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Die verstörendsten Momente aus Videospielen

Egal ob nun furchtbar brutal, psychologisch belastend oder tiefgreifend und traurig, die folgenden Szenen kriegt man nicht mehr so schnell aus seinem Kopf.

von Jonathan Beach
09 Juni 2016, 4:00am

Titelbild: Screenshot aus 'Dead Space 2'

Jeder Mensch hat Bilder im Kopf, auf die er gut verzichten könnte. Vielleicht hast du dir damals als Kind heimlich einen verbotenen Horrorfilm angeschaut. Vielleicht bist du mal betrunken nach Hause gekommen und hast dann unklugerweise nachgeschaut, um was es bei diesem "3 Guys 1 Hammer"-Video genau geht. Vielleicht war Pennywise, der Clown aus Es, der Grund, warum du während deiner frühen Teenagerjahre jegliche Duschen gemieden und deswegen immer nach Schweiß gestunken hast.

Jeder kennt sie doch, die mentalen Bilder, die tagsüber irgendwo in unserem Unterbewusstsein schlummern, aber natürlich genau dann vor unserem geistigen Auge auftauchen, wenn wir in der Dunkelheit unseres Schlafzimmers eigentlich nur friedlich einschlafen wollen. Stattdessen wälzen wir uns jedoch unruhig von einer Seite auf die andere und sind am darauffolgenden Tag ziemlich gerädert. Es kann sogar sein, dass man diese Bilder sein ganzes Leben lang nicht mehr los wird, weil sie sich irgendwo im Hinterkopf für immer festsetzen.

Wie sich im Laufe der letzten Jahre herausgestellt hat, lassen sich solche Bilder und Momente auch häufig in Videospielen finden. Da mit diesem Medium immer ausgeklügeltere Dinge möglich sind, finden die Spieleentwickler auch stets neue und innovative Wege, den Spieler in Aufregung zu versetzen, traurig zu stimmen oder zu verschrecken bzw. gar zu verstören. Egal ob nun furchtbar brutal, psychologisch belastend oder tiefgreifend und traurig, die folgenden Szenen kriege ich einfach nicht mehr aus meinem Kopf und sie haben es deswegen definitiv verdient, in meine Liste der verstörendsten Momente aus der Videospielwelt aufgenommen zu werden.

Ich weiß zwar, dass alle diese Spiele schon vor einer Weile veröffentlicht worden sind, aber zur Sicherheit schreibe ich es lieber trotzdem noch mal: Dieser Artikel enthält Spoiler für Condemned: Criminal Origins, The Last of Us, Dead Space 2, Silent Hill 2, SOMA, Life Is Strange, Metal Gear Solid 4 und The Walking Dead.

Die Shoppingtour in 'Condemned: Criminal Origins'

Wenn es dir so ergeht wie mir, dann hast du unerklärlicherweise unglaublich viel Schiss vor Schaufensterpuppen. Ich meine, stell dir doch nur mal vor, wie du mitten in der Nacht aufstehst, um den Ursprung eines Kratzgeräusches ausfindig zu machen, und dann sitzt so ein Teil auf deinem Sofa. Noch schlimmer ist eigentlich nur, in Monolith Softwares oftmals übersehenen Horror-Juwel Condemned; Criminal Origins in ein heruntergekommenes Einkaufszentrum geschleppt zu werden, wo man dann durch eine mit Blut auf einer verstümmelten Leiche hinterlassenen Botschaft zur Flucht aufgefordert wird. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, erwachen dann natürlich auch noch die Schaufensterpuppen zum Leben und tauchen mit ihrem leblosen Blick direkt hinter einem auf.

Wenn ich dir einen Tipp geben darf: Condemned: Criminal Origins sollte nicht im Dunkeln gespielt werden.

Joels Lüge in "The Last of Us"

Meiner Meinung nach ist das Ende des Survival-Horror-Spiels The Last of Us ein absolutes Meisterwerk. Als ich die Szene für dieses Artikel erneut anschauen musste, haben sich direkt wieder meine Nackenhaare aufgestellt und meine Augen wurden sogar ein bisschen feucht. Ellie, die Überlebende einer Zombie-Apocalypse, will, dass ihr Begleiter Joel ihr schwört, dass alles, was er ihr über die Rebellengruppierung der Fireflies erzählt hat, auch wirklich wahr ist. Joel sieht sie nur verunsichert an, denn er hat natürlich nicht die Wahrheit gesagt. Ellie weiß das. Joel schwört es trotzdem. Ellies Blick wird misstrauisch und bricht einem das Herz, während im Hintergrund Gustavo Santaolallas melancholische Gitarrenmusik erklingt. "OK", flüstert Ellie und in ihren betrogenen Augen bilden sich einige Tränen. Und auch du siehst plötzlich so aus, als hättest du gerade Zwiebeln geschnitten.

Der Abstract Daddy aus 'Silent Hill 2'

Wenn es um dieses durchdringende Gefühl der emotionalen Aufwühlung geht, dann ist Konamis berühmte Horrorspiel-Reihe Silent Hill immer ganz vorne mit dabei. Für mich ist der eindringlichste und furchterregendste Moment der gesamten Franchise dabei der Kampf gegen Abstract Daddy—ein kaum zu erkennendes und albtraumhaftes Sinnbild für den sexuellen Missbrauch des weiblichen Charakters Angela durch ihren Vater.

Munchies: Videospiele sind Nahrung für dein Gehirn

Ich habe es nie wirklich geschafft, Abstract Daddy aus meinem Kopf zu verbannen. Nein, ich denke sogar ziemlich regelmäßig über das Monster nach, das so aussieht wie ein Mann, der sich unter einem blutverschmierten Bettlaken wie versessen an irgendetwas festklammert. Dazu sehe ich dann noch vor meinem geistigen Auge, wie Angela fast kotzen muss, wenn sie nur darüber nachdenkt, vom männlichen Hauptcharakter James angefasst zu werden, und wie die Wände des befremdlichen Zimmers, in dem der Kampf stattfindet, von abstrakten Kolben penetriert werden. Abstract Daddy ist quasi so etwas wie der Stoff, aus dem Albträume gemacht sind: Die Begegnung mit dem Monster sorgt im wahrsten Sinne des Wortes für schlaflose Nächte.

Die Nadel ins Auge in 'Dead Space 2'

Kann mir jemanden mal eben helfen, alle Erwähnungen und Bilder von Augapfel-Tattoos aus dem Internet zu löschen? Ich bin unerträglich empfindlich, was Augäpfel angeht. Stell dir bloß mal vor, wie deine Augäpfel, möglicherweise das sensibelste und wichtigste Organ des Körpers, mit einer dicken Nadel gestochen werden.

Für alle, die Dead Space 2 noch nicht gespielt haben (denn wer es gespielt hat, wird das hier garantiert nicht vergessen haben): Dead Space 2 hat die verstörendste Augenverstümmelungsszene seit Lucio Fulcis Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies. Der vom Spieler kontrollierte Isaac wird in ein schreckliches, dystopisches Gerät geschnallt, während sein nackter, saftiger Augapfel im panischen Versuch, seine Umgebung im Blick zu behalten, umherzuckt. Wenn du die Sequenz vermasselst, stürzt die Maschine auf ihn und er verendet schreiend, während sein Gesicht zu Fleischsalat wird. Echt übertrieben und eigentlich nicht so schlimm. Wenn du allerdings Erfolg hast, gleitet die Nadel direkt in die Pupille, was ein ekelhaft schmatzendes Geräusch verursacht, stößt bis zum Gehirn vor und zieht sich dann wieder zurück, wobei Blut hervorquillt. Irgendwie ist das viel schlimmer. Ich kann es mir bis heute nicht nochmal anschauen. Ich kann nicht aufhören mir vorzustellen, wie unerträglich das wäre.

Ach ja, und falls du ein Augapfeltattoo hast: Hut ab und alles, aber halt dich bitte von mir fern. Danke.

Kates Suizid in 'Life is Strange'

An einem verregneten Tag in Arcadia Bay habe ich es versäumt, Kate vom Springen abzuhalten.

Life is Strange hat eine wirklich verstörende Art, Spielern das Gefühl zu geben, sie seien dafür direkt verantwortlich, je nachdem wie sie in den ersten zwei Kapiteln agiert haben. Hast du ihre Anrufe ignoriert oder bist du hingegangen? Bist du eingeschritten, als diese Fieslinge in der Schule sie gemobbt haben? Auf dem Dach der Blackwell Academy erreicht Kates Leid seinen Höhepunkt, und im strömenden Regen versuchst du, gegen die Zeit und den Tod anzureden, während sie dich mit blutunterlaufenen, verheulten Augen ansieht.

Ich habe die falschen Entscheidungen getroffen und Kates schmerzhaftes Leben ein frühes Ende genommen. Es war eine der intelligentesten und belastendsten Darstellungen von Mobbing und Suizid, die es jemals in einem Videospiel zu sehen gab.

Tief Luft holen. Wenn du Aufmunterung brauchst: MOTHERBOARD singt ein Loblied auf den Soundtrack des Sega-Klassikers Ecco the Dolphin

Gut durch in 'Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots'

Wenn mir jemand eine geladene Pistole an den Kopf halten und mich zu einer Entscheidung zwingen würde, dann würde ich wohl den Mikrowellentunnel als meine Lieblingsstelle aus MGS4 wählen.

In dieser Ausnahmesequenz kriecht Snake einen scheinbar unendlich langen Korridor der radioaktiven Folter in Outer Haven entlang, während Otacon ihn verzweifelt anfleht, die Schmerzen auszublocken und durchzuhalten.

Die gesamte denkwürdige Szene ist mit "Love Theme" untermalt, was dazu wirklich herrlich kommt. Außerdem zwingt die Sequenz den Spieler genialerweise dazu, während der gesamten fünf Minuten durchgehend Knöpfe zu drücken—diese Erfahrung lässt deinen Daumen und dein Handgelenk in etwa so kaputt und erschöpft zurück wie Snake. Es ist genau die Art mutiges, cleveres und unvergessliches Design, das nur ein Hideo Kojima so richtig beherrscht.

Der Tunnel des Nope in 'SOMA'

SOMA, mein Lieblingsspiel von 2015, hat eine bestimmte Sequenz, die es fertigbringt, drei der schlimmsten Ängste der Menschheit zu einem Paket zu schnüren: die Angst vor Spinnen, die Angst vor beengten Räumen und die Angst vor der Dunkelheit.

Gegen Ende des Spiels, als du dich in die höllischen Eingeweide der Unterwasserwelt aufmachst und gegen einen unfassbar gut gemachten und atmosphärischen Unterwassersturm ankämpfst, schicken dich die Entwickler in einen Tunnel. Einen dunklen Tunnel. Einen sehr dunklen Tunnel. Einen sehr, sehr dunklen und beengten Tunnel. Einen sehr, sehr dunklen und beengten Tunnel unter dem Meer. Einen sehr, sehr dunklen und beengten Tunnel unter dem Meer voll mit ekelhaften Spinnen, die handgroß an der Wand hängen und dich ständig anspringen und angreifen wollen.

Deswegen nenne ich das Ding auch "Der Tunnel des Nope". Ich habe immer noch Albträume deswegen. Ich bin 31 Jahre alt.

Lees Tod in 'The Walking Dead'

Das ist jetzt wirklich wahr. Ihr könnt mich dafür auch gerne in den Kommentaren fertigmachen, ist mir egal. Ich habe seit Lee aus The Walking Dead an jenem Abend gestorben ist, nicht mehr so krass geweint, und das dürfte jetzt drei Jahre her sein. Ich habe so richtig geschluchzt. Heiße, salzige Trauer überzog mein Gesicht. Richtig echte Schluchzer, die den ganzen Körper erschüttern und das letzte Quentchen Luft kosten.

Alter, diese Szene.

Lee versucht verzweifelt, das kleine Waisenmädchen Clem auf die brutale Realität vorzubereiten, die sie erwartet, wenn Lee erst tot ist und sie nicht mehr beschützen kann. Die Entscheidung, ihn zu erschießen, mitsamt allen Konsequenzen. Der ständige Druck, die Gesprächsentscheidungen schnell treffen zu müssen. Lees schwindende Lebensenergie. Clems Tränen und zerstörte Unschuld. Der letzte Schuss.

Oh mein Gott, diese Szene.

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