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Popkultur

One-Night Stands

Chris Nieratko ist drei Wochen von seiner Frau getrennt. Zusammen mit seiner Unbeholfenheit im Umgang mit Nutten könnte das tödlich werden.

von Chris Nieratko
22 November 2013, 8:50am

 

Regie: Nicholas Steele
Bewertung: 8
adameve.com

In einem früheren Leben war ich Jacques Cousteau und umreiste auf der Suche nach Abenteuern die ganze Welt. Es ist noch nicht mal zwölf Jahre her, dass ich 28 Tage im Monat auf Skateboardtouren im Ausland verbracht habe. Ich war so selten zu Hause, dass ich mich entschloss, mein Apartment aufzugeben. Stattdessen verbrachte ich lieber eine Nacht in einem fremden Bett oder unter meinem Schreibtisch bei dem legendären, mittlerweile nicht mehr existierenden Skatermagazin Big Brother. Irgendwann lernte ich dann meine Frau kennen, zog wieder nach New Jersey, bekam zwei Söhne und ließ mich auf ein friedliches Vorortdasein ein. Es vergeht jedoch kein Tag, an dem ich mich nicht nach der frischen Luft eines neuen, unbekannten Ortes sehne und mir wünsche, mich in einem unerklärlichen Dilemma auf fremdem Boden wiederzufinden und gerade noch mal mit dem Leben davonzukommen. Ich tue mein Bestes, um meine Familie mehrmals im Jahr auf die Straße zu kriegen, aber das ist ein Abenteuer ganz anderer Art. Wenn es hier zu Adrenalinstößen kommt, dann meist deshalb, weil die Kids kurz davor sind, etwas kaputtzumachen, oder wir schnell rechts ranfahren müssen, weil sich eines von ihnen gerade in die Hose macht.

Glücklicherweise arbeite ich für Vans und sie waren so nett, mich auf einen dreiwöchigen Europatrip einzuladen. Ich schreibe dies am Abend vor meinem Abflug und so sehr ich mich darauf freue, Europa mal so richtig aufzumischen, machen sich auch erste Sorgen breit.

Noch nie war ich so lange von meinen Söhnen getrennt. Ich verpasse den ersten Schultag meines ältesten Sohnes und seinen vierten Geburtstag. Noch schlimmer ist­­­­­, und das schlägt mir echt auf den Magen, dass ich 21 Tage keinen Sex haben werde. Das ist die längste sexlose Zeit, seitdem ich das erste Mal mit einer Frau Unzucht getrieben habe. Ich weiß nicht, ob ich das aushalten kann. Also habe ich mich mit meiner Frau hingesetzt, um meine Alternativen zu erörtern. Ich erzählte ihr, dass auf der Reise eine Übernachtung in Amsterdam geplant sei und ich da etwas zu Ende bringen müsste. Sie verstand und gab mir ihre Einwilligung, war jedoch um meine Sicherheit besorgt.

Es war nämlich so, dass ich mich vor elf Jahren, in der Anfangsphase unserer Beziehung, im Rotlichtbezirk von Amsterdam aufhielt. Da ich meine neue Herzdame nicht betrügen wollte, entschied ich mich, eine Tasche voll mit länglichem Gemüse für eine Prostituierte zu kaufen, damit diese sich damit selbst befriedigen könnte, während ich masturbierte: Also absolut kein Körperkontakt und ich war trotzdem bereit, den vollen Preis zu zahlen. Wie sich jedoch herausstellte, machen sich die Mädels dort nicht viel aus Gemüse. Alle machten sich über meinen Vorschlag lustig. Eine Sexarbeiterin wurde so wütend, dass sie die riesigen marokkanischen Sicherheitsleute herbeirief und mich fast bewusstlos prügeln ließ.

Dieses Mal werde ich älter, weiser und drogenfrei sein. Angesichts der schlechten Wirtschaftslage werde ich sicher eine Abnehmerin finden, um endlich meinen Frieden mit dieser Geschichte zu machen. Andererseits glaubt meine Frau, dass ich genauso dumm und ungeschickt sein werde wie immer, sobald eine Vagina in der Nähe ist. Außerdem befürchtet sie, dass die Marokkaner dieses Mal nicht so nett sein werden.

„Kannst du dir nicht einfach eine dieser Sexshows anschauen und dir in einem Raum voll mit Leuten einen runterholen?“, fragte sie. „Ich glaube, das ist sicherer. Und es ist wahrscheinlicher, dass ich dich in einem Stück zurückbekomme.“

Ich erinnerte sie daran, dass auf Nummer sicher gehen keinen Spaß macht. Sie begann zu weinen. Es war, als wüsste sie, dass sie mich gerade das letzte Mal lebend gesehen hatte.
 

Noch mehr Bescheuertes findet ihr auf Chrisnieratko.com und twitter.com/Nieratko. Schaut euch auch die Skinema-Show auf VICE.com an.