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Dieser 31 Jahre alte Graffiti-Film hilft euch, Puber zu verstehen

Im Zuge der laufenden Diskussionen und des Schuldspruchs von Puber haben wir uns noch mal „Style Wars“ angesehen, um viele der offenen Fragen zu beantworten.

von Adrian Aranyos
31 Juli 2014, 10:15am

Screenshot aus Style Wars

Auch eine Woche nach dem Schuldspruch Pubers, der für die Medien und die Öffentlichkeit als Verschandel-Staatsfeind Nummer 1 herhalten musste, bleiben viele Fragen ungeklärt. „Warum schmiert der da an den Wänden rum?“, „Ist das überhaupt Kunst?“ und „Was sagt eigentlich seine Mutti dazu?“ sind nur ein paar der Fragen, die das Unverständnis  gegenüber Puber verdeutlichen.

Zum Glück ist mein Freund und Dauer-Sunny-Boy Hannes der größte Puber-Fan des ganzen Universums. Hannes ist so großer Fan, dass er Puber tausend Euro zahlen würde—also, wenn er überhaupt wüsste, wie er an Puber rankommt—, damit er einfach nur seinen Tag über alte, ebenfalls tausende Euro wertvolle Gemälde im Anwesen seiner Großeltern klatscht—aber was sind schon tausend Euro, wenn man sich einen persönlichen Traum verwirklichen kann? Eben.

Gemeinsam mit Hannes bin ich der Frage "Was will und macht dieser Puber eigentlich?" nachgegangen und liefere nun unseren gemeinsamen, erleuchtenden Erklärungsversuch—in Wirklichkeit sagen wir euch aber nur das, was ihr alle schon wisst, weil ihr ja auch schon 1000 mal Style Wars gesehen habt, nämlich das Offensichtliche.

Oft findet man die Antworten auf aktuelle Fragen weit in der Vergangenheit, da wir uns geschichtstechnisch auf einer kaputten Schallplatte in Endlosschleife befinden und aus unseren Fehlern so wenig lernen wie Kanye West, der seinen megalomanischen Egotrip sogar, nachdem ihn Barrack Obama als „Jackass“ bezeichnet hat, forsetzt.

In diesem Fall bekommen wir unsere Antwort jedenfalls klar und deutlich in der TV-Doku Style Wars von Tony Silver serviert. Es gibt eine Unmenge an guten, einflussreichen Graffiti-Filmen, aber Style Wars ist ein absoluter Klassiker und veranschaulicht die Absichten der Sprayer, die Meinung der Öffentlichkeit und zeigt die Anfangsjahre einer Szene, die heutzutage nicht aus unserer Popkultur wegzudenken ist.

Ein Puber hinter Gittern beim Wiener Flex. Foto von VICE Media

STYLE WARS

New York, 1983.  Graffiti steckt in den Kinderschuhen. Eine Zeit, in der wir noch nicht vom Internet geknechtet waren, Fotos noch in Alben eingeklebt wurden und dystopische Filme wie Mad Max, Blade Runner und Escape from New York das Zukunftsbild der (ungewollten) Jugend ruiniert haben.

„Du bekommst einen Namen und musst etwas damit machen“, so ein junger Graffiti-Writer. Dir sind keine Grenzen gesetzt.

Im Wesentlichen unterscheidet der Film, der sich neben Graffiti auch der Rap- und Breakdance-Szene als Teile der heiligen Hip-Hop-Dreifaltigkeit widmet, zwischen zwei Arten von Graffiti-Writern: Artists und Bomber.

Einer dieser Bomber und gleichzeitig Hauptbösewicht von Style Wars ist „Cap“, ein zirka 30-jähriger Weißer, der mit seinem Schnurrbart und Vokuhila aussieht, als wäre er neben dem Graffiti-Bomben auch als Pornodarsteller unterwegs. „Cap“ ist die Zerstörung in seiner Reinform. Ein King, der seinen Tag in der ganzen Stadt, also all-city, sehen will. Er will immer mehr, kann nicht aufhören.

Für die jungen Sprayer in der Doku ist „Cap“ ein Mythos, eine Legende. Niemand weiß, wie er aussieht, aber alle schwören, dass sie ihn natürlich gleich umbringen würden, wüssten sie bloß, wer sich hinter den mysteriösen drei Buchstaben verbirgt.

Wenn Skeme in Style Wars von seinem neuen Whole Car-Piece „all you see is crime in the city“ spricht, erinnert mich das hieran:

All you see is Puber. Wien, Matzleinsdorferplatz. Foto von VICE Media

Wer jetzt noch immer denkt, Puber sei ein gelangweilter Verschandler öffentlichen Eigentums ohne Plan, bei dem wird es wohl gar nicht mehr klingeln. Puber handelt aus einem Drang, fühlt sich bestimmt, seinen Namen in der ganzen Stadt zu sehen und macht dabei vor nichts halt. Puber ist ein wandelnder Anachronismus, der eine andere Zeit repäsentiert—die Zeit von Style Wars.

Die Antwort auf die Mahnung des Berzirksvorstehers folgte schon am nächsten Tag: ein Puber-Tag. Foto von VICE Media

Taki 183 hat es populär gemacht, Puber führt es weiter, er ist Graffiti-Bomber. Ob man Puber allgemein als Künstler bezeichnen sollte, hängt natürlich von eurem individuellen Kunstbegriff ab. Da man aber meiner Meinung nach nicht einfach wahllos irgendwo Grenzen ziehen sollte und stattdessen versuchen sollte, sein Verständnis von Kunst in ihren vielen verschiedenen Facetten zu erweitern, ist die Antwort, auf die Frage, ob Puber ein Künstler ist, für mich ein eindeutiges Ja—und ich würde mir den Schwanz abschneiden und ihn aus dem Fenster eines fahrenden Autos werfen, wenn Puber nicht mindestens 20 mal Style Wars gesehen hat.

Style Wars ist eine Dokumentation von Tony Silver, die gedreht wurde, als viele von euch nicht mehr als ein Glitzern in den Augen eurer jungen Eltern waren—richtig alter Shit also. Wenn ihr von Style Wars bis zu diesem Tage also noch nichts gehört habt, dann ist es höchste Zeit, aus eurer Höhle zu kommen, euch ein bisschen Gras zu holen, aufs Sofa zu pflanzen und diesen TV-Doku-Klassiker zu genießen—denn der Scheiss, um den es hier geht, ist auch 30 Jahre später noch aktuell wie nur sonst was.

Adrian auf Twitter: @doktorSanchez

An dieser Stelle sagen wir euch natürlich noch, wo es diese Woche besonders Spaß macht:

DONNERSTAG

Heute ballern euch Raekwon und Illmindz in der Grellen Forelle ab 19:30 Uhr fetten Hip-Hop um die Ohren. Und wäre das nicht schon cool genug, verlosen die Jungs von Noisey Tickets für das Event!

FREITAG

Das große Fressen in der grellen Forelle. Beim Foodie Day hosted by Brilliantengrund könnt ihr euch kulinarisch verwöhnen lassen. In Stellvertretung der philippinischen Hotel-Mama bezaubern euch die Chef(koch)s diesmal höchstpersönlich mit brillanten Köstlichkeiten aus den Philippinen.

Außerdem beginnt heute das großartige Stuck! Festival. Was es zu beachten gibt, lest ihr hier.

SAMSTAG

Bock auf Party mit Tingel Tangel? Natürlich! Es findet in der Prater Hauptallee das große Tingel Tangel Tennis Turnier 2014 statt, das normalerweise in einem "Jede/r gegen Jede/n auf Zeit" hinausläuft. Abgerundet wird der Tennistag mit einer Outdoor-Party mit dem Tingel Tangel Mobil.

MONTAG

Am 4. August um 20 Uhr gilt es, bei KINO AM DACH zu sein, und sich 12 O'Clock Boys (in OV ohne Untertitel) anzusehen (Trailer hier). Auf diese lässige Dirt-Biker-Doku haben wir auch schon in unserem Artikel zur Crème de la Crème des Sommerkinos hingewiesen und freuen uns schon einen Ast ab!

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