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Marihuana

Wie ich in Wien einmal beim Gras kaufen unabsichtlich eine Bandenschlacht ausgelöst habe

Eine kleine Anekdote, die du im Kopf haben solltest, falls du mal - warum auch immer - auf der Straße was aufstellst.

von Mathias Ebersbach
23 September 2018, 4:00am

Foto: Wikimedia | Anna Saini | CC BY-SA 4.0

Um eins gleich vorauszuschicken: Das ist keine Geschichte eines Kleinkriminellen, der sich zufällig mal in einem Raum mit einem Sack voller Koks befand, und wo der Koffer mit Geld plötzlich fehlte. Das ist mehr eine Butterfly Effect-Geschichte, die dir zeigt, dass du selbst für den kleinsten Scheiß ordentlich einfahren – und trotzdem glücklich davonkommen – kannst.

Es begann damit, dass meine Freundin und ich eines Tages sehr spontan intensive Lust auf etwas Cannabis verspürten, aber kurzfristig keinen Kontakt dafür auftreiben konnten. Und weil wir nun mal verdammte Kiffer sind, die dazu neigen, ein extremes Theater aufzuführen, wenn es an einem dieser Tage nichts gibt, fuhren wir in die Stadt, um beim Flex einzukaufen. (Ja, ich weiß.)

Es dauerte nicht lange, bis wir angesprochen wurden. Als wir ihm signalisierten, dass er mit seiner Vermutung "Gras?" Recht hatte, nickte er uns intensiv zu und behielt das Nicken bei, während er immer weiter von uns wegging. Und weiter. Er drehte sich dabei kein einziges Mal um. War das überhaupt ein Nicken? Hatte er uns überhaupt gehört? Egal. Wir folgten ihm.


Aus dem VICE-Netzwerk:


Nach gut zwei Minuten trafen wir auf einen zweiten Dealer, der uns ebenfalls fragte, ob wir was bräuchten. Da sich unser Kontaktmann – immer noch so etwas wie nickend – immer weiter von uns entfernte, bestätigten wir auch den Verdacht unseres neuen Freundes. Wir beschlossen also, ihm nachzugehen. Immerhin schien er uns auch eher wahrgenommen zu haben als unser erster Kontaktmann.

Als wir zu einer Brücke kamen, begannen die Probleme. Hab ich schon erwähnt, dass wir ziemliche Kiffer sind? Wenn du einem Dealer sagst, dass du mit ihm einen Deal abzuwickeln gedenkst, dann ist es nicht besonders ratsam, auf einen anderen Dealer auszuweichen, nur weil dir der Deal nicht schnell genug geht. Auch, wenn du womöglich nicht mal mit Sicherheit wusstest, ob dieser Deal überhaupt noch stattfindet. Dass du dir in Bezug auf die Art und Ausrichtung eurer Transaktion unsicher bist, ist dem Dealer nämlich scheißegal. Er ist ein Dealer und will einfach dealen. Und du bist besser dazu bereit, den ganzen Weg mitzugehen, wenn du mit deinem hektischen Nachfragen schon seine Zeit in Anspruch nimmst.

Wie dem auch sei – bei aller möglichen Unsicherheit und trotz der potenziellen Chance, am Ende keinen Deal abgewickelt zu haben, gilt: Wechsle niemals mitten im Deal den Dealer. Tu es einfach nicht. Warum, illustriert unsere Brücken-Situation vielleicht ganz gut: Plötzlich standen nämlich 10 Typen 10 anderen Typen gegenüber, wobei sich beide Seiten gegenseitig anfuckten und einander bezichtigten, der jeweils anderen die Kundschaft wegzustehlen. Typisch Kapitalismus halt.

Flaschen und Fäuste flogen. Ein waschechter Straßenkampf ­brach aus. Wir beschlossen, das einzig Vernünftige zu tun: nämlich wie kleine Kinder zu schreien und uns so schnell wie möglich davonzustehlen. Ein paar 100 Meter weiter und wenige Minuten später sprachen uns zwei andere Leute an und fragten uns: "Seid ihr die, die gerade für den Fight gesorgt haben?" Wir hatten eine Scheißangst.

Noch ein Learning aus dieser Nacht: Du glaubst vielleicht, niemand beobachtet dich, wenn du bei einem Straßendealer Gras aufstellst. Aber du wirst beobachtet – von seinen Kollegen genauso wie von der Konkurrenz.

Aber die beiden haben nur gelacht und sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. Schließlich haben wir ihnen Gras abgekauft und sind nachhause gefahren. Angst hatten wir dabei immer noch – aber jetzt immerhin auch Gras. In Anlehnung an die letzte Stadt-Kampagne könnte man sagen: "Gras kaufen wie in Marseille, leben wie in Wien."

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