6 1/2 Stunden Umweg – Ein Flixbus-Fahrer hat ziemliche Scheiße gebaut

Die Strecke Mönchengladbach – Berlin in über 14 Stunden. "Ich fühlte mich meiner Freiheit beraubt", so eine Passagierin nach der Chaosfahrt.

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16 August 2016, 8:25am

Anderer Flixbus, ähnliches Chaos | Foto: imago | Ralph Peters

Anderer Flixbus, ähnliches Chaos | Foto: imago | Ralph Peters

Irren ist menschlich. Zu glauben, dass man Spiderman ist, obwohl die Schwerkraft gegen diese These spricht: passiert. Zu glauben, dass es eine gute Idee ist, die eigene Badezimmer-Toilette mit Sprengkörpern zu entstopfen: passiert. Und auch 300 Kilometer in die richtige Richtung bloß mit dem falschen Bus zu fahren: passiert. So geschehen bei einem Busfahrer der Firma Flixbus.

Rund 40 Passagiere warteten vor einigen Tagen an einer Haltestelle im westdeutschen Mönchengladbach, um von dort ihre Reise in die Hauptstadt Deutschlands anzutreten. Schließlich kam der Fahrer mit einem Doppeldeckerbus des Unternehmens, die Fahrt ging los, so weit, so gut. Doch nach gut 300 Kilometern, kurz vor Hannover, ist den Reisebetreibern aufgefallen, dass der Doppeldeckerbus für eine spätere Fahrt mit mehr Passagieren gebraucht wird. Der Fahrer hätte eigentlich ein kleineres Gefährt nehmen sollen. Irren ist menschlich, passiert.

Dann aber der Abfuck: Der Busfahrer wurde zurückbeordert. Er weigerte sich allerdings, dem Wunsch der Gäste zu folgen und sie wenigstens in Hannover rauszulassen, damit sie von dort mit anderen Bussen oder der Bahn weiter nach Berlin konnten. "Ich habe das für einen Witz gehalten", erklärt die Passagierin Christiane Schinkel laut Deutscher Presseagentur. "Von dort hätte man nach Berlin gut weiterreisen können." Stattdessen hielt der Fahrer auf einem kleinen Parkplatz am Arsch der Heide, von wo aus keine Anbindungen bestanden. "Dort auszusteigen, hätte keinen Sinn gemacht. Da wäre man nicht weggekommen", so die Passagierin nach ihrer Ankunft in Berlin. "Ich fühlte mich meiner Freiheit beraubt."

Keiner der Passagiere nahm das Angebot, dort auszusteigen, an; stattdessen fuhr der Fahrer mit allen Insassen bis nach Dortmund zurück, wo sie in einen anderen Bus umgeladen wurden. Wie ein Flixbus-Pressesprecher bestätigt, habe sich so die Fahrt von regulär acht Stunden um weitere sechseinhalb Stunden verlängert. Als Wiedergutmachung sollen den Passagieren die Fahrtkosten erstattet werden—zudem möchte das Unternehmen ihnen einen Gutschein für eine europaweite Freifahrt anbieten. Mönchengladbach – Paris in nur 80 Stunden, yeah!!!

Doch die Reisenden wollen auf den Deal nicht eingehen. Christiane Schinkel hat vor, die Verbraucherzentrale einzuschalten. Dafür sei bereits im Bus eine Unterschriftenliste herumgereicht worden. "Der Knackpunkt ist nicht, dass der Fehler mit dem falschen Bus passiert ist. Man hätte uns aber beispielsweise in Hannover rauslassen müssen", sagt sie. Irren ist menschlich, der Rest dann doch leicht scheiße.

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