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spass mit hoden

Til Schweiger hat einen Film über männliche Intimbereiche gedreht

In 'Klassenfahrt 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken' geht es um Schamhaare und Hoden alter Herren. Es ist genauso peinlich, wie es klingt.

Lisa Ludwig

Lisa Ludwig

Screenshot aus dem YouTube-Video "Klassentrailer 1.0 Trailer" von KinoCheck Comedy

Deutsche Comedy ist ein unwirtlicher Ort, zu dem sich kaum jemand gerne vorwagt. Dunkel, feucht, ein leicht fauliger Geruch nach Zellmasse, die seit langer Zeit vor sich hinrottet – ein bisschen wie der Intimbereich eines Säufers, der seine besten Jahre schon lange hinter sich hat. Womit wir dann auch direkt bei Til Schweigers neuestem Kinofilm wären: Klassenfahrt 1.0 Die unglaubliche Reise der Silberrücken.

Drei Freunde irgendwo zwischen 40 und 50 Jahren – ab einem bestimmten Alter fällt es bei Männern ja immer schwer, das so ganz genau zu bestimmen – werden zu einem Klassentreffen eingeladen. Nille (Samuel Finzi) hat Hämorrhoiden, "eine Lesebrille" und Probleme mit seinen Kindern. Andi (Milan Peschel) hat Erektionsprobleme und wurde gerade von seiner Frau sitzengelassen. Und Tommy (Til Schweiger) ist erfolgreicher DJ, Experte für Intimbehaarung und trägt Hüte, die selbst der Queen zu albern wären. Sie eint die Angst vorm Älterwerden und eine Vorliebe für dämliche One-Liner ("Let’s go, Buffalo!"). Vor allem aber haben sie alle einen Penis – und der erste Trailer zu Klassenfahrt 1.0 soll offensichtlich sicherstellen, dass wir das auf gar keinen Fall vergessen.

"Mein Glied steht wie eine Eins!", brüllt Andi direkt zu Beginn bei der Eheberatung. Wenige Sekunden später geht es mit der cineastischen Genitalschau direkt weiter: Nille und Andi müssen sich von Tommy erklären lassen, dass sie mit ihrem haarigen Intimbereichen aussehen würden "wie die alten Säcke" – wobei Schweiger im Bild danach den Mund irritierenderweise zu einer Schnute spitzt und ein bisschen so aussieht, als würde er an einem unsichtbaren Strohhalm ziehen. Warum sich die beiden Freunde anschließend unter dem wachsamen Blick des angestrengt junggebliebenen DJs in einem öffentlichen Schwimmbad den Schritt rasieren müssen? Keine Ahnung.

Man traut sich das nach der filmischen Vollkatastrophe Hot Dog ja kaum noch zu fragen, aber: Was genau ist hier die Pointe? Wird deutscher Humor wirklich im Wesentlichen davon bestimmt, dass verklemmte Kinogänger einen Grund haben, pseudo-schockiert zu kichern, weil Sex und nackte Haut so wahnsinnig skandalöse Themen sind? Anders lässt sich das, was in den knapp zwei Minuten Filmvorschau passiert, nicht erklären.

Im Trailer gibt es Witze über Hämorrhoiden, Witze über Desinfektionsmittel auf Penissen und, als großes Finale, Witze über Hoden, die in Sauna-Sitzbänken festklemmen, und die Sackflüsterer Schweiger anschließend vorsichtig freikitzeln muss. Der komplette Clip ist so monothematisch zugeschnitten auf alternde Männer, die sich zwanghaft mit ihren Genitalien beschäftigen müssen, dass man sich ernsthaft fragt, warum der gute Til auch hier zwingend eine seiner Töchter unterbringen musste. (Lilli Schweiger spielt die Tochter von Tommys Flamme, die aus nicht näher erläuterten Gründen mit zum Klassentreffen fahren muss und über den Großteil des Trailers vor allem ziemlich angeekelt aussieht – vollkommen zu Recht.)

"Durch ausschweifende Partys und potentielle Affären (bei denen garantiert immer irgendwas dazwischen kommt!) rücken die Freunde immer näher zusammen und stellen fest, dass ihr tatsächliches Alter genau das Richtige ist", heißt es übrigens in der offiziellen Filmbeschreibung. Das klingt nach einer weiteren Schweiger'schen Mainstream-Komödie in Sepia-Tönen, in der junggebliebene Quatschmacher mit einem Herz aus Gold erst etwas dümmlich von einer absurden Situation in die nächste stolpern müssen, bevor sie verstehen, dass das wahre Glück die ganze Zeit so nah war. Womöglich wäre ein Pressetext à la "Es geht um alte Penisse, lol!" selbst für Til Schweiger ein bisschen zu platt gewesen.

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