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Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.

Spotify wird mit seltsamen Yoga-Remixes überschwemmt

Windspiel-Ambienttracks sind für Weicheier. Hol die Matte raus und dreh Slipknot auf. Namaste!

13 August 2014, 7:55am

Bei einem Ausflug in Spotifys Untiefen—noch weit hinter den Panflöten Reworks von Indie-Hits und Arnold Schwarzeneggers Total Body Workout-Mix—bin ich über etwas gestolpert, das sich ‚Yogafication’ nennt. Dieser Begriff beschreibt die Art und Weise, wenn du es nicht schon längst geraten hast, auf die ein Popsong zu einem dieser beruhigenden Arschflöten Sounds transformiert wird, die in der Regel die Stärkung des Vishudda Chakra begleiten.

Ich muss sagen, dass mir die ganze Angelegenheit etwas komisch vorkam. Vielleicht lag das alleine schon daran, dass die schier unglaubliche Auswahl an Songs etwas verstörend wirkt, die hier in ein verrenkungstaugliches Format umgewandelt wurde. Dazu kommt aber noch, dass viele der Songs eigentlich von total unentspannten und negativen Dingen handeln wie Cowboys aus der Hölle, Vergewaltigung und Frauenfeindlichkeit. Andererseits mussten Yogis wahrscheinlich schon viel zu lange darauf warten, endlich etwas anderes hören zu können, als die üblichen Windspiel-Ambienttracks und das künstliche Meeresrauschen aus der Dose. Also los, die Matte ausgerollt, hingelegt und lasst uns dieses unerforschte Reich aus Harfen, Glockenspielen, Xylophonen und Slipknot erkunden. Wenn wir uns dann auf dem Weg in höhere Bewusstseinsstufen befinden, sollten wir es aber tunlichst vermeiden, uns die Ohren abzuschneiden.

Hier sind einige der grenzwertigsten Exemplare, zu denen man im Lotus-Sitz ein- und ausatmen kann.

„Blurred Lines“—Robin Thicke

Lasst uns damit beginnen, uns vorzustellen, wie an der verschwitzten Hackfresse von Robin Thicke die Dollarnoten hinunterregnen. Halbnackte Mädchen wackeln mit Brüsten und Popos um ihn herum, während wir unser inneres Zentrum finden. Wenn wir dann zu dem Teil kommen, in dem T.I. rappt „Tearing your ass in two“, versuchen wir einfach, diesen frauenfeindlichen Scheiß auszublenden, und lehnen uns so richtig in die Dehnung.

Vorgeschlagene Pose: Der widerspenstige Hund

„Polly“—Nirvana

Jetzt, wo wir uns langsam aus unserer Ausgangsposition bewegen, gibt es wohl nichts Besseres, um unsere Chakren in Wallung zu bringen, als diesen Klassiker aus der Feder von Kurt Cobain. In dem Text geht es um die Vergewaltigung und die Folter einer Teenagerin.

Vorgeschlagene Pose: Die traumatisierte Kobra

„Sunday Bloody Sunday“—U2

Nach diesem eher verstörenden Zwischenspiel bin ich mir sicher, dass uns nur Erinnerungen an konfessionelle Gewalt durch die nächste Position bringen können. Kannst du dir vorstellen, mit Bono Yoga zu machen? Glaubst du, er würde dabei auch seine Sonnenbrille und seine Lederjacke anbehalten?

Vorgeschlagene Pose: Der sich biegende Bono

„Red Right Hand“—Nick Cave and The Bad Seeds

Vielleicht fragst du dich gerade, wie wir es wohl weiterhin schaffen, dich in diesem Zustand absoluter Tiefenentspannung zu halten, aber mach dir keine Sorgen. Dieser Track entfaltet langsam seine Geschichte über rachsüchtige Götter und eine blutüberströmte Einöde. Außerdem beginnt er wie eine Coverversion der In The Night Garden-Titelmelodie durch die Muppet Babies. Du befindest dich jetzt im Garten und Nick Cave sieht aus wie Igglepiggle. Was schimmert da in seiner Hand? Du bist Eins mit dir. Atme.

Vorgeschlagene Pose: Red Right Handstand

„Snuff“—Slipknot

Eine Textzeile dieses Tracks lautet: „I couldn’t face a life without your light“. Wer hätte gedacht, dass diese Typen, die früher mal auf der Bühne in ihre eigenen Masken gekotzt haben, poetische Einzeiler schreiben können, die sich ideal für eine transzendentale Neuausrichtung eignen?

Vorgeschlagene Pose: Die geschmeidige Ziegenüberraschung

„Stinkfist“—Tool

Ich stelle mir gerne vor, dass so etwas dabei rausgekommen wäre, hätte man James Maynard Keenan jemals darum gebeten, zusammen mit Enya die Musik für Holiday On Ice zu schreiben, .

Vorgeschlagene Pose: Das freche Werkzeug

„Seasons in the Abyss“—Slayer

Dank der immer gleichen irdischen Blasinstrumente und spirituellen Synthiesounds klingen die Tracks langsam alle ziemlich ähnlich, aber was soll’s? Warum sollten wir uns nicht an einer Kobra versuchen und dabei einer Band lauschen, deren Texte vornehmlich um Themen wie Serienmörder, Nekrophilie, Satanismus, Religion, Anti-Religion und Krieg gehen. Fühle es! Du bist Eins.

Vorgeschlagene Pose: Der blutüberströmte Kranich

„Hey Brother“—Avicii

Ehrlich gesagt, ist das hier wesentlich angenehmer zu hören als Aviciis Elektro vs. Country vs. Geschmack Original. Obwohl—und das ist jetzt der Punkt, an dem eine Matte mit besonders guter Griffigkeit praktisch wird—versuche, nicht die Balance zu verlieren, wenn in der dritten Minute der Drop einschlägt und dir deine Gesichtszüge völlig entgleisen.

Vorgeschlagene Pose: Der EDM-Adler

„Cowboys From Hell“—Pantera

Ich bin davon überzeugt, dass es sich hierbei um einen Fehler handeln muss. Das hier ist doch tatsächlich die Begleitmusik aus einer Korridorszene in einer Harry Potter Porno-Parodie. Du weißt schon, die Szene, in der Ron zufällig Harry über den Weg läuft, die beiden einen Blick—eventuell auch ein paar Worte—austauschen und daraufhin aus unerfindlichen Gründen vierzig überaus akrobatische Minuten folgen.

Vorgeschlagene Pose: Der gebückte Dobby

„Party Rock Anthem“—LMFAO

Jetzt ist es langsam an der Zeit, wieder zur Ruhe zu kommen. Welche Musik passt dazu besser als Bro-Rap, der auf einer Harfe gespielt wird? Alle im Ashram hören jetzt bitte auf, zu shuffeln, und vergesst nicht, wenn ihr heute eine Sache mit nach Hause nehmt, dann die: Hatin’ IS bad (für das höhere Bewusstsein).

Vorgeschlagene Pose: Der Spandex-Storch

„Poker Face“—Lady Gaga

Nun sind wir fast am Ende und wechseln noch einmal in eine verstörende Mantra-Phase. Man sagt, dass das Singen von ‚Ooom’ dich Eins mit der Uressenz des Universums werden lässt. Das gruselige Xylophonsolo in diesem Track erfüllt den gleichen Zweck. Namaste, Motherfuckers!

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