Wie gut ist Wiener Straßen-Weed wirklich?

Wir haben uns durch vier verschiedene Sorten von der Straße gekostet, damit ihr es nicht tun müsst.

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20 April 2017, 3:00am

Collage: VICE Media; Alle Fotos vom Autor

Dass THC-haltiges Cannabis in Österreich nach wie vor verboten ist, müssen wir euch hoffentlich nicht extra erklären. Wenn ihr es geschafft habt, ohne elterliche Aufsicht durchs Internet zu navigieren und bei etwas anderem als unzensuriert.at zu landen, dann ist euch auch geläufig, dass Cannabis gesundheitlich nicht so unbedenklich ist, wie einige hängengebliebene Hippies gern behaupten – genauso, wie es auf der anderen Seite keine Abkürzung zur Heroinabhängigkeit ist und man nicht glaubt, dass man fliegen kann, nur weil jeder Großonkel jemanden kennt, der sich angeblich auf diese Art seine Querschnittslähmung zugezogen hat.

Aber ganz abgesehen davon, was ihr über Gras denkt und wie ihr die Rechtslage seht, ist Marihuana trotzdem eine Realität für zirka ein Drittel der österreichischen Bevölkerung, die es zumindest schon mal versucht, wenn nicht öfter einen geraucht hat. Und ob es uns passt oder nicht: Solange ihr es nicht lassen könnt, wollen wir zumindest dafür sorgen, dass ihr nicht das beschissenste Erlebnis der Welt dabei habt.

Bereits 2014 haben wir in einem sebstaufopfernden Unterfangen Wiener Weed für euch getestet und herausgefunden, dass es zumindest besser als sein Ruf ist – was natürlich nicht allzu schwierig ist, wenn man eben diesen Ruf kennt. Drei Jahre später wollen wir pünktlich zum internationalen und inoffiziellen Welt-Kiffer-Tag noch einmal wissen, ob sich die Qualität auf der Straße verändert hat und wo man – wenn man denn schon unbedingt will – am wenigsten beschissen mit seinem Kauf aussteigt. Der wie gesagt illegal ist.

Thaliastraße: viele Stängel und schnelle Wirkung

Wenn es in Wien um Weed von der Straße geht, ist der Gürtel natürlich das Klischee schlechthin. Im letzten Frühjahr entwickelte sich der Handel zwischen der U6-Station Burggasse und der Alser Straße schon ins fast lächerlich Offensichtliche. Die Dealer waren enthusiastischer als Scientologen auf der Hilfer oder verkleidete Mozartmenschen am Stephansplatz, während die Polizei wegen einer Gesetzeslücke wortwörtlich zuschaute. 

Trotzdem ist es auch heute noch ein Kinderspiel, hier an was zu kommen. Ich habe mir für meinen Rundgang einen Montagabend ausgesucht, was zeitlich also zumindest annähernd eine Herausforderung darstellen könnte. Tut es aber nicht. Zwei Meter neben der Station Thaliastraße lehnt bereits der erste Cornerboy an der Wand, der mir innerhalb einer Sekunde im Vorbeigehen behilflich ist. 

Das typische Baggy für 10 Euro ist laut Waage 0,9 Gramm schwer. Allerdings gibt es Abzüge für die Beschaffenheit des Inhalts: Ohne Stängel und Samen bleibt ziemlich wenig Brauchbares übrig. Ich teste die Sorte Thaliastraße am nächsten Abend und fühle mich ziemlich schnell ziemlich waach. Obwohl meine Gastgeberin ein reichhaltiges Antipasti-Buffet auftischt, bleiben Munchies jedoch aus. Dafür reden wir einen Haufen Schrott und rätseln eine Ewigkeit, ob "verhäuft" ein wirkliches Wort ist. Wirklich Spaß kommt aber nicht auf, wir sind benebelt und faul. Der echte Downer kommt dann, als mir klar wird, dass ich noch mal raus muss, um mir noch mehr Gras zu kaufen, das womöglich noch schlechter ist. 

Fazit: 6 von 10 bröckelig-verhäuften Punkten

Josefstädter Straße: harzig und kratzig

Noch während meines Gürtel-Abstechers komme ich bei der Station Josefstädter Straße vorbei, die vor einem Jahr wohl das Epizentrum der Dealer-Schar war. Vor dem Eingang der Station bietet mir ein ziemlich ungesund aussehender Typ "Ganja" an. Reflexartig winke ich meinem wankenden Gegenüber ab, nur um ihm dann im nächsten Moment doch noch deswegen nachzulaufen.

Wir gehen ein paar Blocks weiter in den 16., er öffnet die Eingangstür eines Wohnhauses. Im Innenhof fischt er etwas aus einem Container und reicht mir mit Augenmaß einen Bud. Das Weed ist sehr komprimiert, wirkt aber durchaus frisch und ist auch sehr harzig. Die Waage zeigt später immerhin 0,7 Gramm an. 

Beim Rauchen kratzt es sehr, der Geschmack ist durchaus in Ordnung. Im Gegensatz zur Marke Thaliastraße macht es auch eindeutig eher high als stoned und verursacht einen unweigerlichen, breiten Grinser. Ich rauche es nach Feierabend mit meinem Mitbewohner und wir finden, dass der Bud meines Kumpels von der Josefstädter Straße nach der Form von Brasilien aussieht, was uns zusätzlich ein ziemlich sonniges Gemüt verschafft. Das und der Umstand, dass wir Bossa Nova hören.

Fazit: 8 von 10 kratzigen Ganja-Batzen

Schottenring: frisch und grün 

Schon vor zehn Jahren, als das Flex noch eine goldenere Zeit erlebte, wussten die 16-Jährigen zu erzählen, dass das vollkornmehlige Heroin dort wohl einen besseren Deal darstellt als das Gras vom Schottenring. Zumindest so die Überlieferung. Aber vielleicht heilt die Zeit ja alle Kifferlungen. Die Gegend beim Flex ist Dienstagabends jedenfalls ausgestorben, der Club wirkt fast wie eine bunte, aber traurige Praterattraktion im Winter. 

Mutterseelenallein kommt mir aber unter der Augartebrücke ein Boy entgegen, den ich wohl ziemlich beängstigend anstarre. Als er schon an mir vorbei ist, ruft er mir doch noch nach, ob ich was brauche. Auch hier ist es ein klassisches 10-Euro-Baggy. Der Inhalt – die Waage zeigt 0,8 Gramm an – überzeugt jedoch deutlich mehr als zuvor am Gürtel. 

Das Weed sieht frischer und grüner aus, auch die Blütefäden überzeugen halbwegs. Die Wirkung erzeugt auch hier ein einigermaßen starkes stoned-Gefühl, ohne wesentliche Lachflashs oder Geistesblitze. Ich verschenke es an einen Freund, der vorhat, zu Ostern mit seiner Mama was zu rauchen. 

Fazit: 9 von 10 hübschen Blütenfäden

Bar nahe Westbahnhof: modrig und ungesund

Ausflüge zur Längenfeldgasse, dem Praterstern (der sogar von einer permanenten Polizeikamera überwacht wird), der Jägerstraße und dem Handelskai bleiben Mittwochabend erfolglos. Um aber nicht leer heimzugehen, kehre ich noch in einer Bar in der Nähe des Westbahnhofs ein. Der Laden wurde mir als eine Art Notfallplan vorgestellt. Ohne auf Details einzugehen zu wollen, herrscht hier aber wohl offensichtlich eine Art Arrangement. Ich gehe geradewegs in den hinteren Bereich, wo sich an der Wand sozusagen das andere Personal tummelt. Ich erhalte eines der altbekannten Mini-Baggys. 

Die Waage zeigt diesmal sogar mehr als ein Gramm an – 1,1 – was die Probe in diesem Punkt auch zum Testsieger macht. Allerdings sieht das Gras echt nicht sehr gesund aus, so als wäre es in einem modrigen Keller getrocknet worden. Bräunlich und noch relativ feucht, was sich beim Bauen mit fasrigen Stücken als besonders lästig erweist. Von der Wirkung schätze ich es ähnlich ein wie die andere, üblich abgepackte Gürtel-Ware. Es macht schon sehr stoned, aber auch eher schlaff und dumm. Geschmack grauslich. 

Fazit: 3 von 10 bräunlichen, dummen Klumpen

Fazit

Als Notlösung ist Wiener Straßen-Weed absolut brauchbar. Und wohl am Wichtigsten: Es dürfte sich bei allen Proben immerhin auch ausschließlich um Weed gehandelt haben. Die Untersuchung von Verunreinigung mithilfe der Tipps von der Drogenberatungsstelle Checkit! oder des "Brix"-Tests, blieben soweit negativ. (CheckIt selbst nimmt grundsätzlich übrigens keine Cannabis-Proben an.)

Wenn es sich um fertig abgepackte, 10-Euro-Baggys handelt, darf man sich außer einer dumpfen Dichtheit aber nicht viel erwarten. Das Baggy vom Schottenring kam mir qualitativ jedoch um einiges hochwertiger als der Rest vor. Im Zweifelsfall sollte man reinschauen und nach natürlichem, optischem Frischegrad gehen. Favorit war mit Abstand das Gras vor der Josefstädter Straße, das mir ein Drogenabhängiger verkaufte – kein klassischer Straßendealer.  

Zum Abschluss vielleicht noch ein direkter, bildlicher Vergleich (unter selben Lichtverhältnissen) zwischen Marke "Westbahnhof-Bar" …

… und Marke "Blue Kush" der Vertrauensdealerin. Mahalo.