wie die Leser. Diese Szene konzentriert sich auf Arya Stark (Maisie Williams). Ihre großen, neugierigen Augen und ihr Täuschungsmanöver während des Königsbesuchs machen sie hier viel interessanter als ihren Bruder Bran. GoT-Neulinge können zwar nicht gleich verstehen, welche Bedeutung es hat, als Robert verlangt, Lyannas Grab zu sehen, doch sie wollen garantiert herausfinden, in welche Schwierigkeiten das Mädchen in dem schlecht sitzenden Helm geraten wird.

2. Robert, Barristan und Jaime erzählen vom ersten Mal Töten

In den ersten Folgen wackelt Game of Thrones noch ein wenig, aber gegen Mitte der ersten Staffel findet die Serie ihr Gleichgewicht. Die Handlung gewinnt an Schwung und zeigt uns deutlich, warum wir uns um die Figuren scheren sollten. Gleichzeitig lernen die Macher, wie sie aus der Serie mehr als nur eine Verfilmung machen können. Dieser Wendepunkt für die Autoren kommt spätestens, als Robert, Barristan und Jamie besprechen, wie sie das erste Mal jemanden getötet haben. In den Romanen sind sie mittelwichtige Figuren, die Szene wurde eigens für die Serie geschrieben. Wir bekommen ein paar Minuten, in denen wir die drei Männer besser kennenlernen.

3. Osha sagt Robb Starks Schicksal voraus

Robb Stark ist der Gute. Er ist der Vorzeigesohn eines großen Lords, er ist ehrenhaft und für sein Alter weise. Auch versteht er genug über die Bedrohung durch die Lannisters, um im Namen seines Vaters die Truppen zu versammeln und nach Süden zu ziehen. Aber er hört nicht auf Osha, die Wildling-Frau, die aus dem Norden vor den White Walkers geflohen ist. Gegen Ende der ersten Staffel sagt sie Bran, sie habe versucht, Robb zu überzeugen, gegen die Untoten im Norden zu kämpfen, anstatt gegen die Lannisters im Süden. Osha hat Recht – die Zuschauer wissen das, denn sie haben die Untoten bereits in der allerersten Szene als ultimative Bedrohung kennengelernt.

Aber Robb kann das nicht wissen. Das Tragische: Seine Vorstellung von richtigem Handeln – seinen Vater befreien, die Lannisters besiegen – wurde geprägt durch das bescheuerte, feudale, patriarchale System von Westeros. Und aus diesem System kann er sich nicht befreien. Wenn er auf Osha hören und im Norden bleiben würde, könnten er, seine Truppen und vermutlich die ganze Welt einem besseren Schicksal entgegensehen. Aber das kann er nicht, und so zeigt sich hier eines der zentralen Themen von Game of Thrones: Die besten Menschen treffen die schlimmsten Entscheidungen, weil sie sich innerhalb ihrer schrecklichen Gesellschaften keine Alternative vorstellen können.

4. Varys gibt Tyrion ein Rätsel über Macht auf

Bisher hat jedes Staffelfinale von Game of Thrones bessere Einschaltquoten als die Premiere gehabt. Gleichzeitig hatte auch fast jede Staffelpremiere bessere Quoten als das Finale der vorherigen Staffel (Ausnahme war Staffel sechs). Diese Serie zieht ihren Spannungsbogen weiter und weiter auf, und das ist nicht selbstverständlich. Aus dem schockierenden Tod von Ned Stark in der ersten Staffel hätte sich für die zweite Staffelpremiere eine Flaute ergeben können.

Also gab uns der Trailer für die zweite Staffel nicht nur Musik von den Soundtrack-Lieblingen Florence and the Machine, sondern auch einen der berühmtesten Monologe aus den Büchern: Varys gibt Tyrion ein Rätsel über Macht auf. Damit etablieren die Macher Tyrion (der preisgekrönte Peter Dinklage) als neue zentrale Figur und versichern dem Publikum, dass die Adaption den Büchern gerecht werden kann.

5. Davos verlangt die Trommeln

Eine weitere Herausforderung für die zweite Staffel ist ihre Romangrundlage: A Clash of Kings (Das Erbe von Winterfell) markiert eher eine Übergangsphase in der Handlung als einen Höhepunkt. Der größte Konflikt in der Story ist die Schlacht von Schwarzwasser (Blackwater), der entscheidende Kampf im Krieg der fünf Könige. Stannis Baratheon führt seine Krieger in King's Landing gegen die Lannisters. Und das ist eine echt große Sache: Die Schlacht wird über mehrere Folgen hinweg vorbereitet. Als sie endlich da ist, zeigt uns die Serie, dass sie Schlacht-Episoden durchzieht wie keine andere.

Die Episode "Schwarzwasser" wurde mit einem Schlag zu einer der erfolgreichsten bis dato. Der Regisseur Neil Marshall (The Descent) dreht in stillen Szenen meisterhaft an der Spannungsschraube, um die persönlichen und politischen Gefahren der Schlacht zu verdeutlichen. Doch irgendwann muss die Spannung sich entladen, und das tut sie perfekt, als Davos hier mit seinem Sohn spricht und dann den Befehl für die Trommeln gibt. Sein Sohn schreit den Befehl weiter, Stannis' Kämpfer machen sich bemerkbar und Djawadis Soundtrack beginnt, nach Krieg zu klingen. Das ist wohl größte Stärke der Serie: Sie schafft den Übergang von angespannten, leisen Dialogen zu explosivem Bombast, und zwar nahtlos.

6. Jaime verliert seine Hand

Game of Thrones ist übertrieben, ein bisschen schundig und schmutzig-düster. Eine Handlung aus immer unwahrscheinlicher wirkenden Ereignissen mit überlebensgroßen Figuren. Der Serie (und teilweise auch den Büchern) ist das nicht immer ganz klar. Sie schwankt ein wenig zwischen der Atmosphäre eines aufwändigen Historiendramas und detailliert zelebriertem Elend. In dieser Szene kommen die beiden Elemente zusammen: Jaime Lannister überredet den Bolton-Handlanger Locke, Brienne nicht zu vergewaltigen. Doch dann verliert er kurz darauf seine Hand an Lockes aufbrausendes Temperament.

Es ist eine der seltsamsten Szenen, die Game of Thrones zu bieten hat, denn direkt nach der gewaltsamen Verstümmelung läuft der Abspann, mit einer lebhaften Rock-Version des Songs "The Bear and the Maiden Fair" aus der Serienwelt, gespielt von der echten Band Hold Steady. Bisher gab es bei GoT keine E-Gitarren, und hier jaulen sie auf einmal. Es ist kein Zufall, dass die Serie in der dritten Staffel ein gewisses "Spaßelement" zu betonen scheint. In dieser Staffel findet sich auch die Rote Hochzeit, das wohl schockierendste und düsterste Ereignis der gesamten Serienhandlung.

7. Die Plünderung von Astapor

Die großartige dritte Staffel zeigt, dass die Macher aus "Schwarzwasser" gelernt haben. Sie wechseln selbstbewusst zwischen verschiedenen Stimmungen und führen mit soliden Dialogen und bester Produktionsqualität über den immer steiler werdenden Spannungsbogen. Dieses Selbstbewusstsein wird sich in späteren Staffeln zwar ein wenig rächen, aber die Highlights der dritten Staffel zeigen, dass die Rechnung eine Zeit lang wunderbar aufgeht.

Es ist witzig, dass die große Schlachtszene aus der ersten Staffel herausgeschnitten wurde, immerhin ist die Serie heute für diese bombastischen Höhepunkte bekannt. Ein Glanzlicht unter diesen Szenen ist die Plünderung von Astapor, bei der Daenerys Targaryen ihren Verrat an den Sklavenhaltern der Stadt in Bewegung setzt und eine Gratis-Armee ergattert. Emilia Clarke glänzt in der Szene wie nie zuvor. Höhnisch und erhaben belächelt sie alle, die an ihr gezweifelt haben. Die Gewalt, die darauf folgt, ist nicht von der schwer verdaulichen, düsteren Sorte, es ist die Katharsis einer Revolution. Die vielen Wendungen in der Story vermitteln uns immer, dass in dieser Welt alles möglich ist. Hier fühlt es sich so an, als gehöre auch Hoffnung zu diesen Möglichkeiten.

8. Jamie und Brienne im Bad

Die beiden vorherigen Szenen sind kurzweilig und überhaupt ein großer Spaß. Sie demonstrieren allerdings nur zur Hälfte, wie gut Game of Thrones in seiner Hochphase wirklich funktioniert hat. Damit solche explosiven Augenblicke und Schockmomente ihre volle Wirkung erzielen, müssen sie auf einem soliden Fundament mehrdimensionaler Figuren stehen – und auch in diesem Aspekt leistet die dritte Staffel Großartiges. Da sie sich an der verhältnismäßig ereignislosen ersten Hälfte des dritten Bandes, Schwertgewitter, orientiert, bekommt die Staffel Raum und Zeit, um zu atmen. Du musst dir nur anschauen, wie langsam die Tullys eingeführt werden, verglichen mit der schwindelerregenden Tour durch Westeros, die wir in den nächsten Staffeln mitmachen. Die mit Abstand beste dieser figurengeleiteten Szenen gibt es in "Vom Feuer geküsst" – meiner Lieblingsfolge. Brienne und Jamie sitzen darin eigentlich nur zusammen in einem Badehaus und unterhalten sich. Es gibt etwas nackte Haut, mit Sex hat das alles aber wenig zu tun, als Jaime in einem langen Monolog erklärt, wie er sich seinen Beinamen als Königsmörder verdient hat.

Alles an dieser Szene gibt der Vergangenheit in Game of Thrones noch einmal zusätzliches Gewicht, indem sie alles verkompliziert, was wir über Jaime zu wissen geglaubt hatten. Selbst der Ort, die Bäder von Harrenhal, gibt uns einen besseren Einblick in die Gesellschaft von Westeros. Szenen wie diese sind der wahre Grund für die Popularität der Serie – ganz unabhängig davon, wie viele blutgetränkte Hochzeiten oder Bastardschlachten auch unsere Aufmerksamkeit stehlen.

9. Jaimes sexueller Übergriff auf Cersei

Sehnlichst war die vierte Staffel von Fans und Kritikern erwartet worden und die großartige zweite Folge "Der Löwe und die Rose" demonstrierte, warum der Hype um die Serie mehr als gerecht war. Eine einzige Szene aus der dritten Folge "Sprengerin der Ketten" provozierte jedoch unausweichlich eine Kontroverse und verwandelte die Serie damit in die Meinungsartikel-Maschine, als die wir sie heute kennen. Besagte Szene spielt bei der Beerdigung des Satansbratens Joffrey, als seine Eltern – die inzestuösen Jaime und Cersei Lannister – ihn betrauern. Aus dem Abschied von ihrem Sohn entwickelt sich etwas, das viele als Vergewaltigung interpretieren und das gleich in mehrerer Hinsicht problematisch war.

Zuerst einmal war Jaime zu einem der Publikumslieblinge avanciert. Als er Brienne vor einem sexuellen Übergriff bewahrte, schien er einen Pfad der Läuterung eingeschlagen haben. Zweitens wird die Szene in den Büchern nicht als Vergewaltigung beschrieben, was die Vermutung aufkeimen lässt, die Serienmacher würden lediglich auf den reinen Schockwert abzielen. Drittens blieb Regisseur Alex Graves knallhart dabei, dass er die Szene ganz anders gedacht hatte, als alle Zuschauer sie sahen. Die allgemeine Verwirrung und der heftige Gegenwind führten dazu, dass sich die beiden größten Unterstützergruppen, Fantasy-Fans und Fernsehkritiker, gegen die Serie stellten. Ihr kritischer Anspruch konnte nicht mit der wachsenden Popularität mithalten. Kontroversen überschatteten die Qualität, was ein gutes Jahr später in einer ähnlichen Szene gipfelte, die eine der wichtigsten Nerdpublikationen sogar dazu veranlasste, ihre Berichterstattung über die Serie komplett einzustellen.

10. Der Berg und die Viper

Game of Thrones wurde nicht nur kontroverser, sondern auch besser darin, großes Spektakel zu liefern. Gegen Ende der vierten Staffel kann man die großartigste Duellszene der Serie bestaunen: Berg gegen Viper. Sowohl technisch, als auch erzählerisch ist es eins der beeindruckendsten Duelle, die ich je auf dem Bildschirm verfolgt habe: Oberyn, der seine Entertainerqualitäten einsetzt, um Reaktionen von seinem Kontrahenten zu erhalten, kämpft grazil und elegant; Gregor interessiert bloß der Sieg und zerstört die Schönheit des Kampfes so gut er kann.

Die ganze vierte Staffel ist voll mit solchen opulenten und wunderschön anzuschauenden Spektakeln. Man hatte fast den Eindruck, als würde die ganze Serie nur noch bestehen, um große Momente zu kreieren. Nach der großen Tragik der roten Hochzeit erschien Oberyns grausamer Tod nur ein weiterer Hoffnungsschimmer zu sein, der zu nichts anderem diente, als ihn brutal zu erlöschen. Oberyns Tod führt schließlich zur gerechten Strafe für Tywin, dem größten Bösewicht der Serie. Auch wenn ich das persönlich anders sehe, hatte sich Game of Thrones als Serie etabliert, die vor allem existierte, um Grausamkeiten auf Figuren und Zuschauer gleichermaßen loszulassen. Diese Grausamkeiten, das muss den Machern lassen, sahen allerdings noch nie besser aus.

11. Arya tötet Meryn

Diese Narrative wurden in der fünften Staffel noch einmal verstärkt. Die Macher der Serie machten das Düstere der Serie noch eine ganze Ecke hoffnungsloser. Auch wenn sich ein Großteil des Ärgers nicht ganz ungerechtfertigt gegen Sansas erzählerisch unnötige Vergewaltigung durch Ramsay Bolton richtete, war die ganze Staffel von einer alles verschlingenden Dunkelheit durchzogen und endete mit zwei besonders bitteren Folgen – einem nihilistischen Todesmarsch aus Kindermord und Verrat. Es gibt viele exemplarische Szenen für den düsteren Charakter der fünften Staffel, ästhetisch gesehen sticht für mich allerdings Aryas Ermordung von Ser Meryn Trant heraus.

Sie ist das Gegenteil von Daenaerys Plünderung von Astapor – einem Gewaltakt als Beginn eines neuen Zeitalters. Das Bordell in Braavos ist pure Brutalität, erbaut auf Rache, Kinderprostitution und Missbrauch. Die Szene bietet weder eine Katharsis, noch handelt es sich um eine beeindruckende Kampfszene. Sie ist einfach nur unfassbar unangenehm mit anzuschauen. Vielleicht wollten die Produzenten der Sendung den Zuschauern zeigen, dass es vor der Dämmerung am dunkelsten ist; vielleicht wollten sie die Zuschauer auch dafür bestrafen, dass sie andere Teile von Aryas Rachefeldzug so unterhaltsam gefunden haben. Wie dem auch sei, zusammen mit Stannis' Niedergang, Jons Verrat, Myrcellas zeitlich extrem unpassendem Tod und so vielen weiteren Szenen, ist Aryas Rache an Meryn Trant der prägende Moment der fünften Staffel.

12. Brienne schwört Sansa ihren Eid

Die sechste Staffel unterschied sich in zweierlei Hinsicht dramatisch von den vorangegangenen. Es war die erste, die nicht primär auf den existierenden Büchern basiert. Zweitens hatten die Macher Benioff und Weiss sich die wachsende Kritik zu Herzen genommen. Diese Veränderungen zeigten sich schon in den ersten 20 Minuten der Staffel mit Sansas und Theons Rettung durch Brienne und Podrick. Damit war der Ton für eine Heldengeschichte gesetzt, dem auch der Rest der Staffel folgt (von ein paar Umwegen natürlich abgesehen). Für Game of Thrones war das eine riskante Entscheidung, schließlich hatte die Serie ihren Erfolg darauf aufgebaut, Fantasy-Klischees zu unterwandern. Aber selbst wenn ein einfacher Kampf Gut-gegen-Böse nicht die intelligenteste und erfüllendste Entwicklung ist, die die Serie durchmachen kann, ist die Szene, in der Brienne vor Sansa ihren Eid ablegt, einfach großartig.

13. Jon zieht sein Schwert

Indem uns die sechste Staffel langsam auf das große Finale vorbereitet, rücken auch die beiden Helden der Serie stärker ins Scheinwerferlicht: Jon Snow und Daenerys Targaryen. Ein verstärkter Fokus auf Jon hat nicht immer gut funktioniert, was nicht zuletzt auch an Kit Harringtons etwas eintöniger Schauspielleistung liegt. Eine Sache, in der Harrington allerdings sehr gut ist, sind die Actionszenen. In der mehrfach Emmy-prämierten Folge "Die Schlacht der Bastarde" wird dies auf eine einzige Einstellung runtergebrannt: Jon Snow betrauert den Tod seines Bruders, stellt sich der anrasenden Bolton-Armee gegenüber und zieht sein Schwert. Mit nur einem einzigen Bild definiert diese Szene die Endphase von Game of Thrones: Unsere Helden stellen sich dem Bösen entgegen.

14. Cerseis Coup

Dieser Artikel begann mit der Frage, wie wichtig die Produktionskosten für die frühe Popularität von Game of Thrones waren. Die Serie sah immer fantastisch aus, der Soundtrack war erstklassig. Irgendwann nahmen wir das einfach für selbstverständlich. In dieser einzelnen Szene aus den ersten Minuten des Staffelfinales richtete Game of Thrones den Fokus wieder auf seine ästhetischen Qualitäten, indem sie zwei der wichtigsten kreativen Köpfe freie Hand ließ: Kostümbildnerin Michelle Clapton und Komponist Ramin Djawadi. Sie bündelten ihre Kräfte für Cersei Lannisters Coup, der ihr schließlich den Platz auf dem Eisernen Thron sicherte.

Claptons Design für Cerseis Kleid lässt den Stil von Cerseis Vater und der goldenen Hand ihres Bruders in ihre königliche Erscheinung einfließen. Djawadi – eigentlich ein Komponist in bester Zimmer-Tradition mit harten Stakkatotrommeln und Hornbläsern – baut die Melodien in dieser Szene anders ein. Eins der Probleme mit Game of Thrones ist, dass sich viele Folgen ähnlich anfühlen können: Wir schauen bei den Hauptfiguren an verschiedenen Orten in der Welt vorbei, alles sieht toll aus, vielleicht passiert etwas Cooles und weiter geht's. Es braucht schon etwas Besonderes, um diesen Standard zu durchbrechen und die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu bündeln. Trotz all seiner Höhen und Tiefen hat Game of Thrones immer das Potenzial in sich getragen, die beeindruckendste Serie aller Zeiten zu sein. Je mehr die Geschichte auf ihren massiven Höhepunkt zusteuert, desto mehr kann sie sich auf das große Spektakel verlassen.

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