Auf der Flucht

Fotos aus Ungarns Gefängnislagern für Flüchtlinge

Europa bedeutete für sie Freiheit. Jetzt spielen ihre Kinder hinter Stacheldraht und warten auf eine Antwort der Behörden.

von Keegan Nashan
11 Juni 2017, 5:00am

Ein Junge wartet auf das Eintreffen freiwilliger Helfer. Alle Fotos von Keegan Nashan

Den Großteil des vergangenen Jahres verbrachte ich in Griechenland, Serbien und Ungarn, wo ich als freiwilliger Helfer mit Flüchtlingen gearbeitet habe. In Ungarn wurde vor Kurzem ein neues Gesetz beschlossen, das die Inhaftierung von Flüchtlingen und Migranten für die Dauer ihres Asylantrags legalisierte. "Dieses neue Gesetz verletzt die Verpflichtungen Ungarns nach internationalen und EU-Gesetzen und wird eine schreckliche körperliche und psychologische Auswirkung auf Frauen, Kinder und Männer haben, die bereits sehr gelitten haben", sagte Cécile Pouilly, Sprecher des UNHCR und Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge dazu.

Das Ergebnis dieses Gesetztes sind Gefängnisse, die als Flüchtlingslager deklariert werden, bestehend aus vielen einzelnen Containern, die unbegleitete Minderjährige, Familien und junge Männer beherbergen, umgeben von Mauern, Zäunen und Stacheldraht. Väter, Mütter und Kinder werden dort derzeit für etwa zwei Monate festgehalten, bis sie erfahren, ob ihre Asylanträge angenommen wurden oder nicht.

Als ich zum ersten Mal eines dieser Lager sah und zum Zaun ging, versuchten die Kinder, ihre Hände durch eines der Zaunlöcher zu zwängen, um mich zu begrüßen. Mein Freund und ich saßen über eine Stunde auf dem Boden außerhalb des Zauns, spielten und sangen mit den Kindern – durch einen fünf Meter hohen Zaun voneinander abgegrenzt, als wäre es das Normalste auf der Welt.

Als wir dort draußen auf dem Boden saßen und ich mit den Kindern auf der anderen Seite des Zauns sprach, sah ich eine hochschwangere junge Frau. Nur ein kurzer Blick in mein freundliches Gesicht reichte aus, um ihr die Tränen in die Augen zu treiben.

Diese Frau wurde wenige Zeit später von zwei bewaffneten Wachen zu einem Krankenwagen begleitet. Sie musste für eine Kontrolluntersuchung ins Krankenhaus. Ihr 6-jähriger Junge durfte sie nicht begleiten. Er schrie hinter dem Zaun, sie blicke zu ihm zurück, versuchte ihn zu trösten.

Ein Mann, den ich im Lager traf, sagte zu mir: "Wir sind hierher gekommen, weil wir um unser Leben und unsere Freiheit fürchten mussten. Denn Europa versprach Freiheit. Und nun werden wir in Europa in diesen Lagern weggesperrt. Sogar meine Kinder sind eingesperrt, obwohl wir nie etwas Falsches gemacht haben. So dürfen Kinder nicht aufwachsen, nirgendwo auf der Welt."

Fotos von Keegan Nashan

Kinder im Camp in Horgoš-Röszke.

Wäsche trocknet in einem der Flüchtlingslager.

Der einzige Blick nach 'draußen' vom Familiencontainer in Horgoš-Röszke.

Dieser Raum steht allein stehenden Männer außerhalb ihrer Container zur Verfügung.

Kinder spielen im Kelebija-Tompa-Camp.

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