Ein FPÖ-Abgeordneter soll eine Frau krankenhausreif geprügelt haben

Der Politiker und Mediziner soll eine Frau in einem Wiener Hotelzimmer verprügelt, ihr Zähne ausgeschlagen und sie später bedroht haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigt die Ermittlungen.

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20 Oktober 2017, 8:59am

Foto (Symbolbild) via Pexels | CC0 Lizenz

Wenige Tage vor der Nationalratswahl sorgte eine Meldung der Kronen Zeitung zumindest kurz für Aufsehen. Die Tageszeitung berichtete über eine "brisante Prügel-Affäre", die einen prominenten FPÖ-Nationalrat nun "einhole". Laut der Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers, das die Krone in ihrem Bericht zitiert, soll der Politiker die Frau im März 2016 in einem Wiener Hotelzimmer unter Alkoholeinfluss 20 bis 30 Mal geschlagen und ihr zweimal für mehrere Sekunden ein Kissen aufs Gesicht gedrückt haben. Medial wurde die Sache danach nicht weiter verfolgt.

Nach Informationen von VICE ist der beschuldigte FPÖ-Abgeordnete außerdem in einem medizinischen Heilberuf tätig und soll auch dem kommenden Nationalrat angehören. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien bestätigt laufende Ermittlungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Angezeigt wurde der Fall im August 2017, nachdem der Politiker die 50-Jährige laut Kronen Zeitung am Tag zuvor mit seinem Auto abgepasst haben soll, um eine "Aussprache" zu erzwingen. Zitiert wird im Bericht auch der Krankenhausbefund. So soll die Frau mit Hämatomen, herabgesetztem Hörvermögen und vier ausgeschlagenen Zähnen aufgenommen worden sein. Sie ließ sich auf eigene Verantwortung aus dem Krankenhaus entlassen.

Der beschuldigte Abgeordnete soll sie damals unter Druck gesetzt und einen Anwalt für sie genommen haben. Dieser wiederum soll ihr geraten haben, bei der Polizei auszusagen, von einem Unbekannten auf der Straße verprügelt worden zu sein, so das mutmaßliche Opfer in seiner Zeugenaussage.

Wer der damalige Anwalt gewesen sein soll, ist nicht bekannt. Aktuell kümmert sich der prominente Rechtsanwalt Manfred Ainedter um den Fall. Dieser war für VICE auch nach mehrmaliger Anfrage nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Bei der FPÖ ortete man laut Krone zunächst eine wahlkampfbedingte "Schmutzkübel-Aktion". Auch auf Nachfrage meint Pressesprecher Martin Glier, die Vorwürfe seien "unhaltbar". "Es handelt sich um die Intrige einer verzweifelten Verlassenen, die die Trennung nicht verkraftet hat", so Glier. Er sei überzeugt, dass die Ermittlungen ins Leere laufen würden.

Der beschuldigte Abgeordnete sitzt seit 2008 für die FPÖ im Nationalrat und für Gesundheitsagenden zuständig. Außerdem gehört er dem außenpolitischen Ausschuss an und verfügt offenbar über gute Kontakte nach Russland und in die USA. Im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern betonte er in der Vergangenheit die Notwendigkeit des Engagements gegen "kulturell geprägte" Gewaltpraktiken.

Die ÖH-Führung kritisierte der Abgeordnete wiederum als "wohlstandsverwahrloste Parteijugend", die sich bei Demonstrationen hinter einen "gewaltbereiten Mob" stelle. Im Jänner nahm der Abgeordnete gemeinsam mit Heinz-Christian Strache und anderen an der Feier zur Amtseinführung von Donald Trump teilnahm und traf Vertreter der Republikaner in Washington.

In der Wiener FPÖ sowie der Führungsebene der Partei scheint der Angeklagte gut vernetzt. Er kommt ursprünglich – wie Parteichef Strache – aus der Bezirksgruppe Landstraße und ist Mitglied der schlagenden Burschenschaft Aldania. Nach Stand vom November 2017 würde er in den nächsten Nationalrat einziehen, seitens der Partei wird er als fixer Kandidat genannt.

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