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Dank 'RunGunRunJump' vermisse ich Arcade-Automaten und Wassereis im Freibad

Jetzt eine Reihe Fünfer-Münzen neben dem klebrigen Joystick, einen Cola Kracher zwischen den Zähnen und es wäre echt wie früher.

von Josef Zorn
04 September 2016, 5:00am

Screenshot vom Autor (c) Gambitious / ThirtyThree Games

Als ich neulich meine neue Indie-Liebschaft RunGunRunJump zum ersten Mal gestartet habe, flackerte ein hell blinkendes Neonschild in meinem Hirn auf, mit der simplen Aufschrift: "Gekauft!" Das Spiel ist minimalistisch—was der Titel schon ein wenig vermuten lässt—, hat einen herrlich fiesen Schwierigkeitsgrad und extrem eingängige Stilistik, optisch wie musikalisch. Es ist einfach ein rundum urig gezimmertes Stück Retro-Videospiel. Beinahe gleichzeitig mit der Begeisterungswelle hat bei mir dann auch die Sehnsucht nach einem verloren gegangenen Gaming-Erlebnis eingesetzt; das des Arcade-Automaten.

An diese riesigen Kästen, mit einer Traube aus Kids davor, die sich an den Pixeln wärmen und über sie wundern, erinnere ich mich noch ganz genau. Das waren immer die besten Urlaube in den 90ern—wenn einzelne Arcade-Automaten neben den Wassereis-Maschinen standen, die ständig den bunt gefärbten Sirup rührten. Manche von euch hatten vielleicht das Glück, eine richtige Spielehalle in der Nachbarschaft oder sogar den Prater um die Ecke zu haben.

Alle Screenshots vom Autor (c) Gambitious / ThirtyThree Games

Wie viele Münzen ich mir schon von meinen Eltern für Pang und Street Fighter geschnorrt habe! Stroboskopige Bilder aus Turtles in Time im Freibad, Willow in Südfrankreich und Joe & Mac in Bibione flackern vor meinem geistigen Auge auf, während ich bei RunGunRunJump wild auf der Computer-Tastatur turbotippe.

In RunGunRunJump schießt man, um zu springen und man schießt, um zu schießen—eigentlich einleuchtend. Zwei Knöpfe reichen manchmal völlig aus. Man spielt lediglich mit den beiden Shift-Tasten links und rechts—die Figur sprintet währenddessen selbstständig lebensgefährlich durch die Levels. Man schwebt sauschnell vorbei an Billionen von Geschossen und dreckigen Kreissägen—und nur dein treues Dauerfeuer weist dir den Weg. Trotz dieser intuitiven und binär simplen Steuerung vermisse ich die Joysticks und die dicken Knöpfe der Arcade-Ära.

Es ist interessant, wie viele alternative Spieltitel der letzten Jahre genau auf diese Liebe der Arcade-Gamer abgezielt haben—und warum ich trotzdem erst bei RunGunRunJump tatsächlich das physische Verlangen verspüre, es lieber mit von Fanta und Schweiß verklebten Automatenarmaturen zu spielen.

In den Pixelschlössern von Rogue Legacy zig Stunden reinzupumpen, war auch mit neumodischen Controllern in der Hand die vollkommene Erfüllung. Shovel Knight, Gods Will Be Watching, Gemini Rue, 10 Second Ninja und Nuclear Throne haben nur mit Retro-Grafik und nostalgischem Sound-Design für die wachgerüttelte Kindheitserinnerungen gesorgt.

Egal, ob man jetzt lieber alte oder neue Spiele-Grafik mag, bei RunGunRunJump bin ich erstmals durch die Steuerung ins Schwärmen für die gute alte Zeit gekommen. Diese ungewöhnliche Form von "manueller Nostalgie" liegt wahrscheinlich an der Zwei-Knopf-Mechanik und dem dynamischen Gameplay.

Punktgenaues Timing, Levels auswendig lernen und der Kopf zuckt wild in alle Richtungen vor dem Bildschirm; das ist beinahe perfektes Arcade-Feeling. Jetzt eine Reihe Fünfer-Münzen neben dem Joystick, einen Cola Kracher zwischen den Zähnen und es wäre echt wie früher.

Josef auf Twitter: @theZeffo