Anzeige
Ich frage für einen Freund

Was passiert, wenn du dir das Kacken verkneifst

Hier sind Horrorszenarien, denen du vermutlich lieber aus dem Weg gehen willst.

von Alyssa Girdwain
23 Mai 2018, 3:06pm

Dieser Artikel ist zuerst bei Tonic erschienen. Folge Tonic bei Facebook.

Das Szenario: Eine Freundin schämt sich, in ihrem kleinen Büro ein großes Geschäft zu erledigen. Sie hat Angst vor dem Weg vorbei an ihren Kollegen und Kolleginnen zur Toilette. Ihr graut es vor Augenkontakt mit dem süßen Entwickler, der direkt vor der Klotüre sitzt. Er wird schließlich genau wissen, wer zweimal spülen musste.

Während sie den letzten Rest des schwarz-sauren Bürokaffees leert – dem Heißgetränk-Äquivalent zu einer Flasche Rohrreiniger –, spürt sie ein wohlbekanntes Gefühl in ihrem Körper aufkommen. Unweigerlich kneift sie ihre Pobacken zusammen. Deine Freundin wägt ihre Möglichkeiten ab: "eine Besorgung erledigen" und Zuflucht in der Einzelkabine einer McDonald's-Toilette finden oder es so lange unterdrücken, bis sie in ihren heimischen vier Wänden ist, wo nur noch ihr Hund sie missbilligend anschauen kann.

Einen Augenblick lang überlegt sie, doch das Büroklo zu nehmen. Immerhin gibt es eine Kabine, die recht weit von der Tür entfernt ist. Aber was ist, wenn ihre Hassfreundin von der Buchhaltung reinkommt, um ihr Näschen zu pudern, und dann ein Plumpsgeräusch hört? Deine Freundin kann schon die Gruppen-Nachricht im Büro-Chat sehen: "Karin hat gerade so heftig gekackt, dass das ganze Klo stinkt." Die Entscheidung ist gefallen: Sie kneift die Backen zusammen.


Auch von VICE: Grand Stoddards Po-Verschönerung


Die Realität: Deine Freundin wartet, bis sie auf der heimischen Schüssel sitzt. Vielleicht muss sie dann sogar gar nicht mehr. Einhalten kann mit der Zeit den Körper schädigen. Laut William D. Chey, Dozent für Gastroenterologie und innere Medizin an der University of Michigan, gehen ein- oder zweimal am Tag Kontraktionen durch unseren Darm, mit denen das Verdauungsorgan den Rest unseres Körpers darüber informiert, dass sich etwas Stuhl in Gang gesetzt hat. Wenn die auszuscheidende Masse auf den letzten Abschnitt des Dickdarms trifft, respektive das Rektum, dann dehnt sich dieses und Nerven senden das Signal zum Gehirn, dass es Zeit ist, sich zu erleichtern.

Diese Kommunikation sei Teil der Gehirn-Darm-Achse, sagt Sarah Kinsinger, Gesundheitspsychologin mit dem Spezialgebiet Gastrointestinaltrakt. Unser Darmnervensystem kommuniziere mit dem Gehirn, um unsere Verdauung zu steuern. "Weil sie so eng zusammenarbeiten, spürt unser Bauch die Auswirkungen jeder größeren Gefühlsschwankung", sagt Kinsinger. Dein Morgenkaffee oder Frühstück kann diese Körperfunktion stimulieren, aber auch die Nervosität vor einem Pitch-Meeting kann dich aufs Klo treiben. Noch schlimmer sieht es für Menschen aus, die unter Störungen des Verdauungstrakts leiden und in einem Teufelskreis aus Stress und erhöhter Darmaktivität gefangen sind.

Wenn deine Freundin zu schüchtern ist, woanders als bei sich zu Hause zu defäkieren, verpasst sie vielleicht eine günstige Gelegenheit und muss noch einmal zwölf Stunden oder bis zum nächsten Tag warten, bis sich der Reiz wieder meldet. Im Kampf gegen die Schwerkraft presst sie ihren äußeren Schließmuskel und den Beckenboden zusammen. Das mag für den Moment vielleicht funktionieren, aber dann kommt es zum Rückstau. "Man hört ja nicht zu essen auf und der Körper produziert auch weiter Stuhl", sagt William D. Chey. Während deine Freundin sich also weiter an Bürosnacks und Obst bedient, verwandelt sich ihr Darm in eine buchstäbliche Müllhalde.

Das Schlimmste, was passieren kann: Dieser Kampf wird für deine Freundin zur Gewohnheit. Dabei ist ihre Stuhlvermeidungstaktik eine vergebliche Mission: "Wenn man den eigenen Stuhl wieder und wieder einhält, kann das unbeabsichtigte Konsequenzen zur Folge haben, mit denen es einem am Ende viel schlimmer geht als mit der Scham, die man vielleicht bei der Benutzung einer öffentlichen Toilette verspürt", sagt Chey.

Am wahrscheinlichsten wäre da chronische Verstopfung. "Mit der Zeit stauen sich im Darm sehr große Mengen Stuhl. Und diese leert man vielleicht komplett aus – vielleicht aber auch nicht", sagt Chey. Das kann den Dickdarm dehnen und deine Freundin bekommt es gegebenenfalls mit Krämpfen und Blähungen zu tun, die schlimmer sind als alles, was sie nach zwei Tellern von Omas leckerer Bohnensuppe erleben musste. Während die Noch-nicht-Ausscheidungen im Darm auf ihr Signal warten und ihnen dort Wasser entzogen wird, werden diese hart. Wenn sich deine Freundin schließlich an die Thronbesteigung macht, erwarten sie vielleicht Probleme: starkes Pressen, Schmerzen, Fissuren und sogar Blutungen können die Folge sein. Oder es geht gar nichts mehr und Abführmittel und andere Medikamente müssen ran.

"Wenn man den Darm zunehmend dehnt, immer wieder und wieder, dann besteht außerdem die Möglichkeit, dass er nicht mehr in den Normalzustand zurückkehrt", sagt Chey. Er vergleicht das mit einer Herzinsuffizienz, wenn der Muskel sich dehnt und mit der Zeit seine Funktionalität verliert. Wenn man also ständig unter Verstopfungen leidet, kann man die Nerven im Rektum schädigen, Kraft in den entsprechenden Muskeln einbüßen und irgendwann läuft man aus. In anderen Worten: Durch diese schlechte Angewohnheit kann der Körper den korrekten Stuhlgang verlernen.

Was wahrscheinlich passiert: Wenn deine Freundin den Stuhlgang verdrängt, bis sie nach Hause kommt, wird sie dafür mit Bauchkrämpfen und generellem Unwohlsein bezahlen. Sie kann damit durchkommen, aber besser tut sie es nicht zu oft. "Es ist nie gut, das zu machen. Niemals", sagt Chey. "Ist es wirklich gefährlich? Nein. Ist es eine gute Idee? Nein."

Was du deiner Freundin sagen solltest: "Respektiere den Drang zu defäkieren", sagt Chey. Wenn sie es sich einmal verkneift, wird sie nicht sofort ihr Verdauungssystem ruinieren. Sie sollte aber generell viel mehr auf die natürlichen Bedürfnisse ihres Körpers hören als auf die Angst, dass jemand es vielleicht mitbekommen könnte. Es wird nichts Schlimmes passieren. Kacken wird wahrscheinlich nie sexy sein, aber jeder muss es tun.

Sarah Kinsinger empfiehlt Menschen, die zu schüchtern für öffentliche Toiletten sind, zu überlegen, wovor sie am meisten Angst haben. Fürchterlichen Gestank zu verursachen oder abschätzige Blicke zu ernten? Man solle sich dann überlegen, wie wahrscheinlich es wirklich ist, dass eins dieser Szenarien eintritt. "Mann sollte nicht versuchen, die Gedanken anderer Menschen zu lesen oder Annahmen zu treffen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird niemand negativ über einen denken, weil man gerade in einer öffentlichen Toilette seinen Stuhlgang verrichtet hat", sagt sie.

Hier sind noch ein paar Dinge, die deiner Freundin vielleicht helfen: Sie kann in ihrem Büro anregen, Raumduftsprays anzuschaffen, oder selbst eine Dose für alle mitbringen. Außerdem kann sie den Spülknopf schon einmal vor dem Ende ihrer Session betätigen. Unter umsichtigen Törtchenlegern erfreut sich die Praktik des Zwischenspülens schon seit Jahrzehnten großer Beliebtheit. Also, tief durchatmen und ran ans Geschäft.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Twitter.