Die Polizei ermittelt nach einem Steinwurf auf Identitäre wegen versuchten Mordes

Beim Opfer handelt es sich um einen 17-jährigen Deutschen, der von den Identitären fälschlicher Weise als 26 Jahre alt beschrieben wurde.

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Juni 16 2016, 9:02am

Update: Im Laufe des Nachmittags haben sich auch die Identitären selbst zu Wort gemeldet. Die Gruppe setzt ihrerseits 1000 Euro Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Um 17:00 Uhr veröffentlichten dann auch das Bündnis NoFascism und die Offensive gegen Rechts eine gemeinsame Presseaussendung, in der sie den Steinwurf verurteilen. Gleichzeitig kritisieren die Antifagruppen aber auch einen von der Polizei "konstruierten" Zusammenhang zwischen dem linken Transparent am Baukran und dem geworfenen Stein. Außerdem erheben die Antifaschistinnen und Antifaschisten erneut Vorwürfe gegen die Exekutive und verweisen außerdem auf Angriffe von den Identitären auf linke Gegendemonstranten.

Wie die Landespolizeidirektion Wien am Donnerstagvormittag in einer Aussendung mitteilte, wird nach den Demonstrationen gegen den Aufmarsch der Identitären in Wien am vergangenen Samstag nun wegen Mordversuchs gegen eine unbekannte Person ermittelt. Ausschlaggebender Vorfall ist ein Steinwurf vom Dach eines Hauses in der Goldschlagstraße auf den Demonstrationszug der Identitären.

Der Stein soll einen 17-jährigen deutschen Aktivisten der rechtsextremen Bewegung am Kopf getroffen haben, woraufhin dieser verletzt zu Boden ging und seither wegen Blutungen im Gehirn auf der Intensivstation in einem Wiener Krankenhaus behandelt wird.

Wie aus der Aussendung der Wiener Polizei hervorgeht, wird nach dem noch unbekannten Täter intensiv gefahndet. In der Aussendung verweist die Polizei auch auf Fotomaterial, das den Tathergang zeigen soll, jedoch nicht veröffentlicht wurde. Allerdings hat die Polizei bereits am Samstag ein Bild eines Steines veröffentlicht, der auf einen ihrer Beamten geworfen worden sein soll. Aufgrund der derzeitigen Faktenlage hat das Landesamt für Verfassungsschutz Ermittlungen wegen versuchten Mordes aufgenommen.

Kurze Zeit herrschte Verwirrung darüber, ob es sich bei dem von der Polizei genannten 17-jährigen Deutschen um einen weiteren, durch einen Stein schwer verletzten, identitären Aktivisten handelt. Schließlich hatte die Identitäre Bewegung selbst bereits kurze Zeit nach der Demonstration von einem 26-jährigen Deutschen gesprochen, der nach einem Steinwurf intensivmedizinisch betreut werden musste, mittlerweile aber am Weg der Besserung ist und bereits Besuch empfangen konnte.

Tatsächlich dürfte es sich bei dem von den Identitären als 26-jährigen Hamburger Maximilian S. bezeichneten aber um den 1998 geborenen Deutschen handeln, der in der Presseaussendung der Landespolizeidirektion Wien genannt wird. "Ich kann ihnen versichern, dass es sich dabei um die selbe Person handelt", bestätigt Polizeisprecher Thomas Kaiblinger gegenüber VICE.

Gesucht wird laut Polizei auch nach den Machern eines Transparentes mit der Aufschrift "Nationalismus raus aus den Köpfen", das auf einem Kran jener Baustelle angebracht war, über die sich der mutmaßliche Täter Zugang zum Dach in der Goldschlagstraße verschafft haben soll.

Ob die Polizei tatsächlich auf eigene Initiative die Ermittlungen wegen versuchten Mordes aufgenommen hat, oder dem Ganzen eine Anzeige der Identitären zu Grunde liegt, konnte man uns nicht beantworten. Das Strafmaß für versuchten Mord beträgt in Österreich normalerweise fünf bis 20 Jahre Haft. Insgesamt wurden auf Seite der Identitären und der Polizei, aber auch auf Seite der Gegendemonstranten bei dem Aufmarsch mindestens 13 Menschen verletzt.

Paul auf Twitter: @gewitterland

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