Foto: Kollegah: imago images/Future Image || Samy: imago images/Future Image || Gzuz: imago images/Jan Huebner || Eppendorf-Gefäß: VICE/Grey Hutton || Collage: VICE

Wir haben herausgefunden, welcher Rapper am meisten über Drogen spittet

Ob Kollegah, 187 Strassenbande, RAF Camora oder Samy: Deutsche Rapper lieben Drogen. Zumindest in ihren Songs. Doch wer hat die meisten Lines über Lines?

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12 April 2019, 10:27am

Foto: Kollegah: imago images/Future Image || Samy: imago images/Future Image || Gzuz: imago images/Jan Huebner || Eppendorf-Gefäß: VICE/Grey Hutton || Collage: VICE

Rap und Drogen gehören zusammen. Gefühlt gibt es in jedem dritten deutschen Raptext der letzten Jahre Koks-Lines. Doch stimmt das wirklich, hat die häufige Erwähnung von Kokain und Cannabis in Raptexten sogar etwas mit dem realen Drogenkonsum in unserer Gesellschaft zu tun? Und wer ist der deutsche Rapper mit den meisten Drogenlines? Wir haben es herausgefunden.

Um diese Fragen zu klären, mussten wir erst mal die richtigen Daten sammeln. Als Grundlage diente uns die "Liste von Hip-Hop-Musikern Deutschlands" auf Wikipedia. Diese Liste verknüpfte der Wissenschaftler Kilian Bühling dann mit einer Suchanfrage bei der Songtext-Datenbank genius.com und generierte so einen Datensatz von 22.802 Texten.


Aus dem VICE-Netzwerk: Das neue Kokain Kolumbiens


Er durchsuchte das Portal auf Schlagworte für Cannabis wie "Blunt, Bong, Joint, Spliff, Cannabis, Bon, Bendsch, Bhang, Brown, Dope, Gage, Ganja, Gras, Grass, Hasch, Haschisch, Kiff, Kraut, Grünes, Gunjah, Maconha, Marihuana, Marijuana, Mary, Warner, Muggles, Piece, Pot, Riefer, Shit, Skunk, Stoff, Tea, Weed, Wood, Mary Jane, Haze und THC". Für Kokain suchten er nach "Kokain, Base, Coke, Crack, Koka, Koks, Puder, Rocks, Roxane, Schnee, Snow, Speedball, Cocain, Coca, Natz". Außerdem nach Wortkombinationen wie Line/Lines, lege/legst/legen/legt oder ziehen/ziehe/ziehst/zieht, baller/ballern/ballert, Nase/Nasen.

Da es unter Oldschoolern anscheinend noch nicht beliebt war, Songtexte im Internet zu archivieren, gibt es kaum Texte von Songs, die vor 2000 erschienen sind. Deswegen haben wir Songs ab dem Jahr 2000 untersucht.

Die erste Erkenntnis: Ja, es stimmt, die Erwähnung von Kokain und Cannabis nimmt in absoluten Zahlen zu. Das könnte aber auch daran liegen, dass die Gesamtzahl an veröffentlichten Rap-Texten stark gestiegen ist.

Drogenerwähnungen pro Song
Grafik: Kilian Bühling

Es lassen sich noch zwei andere Trends ablesen. Während die Erwähnung von Kokain in Raptexten über die Jahre auch relativ gesehen stark ansteigt, scheint die Anzahl der Textzeilen über Cannabis auf einem recht hohen Niveau gleich zu bleiben. Ungefähr 40 bis 50 Prozent aller eingereichten Lyrics handeln von Gras und Kiffen. Ein interessanter Ausreißer ist im Jahr 2010 zu beobachten.

Hier stieg die relative Erwähnung von Koks in Raptexten auf fast 20 Prozent an, während Kiffen plötzlich nicht mehr cool genug für Rapsongs war und die Kifferlines auf knapp 30 Prozent abrutschten. Das änderte sich in den folgenden Jahren zwar wieder und der Hase erholte sich. Doch es wird klar, dass die Erwähnung von Cannabis Moden unterliegt. Der Eindruck, dass das Weiße das Grüne in Raptexten nach und nach ersetzt, ist nicht unbegründet.

Um den lyrischen Drogenkonsum mit der Realität abzugleichen, haben wir uns die offiziellen Polizeistatistiken bis zum Jahr 2017 angesehen. Dabei haben wir zwei interessante Beobachtungen gemacht. Die Anzahl der Fälle von registriertem Cannabisbesitz ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Das schlägt sich ja auch in der Präsenz der Droge in Raptexten nieder.

Der Kokain-Konsum bleibt allerdings über den untersuchten Zeitraum hinweg nahezu gleich niedrig. Die reale Anzahl der Kokain-Delikte hatte also weder im selben, noch im vorherigen Jahr einen Einfluss auf die Erwähnung in Raptexten. Einen Einfluss hat dagegen, ob im Vorjahr über Kokain gesprochen wurde oder nicht. Das heißt: Es wird mehr über Koks gerappt, je mehr über Koks gerappt wird. Rapper folgen anderen Rappern.

Kokain-Songs vs. Cannabis-Songs
Grafik: Kilian Bühling

Wer zuerst auf seinen Songs gekokst hat und wer nur Nachahmer ist, lässt sich anhand der ausgewerteten Daten allerdings nicht nachvollziehen. Einen ersten lyrischen Höhepunkt feierte Kokain aber im Jahr 2005. Da erschienen jede Menge Alben von Künstlern, die maßgeblich für die Verbreitung von Drug-Lyrics in Deutschland verantwortlich sind. Wer also sind die Drogenbarone im deutschsprachigen Rapgeschäft?

Der absolute Gewinner des lyrischen Drogenkonsums und -handels ist Kollegah. Der Boss der Bosse, der Alpha Zentaurus des deutschen Rap-Games, der Imperator rappt in seinen Songs 650 mal über Drogen. Er ist also nicht nur der Boss der Bosse, sondern auch der Boss of Drugs.

Unsere Auswertung nach der absoluten Anzahl von Drogenlines in Songs bietet auch Überraschungen. Die Kiff- oder Koksfreunde Afrob oder Bonez und Gzuz enttäuschen, rappen weniger über Drogen als gedacht. Gerade einmal auf 173 Erwähnungen bringt es Bonez, wenn man alle Songs dazurechnet, die er zusammen mit Gzuz und der 187 Strassenbande aufgenommen hat. Auch ein bekennender Kiffer wie Afrob schafft es gerade mal auf 81 Erwähnungen. Gzuz selbst, den viele Sittenwächter als den Inbegriff der nihilistischen Selbstzerstörung sehen, ist mit 84 Erwähnungen auch nicht viel drogenverliebter.

Vollkommen enttäuscht sind wir von Haftbefehl, der zwar mal Drogendealer war, aber mit 125 Drogenlines noch nicht einmal einen stabilen Durchschnittswert erreicht. Und was ist da bitte los bei Sido? Das Superintelligente Drogenopfer dümpelt mit 216 Drogen-Erwähnungen im Mittelfeld herum.

Fler, der laut eigener Aussage noch nie in seinem Leben gekifft oder gekokst hat, kommt dagegen auf 420 Erwähnungen und RAF Camora ist mit 429 Erwähnungen vorne mit dabei. Auch Samy Deluxe, der alte Kiffer, kommt auf immerhin 366 Cannabis-Lines, während Bushido sich unter Wert verkauft und mit 371 Drogen-Texten nur knapp darüber liegt. Wir haben mehr erwartet von einem Rapper, der vier Alben mit Koks-Anspielung im Titel veröffentlicht hat.

Absolut überraschend ist, dass sich der King of Rap Kool Savas mit 407 Drogenerwähnungen unter den Top drei befindet, nur noch überboten von seinem langjährigen Gegenspieler Eko Fresh, der als absoluter Underdog auf Platz zwei landet. In 488 Texten erwähnt er Rauschmittel. Würden wir alle Texte dazurechnen, die er für andere Künstlerinnen und Künstler geschrieben hat, in denen er aber nicht explizit als Autor erwähnt wurde, wäre er vermutlich die Nummer eins dieser Auswertung.

Herzlichen Glückwunsch, Eko!

Der Drogensong-Durchstarter der jüngeren Generation ist übrigens Capital Bra. In seiner fünfjährigen Karriere erreicht er schon jetzt einen stolzen Wert von 155 Songs mit Drogenerwähnungen. Der Bratan könnte bei seinem hohen Output in spätestens fünf Jahren ältere Kollegen wie Bushido und Kollegah überholt haben, die schon seit fünfzehn bis zwanzig Jahren Musik machen. Bald könnte er der neue King of Drugs werden. Wir sind gespannt.

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