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Die längste Wahl der Welt

Wir haben Norbert Hofer mit Norbert Hofer diskutieren lassen

Ist Norbert Hofer nun ein freiheitlicher oder doch ein überparteilicher Bundespräsident? Er gibt selbst mehrere Antworten darauf.

von Christoph Schattleitner
20 Mai 2016, 8:25am

Das ORF-Duell zwischen den beiden Bundespräsidentschaftskandidaten lieferte gleich zu Beginn einen interessanten Dialog:

Van der Bellen: "Herr Hofer, ich erinnere mich gut, dass Sie noch im Februar gesagt haben: 'Ich bin freiheitlicher Kandidat und ich werde das freiheitliche Programm auf Punkt und Beistrich erfüllen wollen—auch, wenn ich Bundespräsident bin.' Natürlich sagen Sie heute etwas anderes und betonen die Überparteilichkeit."
Hofer: "Das ist unwahr, was Sie gerade gesagt haben."
Van der Bellen: "Aber das ist schriftlich dokumentiert, Herr Kollege."
Hofer: "Dann zeigen Sie es mir. Es ist unwahr. Es ist wirklich unwahr."

Foto: Screenshot via ORF.

Gerne, lieber Herr Hofer. Diese Vorwürfe können einfach mit Fakten beigelegt werden. Deshalb haben wir den indirekten Recherche-Auftrag natürlich angenommen. Was Van der Bellen sagt, ist zwar nicht wörtlich, aber faktisch richtig. Als kleine Erinnerungshilfe haben wir Aussagen aus vergangenen Interviews gegenübergestellt. Das Ergebnis: Norbert Hofer diskutiert mit Norbert Hofer über die Frage der Überparteilichkeit und die Wichtigkeit einer klaren Linie.

"Ich glaube, dass Ehrlichkeit an erster Stelle steht. Mir gefällt es nicht, wenn ein Verantwortungsträger seine Positionen immer wechselt, oder wenn er sich alles offen halten will. Die Menschen haben ein Recht auf klare Antworten." FPÖ TV, 19.5.2016

"Ich gebe gern klare Antworten." Die Presse, 17.5.2016

"Ein überparteilicher Kandidat? Nein, das bin ich nicht! Ich bin ein Freiheitlicher durch und durch." FPÖ-TV, 16.4.2016

"Und wenn man Präsident ist, muss man eben überparteilich sein und für alle da sein." ATV Duell, 15.5.2016

"Es ist sehr, sehr schwer, mich von anderen Inhalten zu überzeugen. Denn ich bin ein freiheitlicher Kandidat und ich vertrete freiheitliche Positionen. Davon werde ich auch nach der Wahl keinen Millimeter abgehen." Kurier, 24.4.2016

"Ein Bundespräsident hat überparteilich zu sein." ORF Duell, 19.5. 2016

"Ich erzähle Ihnen nicht—wie ein Mitbewerber einer anderen Partei—, dass er plötzlich überparteilich wäre. Ich bin ein freiheitlicher Kandidat und ich vertrete freiheitliche Positionen. Davon gehe ich keinen Millimeter ab." FPÖ Pressekonferenz, 28.1.2016

"Ich werde versuchen—wenn ich gewählt werde—ein guter Präsident für alle Österreicher zu sein." FPÖ TV, 26.4.2016

"Ich vertrete freiheitliche Positionen, davon gehe ich keinen Millimeter ab." Österreich Journal, 01.02.2016

„Ich bin kein Parteisekretär, sondern ein Bundespräsident. Ich bin nicht für eine Partei da, sondern für Österreich." Puls4 Duell, 08.5.2016

"Als Präsident muss man für alle Österreicher da sein." ZiB, 24.4.2016

"Ich glaube, es wird schließlich überzeugen, wer bei seinen klaren Standpunkten bleibt." Junge Freiheit, 18.5.2016

"Ich habe wirklich immer eine klare Linie gehabt." ORF Duell, 19.5.2016

Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht alles ein bisschen verwirrend, aber dagegen kann man sich ganz einfach mit zwei Dingen helfen: Erstens, indem man es mit den Fakten einfach ein bisschen weniger genau nimmt und zweitens, indem man das ganze Zwiegespräch mit der Stimme von Vicky Pollard aus Little Britain noch mal liest.

Christoph freut sich über weitere Zitate auf Twitter: @Schattleitner


Titelfoto: Facebook, Norbert Hofer