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diskriminierung

Ein Berliner KFC ließ Schwarze Gäste von der Polizei rausschmeißen

Die Betroffenen unterstellen dem Eigentümer der Fastfood-Filiale und der Polizei nun in einem Facebook-Video Rassismus.

von Yannah Alfering
23 Mai 2018, 3:09pm

Foto: Facebook Screenshot

Dieser Artikel erschien zuerst bei VICE Deutschland.

Gackernde Hühner werden bei KFC nur tot, frittiert und in einem großen Eimer akzeptiert. Das musste am Pfingstmontag eine Gruppe Touristen in Berlin lernen, die während des Essens von drei Polizeibeamten aus dem Laden verwiesen wurde. Angeblicher Grund: Sie hätten zu laut gelacht und geredet. Die Touris sind sich jedoch sicher, dass sie nur rausgeschmissen wurden, weil sie schwarz sind und klagen nun in einem Facebook-Video das Verhalten der Polizei an.

Am Montag ging ein selbstgedrehtes Smartphone-Video online, in dem eine Gruppe Männer und Frauen dokumentiert, wie sie von Berliner Polizisten aus einem KFC-Restaurant am Alexanderplatz geworfen werden. Die englische Beschreibung des Videos lautet auf Deutsch übersetzt: "Rassistische Behandlung bei KFC in Berlin. Wir haben nur etwas gegessen und uns unterhalten. #rassismusexistiertimmernoch #soetwasistmirnochniepassiert". Zu sehen ist, wie Polizisten die Gruppe auffordern, die Fastfood-Kette zu verlassen. Anschließend kontrollieren die Beamten vor der Tür ihre Pässe und ordnen an, dass sich die Personen von dem Restaurant fernhalten sollen.

Das Video beginnt, als die Polizisten bereits neben dem Tisch im KFC stehen, und die Gruppe auffordern, zu gehen. Die drei Männer und die drei Frauen, die gerade ihr Hühnchen essen, verstehen nicht, wieso sie gehen sollen. Mehrfach fragen sie die Polizisten auf Englisch nach dem Grund. Den scheinen diese auch nicht genau zu kennen, verweisen jedoch auf einen Anruf und das Hausrecht des Eigentümers. Die Pressestelle der Polizei bestätigte gegenüber VICE, dass ein Notruf einging, in dem es um "randalierende Personen" bei KFC gegangen sei. Mehrfach erklärt die Gruppe den Polizisten, dass sie nur ihr Essen gegessen und sich dabei unterhalten hätten. Die Polizisten möchten die Sache vor der Tür klären. Mehrfach fordern sie die Frau, die mit dem Smartphone filmt, auf, dies zu unterlassen. Die ruft beim Verlassen des Restaurants: "Ich kenne meine Rechte, Sie können mich nicht zwingen, Aufnahmen von meinem Handy zu löschen."

Vor KFC kontrolliert die Polizei die Pässe der britischen Staatsbürger. Ein Polizist sagt: "Wir haben einen Anruf bekommen und klären nun die Situation." Daraufhin antwortet ein Gruppenmitglied: "So klärt man keine Situation. Sie vertreten nur eine Seite. Das nennt man Rassismus." Während der Personenkontrolle ist im Hintergrund eine männliche Stimme zu hören, die sagt: "Die bekommen alle eine Anzeige." Ein anderer Mann fragt zurück: "Ja, aber wegen was? Das ist immer noch eine interessante Frage." Im Video ist nicht zu erkennen, ob es sich bei diesen Männern um Polizisten oder um Zivilisten handelt. Laut der Pressesprecherin der Polizei liegen zu diesem Fall bisher jedoch keine Anzeigen vor.

Nachdem die Personalien gecheckt wurden, erteilt die Polizei der Gruppe einen Platzverweis. Die Kamera läuft noch, als die Gruppe sich von dem Fastfood-Restaurant entfernt. Eine der Frauen sagt aufgebracht: "Der Typ hat behauptet, dass wir mit Essen schmeißen würden, obwohl wir nur gegessen haben." Eine andere antwortet: "Er ist ein lügender Motherfucker."


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Bei Facebook hat das Video am frühen Mittwochnachmittag mehr als 200.000 Aufrufe, die Nutzer kritisieren überwiegend das Verhalten der Polizisten. Fakt ist, in Deutschland gibt es das Hausrecht. "Es muss keinen Grund geben, um von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen", erklärt eine Pressesprecherin der Polizei. Wenn der Besitzer möchte, dass die Gruppe das Restaurant verlässt, sei die Polizei verpflichtet, sein Hausrecht durchzusetzen – selbst dann, wenn der Besitzer ein Rassist sein sollte.

KFC weist die Diskriminierungsvorwürfe gegenüber VICE von sich. Einige Besucher des Fastfood-Restaurants hätten sich durch das Verhalten der Personen beunruhigt gefühlt. Wodurch genau, ist der schriftlichen Stellungname nicht zu entnehmen. Der Verantwortliche vor Ort hätte sich nach "mehrmaligen, vergeblichen Schlichtungsversuchen" gezwungen gesehen, die Polizei zu alarmieren, um die Situation zu beruhigen. KFC distanziere sich als internationales Unternehmen von jeglicher Form von Rassismus: "Unsere Mitarbeiter gehören den unterschiedlichsten Religionen und Kulturen an." Ja, und der Spätiverkäufer des Verantwortlichen ist bestimmt auch voll nett.

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