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Der Boiler Room Weekender in den USA wurde nach einem Polizeieinsatz abgebrochen

Aufnahmen zeigen ein panische junge schwarze Frau in Handschellen, die von Beamten umringt ist. Zeugen sprechen von unverhältnismäßigen Maßnahmen.

von Anna Codrea-Rado
07 November 2016, 2:46pm

In den frühen Morgenstunden wurde in den USA gestern der Boiler Room Weekender abgebrochen. Mehrere Gäste waren zuvor von der örtlichen Polizei festgenommen worden. Videoaufnahmen, die man Noisey zuspielte, zeigen eine sichtlich aufgewühlte junge schwarze Frau in Handschellen, die von Polizisten umringt wird. Was war passiert?

Die zweite Nacht der Veranstaltung war gerade in vollem Gang, als die Polizei der Frau gegen 2 Uhr morgens Handschellen anlegte und sie in ein Polizeiauto abführte. Das von 3.000 Besuchern besuchte, zweitägige Festival in einem Urlaubsresort im Ort Lake Harmony, Pennsylvania, wurde anschließend für beendet erklärt und die Gäste von Boiler Room-Mitarbeitern dazu aufgefordert, in ihre Zimmer zurückzukehren.

Ein Augenzeuge, der anonym bleiben wollte, sagte, dass die Frau im Vorraum der vom GHE20G0TH1K-Kollektiv kuratierten Bühne anscheinend für den Besitz einer verbotenen Substanz festgenommen worden sei. Der Zeuge sagte weiter, dass die Polizei die junge Frau daraufhin die Treppe hinunter und in einen Polizeiwagen eskortiert hätte.

"Die Leute schrien, rannten durch die Gegend und schubsten die Polizisten fast schon", sagte der Zeuge. "Und dann öffnete einer ihrer Freunde die Tür des Polizeiwagens und der Polizist ist total ausgerastet: 'Was zur Hölle? Du kannst doch nicht einfach die Tür eines Polizeiwagens aufmachen?'" Nachdem Freunde der Verhafteten auf den Vorfall sichtlich aufgebracht reagierten, setzte die Polizei Pfefferspray gegen Festivalbesucher​ein. "Das war's dann", sagte der Zeuge. Die Veranstaltung wurde kurz darauf für beendet erklärt.

Ein Beamter des Kidder Township Police Departments bestätigte gegenüber Noisey, dass im Resort eine Person festgenommen​ wurde. Den Grund für die Verhaftung nannte man uns allerdings nicht.

Von Seiten des Boiler Room Teams hieß es zu Noisey: "Wir haben keine genauen Details darüber, was genau vorgefallen ist, aber um die Sicherheit unserer Künstler und Gäste zu gewährleisten, mussten wir die Veranstaltung beenden."

Angelina Dreem—Gründerin von Powrplnt, einem Kunst und Technologie Raum in Bushwick—filmte den Vorfall. Laut Dreems Instagrams Post erlitt die Festgenommene eine Panikattacke, bevor die Polizei sie in ihren Wagen verfrachtete. "Sie zitterte in der großen Lobby, während alle hilflos zuschauten", schrieb Dreem.

Kip Davis, ein freier Mitarbeiter von uns, der auch vor Ort war, sagte ebenfalls, dass er eine schwarze Frau in Handschellen auf der Treppe gesehen habe, die eine "richtige Panikattacke" hatte. "Ich komme in das Zwischengeschoss der Hauptlobby und sehe diese junge schwarze Frau, die von mehreren Polizisten eskortiert wird", berichtete er. "Sie ist in Handschellen, sie schluchzt. Sie bringen sie die Treppe runter und auf halber Strecke kollabiert sie quasi in einer Art richtiger Panikattacke."

Videoaufnahmen eines anderen Festivalbesuchers zeigen eine schwarze Frau in Handschellen auf der Treppe, umringt von Polizisten, die weint und heftig atmet.

In einem späteren Interview gab Dreem außerdem an, dass sie von einem der Sicherheitsmänner, die in ihrem Instagramvideo zu sehen sind, geschlagen wurde. "Ich drehe mich um, um ihn von hinten zu filmen und er schlägt mir auf die Hand und die Kamera aus der Hand", sagte Dreem. "Ich filme weiter und er sagt: 'Willst du sie begleiten?', und kommt auf mich zu." Laut Dreem ging schließlich ein weiterer Sicherheitsmann​ dazwischen und unterband eine weitere Eskalation.

Eine andere Zeugin, die ebenfalls anonym bleiben wollte, sagte, dass ihr von einer Mitarbeiterin des Resorts das Handy weggenommen worden sei, weil sie die Festnahme filmte.

Die Festivalbesucherin gab an, dass sie eine Frau in Handschellen auf dem Rücksitz des Polizeiautos gesehen habe. "Sie verlangte immer wieder die Dienstnummer und den Namen des Polizisten", sagte sie. "Ich glaube nicht, dass er dem nachgekommen ist. Er schrie sie einfach weiter an."

Die Augenzeugin berichtete weiter, dass ein Freund, der sie begleitet hatte, für die Behinderung des Polizeiwagens verhaftet wurde. Sie sagte aus, dass "mehrere Polizisten" ihren Freund in Gewahrsam nahmen.

"Er war sofort, nachdem sie ihn dazu aufgefordert hatten, von dem Polizeiwagen zurückgetreten. Es gab also keinen offensichtlichen Grund dafür, ihn zu ergreifen und festzunehmen", sagte sie.

"Ich filmte, wie sie ihn packten, und plötzlich wurde ich von dieser Frau geschubst, die mir das Handy aus der Hand schnappte", berichtete die Augenzeugin. "Ich sagte der Polizei, was passiert war, und zeigte auf die Frau, die sich mein Handy geschnappt hatte, und sie drängten mich einfach zurück ins Hotel."

Die Augenzeugin sagte, dass sie ihr Handy später mit einem kaputten Bildschirm wieder zurückbekam. Boiler Room-Mitarbeiter hätten ihr später erklärt, dass es eine Angestellte des Resorts gewesen sei, die ihr das Telefon entwendet hatte. Sie sagte Noisey außerdem, dass die Polizei ihren Freund schließlich wieder freiließ, ohne Anzeige zu erstatten.

Damon, ein weiterer Augenzeuge, berichtete Noisey per E-Mail, dass Polizisten und Sicherheitsleute früher am Abend insbesondere schwarze Gäste ins Visier genommen hätten. Damon wurde Zeuge, wie ein schwarzer Besucher von drei oder vier Polizisten mit Sicherheitsmännern abgeführt und durch die Lobby eskortiert worden war. "Er leistete keinen Widerstand oder gab anderweitig Anlass dazu, ein ganzes Team zu seiner Entfernung aus der Menge zu benötigen", schrieb Damon.

Damon gab außerdem an, dass viele schwarze Gäste, die die GHE20G0TH1K-Bühne besuchten, unverhältnismäßig viele Sicherheitschecks und Abtasten durch die örtliche Polizei über sich ergehen lassen mussten.

Shyboi, eine der Künstlerinnen, die hätte auftreten sollen, schrieb bei Twitter, dass die Polizei Menschen daran gehindert hätte, die Festnahme der Frau zu filmen.

Eine weitere Künstlerin, Bearcat, twitterte, dass die GHE20G0TH1K-Party, die während des Vorfalls in vollem Gange war, ganz besonders von Polizeikontrollen betroffen war.

Dreem widersprach dem jedoch und sagte, dass es bei beiden Räumen Sicherheitschecks gegeben hätte, die Beamten dabei aber unterschiedliche Ansätze verfolgte hätten.

Songwriter und Musiker Spree Wilson, der bereits mit Künstlern wie Afrojack​ zusammengearbeitet hat, sagt, dass die Polizei die Notausgänge ohne Erklärung blockierte.

Andere Künstler, darunter Mike Q von Fade to Mind, DJ Haram und False Witness sprachen sich gegen das Verhalten der Polizei an dem Abend aus.

Der Weekender war die erste mehrtägige Veranstaltung von Boiler Room und wurde von Ray-Ban mitveranstaltet.
Ezra Marcus und Michelle Lhooq halfen bei der Recherche für diesen Artikel.  Wir werden euch auf dem Laufenden halten, sollte es neue Entwicklungen zu diesem Vorfall geben. Dieser Artikel ist zuerst auf THUMP erschienen.​​

Header: Mike Q, hier bei einem älteren Boiler Room Set, konnte wegen des Abbruchs nicht auftreten.

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