Amazon stoppte den Verkauf des AfD-Wahlprogramms – wegen "Qualitätsproblemen"

Amazon fordert die Kunden nun dazu auf, Feedback zu geben. Kein Problem.

|
04 August 2017, 11:14am

"Freitagmorgen. Das Wochenende soll sonnig werden. Ein bisschen Lesen am See wäre schön. Ich glaube, ich kaufe mir auf Amazon das AfD-Wahlprogramm." Für all jene, die heute direkt beim Aufstehen diesen Gedanken hatten, startete der Tag mit einer herben Enttäuschung.

Auf der Website des Liefer-Giganten verkauft die AfD die Kindle-Version des eigenen Wahlprogramms. "Das soll der besseren Verbreitung auf allen Ebenen dienen", sagte AfD-Pressesprecher Christian Lüth gegenüber VICE. Das ursprünglich für 2,99 Euro angebotene Produkt hatte die Partei allerdings recht schnell auf 0,99 Cent heruntergesetzt. Die Schnäppchenjäger – denen ein Gratis-Download des Programms auf der AfD-Homepage einfach nicht genügt – erhielten über Stunden jedoch die Nachricht: Das Programm für Deutschland ist laut Amazon-Website "im Moment (...) nicht erhältlich".

Foto: Screenshot von amazon.de am Freitagmorgen

Den Grund für den plötzlichen Verkaufsstopp offenbarte Amazon in einer Infobox neben dem Artikel: "Dieses Buch ist zurzeit nicht verfügbar, da die vom Verlag gelieferte eBook-Datei erhebliche Qualitätsprobleme aufweist." Welche genauen Qualitätsmängel das Unternehmen im Wahlprogramm der Partei finden konnte, kommunizierte Amazon nicht.

Die Kundenrezension von User "Schön Bunt Hier" hat eine historisch interessante Erklärung für die Mängel. Die Datei erhalte einen "Schadcode". Dieser habe unter anderem dafür gesorgt, dass sich die Systemzeit seines Kindles "auf 1933" geändert hat. Auch erschreckend: "Seit dem Kauf sind bei mir die Werke von Thomas Mann, Erich Kästner und einigen anderen vom Kindle verschwunden."

Foto: Screenshot der Top-Kundenrezension unter dem AfD-Wahlprogramm auf amazon.de

Alles in allem ist der Verkauf des Wahlprogramms nicht der schlauste Move, den die AfD in ihrer Parteikarriere gemacht hat. Bereits in den vergangenen Tagen hatten die Kunden die kurz vorher veröffentlichte Kindle-Version auseinandergenommen. Ein Kunde warf der AfD ein Plagiat vor: "Ich fand das Original Mein Kampf deutlich unterhaltsamer." Ein weiterer User hob hingegen die Wichtigkeit des Werkes für Generationen hervor. "Dieses Buch ist ein geniales Musterbeispiel deutscher Leitkultur", leitete er seine Ode an das Programm für Deutschland ein. Die bunte Mischung aus Kundenrezensionen unter dem Verkaufsartikel laden immer noch zur Lektüre ein.

Mittlerweile scheint der Fehler behoben. Das Programm ist wieder erhältlich. Ob das alle "Qualitätsprobleme" des Werks löst, bezweifeln wir allerdings.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.

Mehr VICE
VICE-Kanäle