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Österreich

Dringende Fragen, die das Mateschitz-Interview aufwirft

Eigentlich spricht der reichste Österreicher so gut wie nie über Themen abseits von Wirtschaft und Extremsport. Spätestens jetzt wissen wir, warum.

Verena Bogner

Verena Bogner

Screenshot via Twitter

Am Wochenende wurde eines der seltenen Interviews mit Red Bull-Firmenchef Dietrich Mateschitz in der Kleinen Zeitung veröffentlicht. Und seither dürfte auch weitestgehend klar sein, warum Mateschitz, der von Forbes mit einem Vermögen von 12,6 Milliarden zum reichsten Österreicher erklärt wurde, sonst so gut wie nie über Themen abseits von Extremsport und Wirtschaft spricht.

Zum 30-jährigen Jubiläum von Red Bull ließ er sich ein paar Politiksager nicht nehmen und erzählt im Gespräch ausführlich von einer angeblichen "Meinungsdiktatur", gibt seine Einschätzung zur Flüchtlingsthematik und auch Donald Trump ab, den er eigentlich gar nicht so schlimm findet und schimpft über die "Eliten". Damit ihr das Interview nicht lesen müsst, versuchen wir hier, die drängendsten Fragen aus diesem riesigen, dampfenden Haufen von Unklarheiten zu beantworten:

Weiß Mateschitz, dass er reich und ziemlich privilegiert ist?

Wie bereits erwähnt wird Didi Mateschitz als der reichste Mensch Österreichs gehandelt. Im Interview betont er, dass der Erfolg, der von Forbes in Form dieser Liste abgebildet wird, in Wahrheit nicht relevant und ihm "als normalem Menschen" auch nicht bewusst sei – "Gott sei Dank", wie er findet. Auch dass er unter anderem Flugzeuge, Hubschrauber und eine Insel in der Südsee besitzt, werde ihm nur bewusst, wenn ihn jemand darauf anspreche. Heilwasser und Bier produziert Mateschitz außerdem nicht, um Vermögen zu vermehren, sondern um das Schöne zu bewahren und etwas Sinnvolles zu machen.

Mateschitz spricht im Interview in Trump- und FPÖ-Tonfall von den berüchtigten "Eliten" und vergisst dabei völlig, dass er selbst eher elitär als bürgerlich ist. Kurz gesagt: Nein, Mateschitz scheint nach 30 Jahren auf seinem einsamen Alm-Anwesen vergessen zu haben, dass nicht gerade jeder eine Insel in der Südsee besitzt. Vielleicht sollte er öfter daran erinnert werden.

Liest Mateschitz manchmal Nachrichten?

Als es im Interview plötzlich um Donald Trump geht, sagt Mateschitz, dass er nicht glaube, Trump sei so ein Idiot, wie behauptet wird. Wenn "man" mit Amerikanern spreche, höre man oft, dass sie grundsätzlich froh über die neue Administration seien und mit der vorangegangenen ja einiges im Argen gelegen wäre. Der Vollständigkeit halber: Trump verzeichnet derzeit niedrigere Beliebtheitswerte als Obama in seiner gesamten Amtszeit. 

Laut Mateschitz solle man Trump Zeit geben und nicht gleich hysterisch werden, nur weil etwas außerhalb der eigenen Ideologie liege. Vielleicht kann ja jemand, der zu ihm durchdringt, Mateschitz an den Muslim Ban oder die Streichung von Förderungsgeldern an Organisationen wie Planned Parenthood, die Schwangerschaftsabbrüche unterstützen, erinnern? Nur zur Sicherheit, falls diese Art von News nicht in die Filterblase des Red Bul -Moguls durchgedrungen sein sollte.

Wie rechts ist Mateschitz eigentlich?

Ein paar der Dinge, die Mateschitz im Kleine-Interview ausspricht, klingen stark nach rechtem Populismus. Kein Wunder also, dass die entsprechenden Zitate seither von der rechtsextremen selbsternannten "Identitären Bewegung" oder auch von FPÖ-Chef Strache geteilt wurden: 

So spricht Mateschitz von der Political-Correctness, die ihm ein wenig zu viel zu werden droht, und bezeichnet sich als Mensch, der sich grundsätzlich jedem Meinungsdiktat widersetzt – ein Mindset, das sich seit einiger Zeit auch durch den Red Bull-Sender ServusTV zu ziehen scheint. "Auch wenn man sich damit sofort in alle Richtungen verdächtig macht: In Amerika wird man als Kommunist abgestempelt, in Europa als Verschwörungstheoretiker oder Rechtspopulist", so Mateschitz weiter. 

Zur Flüchtlingsthematik und Österreichs Umgang damit hat er ebenfalls einiges zu sagen: Schon damals soll für jedermann erkennbar gewesen sein, dass der Großteil der Geflüchteten keine Flüchtlinge nach der Genfer Konvention gewesen seien. Aber heutzutage traue sich niemand mehr, die Wahrheit zu sagen – "man" wolle schließlich den unmündigen, kritiklosen und verängstigten Staatsbürger. 

Dass die Vorstellung von der geheimnisvollen dunklen Schattenregierung und den gelenkten Bürgerinnen und Bürgern ziemlich nah an altbekannten Aluhut-Theorien ist, wie man sie von Roland Düringer oder Xavier Naidoo kennt – und zwar auch ganz ohne Begriffe wie "Weltverschwörung" und "Sheeple" –, scheint Mateschitz dabei wenig zu stören.

Er finde es scheinheilig, dass niemand von denen, die "Wir schaffen das!" gerufen haben, ihr Gästezimmer für "fünf Auswanderer" frei gemacht hätten. Vor allem diese Aussage stößt vielen sauer auf. Über 50 Flüchtlingshelfer richten sich nun in einem offenen Brief an Mateschitz, weil sie sich von ihm auf zynische Weise verhöhnt fühlen. Eine Antwort auf die Frage, wie rechts Mateschitz ist, wird man von ihm selbst wohl nicht bekommen. Wer sich von seinen Aussagen angesprochen fühlt, spricht jedoch für sich. 

Wie geht Mateschitz mit Meinungen um, die ihm nicht passen?

Zum einen sei hier daran erinnert, was passierte, als Mitarbeiter von ServusTV einen Betriebsrat gründen wollten: Der Sender sollte geschlossen werden, plötzlich wollten die Mitarbeiter doch keinen Betriebsrat mehr und schließlich durfte ServusTV weiterleben.

Nun spricht Mateschitz im Interview mit der Kleinen Zeitung vom sogenannten "Meinungsdiktat" und versucht dabei selbst zu diktieren, welche Meinungen OK und welche lediglich "hysterisch" seien. Er brauche schließlich niemanden, der ihm sagt, wer seine Feinde sind. Gleichzeitig erhebt er den Anspruch, sich als einer der wenigen die Wahrheit aussprechen zu trauen. Generell sei im Berufsleben wenig Platz für Meinung und Befindlichkeit, wie Mateschitz erzählt. Kein Wunder, denn seine eigene scheint sehr viel Platz einzunehmen. 

Geht Mateschitz irgendwann in die Politik?

Hoffentlich nicht.

Die wichtigste Frage von allen:

Verena auf Twitter: @verenabgnr

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