Deutschlands meistgesuchte Pornodarstellerin über Autobahnbrücken, Amateurvideos und Anal-Gaping

Außerdem erzählt Lucy Cat, welche Pornos sie selbst schaut, warum sie feministische Filme langweilig findet – und wie sie einmal beim Sex im Casino erwischt wurde.

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März 2 2018, 12:21pm

Alle Fotos zur Verfügung gestellt von Lucy Cat

Es gibt viele Erklärungen dafür, warum Lucy Cat 2017 die meistgesuchte deutsche Pornodarstellerin auf Google und Pornhub war. Sie vermarktet sich und ihren Beruf überall: auf Instagram, wo ihr eine halbe Million Menschen folgen, auf dem YouTube-Channel von Influencerin Katja Krasavice, wo sie sich wahlweise Würstchen oder einen ein Meter langen Luftballon in den Rachen schiebt, oder mit Auftritten beim Supertalent. Fragt man die 24-Jährige selbst, liegt es an ihrer Leidenschaft für Erotik. Vielleicht sind aber auch einfach Videos wie "Doppeldildo auf der Autobahnbrücke" der Grund, dass die Hamburgerin im letzten Jahr zeitweise öfter gegoogelt wurde als Angela Merkel.

Das konnte Lucy Cat wohl kaum ahnen, als sie vor vier Jahren ihr erstes Amateurvideo im Studentenwohnheim eines Kommilitonen drehte. Während andere ihr Studium mit Kellnerjobs finanzieren, verdiente Lucy Cat ihr Taschengeld mit "Student im Wohnheim entsaftet". Vier Semester später brach sie ihr Studium in Schiffsfahrtlogistik ab, um sich ganz auf Pornos zu konzentrieren. Heute produziert Lucy ihre Clips fast komplett selbst.

Lucy ist ein Medienprofi, das merken wir, als wir sie in Berlin treffen. Die Fotos, die unsere Fotografin von ihr gemacht hat, gefallen ihr nicht, sie schickt vor der Veröffentlichung des Interviews andere.

VICE: Stehen Deutsche nicht mehr auf professionelle Pornos?
Lucy Cat: Amateurpornos sind in Deutschland ein ganz großes Ding. Ich glaube, die Leute wollen den Kontakt zu den Darstellern haben und etwas Greifbareres sehen als irgendeinen Pornostar, dem sie höchstens einen Fanbrief schreiben können. Mit manchen Zuschauern fühlt es sich fast wie eine Freundschaft an: Wir wissen viel übereinander und sie teilen mit mir ihre sexuellen Fantasien. Weil ich meine Filme zu 100 Prozent selber produziere, können sie Wünsche äußern, die ich dann umzusetzen versuche.

Nach dem Abi fahren andere nach Lloret, du bist mit deinem ersten Clip durchgestartet. Warum hast du so jung mit Pornos angefangen?
Ich habe mich schon immer für Erotik interessiert. Als Jugendliche habe ich diese ganzen Erotik-Reportagen im Fernsehen geguckt. Eine davon handelte von Amateurpornos und ich dachte mir, dass ich sowas auch könne. Ich habe anschließend nächtelang nach Informationen gegoogelt. Dann entschied ich, es zu versuchen. Der Zeitpunkt passte perfekt: Ich war 19, hatte gerade mein Abi gemacht und es gab keine Schule mehr, die mir etwas verbieten konnte. Ich würde als Studentin nebenbei etwas Taschengeld gebrauchen können und der Vertrag meines Kellnerjobs war auch gerade ausgelaufen.

In einem deiner Clips pinkelst du in einem Großhandel in ein Glas und stellst es zurück ins Regal. Musst du dir immer extremere Dinge ausdenken, um die Zuschauer bei Laune zu halten?
Je abgefahrener ein Video ist, desto besser kommt es an. Es ist aber nicht so, dass die Leute mich unter Druck setzen, krassere Dinge zu tun. Das liegt eher an mir: Ich will immer noch einen draufsetzen und Grenzen weiter ausreizen. Ich sehe die Amateurbranche ein wenig wie YouTube mit sexuellem Content und dieser Ansatz inspiriert mich zu meinen Videos: Ich schaue mir Challenges an und versuche, sie auf in einer pornografischen Weise umzusetzen. Die Leute lieben das und mir machen so kleine Wetten und Spielchen auch viel Spaß. Meine Challenges heißen dann "Wie weit kannst du spritzen?" oder "Wie viele Stöße braucht man, um zu kommen?".

Wie hat der Job dein Sexleben beeinflusst?
Ich hatte mein erstes Mal mit 14. Ich war nie ein Kind von Traurigkeit, aber unglaublich viele Sexpartner hatte ich auch nicht. Mein Beruf hat meine sexuelle Entwicklung einfach beschleunigt: Ich habe meine Sexualität jünger ausgelebt als andere in meinem Alter.


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Gibt es Praktiken, die du dir nicht zutraust?
Ich traue mich alles, aber ich würde keine Gangbangs und Bukkake-Videos drehen. Ich mag es, mich auf einen einzigen Mann zu konzentrieren. Wenn so viele Typen um mich herum sind, geht das Zwischenmenschliche verloren. Mir ist das beim Sex aber wichtig, ich finde andauernde Partnerwechsel auch nicht so geil. Bei meinen Dreier-Szenen ist eher eine zweite Frau als ein zweiter Mann dabei, damit wir uns voll auf ihn konzentrieren können. Meinetwegen können es auch fünf Mädels sein – aber nur ein Mann.

Es dreht sich also alles darum, den Mann zu befriedigen?
Natürlich ist der Höhepunkt des Mannes im Porno das Ziel. Wenn der Typ nicht kommt, ist der Film Schrott. Das heißt aber nicht, dass ich dabei keinen Spaß habe. Und das ist auch für die User wichtig: Die interessieren sich weniger für die Männer als dafür, dass ich total Lust habe.

"Wenn du davon ausgehst, dass den Frauen in normalen Pornos gefällt, was sie tun: Ist dann nicht jeder Porno feministisch?"

Könntest du dir vorstellen, feministische Pornos zu drehen?
Mir gefällt das nicht. Wenn ich selber Pornos schaue, gucke ich mir auch keine feministischen Filme an. Dieses Softe und die Fixierung auf den weiblichen Orgasmus sind mir zu langwierig. Ich will lieber gleich was sehen. Fünf Minuten Action reichen mir, um selber meinen Spaß zu haben. Und wenn du davon ausgehst, dass den Frauen in normalen Pornos gefällt, was sie tun: Ist dann nicht jeder Porno feministisch?

Das ist auch der Grund, warum ich keine professionellen Pornos drehe: Ich möchte die volle Kontrolle haben und das tun, worauf ich Lust habe. Bei professionellen Produktionen wirst du für einen Film gebucht und kannst dir in den meisten Fällen nicht aussuchen, mit wem du drehst oder welche Praktiken du machst. Wenn ich selber Clips drehe, bestimme ich über alles.

Wie sieht dein eigener Porno-Suchverlauf aus?
Analsex, Public Sex und Dirty Talk. Ich suche eher nach Kategorien als nach Darstellerinnen.

Du drehst viele Clips in der Öffentlichkeit. Hat dich schonmal jemand erwischt?
Ich wurde ein Mal erwischt, das war in einem Casino. Ich hatte auf dem Billardtisch Sex, der Clip hieß "Eingelocht". In dem Raum waren aber Kameras, und eine Mitarbeiterin hat uns dann gesagt, wir sollen sofort von den Tischen runter und gehen. Die hat gar nicht mitbekommen, dass ich dort selber gefilmt habe. Ein Clip auf einer Autobahnbrücke [Anm. d. Red.: nicht die Doppeldildos] ist übrigens eines meiner Highlights: Unten haben dauernd die Fahrer der vorkommenden Autos und LKWs gehupt und gewunken. Die Stimmung war sehr ausgelassen.

Wie gehst du sicher, dass dich keine Kinder sehen?
Wenn mir vor dem Public Sex ein Pärchen mit einem Kind entgegenläuft, warte ich noch zehn Minuten, bis sie weg sind. Kämen sie währenddessen vorbei, würde ich den Sex abbrechen. Ich poste auch keine Links zu expliziten Seiten auf Social Media und finde es nicht gut, wenn andere Darsteller das tun. Meine Instagram-Follower sind teilweise zwischen 13 und 17, da kann ich solchen Content nicht teilen. Wer mich und meine Clips finden will, kann das – dafür sind aber dann die Eltern verantwortlich.

Auf welchen Film bist du besonders stolz?
Ich liebe Gaping – wenn man die Arschbacken auseinanderzieht und das Arschloch vergrößert. Im Clip "Anal, weil ich es liebe" ist mir das so gut gelungen, dass ich heute noch jedes Mal stolz bin, wenn ich ihn mir anschaue. Ich glaube, ich habe dafür ein Talent.

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