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Sex

Skurriles Zeug über Hugh Hefner, das ihr wahrscheinlich noch nicht wisst

Wir blicken zurück auf das Leben des Mannes, der Hasen sexy gemacht hat.

von Gavin Haynes
28 September 2017, 2:57pm

Foto: Greenslade | Zuma Press | PA Images 

Hugh Hefner ist im Alter von 91 Jahren im Kreise seiner Familie und Freunde gestorben. Der Tod des emanzipierenden Porno-Visionärs sah dabei anders aus als sein Leben, denn da war er eher von nackten Brüsten und fast nackten Vulven umgeben.

Aber Hefner war nicht nur eine Punchline der Popkultur. Nein, er hatte auch einen Abschluss in Psychologie und sein IQ soll irgendwo um die 150 herum gelegen haben. Er wusste ganz genau, welche Rolle er da spielte. Deswegen stellt sich eine interessante Frage: Wer hat sich hinter dem Morgenmantel verborgen? Was hat der Citizen Kane des Geschlechtsverkehrs wirklich vom Leben erwartet? War sein Rosebud mehr als nur das Playmate vom Juni 1996?

Dieser Nachruf hat gar nicht den Anspruch, in irgendeiner Weise vollständig zu sein. Nein, wir versuchen eher, mithilfe außergewöhnlicher und weniger bekannter Geschichten herauszufinden, ob sich hinter der Person Hugh Hefner etwas Bedeutungsvolles verbirgt.


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Wie bei den meisten Männern, die Imperien aufgebaut haben, beginnt auch hier alles mit einer Abfuhr

Als er 16 war, wurden Hefners romantische Avancen von einer Mitschülerin nicht erwidert. Kurze Zeit später begann er damit, sich nur noch "Hef" und nicht mehr Hugh zu nennen. Außerdem änderte er seinen Kleidungsstil und – ganz wichtig – fing an, einen Comicstrip über eine Fantasieversion von sich selbst zu zeichnen. Diese Fantasieversion sollte jedoch schon bald Realität werden. 1959 erfand er sich ein weiteres Mal neu, um sein Magazin zu promoten. Hier kam auch zum ersten Mal der burgunderdfarbene Morgenmantel ins Spiel, den heute jeder mit Hefner verbindet. Im Grunde hat also ein Mann ein Imperium auf der Grundlage eines Mannes geschaffen, der zwar nicht existierte, in dessen Körper er aber zufällig lebte.

Was von Hugh Hefner übrig bleibt, ist vor allem Hugh Hefner

Während alle Artefakte, die von William Shakespeares Leben übrig sind, zusammen in einen Schuhkarton passen, können wir uns die kommenden 30 Jahre nach Herzenslust an Hugh Hefner auslassen, ohne dabei irgendwelche Dokumente und Aufnahmen zu recyclen. Immerhin steht der Mann wegen seiner Sammlung von persönlichen Sammelalben im Guinness Book of Records. Er war geradezu besessen davon, sein eigenes Leben zu archivieren. Und das schon im zarten Alter von sechs Monaten. Er stellte sogar einen persönlichen Archivar an, der jegliche Geschehnisse rund um die Person Hugh Hefner aufzeichnete und abheftete.

Geschichte wird nicht nur von den Siegern geschrieben, sondern auch von den Leuten, die die Rechte an audiovisuellen Inhalten besitzen. Das wissen inzwischen viele moderne Medienunternehmen. Wir können also getrost davon ausgehen, dass Hugh Hefners Geschichte in den kommenden Jahren sehr oft aufgearbeitet werden wird. Beispiel gefällig? Amazon hat für den Doku-Biopic-Mix American Playboy: The Hugh Hefner Story bereits damit angefangen, 17.000 Stunden an persönlichen Filmaufnahmen und über 2.600 Sammelalben von Hefner zu durchforsten.

Eine 30er-Jahre-Version von Flash Gordon ist wohl für das moderne Schönheitsideal der westlichen Welt verantwortlich

In einem LA Times-Interview hat sich Hugh Hefner mal daran erinnert, dass er als Kind durch die Schauspielerin Alice Faye zum ersten Mal eine bestimmte Vorstellung von Schönheit hatte. Diese Vorstellung – große Brüste, blondes Haar – sollte sich wie ein roter Faden durch alle zukünftigen Geschäfte und Unternehmungen Hefners ziehen.

Foto: Glenn Francis von www.pacificprodigital.com

Selbst er verspürte gelegentlich das Gefühl, das Normalsterbliche "Liebe" nennen

1949 heiratete er die erste Frau, mit der er jemals Sex haben sollte: Mildred Williams. Er hatte sich extra für sie "aufgespart". Die Zeit, in der er um sie warb, bezeichnete er als "zwei Jahre Vorspiel". "Das war nicht ungewöhnlich für unsere Zeit", erinnerte er sich.

Während sie verlobt waren, gestand ihm Mildred allerdings eine Affäre, die sich während Hefners Dienst bei der Armee ereignet hatte. Jungfrau-Hefner hatte das Gefühl, dass er seiner Frau für immer sexuell unterlegen sein würde. "Danach hatte ich irgendwie immer das Gefühl, dass dieser andere Typ mit uns zusammen im Bett war." Zehn Jahre später ließen sie sich scheiden und, als würde er dadurch die klaffende Wunde seiner tiefen sexuellen Abhängigkeit schließen wollen, begann er, auf die Tausenden Bettgeschichten hinzuarbeiten, die sein späteres Leben definieren sollten.

1989 heiratete er ein zweites Mal: Kimberley Conrad. Hefner soll sie nie betrogen haben. Die Ehe hielt 11 Jahre und brachte zwei Kinder hervor. Als sie sich trennten, zogen Conrad und die beiden Söhne ins Nachbarshaus.

2012 tauschte er sein Junggesellendasein ein letztes Mal gegen den heiligen Bund der Ehe ein. Zuerst musste die 60 Jahre jüngere Crystal Harris allerdings einen wasserdichten Ehevertrag unterzeichnen, in dem sie auf jedwedes Erbe verzichtete.

In der Playboy-Villa solltest du besser kein Leitungswasser trinken

Als Hef vor ein paar Jahren mit den steigenden Schulden seines Geschäftsimperiums zu kämpfen hatte, sah er sich gezwungen, seine legendäre Playboy-Villa zu verhökern. Zu den Interessenten gehörte angeblich auch Larry Flynt. Hefners Erzrivale wollte das Anwesen zur Hustler Mansion machen.

Den Zuschlag für 100 Millionen US-Dollar bekam schließlich der Privatinvestor Daren Metropoulos – allerdings unter der Bedingung, dass er Hefner für eine Million US-Dollar pro Monat dort wohnen lässt.

Das größte Problem des Hauses war allerdings seine Geschichtsträchtigkeit. Wie eigentlich jede Behausung eines über 80-Jährigen strahlte die Villa in den letzten Jahren eher den Ruhm längst vergangener Tage aus. Die Vorhänge waren vom Sonnenlicht gebleicht, die Fernsehgeräte hoffnungslos veraltet. Das ganze Teil brauchte ein Make-Over. Als "in den 80ern hängengeblieben" beschrieb eins der späteren Playmates das Interieur von Hefners Anwesen. Als 700 Menschen im April 2011 dort eine Spendengala besuchten, fingen sich 123 Gäste im Pool die Legionärskrankheit ein.

Mit seinen 29 Schlafzimmern ist es mehr als wahrscheinlich, dass die Playboy-Villa zu einem Luxushotel umgebaut wird – vielleicht sogar in die Fantasieversion ihrer selbst.

Sex mit Hugh Hefner war oft, als würde ein Schrank auf dich fallen

"Es gab absolut keine Intimität ", erinnerte sich Holly Madison, die Anfang der 2000er zu den Sexbediensteten gestoßen war. "Kein Küssen, nichts. Es war so kurz, dass ich mich überhaupt nicht mehr dran erinnern kann, wie es sich überhaupt angefühlt hat ... abgesehen davon, einen schweren Körper auf mir zu haben. Ich muss wohl nicht extra sagen, dass Sex für mich nie das Highlight unserer Beziehung war."

Seine letzte Frau, Crystal Harris, gab zu, dass sie nur einmal miteinander geschlafen haben. Es dauerte "etwa zwei Sekunden."

Foto: Globe Photos | Zuma Press | PA Images

Er bezahlte Schönheitsoperationen für alle Frauen in seinem Harem

Außerdem gab es ein "Garderoben-Taschengeld" von 1.000 Dollar pro Woche sowie durchgehenden Zugang zu kostenlosen Schönheitsbehandlungen im hauseigenen Salon. Angeblich machte Hefner ein Foto von jeder Frau, die in seine Villa kam, und bewertete sie als A, B oder C (vermutlich basierend auf einer komplexen Formel, die neben ihrem Äußeren auch ihre philosophischen Ansichten mit in Betracht zog ... ) Wenn er die Frau in seinen Harem aufnahm, wurde sie quasi sein Eigentum: Um 21 Uhr hatten alle zu Hause zu sein, Besuche von Freunden oder Freundinnen waren ausgeschlossen und wenn Hugh meinte, eine Frau habe ein oder zwei Pfund zugelegt, dann durfte er ihr diesbezüglich eine Warnung aussprechen. Aus diversen Quellen heißt es, er sei kontrollierend gewesen und habe die Frauen absichtlich manipuliert und gegeneinander ausgespielt.

Selbst die Frauen, die er nicht zu seinen Privatpartnerinnen zählte, mussten an Hefners abendlichem Bettritual teilnehmen. Dabei handelte es sich um eine "große Orgie", in deren Zentrum König Hugh saß, Gras rauchte, Pornos schaute und sich einmischte. Aber "er brachte sich immer selbst zum Höhepunkt", berichtet Holly Madison. Welch ein Gentleman.

Er würde sich wünschen, dass du ihn als den Erfinder des Sex und als wichtigen Bürgerrechtler in Erinnerung behältst

Was schenkt man bloß einem Mann, der alles hat? Vielleicht ein historisches Erbe?

Im Laufe der Zeit hatte Hefner es offensichtlich verstärkt darauf abgesehen, sich einen Platz in der Geschichte zu sichern und wie einer von den Guten dazustehen. Vielleicht hatte er den Film über Larry Flynt gesehen und wünschte sich einen ähnlichen idealisierten Heldenstatus.

Das historische Erbe des Hugh Hefner sollte wohl so aussehen: Er hat Sex erfunden, er hat die freie Meinungsäußerung erfunden, und auch Multikulturalismus ist seine Erfindung. Der Dokumentarfilm Hugh Hefner: Playboy, Activist and Rebel entstand 2009 mit seiner Beteiligung und versuchte, seinen Beitrag zur Entwicklung der Bürgerrechte in den USA zu betonen.

Als Hefner 1960 seinen Playboy Club in Chicago eröffnete, warb dieser damit, keine Rassentrennung zu betreiben. Seine Talkshow aus den 1960ern, in der er auf Partys mit Promis plauderte, scherte sich ebenso wenig um Hautfarben. Oft schrieb er Leitartikel, in denen er sich für lockere Bestimmungen aussprach. Und natürlich wird an vielen Stellen gern so getan, als hätten die Menschen vor Hefner Sex als eine langweilige Schufterei gesehen, und erst sein Einsatz hätte das ganze Unterfangen aufregend gemacht. Ein Mann und seine Schreibmaschine gegen die prüde, öde Gesellschaft.

Als Junge zeichnete er Cartoons von seinem Traumleben, und genau dieses Leben setzte er in die Realität um. All seine Unternehmungen waren von Erfolg gekrönt. Trotz alldem wird Hefner häufiger verspottet als verehrt. Welchen Wert hatte seine Vorstellung der "männlichen Emanzipation", seine Ablehnung der nuklearen Familie und der Frau als Partnerin? Machte ihn dieses Verhalten tatsächlich glücklich?

Das werden wir wohl niemals wissen über diesen Multimillionär, der Sex mit Tausenden Frauen hatte und der als Greis nach kurzer Krankheit starb, umgeben von Angehörigen und öffentlichem Lob für seine bürgerrechtlichen Errungenschaften.

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