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Sex

Beziehungs-Coaches erklären, wie man einen Seitensprung am besten beichtet

Gibt es überhaupt eine "gute" Herangehensweise an eine solche Unterhaltung oder ist das Ganze immer der Horror?

von Kyle MacNeill
28 September 2017, 8:44am

Alle Fotos: Chloe Orefice

Fremdgehen ist niemals eine gute Idee. Dich plagt danach ein schlechtes Gewissen, dein Partner oder deine Partnerin ist am Boden zerstört und eure Beziehung ist entweder sofort vorbei oder wird für immer von diesem Vorfall überschattet.

Zwar ist es verlockend, den Seitensprung einfach nicht zu beichten, aber das kann sehr schnell nach hinten losgehen: Meistens kommt die Sache nämlich trotzdem irgendwie ans Licht – egal ob nun durch einen Bekannten oder eine verräterische Snapchat-Nachricht. Aber gibt es überhaupt eine "gute" Herangehensweise an eine solche Unterhaltung oder ist das Ganze immer der Horror?

Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns mit drei Beziehungsexperten unterhalten.


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Tomas Svitorka

Tomas Svitorka ist ein zertifizierter Life Coach aus London.

Ich finde, dass Ehrlichkeit und Integrität wichtige Werte sind und die Grundlage einer guten und beständigen Beziehung bilden.

Ein Seitensprung ist ein schwerer Vertrauensmissbrauch. Direkt danach folgen Schuldgefühle und ein "Überlebensinstinkt", der einen dazu verleiten kann, das Ganze nicht zu beichten. Die Wahrheit zu sagen, ist und bleibt jedoch die beste Vorgehensweise. Wenn die Unterhaltung mit deinem Partner oder deiner Partnerin ansteht, dann sei dir jedoch unbedingt bewusst, was du damit erreichen willst: Willst du die Beziehung retten – oder beenden?

"Ehrlichkeit schützt nicht vor Herzschmerz – und zwar auf beiden Seiten."

Wie auf die Beichte reagiert wird, hängt davon ab, wie sehr man die eigene Verantwortung akzeptiert. Wenn du deinem Partner oder deiner Partnerin von dem Seitensprung erzählst, sollte es wirklich nur darum gehen und nicht um irgendwelche anderen Aspekte eurer Beziehung. Vermeide es, andere Faktoren ins Spiel zu bringen. Dinge anzusprechen, die vielleicht zu deinem Fehltritt geführt haben, wirkt nur wie die Suche nach Ausreden. Wenn ihr zusammenbleiben wollt, dann könnt ihr zu einem anderen Zeitpunkt nach Ursachen suchen – zum Beispiel bei einer Paartherapie. Und wenn ihr die Beziehung beendet, dann ist es nicht nötig, so etwas noch weiter zu diskutieren.

Ehrlichkeit schützt allerdings nicht vor Herzschmerz – und zwar auf beiden Seiten. Es wird so aber auch eine bessere Grundlage dafür geschaffen, über die Sache hinwegzukommen. Egal ob nun zusammen oder getrennt.

Helen Mia Harris

Helen Mia Harris ist eine Beziehungs- und Paartherapeutin, die sich auf Liebessucht und Abhängigkeit spezialisiert hat.

Untreue in einer festen Beziehung ist für jedes Paar ein Schock, die komplette Grundlage der Partnerschaft ist dahin. Die einst so sichere zwischenmenschliche Bindung wird in Frage gestellt. Die Folgen eines Seitensprungs bedeuten oftmals das Ende einer Beziehung. Genauso oft ist der betrogene Partner beziehungsweise die betrogene Partnerin völlig überrumpelt und bleibt niedergeschlagen, einsam, verraten, eifersüchtig, wütend und verwirrt zurück.

"Für den Betrogenen oder die Betrogene gibt es keine nachvollziehbare Ausrede."

Ich würde sagen, dass Seitensprünge auch deswegen passieren, weil sich zwei Menschen gegenseitig nicht mehr wertschätzen. Für den Betrogenen oder die Betrogene gibt es jedoch keine nachvollziehbare Ausrede für einen Betrug, weil sie das emotionale Trauma total überwältigt.

Vielleicht hat man sich so gefühlt, als würde man zwar zusammen, aber trotzdem alleine leben. Oftmals will man seinem Partner oder seiner Partnerin den Seitensprung beichten, weil Schuld- und Angstgefühle Überhand nehmen und ein "Doppelleben" unglaublich schwierig zu führen ist. Ein klärendes Gespräch setzt der Unehrlichkeit, der Geheimniskrämerei und den Lügen ein Ende. Es gibt keine "gute" Herangehensweise an eine solche Beichte, weil sie sehr wahrscheinlich das Vertrauen zerstört, das für eine erfüllende emotionale Bindung nötig ist.

Jo Hemmings

Jo Hemmings arbeitet als Verhaltens- und Medienpsychologe und Dating-Coach.

Es gibt tatsächlich Situationen, in denen es besser ist, dem Partner oder der Partnerin nicht vom Seitensprung zu erzählen. Wenn es sich zum Beispiel wirklich nur um einen einmaligen Fehltritt gehandelt hat, dann erfüllt eine Beichte keinen produktiven Zweck – außer das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen.

Wenn du deine Untreue jedoch unbedingt beichten willst, dann musst du dir vorher auf jeden Fall deine eigenen Beweggründe dafür klarmachen. Hast du mit Schuldgefühlen zu kämpfen und willst lediglich diese Last loswerden? Glaubst du, einen schrecklichen Fehler gemacht zu haben, der eigenlicht gar nicht zu dir passt? Willst du, dass dein Partner oder deine Partnerin dir verzeiht? Willst du, dass ihr zusammenbleibt? Oder empfindest du das Ganze als eine Art Gefühlstest und hast schon Trennungsgedanken im Hinterkopf? Du kannst vielleicht nicht genau einschätzen, wie dein Partner oder deine Partnerin reagieren wird, aber du musst dir sicher sein, welches Ergebnis du dir von dem Gespräch erhoffst. Außerdem musst du auf eine ganze Reihe von Fragen vorbereitet sein, denn "Ich weiß nicht." ist nie eine gute Antwort.

"Erwarte kein Mitgefühl. Und rede nach der Beichte nicht noch ewig weiter."

Falls dein Partner oder deine Partnerin dich nicht schon mit einem Verdacht konfrontiert hat, dann musst du die Beichte gut planen. Spontan kommt so etwas nie gut, genauso wenig wie kurz vorm Fortgehen, während einer Party oder wenn ihr Gäste erwartet. Wähle einen Moment, in dem kein Druck herrscht, und bereite nichts Außergewöhnliches wie ein schickes Abendessen vor. Das Ganze muss so normal wie möglich wirken. Setze dich mit deinem Partner oder deiner Partnerin aufs Sofa und sage ihm oder ihr, dass ihr reden müsstet. Komme schnell zum Punkt. Falls du dabei deinen Emotionen freien Lauf lassen musst, dann ist das vollkommen in Ordnung.

Auch wenn du sagst, dass dir die ganze Sache unglaublich leid tut: Erwarte kein Mitgefühl. Und rede nach der Beichte nicht noch ewig weiter, sondern lass deinen Partner oder deine Partnerin erstmal darauf reagieren. Stell dich auf Geschrei, Wut, Tränen, Ungläubigkeit und Stille ein. Falls die Beziehung sowieso schon gebröckelt hat oder der Partner beziehungsweise die Partnerin wegen deines untypischen Verhaltens irgendetwas anderes – zum Beispiel eine schlimme Erkrankung – erwartet hat, dann könnte dein Gegenüber sogar etwas erleichtert sein.

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