Safe Use

Was du tun kannst, wenn dein Dealer dich verarscht

Schlechter Stoff, zu teuer – immer wieder beschweren sich Konsumenten bei der Polizei. Ziemlich dumm, denn es gibt Alternativen.

von Thomas Vorreyer
15 September 2017, 8:26am

So sollte euer Gespräch nicht aussehen | Foto: imago | Blickwinkel [bearbeitet]

Wenn im pfälzischen Bad Kreuznach nicht gerade wieder ein Typ seine fast zwei Meter große Cannabis-Pflanze auf dem Rad spazieren fährt, geht es in der Kurstadt ziemlich ruhig zu. Mal fährt ein Pensionist sein Auto im Parkhaus fest, mal zeigt eine Drogenkonsumentin ihren Dealer an. Moment, wie bitte?

Die Beamten dürften ziemlich erstaunt gewesen sein, als eine 44-jährige Frau Anfang September bei ihnen anrief. Ihr Stoffversorger sei trotz rechtzeitiger Bezahlung einen Tag zu spät angerückt – und hätte dann nicht die richtige Ware dabei gehabt. Das war zu viel – beziehungsweise zu wenig des Guten.

Die Frau war nicht die erste, die da den Notruf wählte: Ein Kokser aus Hildesheim, zwei Kiffer aus Niederbayern und einer aus Darmstadt hatten bereits dieselbe Idee. In allen Fällen ging es um falsche oder ausgebliebene Lieferungen, jedes Mal eröffnete die Polizei anschließend Strafverfahren gegen Dealer und Konsumenten. Das kann einem bei Amazon nicht passieren.

Aber was kannst du wirklich tun, wenn du die Nacht kotzend auf der Clubtoilette verbracht hast, weil der Stoff offensichtlich nicht gut war? Oder wenn dein Dealer dich bescheißt?

Eins vorweg: Alles, was hiernach folgt, soll dich nicht dazu animieren, Drogen zu nehmen. Der Konsum kann dir ernsthaft schaden, wie du hier, hier und hier lesen kannst. Doch du kannst die Risiken besser kontrollieren, wenn du dich vorher schlau machst. Auf einen bösen Absturz muss kein zweiter folgen. Also, was tun?

Fall 1: Du kennst deinen Dealer

Zunächst einmal solltest du den restlichen Stoff entsorgen und nicht noch eine Nase oder Pille nehmen. Zurückgeben oder gar Weiterverkaufen? Ebenfalls keine Option. Das sagt Dirk Grimm von der Drogenberatungsstelle mindzone aus München. Er rät auch grundsätzlich davon ab, bei einem Straßendealer einzukaufen. Die freuen sich in den meisten Fällen nicht über kritische Feedbackgespräche und könnten handgreiflich werden.

Hat man allerdings ein Vertrauensverhältnis zu einem Dealer aufgebaut, kann man das Gespräch suchen. "Ruhig, unaufgeregt und respektvoll" sollte das ablaufen, empfiehlt der Drogenberater. Rumschreien ist keine Lösung. Eine Geld-zurück-Garantie gibt es nirgendwo. Bestenfalls kannst du einen Rabatt für die nächste Fuhre raushandeln; die Frage ist, ob man das Risiko noch ein zweites Mal eingehen will.

Könnt ihr euch trotzdem nicht einigen, suchst du dir am besten einen neuen Dealer. Die Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, sie kontrolliert es auch. Dealer sind auf Kunden angewiesen, und auch darauf, dass diese sie weiterempfehlen.

Fall 2: Du hast online bestellt

Nun ist es aber 2017 und viele Konsumenten beziehen ihren Stoff weder aus einer verqualmten Hochhauswohnung noch beim Kokstaxi: Sie bekommen ihn per Post. Geordert haben sie diese im Darknet, so wie ein 21-Jähriger, nennen wir ihn Fred aus Bottrop. Die Anbieter dort lassen sich genauso bewerten wie ein Dildo-Shop auf Amazon oder Soziologiestudentinnen, die via DaWanda selbstgeflochtene Armbänder verkaufen. "Bevor ich eine Ware bestelle, checke ich immer erstmal die Reputation des Verkäufers", sagt er. "Warum auch nicht, wenn es so ein Feature gibt."


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Aber auch im Darknet gibt es die gleichen Probleme wie bei jedem anderen Onlineversand: Immer wieder sieht Fred Kommentare, die ihn an "Super Ebayer!!!" erinnern. Er sagt, er glaube, die stammen von Leuten, die ihr Urteil bereits absenden, bevor sie die Ware getestet haben. "Da kann der Verkäufer stark gestrecktes Speed verkaufen und bekommt trotzdem eine gute Bewertung, das nervt ein wenig."

Eine negative Bewertung fällt dennoch immer auf. Häufen sich die bei einem Dealer, verschwände dieser auf lange Sicht auch vom Markt, bekräftigt Dirk Grimm von mindzone. Bevor du jetzt aber andere Nutzer warnst und 0 Sterne vergibst, solltest du den Dealer zunächst anschreiben. Denn hier könne eine sachliche Nachricht sogar dafür sorgen, dass du dein Geld zurückbekommst, so Grimm.

Warum Erfahrung (fast) alles ist

Noch besser kannst du dich und andere schützen, wenn du zusätzlich in die öffentlichen Bereiche des Internets schaust. Viele Konsumenten bewerten und diskutieren etwa auf Reddit oder in Drogenforen ihren Darknet-Anbieter. Oder du wendest dich direkt an eine Drogenberatungsstelle. Die Münchner von mindzone bieten eine anonyme Onlineberatung an, sie kostet nichts und die Verbindung ist verschlüsselt. Auf Seiten wie Pill Reports teilen zudem auch deutsche Konsumenten ihre Erfahrungsberichte. Außerdem kannst du deine Drogen zum Beispiel bei checkit! testen lassen.

Dirk Grimm hat noch ein paar weitere Tipps, wie du schon vorab verhindern kannst, dass dein Dealer dich abzockt. Wichtig sei es, Fragen zu stellen: Wie wirken die Drogen? Wie ändert sich die Wirkung in den Stunden, nachdem sie genommen wurden? Was genau ist in den Drogen und wie sollten Konsum und Dosierung aussehen?

Je besser der Dealer dir antworten kann, umso vertrauenswürdiger ist er. Generell gilt: Fange bei neuen Drogen stets mit kleinen Dosen an, stress dich nicht, mische nicht und sorge für eine angenehme Atmosphäre.

Und die Polizei, dein Freund und Helfer, kann sie dir wirklich gar nicht helfen? Nein, sagt Dirk Grimm. "Selbst wenn dir dein Dealer ein Päckchen Salbei statt Cannabis verkauft, hast du dich als Käufer bereits strafbar gemacht." Damit ist niemandem geholfen.

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