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Erregung öffentlichen Ärgernisses

Ted Cruz liket einen Porno bei Twitter und das Internet kocht über

Der erzkonservative Senator von Texas wollte einst Sexspielzeug verbieten lassen. Hat er sich nun vor aller Welt einen runtergeholt? Eine Analyse.

Joel Golby

Joel Golby

Screenshot: via Twitter

In der Nacht auf Dienstag, um ein Uhr morgens, geschah das Unfassbare: Ted Cruz, der sonst so erzkonservative Senator von Texas, likte bei Twitter ein Posting des über 600.000 Follower starken Accounts @SexuallPosts. Pflichtbewusst, wie ich nun mal bin, weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass der Link NSFW ist. Nicht mal ich schaue mir sowas im Büro an und ich arbeite bei VICE.

Für diejenigen, die sich das von Ted Cruz gelikte Filmchen gerade nicht geben können, fasse ich kurz die Handlung zusammen: Die blonde MILF-Protagonistin kommt zurück nach Hause, wo sich ein junges Pärchen ganz ungeniert auf dem cremefarbenen Sofa vergnügt. Anstatt zu fragen "Wer seid ihr und was macht ihr in meinem Haus?" oder die Polizei zu rufen, entledigt sich die Frau jedoch ihrer Klamotten und fängt an, erregt die Wand entlangzuaalen. Eigentlich genau die Art Porno, die man von Ted Cruz erwarten würde: Eine prüde angezogene Frau mit Intimbehaarung schleicht sich wie ein eiskalter Killer durchs Haus.

Dennoch wirft der ganze Zwischenfall einige Frage auf:


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Hat sich Ted Cruz wirklich einen runtergeholt?

Ich denke schon. Auf jeden Fall. Definitiv! Zwar hat der Politiker schon eine Erklärung abgegeben: Angeblich führte ein "Problem mit den Mitarbeitern" dazu, dass jemand versehentlich den Like-Button geklickt hat. Aber wirklich überzeugend klingt das für mich nicht. Nein, Ted Cruz hat sich mit Sicherheit einen von der Palme gewedelt.

Ist es wichtig, dass das Ganze am 11. September passierte?

Ich finde es sehr interessant, dass Ted Cruz das gerade am 11. September, einem der wichtigsten Trauertage in den USA getan hat. Ich persönlich habe nämlich schon Probleme, an Weihnachten oder an Ostern zu onanieren, weil diese Tage irgendwie etwas Heiliges an sich haben – etwas, das man nicht durch einen schmutzigen Akt wie Selbstbefriedigung kaputt machen sollte. Ted Cruz hat damit anscheinend jedoch kein Problem. Und das wirft wiederum folgende Frage auf: Zu welcher Art Monster macht ihn das?

Ist es überhaupt wichtig, dass selbst Ted Cruz einen Sexualtrieb besitzt?

Irgendwie schon. Ted Cruz ist nämlich der wohl christlichste Christ dieser Welt und hat sich vor nicht allzu langer Zeit lautstark dafür eingesetzt, die Sexualität anderer Menschen zu beschneiden. Ein Beispiel: 2007 half Cruz dabei, ein 76-seitiges Dokument aufzusetzen, das ein gesetzliches Verkaufsverbot von Sexspielzeug in Texas verteidigte. Wer gegen dieses Verbot verstieß, sollte bis zu zwei Jahre im Knast landen. Die Argumentation sah dabei folgendermaßen aus: Es gäbe kein Recht, die Genitalien außerhalb einer Beziehung aus Gründen zu stimulieren, die weder medizinischer Natur sind, noch der Fortpflanzung dienen.

Zwar wurde dieses Verbot nie durchgesetzt, aber eine Sache haben wir aus der Sache trotzdem gelernt: Ted Cruz will offensichtlich nicht, dass Menschen onanieren. Aber er selbst darf das? Geht es noch scheinheiliger? Lieber Ted, wer im Glashaus sitzt, sollte sich nicht nachts um eins die Pfeife ausklopfen.

Lernen Männer über 40 eigentlich nie dazu?

Ted Cruz ist nicht der einzige Vater mittleren Alters, der nicht weiß, dass seine frivolen Twitter-Likes für alle sichtbar sind. Erst vergangenen Monat erwischte es auch Ex- Top Gear-Star Jeremy Clarkson, der während seines Krankenhausaufenthalts zwei Porno-Tweets likte. Als schließlich schon das halbe Internet Bescheid wusste, veröffentlichte er eine etwas zweifelhafte Erklärung: "Heute früh habe ich eine wertvolle Lektion gelernt: Lasse niemals dein Handy herumliegen, wenn Betrunkene anwesend sind." Wer kennt sie denn nicht, diese fiesen Betrunkenen, die sich dein Handy schnappen, zwei Tweets von unterschiedlichen Nischen-Porno-Seiten aufrufen, diese anschließend schnell liken und sonst keinen anderen Schabernack mit deinem Smartphone anstellen.

Noch bevor der Morgen angebrochen war, hat die Kommunikationsdirektorin von Cruz übrigens schon das gute alte "Das waren bestimmt Hacker"-Statement veröffentlicht:

Ich würde gerne wissen, wie die Beschwerde-Mail an Twitter in diesem Fall aussieht. Vielleicht ja so: "Hey Twitter, hier ist gerade etwas Komisches passiert: Hacker haben den Account von Ted Cruz übernommen, aber anstatt problematische Inhalte zu posten, likten sie nur um ein Uhr nachts einen Porno-Tweet und loggten sich anschließend wieder aus. Könnt ihr da mal nachforschen?"

Eigentlich sollte man in einem solchen Alter doch aus den Fehlern anderer Menschen lernen. Vollkommen falsch. Wir werden uns noch bis zum Ende aller Tage über Männer wundern, die ihre Wichsvorlagen unabsichtlich öffentlich machen.

Wer muss für Ted Cruz den Kopf hinhalten?

Wie bereits erwähnt, hat der Politiker schon eine "Erklärung" für den Zwischenfall geliefert. Damit ist die Sache für ihn wahrscheinlich abgehakt und es bleibt bloß noch die Frage, welcher Praktikant nun als Sündenbock herhalten muss. Stell dir mal vor, du wirst entlassen, nur weil dein Boss sich im Rausch der Selbstbefriedigung nicht beherrschen konnte!

Ich erkläre mir das ganze Szenario folgendermaßen: Ted Cruz hat sich auf seinem Handy einen Porno angeschaut und dabei versucht, ins Bild reinzuzoomen. Also tippte er zweimal auf den Bildschirm, was das Video unbemerkt mit einem Like seines Twitter-Accounts versah. Nach dem Höhepunkt fielen ihm erschöpft die Augen zu und er driftete ins Reich der Träume, während in der Realität der Skandal seinen Lauf nahm. Wie hochrot ist der ansonsten erzkonservative Senator von Texas wohl angelaufen, als seine Frau von all dem erfuhr.

Schon ein Wunder, dass Ted Cruz nicht der erste Mensch war, der sich wortwörtlich zu Tode geschämt hat.

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