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Reisen

Wie du First Class um die Welt fliegst, obwohl du kaum Geld hast

Ein Travel Hacker erläutert die besten Möglichkeiten, um günstige Langstreckenflüge und kostenlose Hotelübernachtungen an Land zu ziehen. Glück ist hier nämlich nicht immer der Schlüssel.

von Michaela Cross
20 Juni 2016, 7:00am

Foto: TravelingOtter | Flickr | CC BY-SA 2.0

Für die meisten Menschen sind Reisen eine Art Flucht oder ein Szenenwechsel. Für Ben Schlappig sind Reisen jedoch eher ein Spiel. Er weiß nämlich, wie man wenig Geld in ein teures Hotelzimmer in Paris oder London verwandelt oder sich mit dem Wert eines Wocheneinkaufs ein Erste-Klasse-Flugticket um die Welt leisten kann. Etwas anderes als Luxus kommt ihm dabei nicht in die Tüte. Mehr als fünf Prozent des Normalpreises zahlt er trotzdem nie.

Schlappig gehört zu der stetig wachsenden Gruppe der sogenannten "Travel Hacker"—also Menschen, die Kreditkarten-Bonuspunkte gegen Flugtickets eintauschen—, aber er weiß auch, wie man mit richtigem Geld billige Luxusflüge und -hotelzimmer an Land zieht. Als Kind flog er für seine Eltern einmal einen ganzen Sommer lang durch die USA, um Airline-Bonuspunkte zu sammeln, und seit dem Studium ist er quasi Vollzeit-Reisender und betreibt nebenbei noch den Blog "One Mile at a Time".

Ich wollte wissen, wie genau Schlappig bei seinen günstigen Luxusreisen vorgeht, und habe genau deswegen mit ihm telefoniert. Bei unserem Gespräch hat er mir dann erzählt, wann und wo man die besten Flüge findet, wie man an gute Deals für Luxushotels rankommt und wie es sich anfühlt, ständig nur aus dem Koffer zu leben.

VICE: Wie viel gibts du jährlich für deine Reisen aus?
Ben Schlappig: Normalerweise würden meine Reisen wohl über eine Million Dollar kosten. Das liegt daran, dass die erste Klasse oftmals völlig überteuert ist. So kostet ein Erste-Klasse-Ticket von New York nach Hongkong um die 30.000 Dollar, wenn man es so bezahlt. So viel gebe ich jedoch natürlich nicht aus. Ich kann dir hier keine genaue Zahl nennen, aber ich gebe insgesamt nur einen minimalen Bruchteil der eben erwähnten Summe aus—weniger als fünf Prozent bzw. um die 50.000 Dollar.

Und wie viele Kreditkarten besitzt du derzeit?
Eigentlich immer so 30 bis 40 Stück.

Das klingt nach einer Menge Papierkram.
In der Theorie ist das auch kompliziert und verwirrend und ich muss da auch auf viele Dinge achten, aber dafür habe ich ja eine Menge Vorteile. Oftmals wissen die Leute gar nicht, wie genau das mit den Kreditkarten und der Kreditwürdigkeit überhaupt funktioniert. Für mich hingegen läuft das alles wie geschmiert.

Im Grunde fliegst du also um die ganze Welt und steigst in Luxushotels ab, bezahlst dafür aber nur den Bruchteil des Normalpreises, indem du mit Kreditkarten-Bonuspunkten jonglierst?
Ich nutze nicht nur diese Bonuspunkte. Bei jedem Trip vergleiche ich zuerst einmal die Preise, um den besten Deal zu finden, denn manchmal gibt es auch extrem lukrative Promo-Aktionen. Zum Beispiel hatte die Hyatt-Hotelkette mal ein Angebot, bei dem sie einem bei der Buchung von zwei Übernachtungen eine Übernachtung in irgendeinem anderen Hyatt-Hotel der Welt schenkten. Ich habe also zwei Nächte in Hyatt-Flughafenhotel von Tampa geschlafen und dafür 160 Dollar bezahlt. Den Übernachtungsgutschein hob ich mir dann jedoch für das Hyatt-Hotel in der Innenstadt von Sydney auf, wo eine Nacht gleich mal 1000 Dollar kostet.

Oha. Wie wirst du auf solche Deals aufmerksam?
Ich bin eigentlich ständig an solchen Sachen dran, aber für den Durchschnittsbürger ist es wohl am besten, einem geeigneten Blog zu folgen. Einige Leute setzen es sich dabei zum Ziel, komplett umsonst zu reisen und Komfort spielt bei ihnen keine wirkliche Rolle. Andere wollen hingegen nur in der ersten Klasse fliegen und in Luxushotels absteigen, dabei aber nur einen Bruchteil des eigentlichen Preises zahlen. Ich falle in die zweite Kategorie.

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Welche Strategien verfolgst du, um billige Flüge zu finden?
Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich wähle als Startpunkt meiner Reisen nicht mein Heimatland aus. Flugtickets sind viel günstiger, wenn die Reise in Ländern wie etwa Ägypten, Sri Lanka, Marokko oder Südafrika losgeht. Wenn ich also unterwegs bin, dann positioniere ich mich in einem dieser Länder und mein Flug beginnt zum Beispiel in Kairo oder Colombo. Diese beiden Städte benutze ich tatsächlich am häufigsten als Ausgangspunkt, weil die Tickets so gut 90 Prozent günstiger sind.

Was genau meinst du mit "positionieren"? Du fliegst einfach dorthin?
Genau. Hier ein Beispiel: Ein Hin- und Rückflug von Kairo nach New York kostet in der Business Class 1.200 Dollar. Wenn jedoch genau die gleiche Strecke von New York aus bucht, dann muss man direkt um die 9.000 Dollar hinblättern.

Interessant. Da muss man doch aber trotzdem noch einen günstigen Flug in diese Länder finden, richtig? Wie landet man da einen Treffer?
Der Schlüssel zu günstigen Flugtickets liegt im Wissen der Strategie hinter der Preisfindung der Airlines. Atlanta ist zum Beispiel das Drehkreuz für Delta und Dallas das Drehkreuz von American Airlines. Von Dallas aus findet man also immer einen American-Airlines-Direktflug und da Delta mit diesem Routennetzwerk nicht mithalten kann, fliegt man mit dieser Fluggesellschaft von Dallas aus viel günstiger. In anderen Worten: Man muss sich immer eine Airline suchen, die in der jeweiligen Stadt nicht wirklich präsent ist.

Dann gibt es aber auch noch bestimmte Märkte, die von vornherein günstiger sind. Typischerweise handelt es sich dabei um nicht geschäftliche Märkte. So kostet ein Flug von New York nach Los Angeles zum Beispiel mehr als ein Flug von New York nach Oakland, weil die Fluglinien in L.A. mehr Potenzial sehen.

Und zu welchem Zeitpunkt sollte man seine Flüge am besten buchen?
Ich buche meine Flüge eigentlich immer so 60 Tage im Voraus. Da ist es im Allgemeinen am günstigsten.

Bei Bonusmeilen-Tickets ist man hingegen am besten dran, wenn man wirklich erst in den Tagen direkt vor dem Abflug bucht, denn die ganzen nicht besetzten Plätze werden immer erst im letzten Moment freigegeben. So habe ich zum Beispiel auch schon mal einen Erste-Klasse-Flug nach Hongkong zwei Stunden vor dem eigentlichen Flugstart gebucht.

"Wenn man sich also etwas geschickt anstellt, kann man praktisch umsonst Urlaub machen."

Ist es sinnvoll, bei einem Trip größere und kleinere Airlines zu kombinieren? Wenn man zum Beispiel nach Asien will, sollte man dann zuerst irgendwie grob in die Richtung fliegen und dann mit einer türkischen, indischen oder chinesischen Fluglinie weiterreisen?
Absolut. Inzwischen gibt es so viele Billigfluglinien auf der ganzen Welt, dass eine Reise von Kontinent zu Kontinent nicht mehr wirklich viel mehr kostet als die Taxifahrt zum Flughafen.

Hier muss man jedoch an zwei Stellen aufpassen: Zum einen fallen oft noch nicht sofort ersichtliche Kosten und Gebühren für zum Beispiel das Gepäck oder die Sitzplatzreservierung an. Und zum anderen werden manche Fluglinien bei diversen Suchmaschinen gar nicht angezeigt. Es lohnt sich also auf jeden Fall immer, auch direkt auf den Websites der entsprechenden Airlines die Preise zu vergleichen. Diese Fluglinien haben aus Kostengründen nämlich keine Lust darauf, Provision an die Suchmaschinen abzutreten.

Kommen wir noch mal kurz auf die Bonusprogramme zu sprechen: Wenn man jetzt nicht gerade wie du 30 Kreditkarten davon mit sich herumtragen will, wie sollte man dann hier am besten vorgehen?
Bei vielen Kreditkarten ist es so, dass die Banken 50.000 Fliegermeilen als Bonus anbieten. Man holt sich also zwei verschiedene Karten, gibt damit dann über einen Zeitraum von ein paar Monaten hinweg den Mindestumsatz von 1.000 Dollar aus und hat so direkt 100.000 Bonusmeilen angesammelt. Da man bei vielen Kreditkarten zumindest im ersten Jahr keine Grundgebühr mehr zahlen muss, hat man sich so also einen Langstreckenflug für quasi umsonst ergattert. Für die passende Unterkunft gibt es dann auch noch andere Kreditkarten, bei denen einem die Banken nach einem gewissen und oftmals minimalen Umsatz eine Hotelübernachtung spendieren. Wenn man sich also etwas geschickt anstellt, kann man praktisch umsonst Urlaub machen.

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Welche andere Reisetipps hast du sonst noch auf Lager?
Die Airlines verkaufen ihre Flugmeilen oftmals direkt an die Kunden—und da gibt es auch sehr häufig Promo-Aktionen. Im Grunde stellt das eine gute Möglichkeit dar, vergünstigt an Erste-Klasse- oder Business-Class-Tickets ranzukommen.

Außerdem ist es nie verkehrt, sich für die Vielfliegerprogramme anzumelden—selbst wenn man nicht immer bei einer Airline bleibt oder gar nicht so viel fliegt. Bonusmeilen sind schließlich Bonusmeilen. Oftmals braucht man davon gar nicht so unglaublich viele, um sie einlösen zu können. Und wenn es nicht für einen Flug reichen sollte, dann haben viele Airlines auch Einkaufsportale, wo man für seine Bonusmeilen andere schöne Prämien bekommt.

Du fliegst ständig durch die Gegend und lebst quasi nur aus deinem Koffer. Ist das nicht unglaublich anstrengend? Du machst komischerweise einen richtig energetischen Eindruck.
Irgendwie bin ich auch richtig energetisch. Das Ganze ist für mich einfach eine Art Sucht. Als ich früher von langen Reisen nach Hause gekommen bin, war ich immer total fertig und dachte mir, dass ich nie wieder in ein Flugzeug steigen würde. Am darauffolgenden Morgen hatte ich jedoch schon längst wieder den Wunsch, um die Welt zu fliegen. Ich meine, eine Sucht ist jetzt nicht gerade eine schöne Sache, aber ich bin einfach am glücklichsten, wenn ich von meinem Fensterplatz aus auf die Erde herabblicken kann.

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