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Therapie

Dieser Künstler verwandelt Ängste und Depressionen in bittersüße Comics

"An Depressionen und Angstzuständen zu leiden, ist unglaublich scheiße, ekelhaft und langweilig", sagt @alecwithpen. "Und verdammt witzig."

von Eleanor Lambert
06 Juni 2018, 9:07am

Alle Illustrationen: Alec MacDonald

Ein altes Sprichwort besagt, Lachen sei die beste Medizin. Aber mal ehrlich, das ist ein ziemlich beschissener Ratschlag. Denn leider hat der Kampf gegen Angstzustände und Depressionen nichts Witziges. Aber für Alec MacDonald, den Macher hinter dem Instagram-Account @alecwithpen, hat der Weg zur Comedy dann doch über sein – laut eigener Aussage – "kaputtes Gehirn" geführt.

"Nachdem ich jahrelang mit Medikamenten gegen meine klinischen Depressionen geliebäugelt hatte", erzählt MacDonald, "stellte ich meinen Stolz endlich hinten an, sah ein, dass in meinem Gehirn etwas schiefläuft, und wollte das endlich mit etwas anderem bekämpfen als Arbeitssucht, Witzen, Selbsthass und 'Spaß mit Freunden'. Denn das alles waren nur unzureichende oder ablenkende Gegenmittel."

Als MacDonald anfing, das Antidepressivum Lexapro zu nehmen, fühlte er sich besser, gleichzeitig aber wie gelähmt. "Das war wie eine verkürzte zweite Runde Pubertät, nur ohne die ganzen Erektionen", sagt er. Als er sein Gehirn quasi neu kalibrierte, kam in MacDonald das Verlangen auf, wirklich die Kontrolle über sein Leben zu erlangen – "so als würde ich richtig daran teilnehmen".


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Zwar hatte MacDonald als Kind gemalt, als Erwachsener tat er das jedoch kaum noch. Eines Tages drehte er während einer Therapiesitzung auf Lexapro durch, woraufhin ihn sein Arzt bat, nach Hause zu gehen und ein Selbstporträt zu zeichnen. Das hatte MacDonald noch nie zuvor gemacht.

"Zu Hause zeichnete ich dann 1.000 Versionen von mir, bis ich beim Anblick einer Zeichnung nicht das Gesicht verziehen musste", sagt er. "Dann kaufte ich mir Zeichenblöcke und teure Stifte. Damit setzte ich mich zwei Wochen lang in verschiedene Cafés und dokumentierte täglich, wie ich mich fühlte – nämlich nicht gut."

MacDonald bezeichnet seine ersten Selbstporträts als "etwas egozentrisch und inzestuös, wie wenn man sich beim Sex für einen kurzen Moment im Spiegel sieht". Und er lernte beim Zeichnen sich selbst besser kennen: "Durch das Zeichnen kann ich mich selbst betrachten", sagt er. "Und gegen meinen lebenslangen Reflex ankämpfen, mich selbst immer abzuwerten."

Psychische Probleme wie Angstzustände und Depressionen gehen oft mit Selbsthass einher. Da hat MacDonald gemerkt, dass seine sarkastisch witzigen und gleichzeitig so treffenden Illustrationen eine Möglichkeit bieten, "in Zeiten des Leidens sich selbst ein Freund zu sein".

"An Depressionen und Angstzuständen zu leiden, ist unglaublich scheiße. Das Ganze hat absolut nichts Glamouröses oder Dramatisches an sich, auch wenn das manche Filme so darstellen wollen. Es ist ekelhaft und langweilig", sagt MacDonald. "Und verdammt witzig. Ich meine, wenn man auf seinem dreckigen Ikea-Teppich liegt und die Energie oder den Mut sucht, um sich über Deliveroo einen Burrito zu bestellen, dann muss man das doch irgendwie witzig finden. Natürlich nicht in dem Moment, aber rückblickend."

Die Comics sind für ihn ein Mittel, seine Gefühle offen zu zeigen: "Jetzt habe ich aber diese Plattform, auf der ich mein hässliches Innenleben rauslassen kann. Und mein Publikum fühlt sich genauso oder findet das Ganze zumindest witzig. So bekomme ich das Gefühl, Herr meiner Probleme zu sein."

Trotz der vielen Dankesnachrichten, die in MacDonalds Postfach landen, will sich der Künstler nicht als Stimme einer Community sehen. "Ich finde es komisch, mir für so etwas auf die Schulter zu klopfen. Aber ich bin stolz darauf, dass ich mir und Leidensgenossen eine eigene kleine Internet-Nische geschaffen habe, in der ich Witze darüber machen kann, sich die ganze Zeit beschissen zu fühlen."

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