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Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.

Wie du in sechs Schritten deine erfolgreiche Karriere als Rapper zerstörst

Befindest du ich gerade auf dem besten Wege eine erfolgreiche Rap-Karriere zu starten? Oder bist du sogar schon ein erfolgreicher Rapper? Zeit, deine Karriere zu zerstören.

28 April 2014, 1:00pm

Die hochgeschätzten Kollegen vom Complex Magazine haben vor kurzem eine Liste veröffentlicht, in der sie die zehn häufigsten (und effektivsten) Wege aufgezeigt haben, mit der man sich als Rapper in den Vereinigten Staaten ins Karriere-Aus schießt. Daraus können wir und vor allem die Rapper hier in Deutschland jede Menge lernen. Weil die Rapszene hier bedeutend kleiner ist und viel zu viele Musiker was vom überschaubaren Kuchen abhaben wollen, haben wir uns mit Stift, Papier und Hennessy in die Hood begeben und präsentieren euch jetzt voller Stolz den ultimativen Plan zur Dezimierung der Deutschrap-Population.

1. Übertreibt es mit öffentlichen Liebeserklärungen

Ihr seid Deutschrapper und wie wir alle wissen, macht euch das zu einer unendlich coolen Schimäre aus Rambo, einem Super Sayajin, Scarface, Ghetto-George Clooney und einem mit maskulinen Tribute überladenem Raubtier eurer Wahl. Dieses pathosschwangere Selbstbild lässt sich innerhalb von wenigen Sekunden pulverisieren, wenn ihr zeigt, wie klein euer Penis wirklich ist—oder ihr einfach ein superpeinliches Liebeslied aufnimmt. Es gibt gute HipHop-Songs, in denen es um Liebe geht (und ich schäme mich zugeben zu müssen, dass eines davon von Max Herre ist), die sind aber tatsächlich in der Unterzahl. Euch fehlt Inspiration? Hört das „L.O.V.E.“-Album von Eko Fresh und Valezka rauf und runter oder zieht euch Manuellsens „Ihr bringt mich dazu“ circa ab der Hälfte rein. Ein Glück, dass die „afrikanische Gazelle“ das Game sowieso hinter sich lassen wollte, nach Zeilen wie „Ich bin auf dem richtigen Weg, Schatz. Du musst zurückkommen, Baby!“ wäre sowieso nicht mehr all zu viel gegangen. Was diese beiden Beispiele außerdem zeigen: Valezkas Vagina tötet Karrieren. Ebenfalls ein ganz heißer Tipp ist „Endgültig“ von Taichi, allerdings vor allem wegen seinem Gesicht im offiziellen Musikvideo.

2. Tretet von eurem Rücktritt zurück

Man kennt das: Ein Paar streitet sich. Partner A springt schließlich auf und kündigt dramatisch an, dass es das jetzt war und er für immer gehen wird. Partner B ruft „Mach doch!“ und dreht sich motzig weg. Partner A steht noch eine Zeit lang unschlüssig in der Tür und geht wirklich, obwohl er eigentlich nur wollte, dass Partner B ihn tränenreich aufhält. Die Beziehung ist zu Ende. Unglücklich, aber jeder hat sich so etwas wie Stolz bewahrt. Eine Woche später steht Partner A wieder vor der Tür und meint, es wäre doch alles nicht so gemeint gewesen. Partner B und seine fünf neuen Affären hassen ihn. Es gab schon genug Künstler innerhalb der Deutschrap-Landschaft, die den eigenen Rücktritt angekündigt haben, als wäre es mit dem Ende des Morgenlandes gleichzusetzen. Anstatt sich dann aber wirklich zu verpissen und niemanden mehr mit der eigenen Existenz zu belästigen, kommen sie wenige Monate später wieder zurück oder tun schon Wochen nach dem finalen Statement so, als hätten sie nie von Rücktritt gesprochen. Wenn gnadenlose Ignoranz oder tiefster Hass für euch positiv konnotierte Begriffe sind, solltet ihr in jedem Fall diesen Weg einschlagen, den vor euch beispielsweise schon Sentino gegangen ist.

3. Erfindet euch für jede Platte neu.

Madonna war über Jahre hinweg vor allem deshalb relevant, weil sie immer wieder mit einem komplett neuen Style um die Ecke gekommen ist, der in aller Regel konsequent umgesetzt, gut durchproduziert und im Rahmen der Möglichkeiten eines Pop-Acts auch irgendwie authentisch war. Wenn ihr auf jeder Rap-Platte anders rappt, anders ausseht und andere beste Freunde habt, dann seid ihr nicht eine kreative Ikone der HipHop-Szene. Dann verliert ihr stattdessen auch die wenigen Fans, die euch über mehrere lahme Releases hinweg noch die Stange gehalten haben, lenkt vollends davon ab, dass ihr unter Umständen eigentlich ein ganz passabler Rapper seid und könnt höchstens noch darauf hoffen, bei RTL-Produktionen vor einem Greenscreen zu sitzen. Ihr seid euch nicht ganz sicher, wie ihr das am Besten durchzieht? Ich empfehle die nahezu komplette Diskographie von Eko Fresh und Raptile. Vielleicht hilft euch aber auch der nächste Punkt weiter…

4. Übernehmt unreflektiert Trends aus anderen Ländern

„Stromberg“ schaffte es hierzulande zu größerer Bekanntheit als das britische Original „The Office“ und vom US-Serienhit „Breaking Bad“ soll es jetzt einen Ableger mit Pastian Pastewska geben—warum also sollte es nicht funktionieren, Trends aus der weltweiten Rapszene einfach ins Deutsche zu übersetzen? Ich werde es euch sagen: Weil es zu 99 Prozent nicht funktioniert. Das beste Beispiel für das komplette Fehlverständnis ausländischer Trends ist die deutsche Dipset-Bewegung, deren wohl prominenteste Fehlgeburten „High Society“ von Smexer und Kid Kobra, sowie „I Love Fashion“ von—ihr ahnt es schon—Sentino sind. Auch Flers noch ansatzweise aktuelle Versuche, Trap auf Deutsch zu machen, wurden von der Szene größtenteils abgelehnt und wenn ihr diesen karrieretechnischen Schleudersitz noch für euch nutzen wollt, müsst ihr schnell sein. Langsam scheinen der Szene die fragwürdigen Trends auszugehen.

5. Startet Beef mit jemandem, dem ihr nicht gewachsen seid

Diesen Punkt haben wir zugegebenermaßen aus der Liste der Complex-Kollegen übernommen, dass es aber auch hierzulande so viele Opfer begnadeter Battle-Rapper gibt, bestätigt aber nur wie universal HipHop dann manchmal eben doch ist. Mit „Ein Guter Tag Zum Sterben“ schlachtete Kollegah 2007 seinen damaligen Kontrahenten Separate geradezu ab—und das mit vermeintlichen Fakten, die sich im Nachhinein zum Großteil als erfunden herausstellten. Wenn du auch noch fünf Jahre später zum Release des neuen Albums darauf angesprochen wirst, ob du wirklich nur einen Hoden hast, dann hast du definitiv verloren. Für immer. Kolles Partner in Crime Farid Bang reicht zwar lyrisch bei Weitem nicht an seinen Kumpel ran, ist aber der ungekrönte König des Interview-Beefs. Wer in nahezu jedem Pressegespräch über Monate hinweg immer wieder auf einen neuen Feind eindrischt, macht auch stärkere Personen als Franky Kubrick zu gebrochenen Männern. Andere Kontrahenten-Tipps für den finalen Beef: Kool Savas, Bushido, Al Gear (die „Dreckstück“-Verarsche „Miststück“ ist pures Gold)


6. Tretet im ZDF Fernsehgarten auf

Zugegeben, als das einigermaßen berühmte Video von Kay One im Schnee entstand, war der gute Kenneth Glöckler dank Bushido schon vollkommen unten durch (siehe Punkt 5). In der allgemeinen Aufregung um dieses Anfang Januar 2014 entstandene Goldstück der deutschen Fernsehgeschichte ist an der HipHop-Community weitestgehend vorbeigegangen, dass Kay One schon im Sommer 2013 einen Auftritt im Fernsehgarten hatte. Das ist eine beeindruckend konsequent durchgezogene Zerstörung der eigenen Karriere.

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