Verbrechen

Eine maltesische Investigativ-Journalistin wurde mit einer Autobombe ermordet

Die Journalistin Daphne Caruana Galizia hatte an den Enthüllungen der Panama Papers mitgearbeitet und erreichte online ein riesiges Publikum.

von Carter Sherman
17 Oktober 2017, 2:15pm

Der Premierminister von Malta verurteilte den Mord | Screenshot: Twitter

Die maltesische Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia wurde am Nachmittag des 16. Oktober mit einer Autobombe in der Nähe ihres Zuhauses ermordet. Galizia war an der Berichterstattung um die sogenannten Panama Papers beteiligt.

"Was heute geschehen ist, war kein gewöhnlicher Mord", sagte Adrian Delia, der maltesische Oppositionsführer. Galizia hatte zu Delias lautstärksten Kritikerinnen gehört.

Am bekanntesten war Galizia wohl für ihre Berichterstattung über die Verbindungen des maltesischen Premiers Joseph Muscat, seiner Frau und mehreren Geschäftspartnern zu Offshore-Firmen. Darauf finden sich Hinweise in den Panama Papers, einer riesigen Sammlung an geleakten Dokumenten, mit denen Journalisten unter anderem die geheimen Offshore-Geschäfte diverser Staatsoberhäupter aufdeckten. Galizia mutmaßte, dass Muscats Ehefrau Michelle eine solche Offshore-Firma besaß, und dass diese Firma mehrere Zahlungen von einem Konto erhalten hatte, das mit der Regierung von Aserbaidschan in Verbindung stand.


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Muscat und seine Mitverdächtigten stritten ab, etwas Unrechtes getan zu haben, doch die Journalistin Galizia stieg zu weltweiter Bekanntheit auf. Ihr Blog, Running Commentary, hatte regelmäßig 400.000 Leser – und das obwohl Malta nur 420.000 Einwohner hat. Dieses Jahr hatte Politico über Galizia geschrieben, sie sei ein "Ein-Frau-Wikileaks, das gegen Korruption und mangelnde Transparenz in Malta kämpft – einem Inselstaat, der für beides berüchtigt ist."

Muscat verurteilte den Mord an Galizia und nannte die Tat "einen barbarischen Angriff auf eine Person und auf die freie Meinungsäußerung in unserem Land". Doch Adrian Delia, der Chef der wichtigsten Opposition zu Muscats Partei, ging weiter und bezeichnete den Mord als "eine Konsequenz der völligen Rechtlosigkeit, die sich in den vergangenen vier Jahren breitgemacht hat". Die Polizei teilte mit, dass sie den Fall als Mord behandle.

Laut der NGO Komitee zum Schutz von Journalisten sind 2017 bereits 27 Journalisten und Journalistinnen bei der Ausübung ihrer Arbeit gestorben. Von den 1.255 Journalisten, die seit 1992 getötet worden sind, berichteten fast 600 über Politik, weitere 255 konzentrierten sich darauf, Korruption aufzudecken.

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