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DIE MUSIKAUSGABE

Hinter dem Cover der Music Issue 2016

Wir hatten häufig Stillleben auf dem Titel, also wollten wir diesmal etwas anderes machen. Wir haben ein Foto mit viel Bewegung und einer interessanten Story gewählt, das Musik auf unverhoffte Art einfängt.

von Jeff Reed und Luis Gispert
27 November 2016, 5:00am

Aus der Music Issue 2016

Luis Gispert und Jeff Reed fingen um 2002 an, zusammen Filme und Fotos zu machen. Ihr Projekt Stereomongrel hatte seine Premiere im Whitney Museum of American Art und ist seither international ausgestellt und vorgeführt worden. Beide arbeiten als Künstler und Filmemacher: Gispert in Brooklyn und Reed in Venice, Kalifornien.

Welche Geschichte steckt hinter eurem Titelfoto?
Luis Gispert:
Das Titelfoto BB Matrix war Teil eines größeren Projekts namens Stereomongrel, das sein Debüt im Whitney hatte. Neben einem zehnminütigen Film zeigten wir großformatige Fotos, mit Szenen und Figuren, die im Film nicht vorkamen. Das waren keine Outtakes, sondern eigene Szenen, die wir als Fotos entworfen hatten. Wir stellten uns darin Momente vor, die gleichzeitig anderswo in der Filmwelt passierten.

Inwiefern ist das Projekt von Musik beeinflusst oder inspiriert?
Jeff Reed:
Luis und ich hatten über einen musikalischen Begriff namens "Portamento" geredet. Das kommt aus der Klassik und bezieht sich auf bundlose Instrumente, doch in den 60ern und 70ern, als analoge Synths die Welt eroberten, wurde es zur Grundlage vieler Synthie-Tracks. In den 80ern und später fand es seinen Weg auf viele Rap-Platten—denk an Dr. Dre, N.W.A., Snoop ; es ist dieser Effekt, wo man durch ein Intervall gleitet, ohne bei einzelnen Noten zu verweilen.

Was habt ihr bei der Arbeit gehört?
Gispert:
Das Projekt dauerte zwei Jahre, von 2003 bis 2005. Mashups waren damals gerade im Kommen. Es lief jede Menge HipHop. Mobb Deep, Ghostface Killah. Wir haben uns auch sehr für eine wunderbare italienische Prog-Rock-Band namens Goblin begeistert.

Wo ist das Foto entstanden?
Reed:
Damals haben wir uns auf fiktive Subkulturen oder Banden konzentriert. Wir waren im Viertel Overtown in Miami, damals eins der gefährlichsten Gebiete der Stadt. Die Crack-Epidemie hatte alles zerstört. Luis ist in Miami aufgewachsen, also kannte er die Straßen.

Gispert:
Wir trafen einen Typen in voller Bauarbeiter-Montur, dabei gab es kilometerweit keine Baustelle. Er hatte eine Machete. Er sagte uns, jeder bräuchte einen "Look". Sein Look gab ihm etwas Tarnung, sodass die Polizei ihn in Ruhe ließ.

Reed:
Er sagte, er habe eine Crew, die sich für ein paar Dollar vielleicht ablichten ließe. Er stellte uns seine Kollegen vor: ein Zuhälter, ein paar Prostituierte, viele Crack-Süchtige. Sie waren alle für das Foto zu haben. Wir hatten einen Truck mit Ladefläche, eine Toshiba-Boombox und eine Werkzeugkiste voll mit Kostümgold.

Sie schnüffelten jede Menge Kleber und schlurften dann wie Zombies mit den Boomboxen umher. Ein Rattenfänger-Archetyp fuhr mit dem Truck vor und sammelte die ganzen Boomboxen ein, um sie an andere Gangs zu verteilen.


In letzter Zeit hatten wir häufig Stillleben auf dem Titel, also wollten wir diesmal etwas anderes machen. Da wir in der Regel keine Künstler oder Berühmtheiten auf unser Cover lassen, haben wir ein Foto mit viel Bewegung und einer interessanten Hintergrundgeschichte gewählt, das Musik auf unverhoffte Art einfängt. Die Bilder links waren die anderen Anwärter auf den Titel.


Dieses Foto stammt aus Stereomongrel, einer großformatigen Fotoreihe von Luis Gispert und Jeff Reed zu ihrem gleichnamigen Film.