Ex-Chefarzt verabreichte Frauen Kokain über seinen Penis

Der Mann aus Halberstadt mischte das Koks sogar in Lippenstift und Zahnpasta. Als ein Opfer ihn zur Rede stellte, sagte er: "Trau keinem Junkie!"

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29 Jänner 2019, 11:22am

Justitia: imago | photocase || Kokain: Grey Hutton || Collage: VICE

Als die beiden Sanitäter an der Adresse in Halberstadt eintrafen, lag die Frau bereits leblos vor dem Bett, unbekleidet, ohne Atmung und Puls. Es war der 20. Februar 2018. Der Anrufer, ein damals 42-jähriger Mann, öffnete den Rettungskräften in T-Shirt und Boxershorts die Tür. Einer der Sanitäter, der die Ereignisse acht Monate später vor Gericht beschrieb, sagte aus, dass der Mann "ruhig" war, der andere beschreibt ihn als nervös. Das berichtet die Mitteldeutsche Zeitung . Die Frau, eine 38-Jährige aus Schönebeck, starb wenig später nach diesem Einsatz im Krankenhaus. Todesursache war eine Überdosis Kokain, die ihr der Mann zuvor beim Sex verabreicht hatte. Ohne ihr Wissen.

Der Anrufer war Dr. Andreas N., ein ehemaliger Chefarzt aus Halberstadt im Harz. Fünf Frauen machte er mit Drogen gefügig, damit sie mit ihm schliefen. Entweder mit K.O.-Tropfen oder Kokain, das er ihnen teilweise über seinen Penis verabreichte. Das Landgericht Magdeburg verurteilte ihn am Montag wegen Körperverletzung mit Todesfolge und mehreren schweren Vergewaltigungen zu neun Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Einen Teil der Strafe muss der Mediziner wegen seiner Kokainsucht in einer Entzugsanstalt verbringen. Drei der Opfer muss er Schadensersatz zwischen 5.000 und 8.000 Euro zahlen.


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Die Anklage hatte insgesamt zehn Fälle zwischen September 2015 und Februar 2018 aufgelistet. Verhandelt wurden nur fünf. Manche Opfer waren Patientinnen oder Angestellte des Arztes. Vor Gericht beschrieb die ehemalige Sekretärin des Verurteilten ihn laut MZ als "sehr aufgeschlossen, nett, witzig in seinen Äußerungen". Der Täter war Privatdozent, plastischer Chirurg und Chefarzt an einem Klinikum in Halberstadt. Die Frauen hatten nach der Überzeugung des Gerichts einvernehmlichen Sex mit dem Verurteilten, doch konnten sich manche durch den Rausch nicht dagegen wehren.

Mehrere Male bestrich der Arzt vor dem Oralverkehr seinen Penis heimlich mit Kokain. Einer Frau mischte er Koks in die Cola, sie habe daraufhin halluziniert und sich danach gegen den Sex nicht wehren können. Einer anderen führte der Arzt seinen mit Koks beschichteten Finger ein.

Der Mediziner nutzte verschiedene Maschen, um den Frauen Drogen zu verabreichen. Mehrere Male bestrich er vor dem Oralverkehr seinen Penis heimlich mit Kokain. Ein Opfer berichtet, dass der Arzt ihr ein "Aphrodisiakum" anbot, in einem anderen Fall versteckte er Koks in Lippenstift und Zahnpasta. Einer Frau mischte er Koks in die Cola, sie habe daraufhin halluziniert und sich danach gegen den Sex nicht wehren können. Einer anderen führte der Arzt seinen mit Koks beschichteten Finger ein, woraufhin sie Herzrasen und Schwindelanfälle bekommen habe. Später mischte er ihr noch heimlich Koks ins Sektglas, obwohl der Verurteilte versprochen hatte, es nicht zu tun. Als das Opfer ihn darauf zur Rede stellte, sagte er nur: "Trau keinem Junkie." Vor Gericht berichtete die Frau, durch die Nebenwirkungen des Kokains zwei Verkehrsunfälle verursacht zu haben.

Dass der Arzt tatsächlich süchtig war, belegt ein Drogengutachten. Der Rechtsmediziner stellte bei der Haarprobe des Verurteilten eine hohe Konzentration von Kokain fest, einen "Spitzenwert", den er davor noch nie festgestellt habe. Dieser Wert komme durch "massiven und täglichen Konsum". N. soll schon zu seiner Studienzeit drogenabhängig gewesen sein. In einer Erklärung vom Montag kündigte er an, sich in eine Langzeittherapie zu begeben, wenn nötig auch in der Sicherungsverwahrung.

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