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Auf schwedischen Festivals gab es am Wochenende dutzende sexuelle Übergriffe—schon wieder

Während beim Putte i Parken unter anderem eine 12-Jährige begrapscht worden sein soll, wurden auf dem Bråvalla Festival Vergewaltigungen angezeigt.

05 Juli 2016, 1:02pm

Es ist Sommer, es ist Festivalsaison. Wie jedes Jahr strömen unzählige Menschen auf Äcker, an Seen und in Städte, um sich tagelang Live-Musik, Handbrot und Alkohol hinzugeben. Wenn aber so viele Menschen auf engem Raum "eingesperrt" sind und ihre schwindenden Sinne eventuell durch Drogen weiter vernebelt werden, kann es mitunter auch verdammt düster werden. Diebstähle, Körperverletzungen, sexuelle Übergriffe—während Letzteres auf deutschen Festivals zahlenmäßig glücklicherweise nicht allzu oft vorzukommen scheint, hat Schweden echt ein Problem: Vergangenes Wochenende kam es auf zwei Festivals wieder zu dutzenden Sexualstraftaten und sogar Vergewaltigungen.

Auf dem Putte i Parken bei Karlstad, wo unter anderem die "Final Countdown"-Europe spielten, hat es laut Spiegel ca. 25 Anzeigen wegen sexuellen Übergriffen gegeben. So wurde beispielsweise eine 17-Jährige "aus einer Gruppe heraus am Hintern betascht". Auch ein Vater musste mitansehen, wie ein Fremder seiner Tochter in den Schritt grapschte. Sogar eine 12-Jährige befindet sich unter den Opfern.

Auf dem größten Festival Schwedens, dem Bråvalla Festival bei Norrköping (diesjährige Headliner: Rammstein, Volbeat, Macklemore), war es noch schlimmer. Hier wurden gleich fünf Vergewaltigungen angezeigt. Besonders heikel ist dabei, dass wir erst im Januar darüber berichtet hatten, dass die schwedischen Behörden die sexuellen Übergriffe der vorherigen Festivalsaison runtergespielt hatten. Die Festivals hatten darauf eigentlich mit Maßnahmen reagiert, um weitere Verbrechen zu verhindern. Dass die Zahlen jetzt trotzdem so hoch sind, läge vielleicht daran, dass viele Frauen sich erst jetzt trauen würden, Anzeige zu erstatten, so laut Spiegel ein Polizeisprecher.

Nach der Silvesternacht in Köln und der darauf folgenden gesellschaftlichen Diskussion könnten also auch hierzulande Frauen neuen Mut gefasst haben, eher Anzeige zu erstatten. Dass die bekannten Zahlen bisher trotzdem so niedrig sind, könnte bedeuten, dass es tatsächlich nicht so häufig zu solchen Übergriffen kommt—oder diese nicht gemeldet werden.

UPDATE: Mumford and Sons, die auch auf dem Bråvalla Festival gespielt haben, veröffentlichten jetzt auf Facebook ein Statement. Solange die Veranstalter und Polizei nicht zeigen, dass sie etwas Wirkungsvolles gegen solche Übergriffe tun, wollen sie nicht mehr auf dem Festival spielen.

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