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Rechte Medien

Schweizer Rechtsextreme schreiben beim 'Postillon' ab

Das Blatt 'Recht+Freiheit' schreit Lügenpresse und macht selber Fake News.

von Kamil Biedermann
12 Februar 2018, 4:31pm

Foto links: Screenshot von 'Der Postillon' | Foto rechts: Symbolbild Neonazis von Antifa Bern auf Twitter

2.7 Millionen Menschen folgen auf Facebook der deutschen Satire-Zeitung Der Postillon, die in den vergangenen Jahren für ihre kreativen, aber völlig erfundenen Meldungen Kultstatus errang. Eigentlich müsste 2018 auch der hinterletzte Internetnutzer bei allzu absurden Headlines automatisch die URL der Quelle anschauen und checken, ob darin der Postillon erwähnt wird. So auch beim Artikel "USA kündigen Teilverkauf der BRD GmbH an", der bereits 2015 beim Postillon erschien.

Diese Alarmglocken hat die rechtsextreme Schweizer Zeitung Recht+Freiheit wohl noch nicht aufgehängt. Zu gut passte die Meldung wohl in ihr Weltbild, wonach die USA "Teile von Deutschland verkaufen wolle". Die Theorie, dass der deutsche Staat keine Legitimation habe und eine GmbH sei, ist in rechten Kreisen und bei Reichsbürgern besonders beliebt. Wie der Postillon selbst auf seinem Twitter-Profil schreibt, übernahm Recht+Freiheit ganze Passagen sowohl direkt, als auch sinngemäß und verwies dabei auf die gar nicht existierende, vom Postillon erfundene, Nachrichtenagentur "dpo" – die wohl nicht ganz zufällig Ähnlichkeit zur wirklich existierenden Deutschen Presse-Agentur "dpa" hat.

Die Aussage "Als mögliche Top-Interessenten gelten China, die Illuminaten, die jüdische Familie Rothschild" druckte die Zeitung ab, schnitt aber den letzten Teil "und ein Konsortium in der Antarktis lebender Nazis" ab. Warum der Autor des Textes bei dieser Passage nicht merkte, dass er da vielleicht völligen Schwachsinn abschreibt, bleibt wohl sein eigenes Geheimnis.

Hinter der Zeitung Recht+Freiheit steht der Verein "Presseclub Schweiz" aus Basel und ist nicht zu verwechseln mit dem Schweizer Presseclub in Genf. Gemäß dem Beobachter ist der Vereinsvorsitzende Publizist Ernst Indlekofer wegen mehrfacher Rassendiskriminierung verurteilt. Die Webseite im 90er-Jahre-Look bleibt der stramm rechten Linie konsequent treu: Statt Anglizismen zu verwenden, schreibt "Recht+Freiheit" von "Weltnetzinformationen" und "Heißen Links zu anderen Webseiten". Eines der Hauptanliegen der Zeitung ist "die Bewahrung der Schweiz vor dem Anschluss an marxistische Machtstrukturen". Neben Einwandererhass, Holocaust-Bezweiflung und einer Menge Verschwörungstheorien schreibt "Recht+Freiheit" besonders gerne gegen die "Lügenpresse" an. Dumm nur, wenn man selbst ein Teil davon ist und offensichtliche Satire als bare Münze verkauft – aber wen scheren schon valide und wahre Quellen, wenn sogar die beliebteste Partei der Schweiz in Fakten-Checks ständig gnadenlos durchfällt.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE CH.

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