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Popkultur

Diese vier 'How I Met Your Mother'-Weisheiten haben meine Jugend gerettet

Das Beste an den Geschichten der fünf New Yorker ist, dass ich immer das Gefühl hatte, sie könnten die Fragen beantworten, die auch ich mir gestellt habe.

von Lena Müller
04 Dezember 2019, 1:37pm

Foto: imago images | Mary Evans

Ein Herbsttag, irgendwann zwischen 2010 und 2012. Schulschluss. Ich öffnete die Tür zum Haus meiner Eltern und: Leere. Ich war 16 Jahre alt und wie immer alleine. Mein Schultag war scheiße, wie der davor, und der davor. Während ich mir eine Packung Fertignudeln in der Küche aufriss, überkam mich Trauer. Meine Eltern hatten sich getrennt. Außerdem hatten sie entschieden, sich auf sich zu konzentrieren. Ich musste alleine mit meinen miserablen Noten, ihrer Scheidung und meiner Pubertät fertig werden. Als ich zum tausendsten Mal vor Hilflosigkeit laut losbrüllen wollte, doch kein Ton aus meinem Mund kam, erinnerte ich mich an eine Lebensweisheit, die ich von How I Met Your Mother gelernt hatte: "Wenn ich traurig bin, hör ich einfach damit auf. Und bin stattdessen super drauf!" Wie Recht Barney doch hatte. Ändern konnte ich an meiner Situation eh nichts.

How I Met Your Mother ist eine dieser Serien, die nie alt werden, weil ihre Probleme es auch nicht werden. Ted ist die Hauptperson. In einer Rückblende aus dem Jahr 2030 erzählt er seinen Kindern, wie er ihre Mutter kennenlernte. Dabei spielen seine vier besten Freunde entscheidende Rollen: das Traumpaar Lily Aldrin und Marshall Eriksen, Frauenheld Barney Stinson und Nachrichtensprecherin Robin Scherbatsky. Sie treffen sich jeden Abend in ihrer New Yorker Stammkneipe, dem MacLarens. Es geht um die Suche nach der großen Liebe, schmerzhafte Trennungen, Singlesein in der Großstadt, wahre Freundschaften, Karrieren und um verkorkste Verhältnisse zu den eigenen Eltern. Obendrauf gibt’s noch die popkulturellen Bestzeilen, die mir nicht nur in schwierigen Situationen meinen Weg gewiesen haben, sondern bis heute in mein Gedächtnis gemeißelt sind.

Es ist irgendwann überhaupt nicht mehr wichtig, ob du beschissene Eltern hast

Mit 16 schämte ich mich für meine Eltern. Ich schämte mich für ihren Rosenkrieg und dafür, dass sie mich alleine ließen. Dass es nicht normal war, wie sie sich verhielten, konnte ich an den entsetzten Reaktionen meiner Freundinnen und Freunde ausmachen, wenn ich erzählte, was bei mir zu Hause abging. Also entschloss ich mich lieber zu schweigen. Abfinden wollte ich mich mit meinem Schicksal jedoch nicht – ich wollte es besser machen. So wie Robin! Ihr Vater hatte als erstes Kind auf einen Sohn gehofft, weswegen er sie von Geburt an wie einen Jungen behandelte. Damit hatte Robin zwar ihr Leben lang zu kämpfen, doch statt sich einem klassischen Vaterkomplex hinzugeben, wurde sie eine starke Karrierefrau. Sie war Nachrichtensprecherin bei einem lokalen TV-Sender und schien emotional oft unerreichbar, da sie Romantik und Kinder verpönte. Irgendwann sagte Ted zu ihr: "Robin, du brauchst keinen Daddy. Du bist dein eigener Daddy!" Das imponierte mir. In diesem Moment nahm ich mir vor, stark genug für mich alleine sein zu wollen. Robins Freunde haben sie als Menschen anerkannt, unabhängig davon, wie sie und ihr Vater miteinander auskamen. Und das nur, weil sie ihre Verletzlichkeit in Stärke umwandelte und sich vom gestörten Verhältnis zu ihrem Vater löste. Genau das wollte ich auch erreichen.

Und es gelang mir: Entgegen der pessimistischen Zukunftsprognosen meiner Lehrer und Eltern zog ich nach dem Abitur von meiner Heimatstadt Hannover nach Hamburg und erfüllte mir meinen Traum: Ich wurde Journalistin. Und zwar ohne nennenswerte Unterstützung. Ich befreite mich von allem, was war, vertraute ausschließlich auf mich selbst und arbeitete hart. Ich war "mein eigener Daddy" und wandelte meine Verletzlichkeit in Stärke um – so wie Robin.

Bin ich heute zu Besuch in meiner alten Heimat und treffe auf der Straße zufällig alte Mitschülerinnen oder gar meine Lehrer, klopfen sie mir anerkennend auf die Schulter. Auf einmal wollen sie gewusst haben, dass aus mir ja noch was werden würde.

"Peinlichkeitsregel Nummer 1: Es ist nur peinlich, wenn wir Peinlichkeit zulassen!" – Marshall

Marshalls Peinlichkeitsregel half mir, meine Schulzeit durchzustehen. Ich war eine Null in Mathe, was auch die Punktzahl meiner meisten Klassenarbeiten war. Ganz zur Freude meiner überehrgeizigen und überprivilegierten Mitschüler. Zwar teilte mir das Leben ein ähnliches gutes Kartendeck wie ihnen aus, doch mithalten konnte und wollte ich nie mit ihren teuren Klamotten, ihren luxuriösen Reisen und ihren nagelneuen Autos, die später vor den Toren unserer Schule standen. Doch als meine Eltern sich trennten, bekam ich neue Karten ausgeteilt: Ich zog mit meiner Mutter in eine kleine Wohnung, in ein anderes Viertel, arbeitete nach der Schule und in den Sommerferien an der Kasse oder im Café und versuchte, größtenteils auf eigenen Beinen zu stehen. Für meine Mitschülerinnen war das ein sozialer Abstieg. Die Folge: gesellschaftlicher Tod in ihrer Welt. Ab diesem Moment war ich nicht mehr bloß das hübsche, leicht doofe Blondchen aus der letzten Reihe, das ohnehin nicht richtig rechnen konnte, sondern obendrein ein armes Mädchen, das es von nun an nötig hatte, neben dem Schulunterricht arbeiten zu müssen.

Ich fühlte mich dumm, war frustriert und schämte mich wieder einmal. Im Unterricht bekam ich kein Wort mehr raus. Bis Marshall irgendwann diesen Satz sagte: "Es ist nur peinlich, wenn wir Peinlichkeit zulassen!"

Dank ihm verstand ich, dass es mir nicht peinlich sein musste, nicht so gut wie meine Mitschüler rechnen zu können, genauso wenig wie mir meine Lebensumstände zu dieser Zeit peinlich sein mussten. Ich ließ die Peinlichkeit einfach nicht mehr zu und entmutigen ließ ich mich auch nicht mehr. Stattdessen fing ich an, zu meiner Person zu stehen. Die anderen waren es, die peinlich waren. Schließlich lachten sie mich für meine vermeintlichen Schwächen aus. Das machte sie schwach und nicht mich. Ich konzentrierte mich im Unterricht ausschließlich auf mich, blendete die anderen und meine Unsicherheiten aus und konnte so meine Mathenote von einer glatten Fünf auf eine Drei verbessern. Was ich übrigens mit Hilfe meines unermüdlichen Mathe-Nachhilfelehrers nicht geschafft hatte. Er konnte mir zwar einiges über Sinuskurven beibringen, mir aber nicht mein Selbstbewusstsein im Unterricht zurückgeben.

"Was immer ihr im Leben treibt, es ist nicht legendär, wenn eure Freunde nicht da sind, um es zu sehen" – Barney

Freunde sind Lebenselixier. Auch das lernte ich von How I Met Your Mother. Gemeinsam durchlebten Lily, Marshall und Co. ihre Zwanziger: Sei es die zeitweilige Trennung der beiden oder die Liebesbeziehung zwischen Robin und Barney oder Robin und Ted. Selbst wenn die Fünf ihre Gruppe am Ende wähnten, fanden sie immer wieder zusammen. Täglich trafen sie sich zum Biertrinken und Abhängen in ihrer Stammkneipe. So gaben sie mir nicht nur eine Vorstellung von enger Freundschaft, sondern auch davon, welche Art von Freunden ich mir für mein Leben wünschte: Ich wollte mich mit Menschen umgeben, von denen ich nie genug bekommen konnte, die mich in und auswendig kennen, vor denen ich mich für nichts zu schämen brauche, die jedes Abenteuer mitmachen und für mich da sind – komme, was wolle. Vor allem in meiner Pubertät hat mir dieser klare Blick eine Menge falsche Freunde erspart. Lieber fühlte ich mich alleine, als mich mit den Falschen zu umgeben. So entschied ich mich, mit niemanden von meiner Schule befreundet sein zu wollen. Ich suchte schließlich Freunde fürs Leben, keine oberflächlichen Pausenfüller. Und diese Freunde fürs Leben fand ich – an anderen Schulen. Sie gehören heute, zehn Jahre später noch zu meinen engsten Vertrauten. Blicke ich auf die Schulcliquen meines alten Jahrgangs, hat fast keine von ihnen überdauert.

"Letztlich können wir alle nur versprechen, einander mit allem zu lieben, was wir in uns haben" – Ted

Ted als hoffnungsloser Romantiker, auf der Suche nach der Mutter seiner Kinder. Barney als Frauenheld. Marshall und Lily als modernes Traumpaar und Robin als kühle Karrierefrau haben mir alle Facetten der Liebe präsentiert. Wie verhält man sich, wenn der beste Freund in die Traumfrau verliebt ist? Frag doch Ted! Was, wenn Selbstverwirklichung doch wichtiger als gemeinsames Glück ist? Lily weiß es! Ist es möglich, jung zu heiraten und dabei cool zu bleiben? Marshall und Lily sind der Beweis dafür! Liebe war der zentrale Angelpunkt der Serie, nicht anders ist es doch in der Realität.

Selbst wenn mein 16-jähriges Ich ein ziemlich zerstörtes Bild von Liebe und Beziehungen hatte, bewies How I Met Your Mother mir: Liebe macht alles möglich. Was mich besonders geprägt hat, ist die Unvoreingenommenheit der einzelnen Liebesgeschichten. Das wollte ich auch! Unvorhersehbare, aufrichtige Liebe. Es gab sie anscheinend doch – und wenn erstmal nur in How I Met Your Mother – aber es gab sie.

Warte nicht auf dein Glück! Geh los und nimm’s dir!

"Warte immer drei Tage, bevor du dein potentielles Date anrufst!", lautet Barneys "Dreitage-Regel", die er mit der Wiederauferstehung von Jesus rechtfertigt. Ted ignorierte diese Regel bewusst. Er wollte eine Frau, die ihn um seinetwillen mag und nicht, weil er sich verstellt und drei Tage wartet, um sie anzurufen. Ted ließ keine Zeit verstreichen, um die Mutter seiner Kinder und damit sein Glück zu finden. Stattdessen zog er los, suchte es, nahm es sich und blieb sich selbst auf diesem Weg treu. Und das ist wohl die wichtigste Regel, die ich von How I Met Your Mother gelernt habe: Es geht nicht darum, was dir irgendwann mal widerfahren ist, es geht darum, was für ein Mensch du bist. Nur du zählst. Lass Vergangenes los und schau in die Zukunft. Warte nicht auf dein Glück! Geh gefälligst los und hol es dir, denn nur du kannst deinen Weg bestimmen. Bleib dir selber treu, vertrau auf dich. Und wer dich nicht liebt, wie du bist, hat dich nicht verdient.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.

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