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Was passiert, wenn Porno-Stars schwanger werden?

Eine Schwangerschaft bedeutet in der Erotik-Industrie normalerweise das Karriereende, aber manche Darstellerinnen machen sich ihre körperliche Veränderung auch zu Nutze.

von Jessica P. Ogilvie
05 Februar 2016, 10:56am

Foto: Bonnie Rottens Instagram-Account

Als sich Bonnie Rotten eines Sonntags ein Football-Spiel anschaute, tauchte unter einem ihrer Instagram-Fotos plötzlich ein Kommentar auf: „Hört sie jetzt mit Pornos auf oder ist sie nun eine dieser ekelhaften und schrecklichen Mütter?"

Dieser Kommentar folgte auf ein Foto, das Rotten zusammen mit ihrer zwei Wochen alten Tochter zeigt. Sie hat nicht darauf geantwortet, denn sie will den Trollen keine neue Angriffsfläche bieten, aber Beiträge wie dieser sind doch schon so etwas wie Routine geworden, seit die 22-jährige ehemalige Porno-Darstellerin vergangenen Mai verkündet hat, schwanger zu sein.

„Ich bekomme täglich irgendwelche lächerlichen Kommentare", erzählte sie mir. „‚Was bist du bloß für eine Mutter?'; ‚Wie wird sich deine Tochter wohl fühlen, wenn man ihr irgendwann erzählt, dass ihre Mutter von mehreren Typen gleichzeitig weggeflankt wurde?'; oder ‚Wie willst du denn ein Kind großziehen, wenn du dein Geld nur mit Schwanzlutschen verdienst?' Solche dummen Aussagen bekomme ich den ganzen Tag und von allen Seiten zugeschickt."

Rotten legte ihre Porno-Karriere im Februar 2015 auf Eis, um sich ganz auf ihre Schwangerschaft konzentrieren zu können. Damals befand sie sich auf dem Höhepunkt ihres Schaffens und 2014 war sie die zweitjüngste Darstellerin aller Zeiten, die die Auszeichnung „Performer of the Year" bei den AVN-Awards gewinnen konnte. Ihr zufolge hat ihre Schwangerschaft ihr Leben und ihre Karriere komplett verändert.

Laut Mark Spiegler, einem der Top-Porno-Agenten von Los Angeles (er hat schon Stars wie eben Bonnie Rotten, Sasha Grey oder Asa Akira vertreten), kommt es nur selten vor, dass eine seiner Klientinnen schwanger wird. Wenn dieser Fall allerdings doch eintreten sollte, bedeutet das meistens das Karriereende.

„Eigentlich kann ich zu diesem Thema gar nicht so viel sagen", meinte Spiegler zu mir, „denn wenn Porno-Stars schwanger werden, hören sie normalerweise auf."

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Als die Porno-Darstellerin Dana Vespoli 33 Jahre alt und mit ihrem Kollegen Manuel Ferrara verheiratet war, kam in ihr der Kinderwunsch auf. Als sie und ihr Mann dann versuchten, schwanger zu werden, wirkte sich das natürlich auch auf ihre Herangehensweise an ihren Job aus: Sie konnte in Bezug auf ihren Körper nicht mehr so viele Risiken eingehen.

So beschränkte sie sich nur noch auf Szenen mit anderen ausgewählten Frauen, da „eine Infektion natürlich viel wahrscheinlicher ist, wenn man mit vielen Leuten zusammenarbeitet, die alle eine unterschiedliche Bakterienflora mitbringen."

Vespoli hatte vorher elf Jahre in der Porno-Industrie gearbeitet, aber während ihrer Schwangerschaft legte sie dann eine Zwangspause ein. Nach der Geburt wurde ihr schließlich klar, dass eine Rückkehr in ihren Beruf für ihren postpartalen Körper doch eine ziemliche Herausforderung darstellen würde. Porno-Darstellerinnen nutzen ihren Körper für ihre Karriere, Mütter nutzen ihren Körper zum Stillen ihrer Kinder. Dieser Unterschied wurde für Vespoli letztendlich zu viel.

„Ich habe allen meinen Kindern die Brust gegeben", erzählte mir Vespoli, die inzwischen schon dreifache Mutter ist. „In diesem Zeitraum fühlt es sich für mich auch nicht so an, als würde mein Körper mir gehören, sondern eher meinen Kindern. Ich wollte einfach keinen anderen Menschen meine Brüste anfassen lassen oder mir irgendeine Geschlechtskrankheit einfangen, wegen der ich dann wieder Antibiotika hätte nehmen müssen. Das ist für das Baby nicht gut."


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Rotten schlug in die gleiche Kerbe: „Wenn ich etwas mache, dann verschreibe ich mich voll und ganz dieser Sache. Ich bin also entweder zu 100 Prozent Porno-Darstellerin oder zu 100 Prozent Mutter. Beides gleichzeitig geht nicht."

Dieser Gedanke mag zwar ganz normal erscheinen, aber es gibt in der Porno-Industrie auch Möglichkeiten, aus einer Schwangerschaft Kapital zu schlagen. Sierra Simmons hatte gerade ihr Studium am Florida State College begonnen, als sie und ihr Freund erfuhren, dass ein Kind auf dem Weg ist. Zuvor hatte Simmons zwar schon mit dem Gedanken gespielt, als Porno-Darstellerin zu arbeiten, um die Studiengebühren bezahlen zu können, aber als der Schwangerschaftstest dann positiv ausfiel, war ihre Entscheidung endgültig gefallen.

„Ich musste ja für alles aufkommen", meinte die inzwischen 20-jährige Biologie-Studentin zu mir. „Eine gewisse finanzielle Grundlage war einfach unumgänglich. Es fiel mir außerdem ziemlich schwer, mich aufgrund meines Vollzeitjobs nicht zu stressen."

Ihr Freund gab aufgrund der Geldnöten grünes Licht. „Ich meinte dann nur so ‚OK, alles klar'", erzählte sie, „und habe den Schritt gewagt."

Im Gegensatz zu Rotten und Vespoli entschied sich Simmons dazu, ihren immer größer werdenden Bauch zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie begann damit, einen gewissen Fetisch zu bedienen und in einschlägigen Filmen wie etwa Daddy Made Me A Mommy mitzuspielen. Außerdem vermutete (und hoffte) sie, dass sie so nur von wenigen Leuten entdeckt werden würde.

„Es gibt nur sehr wenige Menschen, die tatsächlich einen Schwangerschafts-Fetisch haben", erklärte sie mir. „Ich dachte, dass deswegen sowieso nur eine Handvoll Leute meine Filme sehen würde, und hatte so auch keine Angst, dass irgendjemand aus meinem Freundeskreis davon Wind bekommt."

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Vespoli kehrte letztendlich doch wieder in die Porno-Branche zurück, aber ihr Körper war natürlich nicht mehr der gleiche. Wieder in Form zu kommen, war zwar kein Problem und wegen Vaginalrissen musste sie sich aufgrund ihrer Kaiserschnitt-Entbindungen auch keine Sorgen machen, aber ihre Brüste hatten sich durch das Stillen verändert („Sie waren eingefallen")—deshalb stand dann auch eine Brustvergrößerung an.

Bonnie Rotten hat derzeit nicht vor, wieder als richtige Porno-Darstellerin in der Industrie aktiv zu werden. Sie hat jetzt Geld in ein Sexspielzeug-Unternehmen investiert und plant für dieses Jahr eine Burlesque-Tour. Bis dahin ist sie laut eigener Aussage jedoch zufrieden damit, mit ihrer Familie ein wenig zur Ruhe zu kommen, und bereut es nicht, der Porno-Branche den Rücken zugekehrt zu haben.

„Das ist das komischste, aber gleichzeitig auch das schönste Gefühl der Welt."

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