Krank und verstoßen: Bilder von Menschen mit psychischen Störungen

In Indonesien werden sie häufig misshandelt, sie gelten als besessen. Der Fotograf Dwi Asrul Fajar hat psychisch Kranke in ihren Schlafzimmern besucht.

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04 Dezember 2017, 10:14am

Wie sieht mentale Gesundheit in einem Land aus, in dem selbst die Andeutung einer psychischen Krankheit schon als Tabu gilt? Um diese Frage zu beantworten und den Alltag von jungen Menschen mit solchen Krankheiten zu dokumentieren, hat sich der im indonesischen Jakarta lebende Fotograf Dwi Asrul Fajar aufgemacht. Das Ergebnis: intime Schlafzimmer-Porträts. Ungestellte und packende Stillleben.

"Ich finde, Bilder aus den Schlafzimmern sagen viel über die dazugehörigen Personen aus: Wie leben sie? Was machen sie? Wie sind sie drauf?", sagt Fajar. "Solche Bilder lassen uns in deren Welt eintauchen. Genau diese Vertrautheit will ich einfangen. So können die Betrachter meine Bilder auch besser verstehen."

In den Porträts lässt sich schnell erkennen, wie viel gegenseitiges Vertrauen zwischen dem Fotografen und seinen Motiven herrschte. Fajar behandelte sie aber auch wie Kollegen, sie durften genauso darüber mitentscheiden, wie sie abgelichtet werden.


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In der Fotoreihe namens A Stream Under the Table stehen Krankheiten im Mittelpunkt, die die meisten Indonesier am liebsten ignorieren würden. So werden Menschen mit psychischen Problemen vor allem in den ländlichen Gegenden des südostasiatischen Landes oft von der eigenen Familie weggesperrt und angekettet – und das häufig jahrelang. Diese Praxis, auch Pasung genannt, ist dem Glauben geschuldet, dass psychisch kranke Leute besessen oder verflucht sind. Einer Schätzung von Human Rights Watch zufolge müssen in ganz Indonesien rund 18.000 Personen diese Tortur über sich ergehen lassen.

Man kann nur hoffen, dass die indonesische Regierung in Zukunft einen besseren Zugang zu psychiatrischer Versorgung und anderen Formen der Unterstützung für alle Betroffenen ermöglicht. Genauso wichtig ist es aber, das Stigma von psychischen Krankheiten abzubauen. Fajars Fotos sind da ein Schritt in die richtige Richtung.

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