Was Kanye uns mit seinen ständigen Ausrastern mitteilen möchte

Niemand rastet so häufig aus wie Kanye West. Um seine Wutanfälle besser zu verstehen, haben wir sie genauestens analysiert.

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27 Februar 2014, 11:11am

Es gibt viele Menschen auf der Welt, die Musiker um deren Ruhm beneiden. Die Chance, als Künstler durch die Welt zu reisen, auf riesigen Bühnen vor Hunderttausenden kreischenden Fans zu stehen und dabei auch noch Kohle zu machen, ist für viele eine verlockende Vorstellung. Um diesem Ruhm zumindest passiv nahezukommen, kratzen viele Fans die letzten Ersparnisse zusammen, um die teuren Tickets überhaupt bezahlen und somit ihren Lieblingskünstler live erleben zu können. Was natürlich Ruhm und Geld des Künstlers nur noch erhöht. 

Ich bin auch einer dieser Fans. Mein letztes großes Konzert war das von Jay-Z in der Multifunktionsarena Hamburg-Bahrenfeld. 87 Euro. Dafür gab es eine monströse Show, einen pünktlichen Künstler, viel Musik und (relativ) wenig Gelaber dazwischen. Professioneller hätte Hova es nicht über die Bühne bringen können. Allerdings ist mir klar, dass er im Grunde dieselbe Show am Abend vorher in Paris und am Abend danach in London gespielt hat.

Bei Kanye West ist das ein wenig anders. Die Tickets kosten ähnlich viel, die Show ist noch monströser—aber Kanye hat da ein gewisses Extra eingebaut: den Ausraster. Jeden Abend lässt Kanye einen neuen Rant vom Stapel, zum Ende der Yeezus-Tour in Amerika, verwöhnte er die Fans mit einer 15-minütigen Spontanrede über seine Therapiesitzungen, seine Gefühl, der moderne Michelangelo zu sein und warum Radio so kacke ist. Und dabei war er sogar einigermaßen ruhig, nett und sympathisch. Fast jedes Konzert und so jedes Interview wird inzwischen von Kanye mit einem Rant garniert—Wutreden sind inzwischen sowas wie Kanyes größtes Talent.

Doch was haben diese ganzen Ausraster eigentlich zu bedeuten? Warum ist Kanye nur so wütend? Wir suchen nach Antworten.

Kanye rastet aus, weil ihm alles zu lange dauert

In Atlantic City machte er seinen Fans vor zwei Jahren klar, dass es nicht mehr lange dauere. Völlig egal was, es dauert einfach nicht mehr lange. Wenn man genau zuhört, liefert Kanye Hinweise: Zum Beispiel bis er Klamotten designt (Moment? Hat er 2009 nicht schon Yeezys designt?), bis er Filme designt (wie auch immer er das meint, aber bei seinem eigenen Film hat er schon die Regie geführt). Was genau dauert also nicht mehr lange? Ach so, bis Kanye ein eigenes Opernhaus designt? Nun, das wird bestimmt noch eine Weile dauern—eine Elbphilharmonie baut sich auch nicht über Nacht.

Kanye rastet aus, weil er deine Klamotten scheiße findet

Auch im geschriebenen Wort weiß Kanye auszurasten. Beispielsweise auf Twitter. Wer vor zwei Jahren diese Tweets gelesen hat (zwischenzeitlich hat Kanye sie gelöscht), hat sofort verstanden, warum der Rapper einen Hass-Tweet nach dem anderen raushauen musste. Hemd unterm Hoodie? Vergiss es! Khakifarben? Igitt! Gestreifte Schals? Geht’s noch?! Was er uns mit diesem Mini-Twitter-Rant sagen will: Unsere Klamotten sehen total scheiße aus und wir sollten uns dringend ein paar Lederröcke besorgen.

Kanye rastet aus, weil er plötzlich doch einen khakifarbenen Trenchcoat trägt

Fans müssen ziemlich durch den Wind gewesen sein, als Kanye plötzlich in einem khakifarbenen Trenchcoat auf der Bühne stand. Wir erinnern uns: Wie scheiße Menschen in solch einem Outfit doch aussehen. Kein Wunder, dass er sich bei einem seiner Konzerte darüber aufregen muss: Spätestens vor seinen Fans muss er gemerkt haben, dass er sich gerade genau den Faux-Pas erlaubt hat, auf den er vorher Millionen Twitter-Follower hingewiesen hat. Wen hätte das nicht geärgert?

Kanye rastet aus, weil er ein Rockstar ist

Keine Ahnung, ob jemand das mitbekommen hat: Rap-Musik gibt es nicht mehr. Rap heißt jetzt Rock. Konkret: Vergesst Kurt Cobain, Axl Rose, Ozzy Osbourne, Jimmy Hendrix, Jim Morrison oder David Lee Roth. Kanye ist der größte Rockstar. Das soll Hedi Slimane sich gefälligst hinter die Ohren schreiben—dabei ist der doch Fashiondesigner und kein Rockstar …

Kanye rastet aus, weil er keinen Grund braucht

Kanye hat einfach Bock zu schreien. Lasst ihn einfach. Es gibt keinen besseren Grund.

Kanye rastet aus, weil er Pusha-T so gerne mag

Scheiß auf ‚die Unternehmen’, scheiß auf die Medien, scheiß auf Leute, die Zahlen auf die Rückseite ihrer T-Shirts drucken, scheiß auf alles: DAS IST PUSHA-T, MANN! Wie kann man kein Verständnis für solch einen Ausraster haben? Pusha-Ts Musik und ein bisschen Grey Goose-Vodka ist halt ein guter Grund, vor kleinem Publikum fünf Minuten ins Mikro zu brüllen.

Kanye rastet aus, weil er die Medien kontrollieren muss

Was auch immer im Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung über Kanye gesagt oder geschrieben wird: Am Ende hat er die absolute Macht über die Medien dieser Welt. Das erkennt man spätestens, wenn man mit diesem Artikel durch ist. Kein Wunder, dass man bei dem Gedanken ausflippt—ist ja auch ein harter Job.

Kanye rastet aus, weil Sway keine Ahnung hat

Auch im Radio kann Kanye es nicht lassen. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Kanye bei einem Besuch in der Radio-Show von Moderator Sway Calloway die Geduld verliert: Sway hat nicht nur keine Ahnung, nein, Sway hat vor allem die Antworten nicht. Und wer die Antworten nicht hat, der hat es verdient, so richtig bepöbelt zu werden. In der eigenen Sendung. So einfach ist das.

Kanye rastet aus, ohne wirklich auszurasten

Das letzte Konzert seiner Yeezus-Tour war natürlich noch einmal ein guter Anlass, gefühlt jedes Problem anzusprechen, das er über die Jahre mit Nike, Fendi, Louis Vuitton, den Medien und wem auch immer hatte. Außerdem ist es auch ein guter Moment, den Fans klarzumachen dass er nicht nur Yeezus, ein Rockstar, sondern auch Michelangelo ist. Richtig gebrüllt wird eigenartigerweise aber nicht. Nach monatelangem Geschreie braucht halt jeder mal eine Pause.

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