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Drogen

Drogenstudie: Was in Österreich gezogen und geworfen wird

Forscher haben erneut die Rückstände von Drogen im Abwasser untersucht. Vor allem in Innsbruck hat sich einiges getan.

von VICE Staff
15 März 2019, 1:03pm

Fotos: Pixabay || Collage: VICE

Wenn man wissen will, womit sich eine Gesellschaft beschäftigt, muss man sich ihren Müll ansehen. Auch dann, wenn es um Drogen geht. Seit 2011 untersucht die EU, wie viel Drogenrückstände durch europäische Kanalisationen und Abwasserrohre fließen. Daraus lässt sich schließen, welche und wie viele Drogen wir konsumieren.

Die am Donnerstag veröffentlichten neuesten Studienergebnisse der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) zeigen die Entwicklungen in etwa 70 europäischen Städten. In Österreich wurden vier Regionen in Kärnten, Tirol, Vorarlberg untersucht. Im März 2018 hatten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eine Woche lang die Rückstände von Kokain, Amphetamin, MDMA und Methamphetamin im Abwasser dokumentiert.

Das Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck, das die Studie in Österreich durchführte, liefert außerdem erstmals Daten zum in Cannabis enthaltenen Wirkstoff THC. Und das kommt im österreichischen Abwasser besonders häufig vor, laut den Forschenden sind 90 Prozent der Drogenrückstände auf THC zurückzuführen, vier bis acht Prozent auf Kokain.


Auch bei VICE: Die Wahrheit über Ecstasy – High Society


Kokain

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Alle Screenshots: emcdda.europa.eu

Von allen Regionen in Österreich wurde in Innsbruck im Schnitt am meisten Kokain geballert. Dort ist der Konsum seit 2016 um mehr als das Doppelte gestiegen. Für die anderen Regionen in Österreich gibt es keine Zahlen aus den Vorjahren. Im Vergleich dazu ist die Vorliebe der Kärntner für kolumbianisches Marschierpulver sehr klein.

In den meisten untersuchten Regionen nahmen die Leute von Montag an jeden Tag ein bisschen mehr Koks, bis der Konsum am Samstag den Höhepunkt erreichte. Am Sonntag stellten die Forschenden daher jeweils die höchsten Konzentrationen von Kokain im Abwasser fest. Menschen aus der Region Hall-Wattens allerdings konsumieren am Freitag am meisten und gönnen ihren Nasen schon ab Samstag eine Verschnaufpause.

MDMA

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In Amsterdam, Utrecht, Zürich und Berlin wurden am meisten Teile geschmissen, Bömbchen gebaut und bittere Pülverchen gedippt. Von den 14 Ländern, die 2018 an der Studie teilnahmen, konsumierten die Menschen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland das meiste Ecstasy.

Österreicher und Österreicherinnen sind im Vergleich dazu zurückhaltender, aber der Konsum in Innsbruck ist im Vergleich zum Vorjahr um circa 20 Prozent gestiegen.

Methamphetamin und Amphetamin

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Während sich bislang besonders Tschechien und die Slowakei mit dem Phänomen Meth beschäftigen mussten, konsumieren Leute die Droge laut den neuen Studienergebnissen inzwischen auch verstärkt in Zypern, Spanien, generell Nordeuropa und Ostdeutschland. In Österreich ist der Konsum bisher hingegen gering. In Erfurt etwa wird 100 Mal so viel Meth konsumiert wie in Innsbruck.

Auch beim Amphetaminkonsum liegt Österreich im Vergleich zu den anderen Ländern im unteren Mittelfeld. Wobei die Innsbrucker ihren Konsum von 12,45 Milligramm (auf 1000 Personen) im Jahr 2016 auf 17,05 Milligramm im Jahr 2018 gesteigert haben. Die meisten Amphetaminrückstände fanden die Forscher in Nord- und Osteuropa.

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