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Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.

The Noisey-Guide to Queer-Rap

Ein idiotensicherer Führer durch homosexuelle Raplandschaft für Heten wie euch.

04 Oktober 2012, 2:00pm

Hey Mykki, du bist so doll!

Manchmal können Rapper ziemlich fantasielos sein. Wenn ihr das Wort „Schwuchtel“ aus dem HipHop-Wortschatz nehmt, dann könntet ihr so ziemlich jeden Rap-Battle abwürgen und Twitter-Zoff und Diss-Tracks würden zu einem brutalen Gestotter, als ob South Parks Jimmy gerade das Mikro ergattert hätte.

Also, als durchsickerte, dass es irgendwo eine Ghettofabrikgemeinschaft schwuler Rapper, Produzenten und DJs gibt, die in einem Undergroundkämmerchen irgendwo in New York lebt, ist die Blogwelt schnell zusammengebrochen. Diverse Blogger klinkten sich ein, verzweifelt auf der Suche nach einer Möglichkeit zu beweisen, wie aufgeschlossen sie sind und so hat die liberale Musikpresse eine Kampagne der gutgemeinten Toleranz gestartet, um den Wechsel weg vom Hyper-Hetero zu feiern, den der moderne Hip Hop definiert. Problem: die neuen Fans ignorierten bei dem Thema so ziemlich alles, das nichts direkt mit Analsex und Transvestismus zu tun hat.

Irgendwas stimmt nicht, oder? Glücklicherweise bin ich diesen Sommer mit fast mit jedem kleinen Player in der NYC-Szene zusammengestoßen, von Zebra Katz bis zu Mykki Blanco und Venus Y. Daher habe ich den Bullshit aufgeräumt und einen Crashkurs über „Queer-Rap“ aufgestellt.

Die erste Regel über „Queer-Rap“ ist...

Ihr werdet das NICHT Queer-Rap nennen. Ich habe diesen Fehler gemacht und von Venus X sprichwörtlich eine gewischt bekommen für meine Ignoranz. Natürlich konnte sie nicht sehen, dass ich an der anderen Seite der Telefonleitung mit meinen Fingern Gänsefüßchen machte. Schwul ist kein Genre. Und kommt schon, da ist so viel mehr an diesen Typen, als auf Tabletten benebelte Nächte. Zweitens—sie rappen. Aber es ist kein HipHop, sie beziehen sich stetig auf den Tanzsaal, aber es ist nicht Mode; die Scheiße ist verwirrend. Egal wie sehr ihr versucht, sie in Genres einzuzäunen, sie werden immer einen Weg finden herauszukommen. Aber Le1f nennt sich selbst einen „Gayngsta“ auf seinem Mixtape Dark York, daher gehe ich davon aus, dass Gayngsta-Rap ein durchaus angebrachter Begriff ist.

Venus X

Sie ist die unerwähnte Stammmutter der Szene, disst öffentlich Diplo dafür, ein „heteronormative piece of shit…that just capitalizes on whatever is hot at the moment“ zu sein, nachdem er Zebra Katzs „Ima Read“ bei Mad Decent veröffentlichte, was zudem die Heimat vom berühmte Homophoben Vybz Kartel ist. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund.

WIE AUCH IMMER. Warum sollte sich irgendwer einen Scheiß für sie interessieren? Zurück in der langweiligen Zeit von 2009: Ein Abend in NY hat mehr mit einem Hirsch in Newquay gemeinsam, abzüglich der Leute, die sich wie entkommendes Vieh verhalten. Also hat es Venus selbst in die Hand genommen, eine monatliche Clubnacht zu starten, wo sich so ziemlich jeder ihrer iPod Playlist unterwerfen musste. Normalerweise wenn normale Leute so etwas versuchen, treffen sie auf verwirrte Blicke ihrer Freunde und trotz Beschwörungen wie „WARTE! Es wird super, ICH SCHWÖRE!“. Das war für Venus allerdings kein Problem. Die Leute liebten ihre Kombination aus Ghettobeats und Gothic-Geräuschkulisse.

Venus X, head ball-breaker.

GHE20 G0TH1K

So heißt die obengenannte Party von Venus, die durch Brooklyn und Manhatten reist, wie ein eingängiger Dr. Luke produzierter STI. Sie zeichnet sich durch einen vielseitigen Mix aus Uptown Transen, schwulen Jungs aus Downtown, Hipsters aus Brooklyn, Harlems Gangsters, Studenten und wahrscheinlich den seltsamen alten Bürotypen, der mit seinem Penis auf der Jagd ist, während seine Frau und seine Kinder zu Hause schlafen aus.

Die Vielseitigkeit ist zu einem sicheren Platz geworden, um Ideen auszuprobieren und kreative Extreme zu pushen. Venus hat Performern ein kreatives Ventil gegeben, was sonst niemand machen würde. Und so wurde es zum Ground Zero für diese Szene. Viele Residents, geben auf dieser Tanzfläche ihr Debüt, bevor sie zur großen Bühne übergehen.

The Main Players

Das Duo House of LaDosha aus Brooklyn war ein der Acts, die heute durch die Musikwelt stolzieren, nachdem sie ihren Start bei GHE20 G0TH1K hatten. Le1f und Mykki Blanco waren bloß ein Haufen Trottel in der Menge, bevor sie den Schritt zu den ehrlichen „Gayngstas“ machten und sich ihren Weg in das Mainstream Bewusstsein erarbeiteten. Was aber all diese Hauptakteure perfektioniert haben ist den Internetfluch vermieden zu haben, von RLVNT zu Vergänglichkeit innerhalb einer Tumblr-Sekundenbegeisterung zu geraten. Warum? Sie beherrschen eine leicht schizophrene Sound-Palette, die von Trap-Rap, Baltimore Club, Juke, Vogue Cold Wave, Horrorcore bis Noise reicht. Bei der Hälfte dieser Begriffe weiß doch niemand, was das überhaupt sein soll? Aber ihr könnt nicht sagen, dass sie nicht alle ihre Grundlagen gelernt haben.

The subtly dressed House Of Ladosha

No Homo

Eine Sache die praktischerweise übersehen wird, ist die Tatsache, dass dort eine Menge heterosexueller Typen involviert sind. Eigentlich sind schwule Typen immer noch eine Minderheit—Physical Therapy und Fatima Al_Qadiri sind die reinen, treuen Anhänger, während AarabMuzik, Brenmar, Nguzunguzu und Kingdom einige von den vielen Heterogästen sind und die Tischdecke bei GHE2O G0TH1K schmücken. Aber das interessiert niemanden; Heteros sind jetzt langweilig.

Fight the Power

Schon wieder. Die Medien lassen euch denken, dass es eine Art anthropologische Reaktion auf Homophobie im HipHop ist, ein Stonewall-Riot des 21. Jahrhunderts. Aber in Wahrheit scheißt jeder darauf. In ihren Augen zählen DMXs Meinungen so viel wie David Ickes. Die zertifizierten Gayngstas haben keine Intention den Hip-Hop Lamestream zu penetrieren und dafür mehr Macht für sie zu ergattern.