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Tod durch "Badesalze" und "Kräutermischungen"

Experten erklärten uns, warum diese Modedroge so gefährlich ist.

von Matern Boeselager
13 Dezember 2016, 7:00am

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Allein in Bayern starben in diesem Jahr 33 Personen an sogenannten "Modedrogen". Das machte das bayerische Landeskriminalamt auf einer Pressekonferenz am Wochenende bekannt. Mit Modedrogen meint das LKA auf der einen Seite "Kräutermischungen"—also synthetische Cannabinoide wie Spice—und die sogenannten "Badesalze".

Dass Kräutermischungen wie "Spice"—meistens gewöhnliche Kräuter, die vom Hersteller dann mit synthetischem Cannabis besprüht werden—gefährlich sein können, ist schon eine Weile bekannt. Aber was sind diese ominösen Badesalze?

"Badesalz-Drogen leiten sich meistens von Amphetamin-Derivaten ab", erklärt der Toxikologie Professor Dr. Florian Eyer vom Klinikum Rechts der Isar in München. "Die wirken relativ ähnlich wie Ecstasy oder Methamphetamine, nur dass sie betont halluzinogen sind."

Badesalze sind für einige Horrorschlagzeilen in der Presse verantwortlich. In Miami griff im Juni 2012 ein nackter Mann einen Obdachlosen an und begann, ihm das Fleisch mit den Zähnen aus dem Gesicht zu reißen. Nachdem die Polizei erklärte, der Täter habe vorher Badesalze genommen, bekam sie den Ruf als "Kannibalen-" oder "Zombie-Droge".

Die Konsumenten ließen sich allerdings nicht so leicht abschrecken—vor allem, da diese Stoffe vergleichsweise billig sind. Auf den einschlägigen Webseiten werden die Badesalze unter Namen wie "Fast Reaction" ("Unsere mega geile Neuentwicklung ist da! ...bringt Dich schnell auf Touren!") oder "Scarface Powder" verkauft, für etwas weniger als 30 Euro pro Gramm.

In Deutschland waren sie bis November noch legal—bis im November das "Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz" in Kraft getreten ist, das jetzt einen großen Teil der Badesalze (und der Kräutermischungen) unter Strafe stellt. Die Hoffnung ist, dass man damit den Konsum dieser Stoffe eindämmen kann. In Österreich ist lediglich der Verkauf von sogenannten "legal Highs" strafbar. Trotzdem ist die Exekutive berechtigt, psychoaktive Substanzen zu beschlagnahmen.

Denn auch wenn sie dich nicht gleich zum Kannibalen machen—gefährlich sind die Badesalze trotzdem. Die Hersteller haben diese Substanzen entwickelt, um die vorher gültigen Betäubungsmittelgesetze zu umgehen. Die dabei entstandenen Drogen wurden deshalb noch nie an Menschen getestet, über die Langzeitfolgen ist nichts bekannt. Aber auch kurzfristig können diese Stoffe gefährlich sein, erklärt Professor Eyer.

"Diese Stoffe haben teilweise verheerende Rauschwirkungen: mit Horrortrips, mit fremd- und selbstgefährdendem Verhalten, mit Aggressionen und extremer Agitation", berichtet der Arzt. "Wir sehen aber auch viele Patienten mit infektiösen Problemen: Organschäden, Abzesse oder Herzklappen-Entzündungen, die durch Verunreinigungen des Stoffes verursacht wurden. Das ist Teufelszeug."

So viele Opfer wie dieses Jahr haben die Kräutermischungen und Badesalze jedenfalls noch nie gefordert. Ob das neue Gesetz den Trend aufhalten kann, werden die kommenden Monate zeigen. Auf einer Händler-Webseite prahlt jetzt schon ein großes Banner: "Legal High Verbot: Und was jetzt?" Die Seite beruhigt ihre Kunden: "Keine Sorge! Wir haben genug scheppernde sichere Alternativen!"