Anzeige
Drogen

Ein Hamburger CDU-Politiker soll seinem Dealer beim Koks verkaufen geholfen haben

Statt eine harte Linie gegen Drogen zu fahren, habe Matthias Lloyd lieber Lines gelegt. Auch über den Eigenbedarf hinaus.

von VICE Staff
27 November 2017, 3:28pm

Symbolbild || Foto: imago | blickwinkel

Dieser Artikel erschien zuerst bei VICE Deutschland.

Wenn jemand in Deutschland Kokain konsumiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Stoff über den Hamburger Hafen ins Land kam. Erst im Juli dieses Jahres beschlagnahmte der deutsche Zoll 3,8 Tonnen des weißen Stoffs – auf einmal. Doch das Koks ist nicht nur auf Durchreise, ein Teil bleibt in Hamburger Nasen hängen.

Eine dieser Nasen sitzt im Gesicht von Michael Lloyd, dem stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden in der Bezirksversammlung von Hamburg-Mitte und Ortsvorsitzenden in Finkenwerder. Normalerweise kümmert sich der 38-jährige Lokalpolitiker um verfallende Parkbänke und die Gefahren des Kommunismus, am Dienstag vergangener Woche musste er sich allerdings mit dem LKA auseinandersetzen. Wie die Bild-Zeitung schreibt, kamen die Beamten zur Hausdurchsuchung vorbei und sollen dabei 27 Gramm Kokain gefunden haben.

Würde man einen Adventskalender, statt mit Schokolade mit handelsüblichen Kokainkapseln à einem halben Gramm befüllen, dann würde die Menge für gleich zwei Exemplare reichen. Und dann hätte man noch immer drei Gramm für Silvester übrig (mal ganz abgesehen davon, dass so ein Adventskalender noch sehr viel gesundheitsschädlicher wäre als die mit Billig-Schokolade). Was wir damit sagen wollen: 27 Gramm sind ziemlich viel Koks für den Eigenbedarf. Die Polizei nahm den Verdächtigen daher kurzzeitig in Gewahrsam.


Auch bei VICE: Ich wurde von einer kolumbianischen Guerilla entführt


Ein Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft sagte der Bild, dass Lloyd seit September mehrere Male bei seinem Dealer Nachschub gekauft habe. Weil er den nicht allein für die eigene Nase besorgt, sondern seinem Dealer auch beim Verkauf geholfen haben soll, wird gegen den CDUler nun auch wegen "des Verdachts der Beihilfe zum Drogenhandel in nicht geringer Menge" ermittelt.

Matthias Lloyd selbst wollte sich gegenüber Journalisten nicht zu diesem Vorwurf äußern. Seine Parteikollegen haben allerdings bereits reagiert: Lloyd musste am Samstag zu einem Krisentreffen mit dem Hamburger CDU-Bundestagsabgeordneten Christoph de Vries und zwei anderen lokalen Parteispitzen antreten. Seitdem lässt er vorerst alle Ämter ruhen, berichtet die Hamburger Morgenpost.

Die Partei hat immerhin einen Ruf zu verlieren, fordert sie doch immer wieder, dass die Hamburger Behörden stärker gegen Drogenkonsum vorgehen sollten. Anfang dieses Jahres hatte man im Senat noch gefragt: "Sind Hamburgs Schulhöfe ein Dealerparadies?"

Einen anderen Hof, nämlich den Innenhof einer JVA, darf sich demnächst wohl Matthias Lloyd anschauen. Sollte sich der Ermittlungsverdacht bestätigen, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Oder aber er landet bei Big Brother, die TV-Show hat schließlich ein Herz für koksende Politiker aus Hamburg – so wie den ehemaligen Innensenator Ronald Schill. Der hatte sich erst als "Richter Gnadenlos" im Kampf gegen Drogen profiliert und war dann beim Koksen gefilmt worden. Statt einer Einladung vor Gericht bekam er allerdings eine in den TV-Container.

Folgt VICE auf Facebook, Instagram und Twitter.